Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 395 (26.10.1934)
- Date
- 1934-10-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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$«!te 2 DII ITIMMI Nr. 395 — 80. Oktober 1934 Besuchet Eminsers Gaststätten am Praterstern! tniii!!iin!!ni:iiMiiiiiiifini:!i!!iii!i!iiiii!iiii:iii!!!iiii!iiiiiin;i!:iiiiiiiiii,:inm!iM ..iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiniiiimiiiiiiiiiiiimmiiiiMiiiiiwimimwiiiiiitiiimiiiiiiiiliiiMiimiHiiiniiiiiiiiiwiiiiiiiiwiliiliiiiiiiiniiw Saargebiet lebenden Juden 3500, also' Dritte Reich sich bei Katholiken und Juden 70 Prozent, sich darauf vorbereiten, im Fall j die Gelder wieder holen wird, die eg an eines Hitler-Sieges das Gebiet zu verlassen. Es sind ja nicht nur Wohlhabende, sondern auch ganz Mittellose unter diesen prä-sumptiven Flüchtlingen. Wohin werden sie sich wenden? Die offiziellen französischen Juden haben bereite klar zu verstehen gegeben, daß ein weiterer Zuzug von deutsch sprechenden Juden nach Frankreich uner wünscht ist. Wir wollen hoffen, daß die französische Regierung einer anderen und besseren Meinung sein wird. Was aber wird mit dem voraussichtlich unter allen Umständen an der Saar verbleibenden Rest von etwa 1500 Juden geschehen? Eine schwere, eine bange Frage. Dieser Rest aber muß bleiben, er kann nicht fort, er ist durch zahlreiche Gründe an die Scholle gefesselt. Alter. Krankheit und Armut sind die hauptsächlichsten. Diese traurigen Qualitäten werden noch zusätzlich belastet durch das Judesein dieses Restes. Man fragt vergebens, ob es da keine Rettung, keine Hilfe gibt. Die Gefragten zucken die Achseln, nicht aus Gleichgültigkeit, sondern vor Ratlosigkeit. „Und wenn es nur einen Gerechten gibt in Sodom und Gomorrha, so sollen diese Städte verschont bleiben“, spricht der Herr. „Und wenn es sich um unverschuldetes, vorauszusehendes Unrecht, begangen nur an einem einzigen Menschen wegen seines Judentums handelt, so sollten alle Juden der Welt und mit ihnen alle gerechten Menschen die Sache dieses einzelnen zu der ihrigen machen“, so verlangt es das ewige, unbestechliche, all menschliche RechtsgefühL der Saar für Propagandazwecke aufwenden mußte. Sie wissen, warum die Deutsche Reicbsregierung schon jetzt erklären läßt, daß sie keine Garantien anerkennen und keine Verpflichtungen eingehen wird. Die Souveränität dos Deutschen Reiches an der Saar bedeutet das freie Spiel der braunen Kräfte mit Gummiknüppel, Ochsenziemer, mit Brandbomben und Maschinengewehren ...“ Tagung der Vertretersdiaft der englischen Judenheit London, 23. Oktober. (2. T. A.) Jewish Board of Deputies (Vertre- GASTSTÄTTE FÖR JEDERMANN iKärtnerslrajse Nr 61 Besitzer Otto Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Otto Kaserer Die Juden im Saargebiei Saarbrücken, 22. Oktober. (2. T. A.) Ein führender Kopf der nationalsozialisti sehen Gruppe innerhalb der Deutschen Front hat dieser Tage der Meinung Ausdruck gegeben, es sei nun an der Zeit, daß eich die saarländischen Juden durch den Mund ihrer Führer — genannt wurden zwei bekannte jüdische Juristen — rückhalts- und bedingungslos für die Rückgliederung an Deutschland erklärten. Denn das saar ländische Judentum sei doch deutsch. Die Unbedingheit eines solchen Bekenntnisses würde die Situation klären und der Führer werde sich gegebenenfalls durch gewisse Sonderkonzessionen gegenüber den saarländischen