Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 393 (19.10.1934)
- Date
- 1934-10-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 303 — 10. Oktober 1034 DIE STIMME Seite S ZU DEN DREI HUSAREN UNTER VOLLSTÄNDIG NEUER LEITUNG ERÖFFNET! ES KOCHT UND SERVIERT ERSTKLASSIGES PERSONAL UNSERE PREISE WERDEN SIE TROTZDEM ANGENEHM ÜBER¬ RASCHEN. FRANZÖSISCHE, UNGARISCHEU.WIENER KÜCHE gZaßMenina^eiilcliig" Von unserem Korrespondenten Ch• Haller, Tel-Aviv dieser Entwicklung müssen sieh, wenn sie Das jüdische Palästina steht heute vor zwei auffallenden Tatsachen: 1. Einer »sich trotz aller Schwierigkeiten ■durchsetzenden großen jüdische n A 1 i j a h, die objektiv ungenügend, aber an .sich bereits den Charakter einer Masseneinwanderang hat, und den jüdischen Jischuw (und nicht nur diesen) in einem permanenten Zustand der Rcvolutionierung aller Verhältnisse erhält. 2. Einer jüdischen B o d e n b a s i s, die so gut wie konstant bleibt. Ihre parallele Ausweitung zu jenem Volkswachstum ist 60 gering, daß sic schlechtweg nicht ins Gewicht fällt. Statt langer Auseinandersetzungen sollen einige Zahlen reden: Nach offiziellen Angaben wanderten im Laufe der acht Monate Jänner—August 1934 nahezu 23.000 Juden nach Palästina ein, und nicht weniger als 17.000 dürften in den noch übrigen vier Monaten des Jahres ins Land kommen. Zu dieser gesetzlichen Einwanderung von 40.000 Köpfen werden aus den übrigen, mehr oder weniger ^gesetzlichen“ Kategorien auch in diesem Jahre an die 10.000 Juden hinzukommen, womit wir zu einer Gesamtzunahme des Jischuw um 50.000 Köpfe im Jahre 1934 gelangen. Im Jahre 1983 betrugen die beiden Einwandererkategorien zusammen über -40.000 Juden, während im Jahre 1932 das Land 19.000 jüdische Einwanderer ausgenommen hat. Empfindlich« erlöst die blitzschnelle, glatte, ecbarf-scliarfe Bildete der jüdische Jischuw im November 1931, dem Stichtermin der offiziellen Volkszählung, 17 Prozent der Landesbevölkemng (174.610 Juden und 861.200 Nichtjuden), so war das Verhältnis unter Berücksichtigung der natürlichen Zunahme am 1. September dieses Jahres 23.2 Prozent (283.000 Juden und 920.000 Nichtjuden), und am Ende des Jahres 1934 wird es, nach Einschluß der angeführten Quoten, auf etwa 25 Prozent mit 305.000 jüdischen Seelen kommen. :J3 Wie verhält sich nun dazu der jüdische Bodenbesitz in Palästina? Für das Jahr 1934 liegen noch keine abschließenden Zahlen für die jüdischen Bodenkäijfe vor. Um Mitte 5694, also um Possach, schätzte der Keren Kajemet den gesamten jüdischen Bodenbesitz auf 1,250.000 Dunam. Im Jahre 1933 betrug die jüdische Besitzzunahmo 37.000 Dunam Boden. Wir wollen optimistisch den Stand am Endo des Jahres mit 1,300.000 Dunam anuehmen. Wir gelangen sonach zu folgendem Zahleiibild: Jüdischer Jüdische Bodenbesitz Bevölkerung Ende 1931 1,180.000 Dunam 175.000 Seelen Ende 1934 1,300.000 Dunam 305.000 Seelen Diese Ziffern reden eine deutliche Sprache. Einer Bevölkerungszunohmo von rund 75 Prozent steht oino Bodenzunahme von ganzen 11 Prozont gegenüber! Der Anteil der jüdischen Bevölkerung stieg von 17 auf 25 Prozent, der jüdische Anteil am kulturfähigen Boden Palästinas von der nichts weniger als reichlichen Höhe von 5 Prozent um etwa 0.6 Prozent! Das ist für unsere politische und nationalwirtschaftliche Lage ein bedenklicher Zustand. Die schnell wachsende jüdische Bevölkerung drängt sich immer mehr auf einem ohnehin unzureichenden Bodenraum zusammen. In diesem Lande