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Die Stimme · 1934-10-19 · Heft 393 (19.10.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 393 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit# 2 DIE STIMME Nr. 393 — 19. Oktoher 1934 Besuchet Emlnsers Gaststätten am Praterstern! *iiiiim:iiiiiiiiiii!i:!i!i!!!N;mii,i;iii!ii:iiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiii!iiiiNiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiM!i!iiuiiiiiimni!ii(iiiiiii]iiuii!iiiiiiiiniiiiiw Die Stint mutig in Jugoslawien Belgrad, 15. Oktober. (2. T. A.) Repräsentanten des jugoslawischen Judentums unter Führung des Oberrabbinens Doktor A! k a 1 a y nahmen an der feierlichen Sitzung des jugoslawischen Parlaments, in der die Mitglieder des neuen Regentschaftsrates vereidigt wurden. Anteil und Unterzeichneten mit das Treuegelöbnis. Vertreter des Judentums waren zu allen Trauermanifestationen eingeladen. Die Ober- Tabbiner von Belgrad wurden eingeladen, an der Arbeit des Staatenufiohusses für das Königsbegrübnie toll zunehmen. Die schnellen Maßnahmen der Regierung gegen die antijüdische Agitation, besonders in Slawonien und Kroatien im Zusammenhang mit den Gerüchten, daß der Königsmörder ein Jude wäre — inzwischen wurde festgestellt, daß der angebliche Petrus Kelemen oder Suok in Wirklichkeit Vlada Georgiew hieß und M a z ed o n i e r war — haben beruhigend auf die jugoslawische Bevölkerung und auf die Juden Jugoslawiens gewirkt. Seitens der Behörden wurde versichert, daß kein einziger Jude auch nur den geringsten Zusammenhang mit dem Königsmord und mit der ganzen Verschwörung, die zu dem Morde führte, hat. Judenfeindliche Unruhen gehören in Jugoslawien zu den Seltenheiten. Überfälle auf Juden wurden in Bulgarien und in Jugoslawien von Zeit zu Zeit gerade von den mazedonischen Terrorgruppen verübt, zu denen der KOnigsmörder gehörte. Die zionistische Wochenschrift „2idow“ in Zagreb erschien als Sondernummer, die dem König Alexander IL gewidmet ist. Darin wird unter anderem daran erinnert, daß das Königreich Serbien der erste Staat war, der, als König Alexander noch Regent waT, die Balfour-Deklaration anerkannt hat. Sein Vater, König Peter I., war als Judenfreund bekannt, und das jugoslawische Judentum pflanzte in Palästina zu seinem Andenken den König-Peter-Wald. König Alexander hat zur Schaffung dieses Waldes materiell beigetragen und war der erste Herrscher, der den Keren Kajemeth direkt unterstützte. MnMeMii itrjtl\<t) immer toieber emt>fof)Ien minner eauerbrumt Kongreß der jugoslawischen Zfonisten verschoben Der für den 21. imd 22. Oktober nach Skoplje einberufene Kongreß des jugoslawischen Zionistenverbandes wurde aus Anlaß des Todes Königs Alexander auf unbestimmte Zeit verschoben. GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN I ., Kärlnerslrajje Nr 61 Besitzer Olfo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Otto Kaserer Prozeß gegen antisemitische Terroristen In der Schweiz Zürich, 15. Oktober. (2. T. A.) In Zürich fand soeben ein Prozeß gegen fünf Terroristen der „Nationalen Front“ (faschistisch-antisemitische Partei in der Schweiz) statt, die sich hauptsächlich wegen Verübung eines, übrigens mißlungenen, Sprengstoffattentates gegen einen sozialistischen Redakteur, aber auch wegen einer Anzahl antisemitischer Ausschreitungen — Überfall auf einen jüdischen Kaufmann und gewaltsame Boechneidung seines Bartos, Eindringen in ein jüdische« Betlokal und Ausgießen eines Kotkübels darin u. dgl. m. — zu verantworten hatten. Der Prozeß hat «ehr