Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 394 (23.10.1934)
- Date
- 1934-10-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. m ~ 23. Olctofter 1934 Grundsteinlegung zur Universitätsklinik in Jerusalem veranlassen, alle Transfer-Operationen einzustellen. H a i f a wurde zum Hauptort. Präsident der Exekutive ist der Haifaer Anwalt 8. P o 11 e v. Der Haifaer Stab wurde beauftragt, den Boykott im großen Maßstab zu organisieren und einen Aktionsplan auszuarbeiten. In den Kolonien und Städten sollen Zweigkomitees errichtet werden. Mit den Boykottzentren im Auslande soll eine Verbindung hergeetellt werden. Die Konferenz beschloß, einen Delegierten zur internationalen Boykott-Konferenz in London zu entsenden. Die Konferenz lud alle öffentlichen Institutionen und Organisationen ein, sich zu einer Anti-Nazi- Front zusammenzuschließen. Bemerkungen zu den Mitteilungen des P. G. Bidilmair Von Stephan Deutsch. Zu den Erklärungen des P. Bichlmair über die katholische Konversionsbewegung sind ein paar Bemerkungen notwendig. Die müssen mit jenem Respekt vor dem Autor gemacht werden, auf die eine Persönlichkeit von dem wissenschaftlichen und sittlichen Range des gelehrten Jesuiten Anspruch bat. Irgend eine Spitze gegen den Verfasser können sie schon deshalb nicht haben, weil ja Dr. Bichlmair selbst in seinem Schlußsatz gegen „haltlose Behauptungen fanatischer Antisemiten“ auftritt, die den jüdischen Täuflingen in ihrere Gesamtheit einfach Spekulationssucht vorwerfen. Diese Äußerung leitet schon zu sehr zur Bemerkung über. Bleiben wir einstweilen bei der Erläuterung des Tatsächlichen. Die ziffernmäßigen Feststellungen Bichlmairs sind selbstverständlich einwandfrei, nur bedürfen sie mancher Ergänzungen. Das gleiche gilt von seinen Schlußfolgerungen, besonders betreffen sie die Motive der Judentaufen, wobei ihm aber wiederum zugestanden werden muß, daß gerade er am ehesten in der Lage ist, sich darüber Gewißheit zu verschaffen. Und selbst von Illusionen ist er weit entfernt, wie ja seine Konstatierung zeigt, daß etwa ein D r i tt e 1 der Konvertiten dauernd ihren religiösen Verpflichtungen nachkommt. Gegen dieses Drittel ist natürlich überhaupt nichts einzuwenden. Fragt sich nur, wieviele von diesem Drittel Juden sind. Wenden wir uns aber den anderen zwei Dritteln zu. Es wird zunächst festgestellt, daß in den Jahren 1930 bis 1932 die Zahl der übergetretenen Juden rund 30 bis 40 war, daß sie aber im Jahre 1932 plötzlich fast auf das Dreifache stieg (102) und daß sie in der ersten Hälfte 1934 152 war, also das Fünffache des Jahres 1930. Indem nun der Autor die Zahl der Übertritte während des ganzen heurigen Jahres auf 250 schätzt, wovon aber auf die erste Hälfte schon über 150 entfallen, ergibt sich klar, daß den Hauptanstoß zu den Judentaufen des Jahres 1934 in den politischen Ereignissen lag. Noch deutlicher könnte dies die Ziffer aus den ersten zwei Monaten des Jahres zeigen. Und daß die Bewegung im Abflauen begriffen ist, sagt P. Bichlmair selbst in seiner Schätzung des Zuwachses in der zweiten Jahreshälfte. Über die Veranlassung zu diesen Übertritten kann niemand im Zweifel sein, der den Verlauf der Ereignisse seit dem Februar verfolgte. Von den Beweggründen, die Bichlmair für die Konversionen anführt, muß da eines der nach ihrer Häufigkeit an eine der letzten Stellen eingeordneten wohl in die erste Stelle gerückt werden: Rücksicht auf den herrschenden politischen Kurs. Eigentlich