sitzt, im Gegensätze zu den Gastländern, der Jude nur auf jüdischem Boden, und das kann, aus der ganzen Lage heraus, nickt anders sein. Aus, so weitergeht, für uns zwei Folgen ergeben: eine wachsende nationalwirtschaftliche Abhängigkeit von unseren arabischen Nachbarn, und ein Schwinden der Chance, ihnen gegenüber nationalpolitisch jemals zu einer festen Stellung z/u gelangen. Die jüdischen Siedlungshoffmmgen in Palästina stützten sich bisher in der Hauptsache auf die wirtschaftliche Rückständigkeit des Landes und auf das Vorhandensein eines Überflusses an unausgenütztem arabischem Bodenbesitz. Durch den Abkauf eines Teiles dieses Bodens — so ging unsere Argumentation — können wir Juden eine erhebliche Kolonisation durchführen, während das arabische Landvolk gleichzeitig mit Hilfe des erhaltenen Kaufpreises den ihm verbliebenen Boden entwickeln und auf eine bessere Rentabilität bringen kann. Inzwischen befindet sich die Entwicklung auf dem Wege, das Bild radikal zu unseren Ungunsten zu verschieben, und zwar aus unserem eigenen Verschulden. Wir haben in diese Rechnung nicht genügend die Folgen der wirtschaftlichen Rückwirkung der jüdischen Alijah und des jüdischen Aufbauwerkes bei den Arabern eingestellt. Jene Argumentation war wohl richtig, aber wir haben aus ihr nicht rechtzeitig die Konsequenzen gezogen. Die Lage war bisher so, daß wir mit jedem Dunam Boden, den wir aus arabischer Hand erwarben, den nächsten verteuerten. Und zwar, kann man sagen, stand die Verteuerung in einem umgekehrten Verhältnis zum Umfang der gekauften Strecken. Je kleiner diese waren, desto konsequenter steigerten die Verkäufer die nächsten Preisforderungen. Die Erklärung ist sehr einfach: wir lebten in diesen letzten, für die Bodenauslösung aussichtsreichsten 10 Jahren von der Hand in den Mund. Wir nützten die Möglichkeit, uns eine große Bodenreserve, von der unsere Siedlungsarbeit eine Reihe von Jahren hätte zehren können, um gleichzeitig solange den Bodenmarkt ruhen zu lassen, zu heute nicht mehr erreichbaren Preisen nicht ans. Für die Sicherung des Bodens hat sich kein Geld gefunden. Die Frage ist berechtigt, ob bei der Beurteilung des Ernstes des jüdischen Aufbauwillens in Palästina die Unterlassung in der Bodenfrage nicht schwerer wiegt, als die Schaffung Tel-Avivs. Die Juden können nicht einmal die Entschuldigung für sich in Anspruch nehmen, daß die Frage von der zionistischen Bewegung in den Winkel gedrängt worden wäre. Im Gegenteil: auf allen zionistischen Konferenzen und unzähligen Versammlungen, in der Presse und Literatur wurde die echicksatshafte Wichtigkeit der jüdischen Bodenfrage in Palästina der jüdischen Öffentlichkeit vor Augen geführt. Die Wamungsrufe ans dom Lande selbst hörten nicht auf. Aber das Nötige ist nicht geschehen. Während die private Initiative auf dem Gebiete des Bodenerwerbs so gut wie vollständig versagt hat, konnte das, was dem Keren Kajemet zu tun ermöglicht wurde, in keinem Verhältnis zu den Ausmaßen einer Bodenbasis stehen, wie sie für die Kolonisierung eines Volkes und die ganze politische Situation als lebensnotwendig erschien. Wir Juden haben Verständnis für Rettungsaktionen großen Maßstabes, wenn uns nationale, übergroße Not trifft. Das amerikanische Judentum allein konnte in einer kurzen Reihe von Jahren für die Unterstützung des osteuropäischen Judentums 15 Millionen Pfund aufbringen; ja, es zeigt sich, daß es auch für den Aufbau Palästinas auf allen sonstigen