großes Interesse hervorgerufen, das Geriohtsgebäudo mußte vor dem Andrang des Publikums durch starke Polizeikordone gehütet werden. Währen<1 der Verhandlung erklärte der Vertreter der jüdischen Synagogengemeinde „Minian Sfard“, deren Betlokal verunreinigt worden war, daß er keine Zivilansprüche geltendmache. Er sprach in einem versöhnlichen Sinne. Er verwies auf antisemitische Schriften, die von der Nationalen Front herausgegeben werden, und stellte fest, daß das Attentat gegen das jüdische Betlokal eine Folge dieser Hetze war. Der Angeklagte sei daher milde zu bestrafen, denn er sei nur ein Opfer dieser Hetze. Gerichtet müsse er jedoch werden, damit das Urteil moralisch auf die wahren Urheber zurückfällt. Die Verteidiger de« 23jährigen Angeklagten G 1 o o r, der sowohl am Sprengetoffattentat wie an den antisemitischen Ausschreitungen beteiligt war, erklärten, daß der Angeklagte sich seiner Tat heute schäme. Der Angeklagte Gloor wurde wegen Sprengistoffattentat, böswilliger Beschädigung fremden Eigentums, Mittäterschaft an den Gewalttaten gegen den jüdischen Kaufmann. Diebsahl usw. zu anderthalb Jahren schweren Kerkers und zweijährigem Verlust seiner Bürgerrechte verurteilt. Von der Anklage wegen Störung des Religionsfriedens (Eindringen in das jüdische Betlokal und Verunreinigung desselben) wurden alle Beteiligtenfroig e s p r ochen, da das Gericht zur Überzeugung gelangte, daß es sich hier um keine religiöse Zeremonie in dem fraglichen Lokal handelte und da anderseits eine Bestrafung wegen unziemlichen Benehmens bereits der Verjährung verfiel. Die vier anderen Angeklagten wurden zu vier und zwei Monaten Kerker verurteilt. Der Angeklagte, der zusammen mit Gloor dem jüdischen Kaufmann den Bart besohnitt, wurde zu einer Woche Kerker verurteilt. Rn die Zionisten Oesterreichs ...................... ........ Einer der besten Zionisten Österreichs, Dr. Simon H or o w it z, wurde uns in der Blüte seiner Jahre durch den Tod entrissen. Als ehrenamtlicher Leiter des Palästina-' Amtes in Wien hat Br. Horowitz unter den schwersten Bedingungen vorbildlich und unermüdlich gewirkt. Seiner grenzenlosen Aufopferung für die zionistische Sache und seiner beispielgebenden Objektivität verdanken Hunderte von Gesinnungsgenossen ihre Alijah nach Palästina. Dr. Simon Horowitz, dessen ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet war, selbst nach Palästina zu übersiedeln, starb, bevor er diesen seinen Lebenstraum verwirklichen konnte. Den österreichischen Zionisten aber erwächst nun die Ehrenpflicht, das Andenken an Dr. Simon Horo witz in Erez Israel zu verewigen. Wir rufen daher alle österreichischen Zionisten dazu auf, dem Bureau des Keren Kajemeth Spenden zu übermitteln, damit ein Dr^Simoii’UorowitZ’Garten in Erez Israel gepflanzt werden kann. So werden wir das Andenken an unseren teuren Toten am besten ehren. Für das Palästina-Ami:; Für das zionistische Landeskomitee: Dr. Rothenberg. Dr. Grünbaum. Die jüdischen Parallelklassen Die Modifizierung des ursprünglichen Er-1 lasses über die Errichtung jüdischer | Parallelklassen an den Mittelschulen hat au einem neuerlichen Erlaß des Stadtschulrates Anlaß gegeben, der vor etwa 14 Tagen ergangen ist. Darin wurden die Schulleitungen beauftragt, mitzuteilen, ob sich bei der Klassenteilung nach konfessionellen Gesichtspunkten Schwierigkeiten ergeben haben und wie die Teilung vorgenommen worden ist. Die Antworten der Schulleitungen sind naturgemäß unbekannt. Doch kann festgestellt werden, daß sich bisher in der Praxis keine Modifizierung