wundert man sich über die so geringfügige ^ahl derjenigen, die in dieser Zeit dem Drucke nachgegeben haben. Aus der Gesamtziffer wird man schließen dürfen, daß die Konvertiten in der Überzahl jener Schicht der Intellektuellen angehörten, die sich in öffentlichen Stellungen befanden, die sie unter dem neuen Kurs für gefährdet erachteten, wenn sie Juden blieben. Dafür spricht auch die sonst ziemlich unerklärliche Ziffer des Jahre« 1933. Der Anstieg der Übertritte war da ein Akt der „Prophylaxe“ in einer Zeit des vordringenden Nationalsozialismus, in der den Juden Jerusalem, 18. Oktober. (2. T. A.) In einem besonders feierlichen Rahmen fand am 16. Oktober die Grundsteinlegung zu der R o t h s c h i 1 d - H a d a s s a h - Universitätsklinik a.uf dem Skopusberg, die mit Unterstützung des Verbandes der jüdischen Ärzte Amerika« und der amerikanischen zionistischen Frauenorganisation Hadassah errichtet wird, statt. Bei der Grundsteinlegung hielten der stellvertretende High Commissioner für Palästina, Chefsekretär John Hathorn Hall, Präsident S o k o 1 o w, der Vorsitzende des Keren Kajemeth M. M. U s s i s c h k i n, die Leiterin de« Gesundheitsdepartements der Jewish Agency, Henriefcta Szold, und der Universitätskanzler Prof. J. L. Mag ne s Ansprachen, die die Bedeutung der neuen Einrichtung würdigten. Chefsekretär Hall gab bekannt, daß die Palästina-Regierung demnächst einen B a u- Zuschuß zu dem neu entstehenden Gesundheitszentrum bewilligen werde. U ss i s c h k i n wies darauf hin, daß der dem Nationalfond« gehörende Bauplatz, auf dem nun ein Werk der jüdischen Wiedergeburt entstehen soll, dieselbe Stätte ist, von der aus vor 1865 Jahren die römischen Legionen die Kriegsoperationen einleiteten, die zur Zerstörung des Tempels führten. Der bekannte Bibliophile Dr. A. S. W. Ros e nbach, der Präsident der Amerikanischen Freunde der Hebräischen Universität, erklärte, er glaube an „unbegrenzte Möglichkeiten“ medizinischer Arbeit seitens des neuen Hospitals, das nicht allein der gesamten Bevölkerung des Nahen Ostens ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses als ein medizinisches Zentrum dienen wird, sondern mit der Zeit auch an der Lösung der großen wissenschaftlichen Probleme zum Wöhle der Menschheit mitarbeiten wird. Frau Jacobs, Vorsitzende des Baufondskoraitees, erklärte, die neue Universitätsklinik werde das jetzige Rothschild-Hadassah-Hospital ersetzen, das mitten in der Geschäftsgegend Jerusalems in einem mehr als 80 Jahre alten Gebäude untergebracht ist. Die Reden wurden später im Amtszimmer des Universitätskanzlers vor dem Mikrophon zwecks Übertragung nach Amerika wiederholt, wo sie von 260 Sendern übernommen wurden. Die Universitätsklinik wird auch als ein medizinisches Lehrinstitut für Nachgraduierte, die sich wissenschaftlicher Forschungsarbeit widmen wollen, dienen. Die Arbeit in dem neuen Institut soll im Frühjahr beginnen. Von bekannten deutschen Spezialisten, die für eine Besetzung der einzelnen Abteilungen der Klinik und für den Lehrstab in Betracht gezogen werden, sind unter anderen zu nennen: Professor Ludwig Halberstädter, jetzt Direktor des Radiologischen Instituts des Hadassah- Hospitals, das einen Teil der Universitätsklinik bilden wird; der berühmte Gynäkologe Professor Bernhard Z o n d e k; Dr. H. A. K r e b s, früher im Kaiser-Wilhelm-Institut zu Berlin; Dr. Georg Goldhaber, der Dr. Halberstädters Assistent in Berlin war. BlaU|We^ Palästinafahrten auf dem