Nichtariem zu revanchieren wissen. Die Großmut des Führers (Hitlers) sei bekannt, aber die saarländischen Juden müßten sich darüber Rechenschaft geben, was sie erwartet, falls nicht die 97 Prozent der Stimmen, mit denen die Reichsregierung rechnet, für die Rückgliederung in die Urne fallen. Dazu nimmt die Saarbrückener Wochenschrift „Westland“ u. a. wie folgt Stellung: „Die Juden an der Saar stehen vor der Frage: für oder wider Hitler. Sie sind und bleiben Deutsche. Aber sie wären Narren, wollten sie mit dem Stimmzettel für Deutschland ihr eigenes Todesurteil unterschreiben. Sie wissen, daß Goering für den Fall des Sieges seinen S.-A.-Leuten und der Eisernen Garde Spaniols die Straße freigeben wird. Und vielleicht nicht nur für einen Tag. Sie wissen, daß das Konzentrationslager bereits existiert, auf dem Papier sowohl, wie in der Person dos Kommandanten und der zugehörigen Folterknechte. Sie wissen, daß das Der terschaft der jüdischen Gemeinden in England) trat in London zu einer Tagung zusammen, in der Leonard G. Montefiore den Bericht des Joint Foreign Committee (Komission zur Behandlung der Angelegenheiten der Juden im Auslande) über die Lage der Juden in Deutschland, Polen, Österreich, Danzig und den baltischen Ländern unterbreitete. Viele Menschen in Deutschland, sagte Montefiore, sind sich darüber klar, daß die Behandlung der Juden in diesem Lande einen Fleck auf der Ehre des Landes be deutet, und daß die durch diese Verfol gungspolitik geweckte Feindschaft gegen Deutschland in den verschiedenen Ländern nicht so bald gemildert werden wird. Aber diesen W’issen wird höchstwahrscheinlich auf diejenigen, die jetzt in Deutschland die Macht haben, nicht viel Eindruck machen. Es besteht darum wenig Aussicht, daß die Bedrückung der Juden irgendwie gemildert werden wird. Die Führer geben sich gewiß keinen Illusionen hin; sie wissen, daß sie nicht allein die Juden, sondern auch die Katholiken und die Protestanten in der Welt zu Gegnern haben. Sie scheinen aber nicht zu wissen, daß ihre Propaganda keinen Fortschritt mehr aufzuweisen hat. Es gibt kaum ein Land, das nicht die deutsche Wiederaufrüstung fürchtet. Nirgends herrscht Zweifel an der deutschen Mitschuld an den Wiener Ereignissen. Die Nazi-Führer suchen sich damit zu helfen, daß sie die Fabel verbreiten. daß die englische Presse von den Juden kontrolliert wird. Sie selbst wissen sehr wohl, daß dies nicht zutrifft, sie wer den auch niemanden dazu bringen können, diese Mär zu glauben. Feststeht, daß von deutscher Seite große Anstrengungen ge macht worden waren, um die eine oder die andere Persönlichkeit in England zu veranlassen, öffentlich die Nazi-Sache zu ver teidigen. Jedoch von einer einzigen Aus nähme abgesehen, hat bis jetzt kein einziger im öffentlichen Leben stehender Engländer das Nazi-Regime verteidigt. Neville Laski, Präsident des Jewish Board of Deputies, berichtete über seino Reise durch Österreich, Polen und Danzig und sprach den Führern der jüdichen Gemeinden in diesen Ländern, die ihm mit Aufklärung an die Hand gingen, den Dank aus. Es fehlen mir die Worte, sagte Laski, um die große Not und die elenden Lebensverhältnisse der Juden in Polen zu beschreiben. Was ich in Österreich sah, war kaum weniger tragisch, immerhin aber kann man die Lage der Juden in Österreich als eine „vornehme Arm u t“, im Vergleich zu dem offenen Elend der Juden in Polen, bezeichnen. Es geht nicht an, die