Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 394 (23.10.1934)
- Date
- 1934-10-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nf. 894 — 28. Oktober 1934 DU ITIMMI Seite 3 Maefsrfilttek gegen den! Rasstiswalm i Maurico M a e t ö r 1 i n c k, der berühmte belgische Dichter itm.f! Nobelpreisträger, l»t jfl Rom 7,irr Teilnahme a.u dem Internatiofiaien Thcaterkmrgreß ciugetroffen. Maeterlinck empfing den römischen Verffoter dor Jüdischen Telegraphen-Agentur lind äußerte .-'ich ihm gegenüber in einem längeren Gespräch über den Anteil der Juden an (birt modernen Theater und über den R;i>:-'(’nwalmc-.inn, dessen Opfer so viele am heutigen Kulturleben hervorragend teiljrieh tuende Juden geworden «ind. Das ganze;Jli.H*onprinzipt sagte Maeterlinck, ist vom Wissens ehaf hl i oben Sband p unkt nn b og' rli nde t, jund schon gfl.fiz und gar absurd ist die Ver- I Bindung dieses Prinzips mit Ku ns tf ragen i oder mit der Zugehörigkeit eines Künstler« zu einer bestimmten Rasse oder Religion. < Oberhauptist es eine Blasphemie, i zu sagen, daß ein gewisses Volk in die Litej ratur oder in das Theater wesen „zerstörende j Elemente“ h.incinbringcMi könne. In der I Kun&t gilt da.» Gemetz: jeder Schaffende! gebe da.», was für seine Eigenart am wharak- | teristwehesten isst, Da« jüdische Volk hat! um die höchsten und tiefsten dramatischen! und lyrischen Motive geschenkt, und es ist ■wahrhaftig der Vernunft ganz und gar zuwider, von einer zersetzenden Wirkung des i Judentums auf den Gebieten von Literatur und Theater zu sprechen. Ich habe die Lei* 1 s tun gen des hebräischen FaÜtfytina-Theaters Habima auf mich wirken lassen. Leider war es mir versagt, die Originellen Leistungen der jiddischen Theater in Osteuropa kOnnenzulernen. Voll und ganz hatte ich Ge- Sie essen von 30Grosdion aufwärts vorzüglich Im GRABEN-KEULER ßlauweißer Bilderbogen Palästina^Melduogen v. Erich Gottgetreu Im Etnek, dem klassischen Tal der jtldlda« Ungetüm plötzlich das Denkmal eines «c.lum Kollektivsißdliuigen, arbeitet seit weschmerzvollen Todes.., Ein junger Clmluz, nlgen Tagen eine kleine Wirkwarenaus Königsberg «tammend, war am Tage fabrik auf der Grundlage der des geplanten Festes im nahen Sachno-Teieh Kwuzzah. Die jungeu Arbeiter und Arertrunken. Al« lob zu den Chugim kam, beiterlnnen des Unternehmens bekommen waren einige junge Burschen gerade damit den gewerkschaftlich festgesetzten Löhn beschäftigt, die quer durch den Speiaesaal von 25 Piastern, den sie täglich verdienen, gespannten Laubgüirlanden wieder abzu* nicht ln bar ausgezahlt. Der Lohn wird vielnehmen.., Abende trug man don Toten zu mehr vöm „Unternehmer“ an die Jugend- Grabe. Stumm Behob sich der Zug bedriiok- Rwuzzah der „Chugim“ abgeführt, in der ter Jugend den Hang des Berges Oilboa seine Arbeiter ihr kollektives Loben führen, hinauf, Von der Arbeit waren sie gekom* Die anderen Mitglieder der Kwuzzah gehen men, vom Feld, aus der Werkstatt., der weiter aufs Feld oder in den Weinberg wie; Küche, auch aus den Naohbnr&iedhmgen, die bisher, aber wer von ihnen die* edle Kunst Schreckensbotschaft hatte schnelle Füße, der Wirkerei erlernen will, kann sich auch 1 Nun «ahort sie schweigend in« Gesicht der in die Fabrik abkömmandieren lassen... [Ewigkeit. Die Erdo häufte «ich über dem Das wäre also der Anfang einer Industrie I gelöschten Leben, eine Schütte von Steinen, im Emek Jesreol. Der „Kibuz hamiouchad“. j «ml dann versank (las. trübe Bild im schwaf- Sehweigen des Htefnenmiriadendufchzen funkelten All«. * legen heit, die Leistungen der berühmten j Jeic.bto jüdischen Schauspieler auf clen allgemeinen! ta.