Landweg Billige Sonderfahrten Reisedauer Wien—Haifa nicht ganz 4 Tage. Abfahrt des ersten Sonderzuges Samstag den 17. November, 19.20 abends von Wlen-Ostbahnhof. Ankunft Mllftwocha Bequeme Fahrt Schlaff- und Speisewagen Rituelle Küche Wegen der vielen Voranmeldungen empfiehlt es sich, die Fahrkarten ehestens zu beeorgen. Platzkarten werden bereits ausgegeben. Kartenverkauf — Auskünfte: Dsterr. Verkehrs-Bureau Wien. I., Friedrichstraße 7, Tel. B 27-600. Poln. Verkehrs-Bureau „Orbis4* Wien, I., Kärntnerstraße 41, Tel. R 26-1-48 Oslerr. Palästinaamt Wien, L, Käratneratraße 28, Tel. R 27-4-86. PalästinafahrÄen Wien, I., Franz-Josefs-Kai 7/9, Zimmer 129A, Tel. R 28-0-66. Franz Josef „An meine Völker“ verfaßt, das die Kriegserklärung an Serbien begründete. Nach dem Umsturz ging Bloch nach Prag zurück und wurde 1919 als Chefredakteur und Stellvertreter des Leiters des Pressedepartements im Ministerratspräsidiium angestellt. In dieser Funktion gab er die „Tschechoslowakische Korrespondenz** heraus. 1932 wurde er Leiter des Pressedepartements. In Pressekreisen erfreute er sich hoher Achtung und Sympathie. Bloch ist auf dem Prager jüdischen Friedhof begraben worden. Jüdisch-kultureller Bund der Eltern. Vortrag Professor Moses Rath, Dienstag, den 23. d., um %8 Uhr abends, III., Cafe Lovh rana, über das Thema: „Das jüdisch«! Kind in der Schule.“ Kinoprogramme derWodie BURG-KINO Die Schicksale einer Familie, die für das Judentum und die Freiheit des jüdischen Volkes kämpfte Die Rothschilds Beginn: ‘/a4, 7*6, 7*8. 7*10. Karten im Vorverkauf, Knmmerllcbtsplele Schwarzenlrgplatz III. Schwarxenbergplats 6, Telephon U 16-1-68 CONRAD VEIDT in dem monumentalen Filmwerk JUD SÜSS Wochentags: */46, 7*8 und 7*10, Sonntags: ab y,4 KREUZ-KINO feffiÜS Mgo, dev Mann zweier Welten mit Franx Lederer und Ellssa Landl Beginn: 4, 8/t6, VA 7*10 Uhr ROTEftTURM-KIHO Telephon” Rk29-1 69 Beginn; 4, 8/*6, ‘/»8, 7*10 Uhr Die Rothschilds G. Arllfi / L. Young / B, Karlotf Leopoidstfidter Volkskino TelephoaSBr^^ffl Vom 10. bis 25. Oktober: Franziska Gaal Friihlahirsparade Wochentags */,6, V.8, ’/«10 Uhr, Sonn- und feiertags V,4 Ubr SCHÄFFER-Kllf VLTrfepbonUBr20-208 Vom 10. bis 25. Oktober: Jan Klepura, Martha Eggerth int Mein Herz ruft nach Dir Beginn: %4, 7*6, 7*8, 7*10 Uhr. oft genug allerlei Hinauswürfe vorausgesagt wurden, ohne daß diese Drohungen von irgend einer Stelle edne klare Abwehr fanden. Dafür gibt es in den Tabellen Bichlmairs einen eindeutigen Beweis. Die Zahl der zum Katholizismus übergetretenen Protestanten ist nämlich 1933, dem Jahr der nationalsozialistischen Hochflut, nicht nur nicht gestiegen, sondern um mehr als ein Viertel g efallen. Und wenn sie nun im Jahre 1934 wiederum zu steigen begann und sich etwa verdoppeln dürfte, so sind die Motive die gleichen. Das festzuhalteü ist für die Juden trittes aus rein äußeren Motiven weitaus geringer für sie wird, wenn selbst die so viel weniger gefährdeten Protestanten, denen so und so oft die völlige Gleichberechtigung im christlichen Staate zugesichert wurde, sich der „Rücksicht auf den herrschenden politischen Kurs“ nicht glaubten erwehren zu können. Und da hier von den Protestanten die Rede ist: Professor Bichlmeir kennt ja genau die kürzlich auch von der „Reichspost“ zitierten, von den Evangelischen angegebenen Riesenziffern der E i n t r i 11 e in ihre Religionsgenossenschaft im Jahre 1934. Sie gehen in die T a u s e n d e, und sie sollen hier nur deshalb