Gebieten an Geld nicht fehlt, wenn es sich um geschäftliche und gewinn versprechende Investitionen handelt — ob es bisher 30 oder 40 Millionen Pfund waren, kann man fast nicht mehr zählen. Aber dasselbe jüdische Volk fand nicht die Einsicht — denn nur um diese handelt es sich — für die Schaffung einer, zunächst und möglicherweise nicht sehr „rentablen“ Bodenreserve eine Summe von 5 Millionen Pfund in einem großzügigen Anlauf bereitzustellen, um die Grundlage zu schaffen für die Aufnahme einer Volkswanderung, von der wir ja alle wußten (denn dieses Wissen war ja die Quelle unserer ganzen zionistischen Tuns), daß sie eines Tages elementar horvorbrechen wird. Diese Bodenreserve hätte uns für eine Reihe von Jahren von den schwankenden Kaufchancen und dom nie zu stillenden a-rabischen Bodenwucher und den aufreibenden und immer wachsenden politischen Schwierigkeiten befreit — mit allen Möglichkeiten, die mit einer solchen Freiheit verbunden gewesen wären! Wir haben das nicht gemacht, und die Folgen stehen jetzt drohend und nicht wegdiskutierbar vor uns. Jede 50.000 Juden, die wir ins Land bringen, bedeuten fast ungeschmälerte 50.000 neue Konsumenten für arabische land- und gar fce n wi r ts eba f 11 i ch e Produkte. Um diese liefern zu können, nehmen die Araber selbst immer mehr jene brachliegenden oder unrentabel bewirtschafteten Bodenflächen in Kultur. Sie kommen ferner sehr schnell darauf, daß auch sie Orangengärten pflanzen können, und zwar mit weit geringeren Kosten, als wir. Ihre Neupflanzungen werden in diesem Jahre, wie man hört, die jüdischen erreichen, oder schon überschreiten. Welchen Umfang der Fortschritt der arabischen Wirtschaft erreicht hat, erhellt aus der Tatsache, daß sie bereits auf den Zufluß von Arbeitern aus den Nachbarländern angewiesen ist, und fände dieser Zufluß, nicht statt, so müßte sie sämtliche arabischen Arbeiter aus der jüdischen Wirtschaft an sich ziehen... Was dies für die jüdische Bodenfrage bedeutet, ist klar. Der Zwang, Boden an Juden zu verkaufen, wird auf Seiten der Araber im geraden Verhältnisse, der eigenen wirtschaftlichen Erstarkung, deren Träger und ständige Vermehrer wir selbst sind, geringer. Und im gleichen Grade gewinnt das politische Moment auf diesem, ohnehin so stark umkämpften Gebiete an Einfluß, um so mehr, je länger, je mehr auch der bisher ausgebliebene Faktor der wirtschaftlichen Konkurrenz zwischen Juden und Arabern an Realität gewinnen muß. Das ist eine der Kehrseiten unserer weltbewunderten Tüchtigkeit, die wir bisher in Palästina bewiesen haben. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich unsere Lag« im Lande aiuszumalen, wenn in den nächsten fünf Jahren das bisherige Verhältnis zwischen Einwanderung und Bodenkauf sich fortsetzt. Der durchschnittliche Bodenanteil auf den jüdischen Kopf, der in der oben angeführten Vergleiehsperiode von 6 auf 4 Dunam gesunken ist, wird dann auf ein Ausmaß gefallen sein, das vielleicht gerade noch für ein städtisches „Settlement“ ausreichen wird... Bodenkauf ist wohl an sich keine rentable Anlage. Er trägt keine Zinsen, di© man unmittelbar auf die Bank tragen kann. Aber der Boden hat die unangenehme Eigenschaft an sich, daß man ihn nicht entbehren kann. In Palästina kann der Jude ohne eigenen Boden nicht leben, und insbesondere kann man die jüdische Heimat ohne jüdischen Boden nicht errichten. Ohne jüdischen Boden bleiben die Einwanderer in Palästina nur Gäste- 50.000 neue