fortgeschrittene Verarmung der Juden in Deutschland mit der der Juden Polens zu vergleichen; beido Judenheiten aber haben, jede in einer besonderen Art, die Tiefen derTragik erreicht. Ich weiß, daß die polnische Regierung mit beträchtlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ferner, daß diese Regierung den Juden mit Sympathie gegenüberstoht. Sie ist wohl mit Bezug auf die Behandlung der Juden eine bessere Regierung als irgend eino frühere Regierung Polens; man könne sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen auch nicht vorstellen, daß eine Regierung, die sio ersetzen würde, in dieser Beziehung besser sein könnte. Der österreichische Bundeskanzler hat Dr. Nahura G o 1 dman n u nd mich empfangen und uns gegenüber gewisse Erklärungen abgegeben: es ist bedauerlich, daß kurz darauf der bekannte Schulerlaß heraiuskam. In dieser Beziehung möchte ich bemerken, daß wir für das mitfühlende Verständnis, das uns der verstorbene französische Außenminister, Herr Barthou, und der britische Außenminister, Sir John Simon, entgegenbrachten, nicht dankbar genug sein können. Was Polens Haltung in der Minderheitenfrage betrifft, so steht es fest, daß Verpflichtungen nicht einseitig durch die Laune eines Staates auf den Mist geworfen werden können; so lange Polen vertraglich mit den alliierten und assoziier ten Mächten verbunden ist, ist es genötigt seinen Verpflichtungen nachzukommen. Ich besuchte nicht die baltischen Staaten ich kam aber nahe genug an sie heran, um mir darüber Klarheit zu verschaffen, daß das Schicksal der Juden dort weit entfernt davon ist, als gut angesehen zu werden. Wir können nur hoffen, daß die englische öffentliche Meinung, wie sie von Sir John Simon und Eden vertreten wird, ihr Augenmerk der dortigen Lage zuwenden und sie prüfen wird. Wenn wir auch die Bemühungen der Zionistischen Organisation zur Lösung de polnisch - jüdischen Problems vollauf würdigen, dürfen wir unser Interesse von dem Hauptproblem der Judenheit Polens nicht abwenden. Diese Judenheit zählt drei Millionen Seelen und nimmt jährlich um 40.000 Seelen zu. Kann man diese Zahlen mit den Palästina-Einwanderungsziffern in eine Relation bringen? Die Juden Polens sind ein stolzes Volk; sie betteln nicht um unsere, noch irgend eines anderen Barmherzigkeit. Wenn Hilfe überhaupt möglich ist, wollen sie sich selbst helfen. Ich war tief beeindruckt von dem Werk der jüdischen Darlehenskassen in Polen. Sie werden mit Selbstverantwortung und Selbstachtung geleitet. sclireitungen in Thrazien können sich nicht mehr wiederholen. Gegenüber diesen Erklärungen wird in’ der jüdischen Öffentlichkeit Salonikis darauf hingewiesen, daß nach den ununterbrochen aus Thrazien und dem Dänin nellenriebiet eintreffenden Nachrichten die Maßnahmen der türkischen Regierung .sich n o e h nicht voll ausgewirkt haben. Es ereignen sich immer noch Fälle, in denen Örtliche Boykottlosungen gegen die Juden ausgegeben und jüdischen Rückwanderern Schwierigkeiten bereitet werden, so daß sich erst in letzter Zeit wieder jüdische Kaufleute aus Adrianopcl genötigt gesehen haben, in Stambul Zuflucht zu suchen. SBcl JlierftmTranfuugen ober CnUUnBimsen be§ VHetenbetfens Neu! IX., Porcellangasse 16 FeinwQrste und Seldiwaren aus der Fabrik Eisen & Königsberg Restaurant Ida Lazar Das Präsidium der Kultusgemeinde beim Bundeskanzler Amtlich wird mitgeteilt: Am 22. d. empfing Bundeskanzler Dr. Schuschnigg