nicht angeführt werden, weil sie noch nicht beglaubigt wurden. Von diesen Neu-Katholiken wird die „Rücksicht auf den herrschenden politischen Kurs“ gewöhnlich offen zugegeben. Ein Familienvater müßte ein Held sein, wenn er solche Hinweise nicht verstehen wollte! Schließlich aber mag die ziffernmäßige und die moralische Bedeutung dieser Übertritte noch aus dem Verhältnis zu den Austritten aus dem Judentum erkannt werden. Ihre Zahl ist seit langem etwa 700 bis 800 jährlich. Die 30 Übertritte der „Normaljahre“ erklären sich zwangslos durch die Mischehen, und die Vermehrung der Taufen, ist ohne Steigerung der Zahl der Austritte aus dem Judentum erfolgt. Der Zusammenhang mit dem „herrschenden politischen Kurs“ wird um so deutlicher, als man bei den anderen, von Bichlmeir angeführten Motiven vergeblich nach einer Verstärkung suchen würde. P. Bichlmeir ordnet diese Motive nach ihrer Häufigkeit. Aber darin glauben wir nach dem Gesagten doch einige Korrekturen anbringen zu dürfen. Wenn er oben an die ideal vollzogene Auswurzelung aus dem Judenvolk und ,ydie beabsichtigte Entwurzelung in das christliche Volk“ setzt, so wird man — ganz abgesehen von der etwas ungewohnten Nomenklatur — doch fragen müssen, ob diese Bewegung denn just 1933 und 1934 so angestiegen sein könne. Die „Angleichung an den Ehepartner“ spielt gleichfalls kaum eine größere Rolle als früher, mindestens fällt sie zahlenmäßig kaum ins Gewicht. Die „Rückkehr Konfessionsloser“ bezieht sich nach dem Zusammenhang nicht auf Juden, ebensowenig die Angleichung an die Religion von Kindern aus Mischehen, weil nach österreichischem Recht Ehen zwischen Juden und Katholiken nicht möglich sind. Daa „Suchen nach einer vertretbaren religiösen Haltung“ wird man, von einem bekannten Wiener Einzelfall abgesehen, gleichfalls kaum den übergetretenen Juden zusebreiben wollen, ohne daß man es natürlich als unmöglich würde hinstellen dürfen! Denn es hat ja auch den umgekehrten Fall gegeben. Aber den „Übertritt aus Überzeugung“ stellt ja Dr. Bichlmeir eigentlich auch selbst in die letzte Reihe. Damit treten also die dargelegten politischen Motive, also Gründe der Sorge um die Existenz in Gegenwart und Zukunft, an die vorderste Stelle. Begreiflich, daß dann zwei Drittel der Konvertierten zu den „religiös Gleichgültigen und Untätigen“ gehören, zu denen die getauften Juden doch auch als Juden gehörten. Das moralische Urteil über diese Judentaufen muß derart allerdings recht trostlos werden. „Antisemitisch“ ist es deshalb nicht, weil man von getauften Juden nicht größeren Ernst in katholischen Dingen verlangen kann, als von dem „hohen Prozentsatz“ der Katholiken. Klar wird lediglich, zu welchen Folgen der Zwang in religiösen Dingen und die Unduldsamkeit fuhren: „Coactus voluit.“ Maurus Bloch gestorben In Prag verstarb im 74. Lebensjahre Sektionschef Maurus Bloch, Leiter des Pressedepartements des Ministerratspräsidiums, und als solcher oberster Chef aller Regierungsblätter, die nicht in das Ressort des Außenministeriums gehören. Sekfcionschef Bloch wurde am 14. Mai 1861 in Ckynö bei Prachatitz geboren* widmete sich früh dem Journalistenberuf, gab eine Anzahl Zeitungen in Böhmen heraus, trat 1908 in den Staatsdienst und wurde dem Pressedepartement des Wiener Ministerratspräsidiums zugeteilt. In dieser Stellung hat Bloch das berühmte Manifest des Kaisers Verewigt freudige und traurige Anlässe ifFBElj eures Lebens durch Stiftungen im Rahmen des l»l»ll KAJEMETH