eingestellt hat. Es gibt in Wien vier rein jüdische erste Klassen, und zwar am akademischen Gymnasium, am Gymnasium in der Wasagasse, am Realgymnasium Stubenbastei und am Luithien-Lyzeum (Tuchlauben). An einer ganzen Reihe von Anstalten ist die Teilung im Sinne des ersten Erlasses in der Weise vorgenommen worden, daß neben reinen katholischen Klassen gemischte Klassen bestehen, in denen neben katholischen sich jüdische, evangelische und konfessionslose Schüler befinden, eine Anordnung, gegen die sich nichts einwenden ließe. Doch ist der interessante Fall eingetreten, daß an Anstalten mit stärkerer jüdischer Schülerzahl Lehrer nationalsozialistischer Richtung „strafversetzt“ worden sind, was wohl ein Unikum darstellt. Ein besonderes Kapitel ist die Behandlung der jüdischen Hilfslehrer. Bei den Bundesmittelschulen Ist es üblich, daß am Ende eines jeden Schuljahres die beroits im Dienste stehenden Hilfslehrer, soweit ira folgenden Schuljahr voraussichtlich der Bedarf gegeben ist, über Antrag ihrer Direktion auch für das neue Schuljahr angestellt werden. Außerdem werden am Beginn eines jeden Schuljahres auf Grund des weiteren Bedarfes weitere Hilfslehrer angestellt. Das ergab für das laufende Schuljahr eine Bestellung vcm zirka 120 Hilfslehrern, davon sechs jüdische (5 Prozent). Abgesehen davon, daß bed den Herbstanstellungen dio jüdischen rangälteren Bewerber zugunsten ganz junger, oft eben erst geprüfter, übergangen wurden, zeigt die Beschäftigung der jüdischen Hilfslehrer ganz deutlich ihre Benachteiligung. Fünf von diesen sechs jüdischen Lehrenh sind nicht einmal mit der Hälfte der Lehrverpflichtung (18 bis 20 Stunden pro Woche) beschäftigt, wobei drei von diesen bereits mehr als vier volle Dienstjahre haben. Dies ist besonders auffällig, da nach den Bestimmungen Lehrer nach dem vierten Dienstjahr definitiv werden, wenn sie in den folgenden Schuljahren voll beschäftigt sind. Somit sind diese drei Lehrer vom Definitivum ausgeschlossen, anderseits aber wurden für dieselben Fächer andere dienst- und prüfungsjüngere angestellt. Als besonders auffallend - sei der Fall einer Frau erwähnt, die an einer Anstalt mit starkem jüdischem Prozentsatz für eine Lehrstelle für Geschichte vorgeeeh lagen war. Die Bestätigung wurde mit dem Bemerken verweigert, daß für Geschichte verläßlichere Lehrkräfte gebraucht werden als jüdische. Wir erwähnen dies alles, um zu zeigen, wie berechtigt die jüdische Forderung nach jüdischen Anstalten mit jüdischen Leitern und jüdischen Lehrern ist. Ihre Erfüllung würde alle heute sich bietenden Schwierigkeiten aus dem Wege räumen, wobei es als selbstverständlich gelten muß, daß der Lehrplan im Einvernehmen mit der jüdischen Kulbusgemebde aufgestellt werden muß. Der „Stttrtner»ProzeA“ findet nicht statt Dieser Tage hätte in Wien die Verhandlung über dio Klage des nationalsoziali«tischen Blattes „Der Stürmer“ gegen Frau Irene II a r a n d durobgeführt werden «ollen, die in der „Gerechtigkeit“ den „Stürmer“ (Herausgeber Han« Novak) der Lüge beschuldigt batto. Mit Rücksicht auf die inzwischen erfolgte Einstellung de« „Stürmer“ hat das Gericht das Strafverfahren o 1 n g e s t e 1 lt, Die Judentaufen in Wien In der „Christlichen Prcssczentrale“ gibt Pater Biehlmair emo Darstellung Gor katholischen Konversionsbewegung in Wien. Darnach erfolgten seit Jänner 1928 bis anfangs Juli 1934 in Wien ungefähr 1000 Konversionen, darunter 447 Juden! au feil. 1930 wurden 27 Juden, 1931 43, 1932 42, 1933 102 Juden und in der ersten Hälfte dieses Jahres 152 Juden (von