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Die Stimme · 1934-10-19 · Heft 393 (19.10.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 393 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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W\ 303 — 10. Oktober 1034 Soll# I DIE STIMME Aus dem neuen Palästina-Bilderbuch* - , ' V 's ' N%< s&lMi ......'.ri s f S ‘V*-',S « ■» : iilfl <*&$&■ fei? t * '> >_vl«& w ■».■««»»TO * f , | o w; i SSftWSjSSS üii Links oben: Zwei Generationen. Der Großvater sitzt über den heiligen Büchern, der Enkel — Chauffeur von Beruf — am Volant. Rechts oben: Jugenddorf Ben Shemen. Das erste Lese* buch ist Vorübung zur Volksschule, die im Erziehungegang Ben Shemen« als Mittelstück zwischen die Kinderspiele und die landwirtschaftliche Arbeit eingebettet ist. •; Mitte: Baustein. Aus dem Geeicht dieses Mannes spricht etwas von deT Freude aller an der Arbeit des Aufbaues. Auf seiner Schulter ruht, wie gewichtslos, einer der aus Zement gegossenen Kunststeine „BLockim“, Links unten : Ein Kalb ist geboren. Großes wichtiges Ereignis auf der kleinen Farm. In den Gesichtern der jungen Siedlerinnen spiegelt sich mütterlich zärtliche Freude über das Neugeborene, Rechts unten: Jüdischer und arabischer Polizist. Der Mann auf dem Schimmel, der größere, ist Jude, der andere Araber. *) Wir bringen aus dem von Arthur R u n d t und Hans Casparius im E. P. Tal —Verlage, Wien, soeben erschienenen „P alästina- Bilderbuch“ mit freundlicher Genehmigung des Verlages die folgenden Bilder. plig v s : ü Antlitz eines Eandes llllllllll (Zu unserer heutigen Bilderseite.) rAm Anfang war das Wort. Es wurde zur Vision. Sie hieß: „JudenstaatDieses Wort umfaßte jahrtausendealte Sehnsucht und Hoffnung. Die Vision hatte ein Einzelner: Theodor Herzt. Seme Vision wurde mr Tat. Durch Generationen. Die Tat ist entstanden in harter, aufopferungsvoller Arbeit junger Menschen, die mit ihrem Blute wüste Stätten in blühende Siedlungen umwandelten, steinigen Boden düngten und fnalariaverseuchten Grund in blühende Gärten umzauberten. Die Tat heißt: Emek Jesreel und Tel-Aviv, Haifa und Neujerusalem und der ganze Kranz der wundervollen neu-judäischen Kolonien, der sich um das Land windet. Heute, da das neue Gebilde der Juden in Palästina auch den strengsten Expertenkritiken standhält, heute, da nach Palästina die Blicke von hunderttaxisenden Juden aus aller Welt sehnsüchtig sich wenden, ist das Bändchen diesseits des Jordans Ziel nicht mir von Emigranten, sondern auch von Dichtern, Schriftstellern und Journalisten aller Kationen. Eine Anzahl von Palästina- Schriften, verschieden in ihrem Wert, je nach der Gabe des Autors und Beschauers, Gesehenes plastisch und kraftvoll wiedermgeben, liegt bereits vor. Auch Künstler, insbesondere Maler, hat Palästinas Landschaft mit seinem pittoresken Zauber angelockt. Mit wenigen Ausnahmen aber ist uns Mmm dte M Brntmtm dte* soziologischen Prozesses in Palästina, der sich dort vollzieht, versagt geblieben. Wohl haben wir hie und da photographische Aufnahmen erhascht, die uns etwas von dem grandiosen Schaffen in Neu-Jadäa vw Augen führten. Das meiste jedoch, was wir über das Geschehen dieses Landes erfuhren, schöpften wir aus Büchern. Es war daher ein dankbarer Einfall des Wiener E. P. T al -Verlages, der schon durch sein erstes Palästina-Buch vor zwölf Jahren von Arthur Hundt und Arnold llöllriegel, und sein im vorigen Jahr erschienenes Buch „Die Juden Wiens“ von T ietze sein Interesse für jüdische Probleme belmndet hat, den bekannten Reiseschriftsteller Arthur Hundt gemeinsam mit dem ausgezeichneten Photographen Hans