das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde, bestehend aus Präsidenten Doktor F r i e d in an n sowie Vizepräsidenten Doktor L Ö w e n h e r z und Dr. T i c h o. In einer längeren Aussprache wurden die einzelnen, von der Kultusgemeinde in einem Memorandum dargelegten, für die Judenschaft Österreichs wichtigen Fragen einer eingehenden. Erörterung unterzogen. Der Bundeskanzler ließ sich in allen diesen Fragen eingehend über die einschlägigen Verhältnisse informieren und wiederholte seine bereits bei anderer Gelegenheit abgegebene Erklärung, daß die Bundesregierung selbstverständlich auf dem Boden des Verfassungsgrundsatzes der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Staatsbürger vor dem Gesetze zu stehen gesonnen sei. Die amerikanischen Zionisten und der Jüdische Weltkongreß Baltimore, 23. Oktober. (2. T. A.) Baltimore tagende Exekutivder Zionistischen Organisation befaßte sich mit der Frage der Teilnahme an dem für August 1935 nach der Schweiz oinberufenen Ersten Jüdischen Weltkongreß. Der amerikanisch-zionistische Führer Louis L i p s k y, Mitglied der Zionistischen Weltexekutive, sprach sich gegen die o f f izieIle Teilnahme der amerikanischen Zionisten an dem Weltkongreß aus und erklärte, der Weltkongreß werde nichts Wesentliches zum Schutz der Minderheiten beitragon können. Der in aussohuß Amerikas Die antijüdiseben Ausschreitungen in Thrazien Der türkische Außenminister Tewfik R u s c h d i Bey, der die türkische Regierung“ bei den Feierlichkeiten anläßlich der Beisetzung König Alexanders I. in Belgrad vertreten hat, empfing auf der Durchreise in Saloniki den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, der ihn über die antisemitische Bewegung in T ü r k i s c h - T h r a z i e n befragte. Der Minister orklärto, die Ausschreitungen in diesem Gebiet seien ein bloßer Zwischonfall gewesen, der endgültig der Vergangenheit angehört. Aus dem von der türkischen Regierung veröffentlichten Communiquö sei zu ersehen, mit welcher Schnelligkeit die Regierung den antijildischen Ereignissen ontgegongetroton sei. ln unserem Lande, schloß der Minister, ist es niemanden erlaubt, unter welchem Vorwand immer, Ruhe und Ordnung zu stören. Wir lieben Frieden und Disziplin; bedauerliehe Ereignisse wie die juderifoindlichen Aus- Niedrigste Geburten• und Sterbe• zahl in Polen bei den Juden Die soeben herausgegebene offizielle Geburtenstatistik Polens für die sechs Monate April bis September 1934 zeigt, daß die niedrigste Geburtenzahl unter den Polen bewohnende Nationalitäten bei den Juden fostzu stellen Ist. Auf 1000 jüdische Einwohner kamen 20-9 Geburten, auf 1000 Katholiken 28*8, auf 1000 Griechisch-Orthodoxe 28*5, auf 1000 Evangelische 22T. Von Todesfällen zählte man boi Evangelischen 14-5, bei Katholiken 14“8, bei Griechisch-Orthodoxen 13*2, bei den Juden 0-5 auf 1000. Dio Sterbeziffer ist also bei den Judon am niedrigsten. Der natürliche Zuwachs betrug Katholiken 14-6, bei Griechisch-Orthodoxen 18“3, bei den Juden 11*3, bei Evangelischen 7-0 auf 1000. Die niedrigste Geburtenzahl boi den Juden wird, wie man sieht, durch die gleichfalls niedrigste Storbezahl otwas ausgeglichen, so daß bei der Feststellung dos natürlichen Bevölkerungszuwachses die Judon nicht mehr an letzter Stollo rangieron. AVISO! Yoitrag Josef Kastein: Jüdische Neuorientierung Samstag. 10. Novembar 1934. Näheres in den nächsten Nummern der nStimme\