^en Bühnen Europas zu würdigen, und ich bin! Hohes, tief beeindruckt von dem erhabenen Künstler tnm des Jaden und «einem Kunstgewissen, Max Iloinihnrdt, mit dessen Regie* auffa.ssUng ich freilich nicht immer einverstanden bin, halte ich für da« größte Thea* tergenie unserer Zeit. Zum Schluß sagte Maeterlinck: „Im Jahre 1923 besuchte loh P a 1 ä s t i n a. Damals war dm z km ist!« che Kolonisationswerk noch in seiner ersten Phase. Ich wünsche dem Zionismus, daß eir sein Ziel erreicht, damit das jüdische Volk auf eigenem Boden ungestört seine großen künstlerischen Werte zum Beeten clor Menschheit entfalten könne.“ in dem mehrere große Kwuzzoth des Landes vereinigt «lud, hat sie ins Loben gerufen und hofft, sie bald wachsen zu sehen. E i n aus Wien oingow ander ter Wirk* war onfabrikant und seine Maschinen stellt: Ra.sehel-Maschinen, Rund-Jaquardtj Araber. Sie bewachen eine kostbare Ent Maschinen, Rund w i r k m as oh in e n, Handdeckung, die von dm Arbeitern de» von Strickmaschinen, Spülmaschinen — elek- Mr. Alan Rove geleiteten ,,Pale®tinö triscli werden »iö betrieben, Ruthenberg Exp Jota bi on Fund“ auf Boden, der liefert den Strom. Hergestellt werden Soll dem Pariser Baron Edniönd de Rothschild Vor einer Felsenhöhle bei Gozer, einem hat seine Erfahrung! Ort zwischen Wadi Sarrar und Jaffa, Schiazur Verfügung ge-: fon seit kurzem Nacht für Nacht zwei Winter- und Sommerware: Triko* gehört, gemacht worden ist: Gräber, die Schals, Sweater, Jumper und ähnetwa 3600 bie 400Ö Ja.hre alt «ein dürften Schön als die ersten Arbeiter in und außer realen Bestattungsüberresten mwjukt.#» .(«.*« Abfahrten alSwöctoeni ließt Auskünfte und Anmeldungen: Intern, ttalse» and Vc;kehrsbUrd „9nlver«atS I., Kärntnerring 3 '(9—12, 3—6) ICA^Psräsadssit Sk Leonard CoHaeat zurückgetretera London, 18. Oktober. (Z. T. A.) Auf der am 16. Oktober in London abgehaltenen Jahresversammlung der JewLh Colonisation Association (JCA) legte der bisherige Präsident dieser Organisation, Sir Leonard Cohen, au« Gesundhcits.tÜCkslchrm »ein Amt nieder. Zu seinem Nachfolger wurde der Vorsitzende des Council dor Jewlfth Agency und frühere Vorsitzende des Board of Deputies (Verlretersuhaft der e ng 1 is ch - j ü dis ch c n Gemeinden) Sir Osmond Eli d’Avigdor G o 1 d s m i d gewählt. Der scheidende Präsident Sir Leonard Cohen wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Der neue JCA-Prftsident Osrnond Eli d’Avigdor Gold'&mid wurde 1877 in Wien als Sohn von Elim d’Avigdor, der sich als Vorsteher dor Sephardieehen Gemeinde in London au«zeichnote und an der jüdischen Kolonisation Palästina» führenden Anteil nahm, geboren. j einem anderen einschlägigen Betrieb des [ Landes ausgebildet wurden, zeigto Os sich, i in wie starkem Maße da« persönliche Inter* | caso an der Arbeit die Leistung förderte, j Das erste Bestellbuch ist schon voll. Der | „Kibuz hamouehod“, der über 6000 Mitglieder hat, wird den Bedarf naturgemäß in erster Linie in „Seiner“ Fabrik decken; aber auch sonst zeigt sieb tätige» Interesse an der neuen Kollektiv-Fabrik der Arbeiter. Der Ankauf der Materialien und der Ver* kauf der Fertigware wird durch die Ar* b e bergen oseens ohaf t „Masohbir“ besorgt. Der „Unternehmer“ bekömmt vorläufig ein monatliches Festgehalt von 12 £, sowie 30 Prozent vom erzielten Reingewinn; nach zwei