Casparius auf eine Photoexpedition nach Palästina zu entsenden. Das Ergebnis dieser Expedition der einander ausgezeichnet in Wort und Bild ergänzenden Autoren liegt mm als „P al ä st in a-Bild er buch“ vor, das in 96 großen, von etwa 1000 Aufnahmen ausgewählten Bildern einen Querschnitt durch das neue Palästina gibt. Es ist eine wundervolle Auslese von Bildern, von dem lebendigen Palästina abgelauschten Impressionen. Casparius bleibt keinen Augenblick im Lyrischen, im Stimmungshaften oder etwa Landschaftlichen stecken. Seine Absicht logischen Prozesses in Palästina durch Linse und Auge festzuhalten. Was er vermittelt, ist das seelisch-geistige Erlebnis vom neuen jüdischen Menschen, der sich nach langem Dunkel und Zwange in Freiheit und Stolz wieder bewegen darf. Diese Bilder vermitteln in fast hörbarem Rhythmus das starke, farbenreiche, vielfältige Bild vom neuen Palästina, kurz, das jüdische Antlitz dieses Landes. Schon der Umschlag: Junge, bei Musik durch die Straßen der jüdischen Stadt Tel- Aviv marschierende Juden, Frohsinn auf den Gesichtern, bekundet die Absicht der Schöpfer dieses Palästinabuches: Die Jugend in ihrer Arbeit, das Land in seinen stärksten Erscheinungen von heute festzuhalten. Ein Hauch der Palästinaluft umweht uns beim Durchblättern dieses Bilderbuches. Unser Auge wandert, nein, fliegt durch diese Bilder, die uns so warmdurchpulstes Leben schauen lassen. Sei führen uns auf die belebte Herzlstraße in Tel-Aviv und zeigen uns den Sabbathmorgen am Tel-Aviver Strand. Wir bewundern mit zwei Juden die hebräischen Affichen an der schwungvollen Litfaßsäule, wir sehen mit Stolz, wie die jüdische Jugend im Jugenddorf Ben-Shemen das erste Lesebuch aufschlägt, und werfen einen Blick in den verzaubert schönen Kindergarten in Tel-Aviv. Wir bewundern das schmucke Wohnhaus des jüdischen Arbeiters, die Schusterwerkstatt der Chaluzim, die arabischen Handweber und das imponierende Arbeitererholungsheim bei Moza. Wir folgen dem Aufbruch zur Arbeit und dem fast heilig anmutenden Akt der Geburt eines Kalbes. Wir sehen den lachenden jüdider Erstlinge feiert, die Sabbathpromenade in Haifa und die Proben im Freilufttheater. Da ist ein modernes Wohnhaus in Haifa und da eine Straße im alten Safed, in der, eine Gestalt des alten Jischuw sichtbar ivird. Abendstimmung in Tel-Aviv und Baden im Toten Meer. Das pittoreske Wohnhaus des Arabers und die jüdischen Arbeiterhäuser am Toten Meer. Das kraftvolle Bild des Chaluz’ mit dem Baustein und die Hühnerfarm, den blühenden Kaktus und die landschaftlich schöne Siedlung Ness-Ziona. Dazwischen zeigt uns ein Bild das arabische Dorf Liftha, ein anderes die Davidsburg in Jerusalem, ein drittes den Verkehrsturm vor der Davidsburg, ein viertes die Klagemauer, ein fünftes den Basar. Ein Bild zeigt uns eine Jüdin aus Jemen in ihrer historischen Tracht, ein anderes wieder den jüdischen und arabischen Polizisten, wobei der Jude der größere ist. Dann wieder Aufnahmen von Lord Melchetts blühendem Garten in Migdal und der landwirtschaftlichen Versuchsstation. Aufnahmen vom Werden und Bauen, vom Leben am Strand und Treiben in der Stadt, vom Lernen in den Abendkursen und beim Spiel von Knaben. Von der fröhlichen, tanzenden Jugend und den Kinderfesten in Jerusalem, um mr einzelne zu nennen. All diesen Bildern entströmt eine warme Kraft, deren Zauber sich der Betrachter dieses Buches nicht zu entziehen vermag. Das Vorwort und die die Bilder erläuternden Texte zeigen den Autor Arthur Hundt als liebe- und verständnisvollen Betrachter des jüdischen Neulands. *Dr. Jakob Rosenthal

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