jüdische Einwanderer und mindesten« 10,000.000 Pfund neuer Kapitalinvestitionen werden die Bilanz des Jahres 1934 sein. Wo bleiben die 50.000X6 Dunam zusätzlichen Bodens (um bei dem Durch- Schulbücher für alle Lehranstalten in den vorgesehriebonen Auflagen, auch anflquarl3<h, zu wirklich billigstatt Preisen liefet! die Buchhandlung Hermann Tuchner, (Dien II., ECKE Taborstraße Nr. 52 Verzeichnisse umsonst. Spesenfreie Zustellung überallhin Für Auskünfte Telephon R 41-4-20. schnitt der Vorproeperityzcit zu bleiben), und wo die Bodensohuld dieser Zeit eines enormen Aufschwunges auf allen anderen Gebieten? Wir werden ohne ©inen verpflichtenden Bodenschlüssel, den jedes Palästinawanderer entlassende Galutlaml auf sieh zu nehmen hat, nicht auskommen. X Auswanderer mal X Bodeiidunamo wind die Rechnung sein, die jede jüdische Gemeinschaft aufzustellen und zu begleichen haben wird. Wenn sie die Wanderer von sich entläßt, m.uß sie gleichzeitig für den Boden sorgen, der sie in Palästina auf nehmen soll. 93 ei t Ijeumatif <$ett33ef <$ft»erben in ben (Mcttfen u. (Büchern fairtie Bet lttcl) lüirfeit £ogaL£ahfctten rqfdj utttb jtcfjct. 2Bemt Saufcivbc bmt Strien btcfeä 9Jlittcl bei> otbiteit, fönnett and) 6ie c§ bertraueueboll Berufen. allen StpoHjcTeit. SßrctS S 2*40, Zunahme des palästinensischen Touristenverkehrs Jerusalem (Palnews). In den ersten 6 Monaten des Jahres i934 hat sich der Touristenverkehr nach Palästina der ' entsprechenden Vorjahreszeit gegenüber beträchtlich erhöht. Die Zahl der in Palästina amkommenden Touristen ist von 42.897 im rsten Halbjahr 1933 auf 49.999 im ersten Halbjahr 1934 gestiegen* Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr, macht also 16.5 Prozent aus, und zwar betrifft sie sowohl den jüdischen wie nichtjüdischen Touristenverkehr. Die Zahl der jüdischen Touristen stieg von 80.156 auf 34.908, die - Zahl der niohtjüdischen von 12.741 auf 15.091. Die jüdischen Touristen machen demnach etwa 70 Prozent, die nichtjüdischen 30 Prozent des Gesamtverkekrs aus. Blau-weiß Palästinafahrten auf dem Landweg Billige Sonderfahrten Reisedauer Wien—Haifa nicht (ranz 4 Tage. Abfahrt des ersten Sonderzuges Samstag den 17. November, 19.20 abends von Wien-Ostbahnhof. Ankunft Mittwoch. Bequeme Fahrt Schlaf- und Snelsewagen Rituelle Küche Wegen der vielen Voranmeldungen empfiehlt es sich, die Fahrkarten ehestens zu besorgen. Platzkarten werden bereits ausgogeben. Kartenverkauf — Auskünfte: Dsterr. Verkehrs-Bureau Wien, I., Friedrichstraßo 7, Tel. B 27-500. Osterr. Palästlnaamt Wien, l., Iiämtnerstraße 28, Tel. R 27-4-86. PalSstlnafahrien Wien, I., Franz-Josofs-Kai 7/9, Zimmer 129A, Tel. R 28-0-65. Neues medizinisches Zentrum in Palästina Washington, 16. Oktober. (Z. T. A.) Die in Wasington abgehaltene Tagung des Verbandes zionistischer Frauen in Amerika „Hadassah“ beschloß, dem Komitee amerikanisch-jüdischer Ärzte beizutroten, welches die Errichtung eines nach Dr. Rathnoff zu benennenden medizinischen Zentrums in Palästina im Frühjahr 1985 beschlossen hat. Von dem für die Errichtung des Zentrums notwendigen Betrag von 400.000 Dollar sind 85.000 Dollar bereits aufgebracht worden. PALÄSTINA - TRANSPORTE ^ntr ihn1? tsTEoncs BRPDER & FENYP Wien, I., Franz-Josefs-Kal 7-9, Telephon R 26-0-67 und R 26-1-67, übernehmen zu kulantesten Be dingungen Übersiedlungen, Warentransporte via Galats, Triest und Constansa nach Palästina. Auskünfte t Ernst ULLMANN, Leiter der Palästina-Abteilung