Jahren eöll eine neue Regelung getroffen werden. * Von jenem idyllisch gelegenen Platz der „Chugim“ aus — hier stand das alte Aiü« Harod — zogen in diesen Tagen einige hundert jüngere Mitglieder des „Kibuz hameachad“ unter wehenden Fahnen nach Schatte, wo der Keren Kajemeth einen größeren Bödenkörftplex erworben hat, der nun von don jungen Chalnzim dos Kibuz bebaut worden soll. I)io Ergebnisse der Wassersuche und der Bodonprüfung durch die landwlrteohaft* liehe Versuchsstation Rochoboth sind recht zufriedenfttcllond verlaufen. Am höchsten Punkt des neubesetzen Gebietes versammelte man sich unter einem aus Pfählen und Mattoti errichteten Sonnendach. An* sprachen Umrissen die Aufgabe, die zu bewältigen ist. Gegen Mittag brachte ein Lastauto zolin Blechkanister voll Trink* waeser, außerdem bekam jeder sein Vor« ptlegungspftckolUMiJ ein Stück Brot, ein Stück Kuchen, ein Ei und eine rohe Gurke. Am folgenden Tage wollten die Eroberer de» neuen Landes ihr Vorhaben festlich feiern, ebenso da« sechsjährige Bestehen der Siedlung „Chitglm“. Ein Theaterstück, ,,Malaria“, sollte den gerade an diesem Platz unter so schweren Opfern, aber am Ende doch «leg re ich geführten Kampf gegen die tückische Krankheit lebendig machen. Am Rande des die Stimpfo austrocknendon Eukalyptuswalde« hatte man eine Bühne aufgosch.la.gen, in ihrem Hintergründe reckte «ich knallgelb und schaurig eine Riesenflgur: das höllische Fieber. Und nun wurde allerhand Kumt* und Kliltgegenstiinde, Töpfereien, Bronzedolehe und Plastiken enthalten zumeist Zeugnisse einer liehen ägyptischen Kultur. Die Entdeckung begann mit der Auffindung eitler Felsenhöhle, an die »ich ein etwa 100 Fuß langer, mit Trümmern gefüllter Gang anschloß* Am Ende er* reichte man das Haüptgrab. Daß es anscheinend noch nie dem Besuch von Räubern aiißgesetzt war, erhöhte die Freude der Finder. Über die möglichen Rückschlüsse in kunst« und kulturhistorischer Beziehung läßt sich Abschließendes noch nicht sagen, Gezer war ursprünglich eine alte kanaanitischo Stadt. Einer der Pharaonen eroberte sie, Als König Snlomoü eine ägyptische Prinzessin heiratete, war Gezer ein Teil der Mitgift... * Am Sükköth-Fest wurden viele Tausende in Beth-Hakerem, einem Vorort vöu Jerusalem, durch ein FredlichtiestÄpiel erfreut, das Benno Fraenkel, der Regisseur der paläetinensiselien Kammeropcr, mit bewährtem Geschick und gewöhntem Erfolg inszeniert hat. Auch die offizielle Thöatera a i s ö n bat nun mit Schwung eingesetzt. In der „Habimah“ trat, nach langer Krankheit genesen, im „Ewigen Juden“ Ohanah Rüwinäh wieder auf. Die satiriBCho Klein* kurtstbUhnö „M a t a t o h“ karikierte launig die „Prosperity“ des Landes. Ein neugeplantes Theatoruntornehmen de« Dramaturgen Albert Brenner, durch da« verschiedene parallel laufende Theaterbostrebungen unter einen Finanzierungs- und Verwaltungshut gebracht werden Bollen, will das allgemeine Untorhaltimgisgenfo pflegen. Jodon Monat soll ein neues Stück herau&gebracht worden. Für die Eröffnung lat Theodor Herzls „Neues Ghetto“ vorgesehen. Regie führt Friedrich Lobe. Da» Bühnenbild entwirft der Maler-Architokt Leopold Krakauer, Gespielt wird im Koßtüm von 1900. Eine heroische Zeit jüdischer Geschichte wird der Film erstehen lassen. Eine jüdische Gesellschaft will des Flavins Josephna „Jüdischen Krieg“ drohen. An dem Manuskript wird gegenwärtig gearbedtet, Abermals Ist ein Versuch, für die deutschen Neuoinwanderer eine deutsche oder wenigsten® zweisprachige