insgesamt 230 Übertritten) getauft. Die Zahl der Juden taufen — schreibt der Autor — dürfte im laufenden Jahr schätzungsweise auf 250 ansteigen. Der Artikel führt dann weiter aus: Für gewöhnlich finden die Aufnahmen in den zuständigen Pfarren statt. Doch brachten es praktische Rückeichten mit sich, daß etwa die Hälfte aller Konversioneai, namentlich die Judentaufen, iu der Institutekapelle des Klosters Unserer Lieben Frau von Sion (VII., Burggasse 37, Pfarre St. Ulrich) erfolgten. Das religiöse Institut der Sehwestern von Sion wurde bekanntlich von den beiden Brüdern und J u d e n k o n v e r t i t e n Ratisbonne gegründet und ist vornehmlich dem Werke der Bekehrung Israel« gewidmet. Dort hat auch der deutsche Zweig der Erzbrudersohaft zur Bekehrung Israels seinen Zentralsitz. Nach kirchlicher Vorschrift müssen alle Konvertiten vor ihrer Aufnahme in den Lehren der katholischen Kirche gründlich unterrichtet werden. Der Unterricht dauert für gewöhnlich etwa drei Monate bei zwei. Stunden wöchentlich. Unterrichtsetellen gibt es in Wien bei der Jesuitenkirche Am Hof, wo neun Katecheten und Kateohetinnenunterriohten, ferner im Kloster Sion (VIL, Burggasee 37), im Kloster der Armenseelenschwestern (XVUI., Martinstraße 81), beim Josefswerk (ni., Ungargasse 27). Der Unterricht wird unentgeltlich erteilt. Welche Umstände bilden für gewöhnlich das auslösende Motiv dafür, daß sich ein Andersgläubiger zum Unterricht in der katholischen Religion meldet? P. Biehlmair stellt die schätzungsweise feststellbaren Beweggründe nach ihrer Häufigkeit in absteigender Linie dar: die ideell vollzogene Auewurzelung aus dem Judenvolk und die beabsichtigte Einwurzelung in da« christliche Volk, Angleichung an die katholische Umgebung (Ehepartner, Gesellschaftskreis, Wirkungskreis und ähnliche«); die beabsichtigte Verheiratung mit einem katholischen Partner; Rücksicht auf d e n he r r s c h e n d e n politischen Kurs. Sehnsucht nach einer konfessionellen Zugehörigkeit bei solchen Menschen, die bereits vor Jahren konfessionslos geworden sind; Angleichung an die Religion der Kinder (zum Beispiel aus Mischehen, wo der katholische Teil gestorben ist); inneres, religiöses Suchen nach einer wirklich vertretbaren religiösen Haltung; eine innerlich erkannte religiös-sittliche Pflicht bei solchen, die sich bereit« früher viel mit religiösen Fragen und Studien beschäftigt haben. Es begegnet also jenes Motiv, das beim Vollzug des Übertritte« notwendig an erster Stelle stehen muß, als anetoßgebende« Anfangemotiv an letzter Steile. Über den Erfolg deT Konvorsionsbewegung schreibt der Autor: Von 655 Konvertiten ließ «ich mutmaßlich folgendes feststeilen: 227 durften als andauernd positiv gläubigangenommen werden, 47 verhielten sich völlig ablehnend, 3 sind wieder aus der Kirche ausgetreten, bei 362 fehlte die Möglichkeit einer Beobachtung. Die Angaben beziehen «ich auf eine Beobachtungezeit von 4 Jahron. Auf Grund dieser Zahlen läßt sich behaupten, daß etwa ein Drittel aller Konvertiten den beim Übertritt übernommenen bekenntnismäßig religiösen Pflichten dauernd nachkommt. Zu bemerken ist, daß der Hundertsatz g | ä ubig gebliebener Judenkonvertiten nicht, jedenfalls nicht weit hinter dem der anderen Konvertiten zurückblelbt. Daß Judentaufen grundsätzlich, weil angeblich nur äußerlich erstrebt und gewollt, mißlingen müßten, ist, sagt P. Biehlmair, eine haltlose Behauptung fanatischer Antisemiten. Wir werden auf diese Ausführungen noch ausführlich zurückkommen,

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