Zeitung zu schaffen, geecheitert. Der Wille der Hebraisten ist eisern. Als sich eine Anzahl „neuer Deutscher“ dieser Tage im Jeru«alemer Menorah-Club zur Gründungsversarnmlung einer Ort«gruppe der „Allgemeinen lonisten“ zusammenfaiid, sprach Kurt Bluraonfeld zwar noch deutsch, Sctimarjahu Lewin hingegen hebräisch ... Der Spracheifer hat seine Vor- und Nachteile. Mancher „Neue“ ist vom öffentlichen Leben zu isoliert, Statt der hebräischen Presse ließt er nun außer der Jerusalemer „Palestine Pöst“ die in Kairo editierte „Bourse Egyptienne“ oder die „Egyptian Mail“, die jetzt beide mit besonderen Palästina-Ausgaben auf den Markt kommen. Besonders das französisch geschriebene Blatt ist «ehr gut redigiert. Die fertigen Hebräer beginnen vielfach mit der Erlernung des Arabischen. In der Jerusalemer „Bteimatzky Publishing Company Ltd.“ erschien soeben ein für Deutschsprechende berechneter „Leitfaclen für. den Selbstunterricht in der arabischen Sprach e“. Es folgen Arabisch für Englisch-, Französisch- und Hebräioehspreohcnde. Angekündigt sind ferner Hebräisch für Deutsch-, Englisch-, Französisch-, Russisch- und Arabischsprechende. Ein Vorurteil behauptet, daß der, Orient träge mache. Aber man findet nirgends so viel Lerneifer wie in Palästinafür aÜo Lehranstalten in den vorgesebriebenen Auflagen, auch anßicjU&r! zü wirklich bllSSgitett PfGfSGn liefett die Herrn Taciiner, ©len II., ECKE Taborstraße Nr. 52 Vorzefchnlsao umsonst. Spesenfreie Zustellung überallhin Für Auskünfte Telephon R 41-4-20, Fast 4000 Juden im September nach Palästina gekommen Jerusalem. 21. Oktober. (Z. T. A.) Nach den Ziffern des Einwanderungs-Departements der Jewish Agency in Jerusäw lern sind im Monat September über die Häfen Haifa und Jaffa 3ÖÖ2 neue jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen. Palästina-Juden in der Boy IcottSffont Tel-Av!v, 18. Oktober. (1 T. A.) Die in Jerusalem, Haifa und Tel-Aviv bestehenden jüdischen Komitee® für Boykott deutscher Waren und Dienste-haben in diesen Tagen eine gemeinsame Konferenz abgehalten. Es wurden Resolutionen angenommen, in denen unter anderem erklärt wird: Die Konferenz macht sich die Meinung der Weltjudenheit betreffend die Notwendigkeit der Führung eine« wirtschaftlichen Kampfe« gegen Nazi*Deut«chland zu eigen iirtid proklamiert den vollständigen Boykott deutscher Waren in Palästina, unter welchem Deckmantel immer sie ein geführt worden. Die Konferenz bedauert das Anwachsen des deutschen Imports, der «ich auf 408.000 Pfund Sterling Im ersten Jahre®viertel 1Ö84 gegen 251.000 Pfund Sterling im ersten Jahresviertel 1933, also um 167.000 Pfund Sterling oder 62 Prozent, erhöht hat, was auf Konto der verschiedenen Transferabkommen mit dem Dritten Reich ztt buchen ist-. Die Konferenz fordert die sofortige und .bedingungslose Aufhebung der Transfers, die der Würde des jüdischen Volkes verletzen, die Durchführung des Boykotte deutscher Waren verhindern und die junge jüdische Industrie Palästinas zerstören. Die Konferenz fördert die Jewish Agency, den Waad Leiuni tmd alle öffentlichen Organisationen auf, ihren Zweigorganlsatlonen zu verbieten, ln dem Transfer-Geschäft tätig zu sein, und sie zu Sektion Leopoldstadt und Klub »Erez Israel«, II., Pratantraßo 1® Donnerstag, den 25. Oktober 1934, 8 Uhr ebenda Dr. Oskar Grünbaum, Prisldant das Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich: »Neuorientierung des Allgemeinen Zionismus in der Galuth und in Palästina«