Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 393 (19.10.1934)
- Date
- 1934-10-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Heule — Palästina-Bilder-Seite JÜDISCHE ZEITUNG mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie TRIEST-JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alex« andrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6,Tel.U>47«5«60 Nr. 393 | Wien, 19. Oktober 1934 f Redaktion und Administration: Wien, i. KSrntnerstraBe 28. Tel. R 27-4*85. Redaktionsschluß Montag und Mlttwooh vorm. 1(10. Cheschwan 5695) | 8. Jahrgang Berichte der Exekutive an die politische Kommission London, 17. Oktober. (2. T. A.) Die Beratungen der vom Zionistischen Aktionskomitee eingesetzten politischen iStudienkommißßion haben in London begonnen. Die erste Sitzung, die einen Tag undjjfeine Nacht dauerte, war von Berichten der Mitglieder der Zionistischen Exekutive über die innere und äußere politische Lage im Zionismus außgefüllt. Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen die Fragen des Legislative Council, der inneren Konsolidierung der zionistischen Bewegung und der Kolonisation, insbesondere derjenigen auf neuen Ländereien. Ein offizieller Bericht über die Tagung der Studienkiommission wurde noch nicht ansgegeben. Inoffiziell wird der JTA mitgeteilt, daß die Beratungen der Studienkommission vor allem den Zweck haben, die Basis für die bevorstehenden Verhandlungen der Zionistischen Exekutive mit dem Colonial Office und dem High Commissioner in der Frage des Legislative Council vorzubereiten. Zionistische Exekutive verhandelt mit Allgemeinen Zionisten London, 16. Oktober. (2. T. A.) Bevor noch die Verhandlungen mit den Führern der Revisionisten zwecks Befriedung der zionistischen Bewegung beendet worden sind — diese Verhandlungen werden noch im Verlauf dieser Woche fortgefübrfc werden — trat die zionistische Exekutive in Besprechungen mit den Führern des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten ein. Obwohl sämtliche Verhandlungspartner über den Verlauf der Besprechungen Stillschweigen bewahren, sind informierte Kreise in der Lage, zu erklären, daß sich nun zum ersten Male optimistische Ausblicke betraf f'end die bisherigen Ergebnisse eröffnen. In dieser Woche noch beginnen die Beratungen der vom Aktionskomitee der Zionistischen Organisation eingesetzten Politischen Kommission. Hauptgegenstand der Beratungen ist die Frage des Legislative Council for Palestine. die unerlaubt im Lande, geblieben sind, sowie die ganz ohne Visum angekommenen Einwanderer nicht enthalten. Mit dieser Ziffer von mehr als 36.000 jüdischen Einwanderern war das Jahr 5694 das Jahr der größten bisher verzeichneten Einwanderung nach Palästina. Im Jahre 5693 betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer 20.938 Personen. Die Einwanderung des Jahres 5694 bestand hauptsächlich aus drei Kategorien: Kapitalisten, Arbeiterin auf Grund von Zertifikaten der Jewish Agency und Verwandten auf Grund direkter Erlaubnis der Regierung. Die Kapitaiisten-Einwanderung betrug zirka 30 Prozent der gesamten jüdischen Einwanderung, die Arbeiter-Einwanderung 58 Prozent und die Verwandten- Einwanderung 11 Prozent. Judenhetze, Mord und Hochverrat 36.654 legale jüdische Einwanderer im Jahre 5694 Jerusalem (Palcor). In ihrem Sohlußberieht über das Jahr 5694, das gleichzeitig das erste Jahr der Tätigkeit der gegenwärtigen Zionistischen Exekutive ist, stellt das Einwanderungs- Departement der Jewish Agency in Jerusalem fest, daß die legale jüdische Einwanderung im Jahre 5694 36.654 Personen betragen hat. In dieser Ziffer sind auch 2789 Touristen enthalten, die von der Regierung die Erlaubnis zu legalem Aufenthalte im Lande erhalten haben. Dagegen sind in dieser Ziffer diejenigen Touristen, Das schreckliche Marseiller Attentat hat zu einer Übereinstimmung der Geister geführt. Sie ist vorläufig nur akademisch. Die ganze Welt ist plötzlich von einem Abscheu gegen jeglichen Terror erfaßt; die führen den Organe aller Völker wetteifern in der Verurteilung der Gewalt und regen ein internationales Einschreiten an. Es wird vorgeschlageh, daß sich der Völkerbund im November mit dem Attentat beschäftigen soll, und man kündigt schon jetzt eine sehr ernste Session an. Dank der modernen Drucktechnik und dem Rundfunk ist diese Entrüstung zur Weltstimmung geworden, und wenn sie zur politischen Tat sich verdichten würde, zur Einsetzung eines internationalen Gerichtshofes für die Aburteilung von Verbrechen dieser Art, so könnte man sogar an die Aufrichtigkeit dieser Weltmeimung glauben, auch wenn es nur bei der Forderung des Gerichtshofes bliebe. Man könnte auch sagen, daß dieser Gerichtshof in der Institution des Völkerbundes bereits vorhanden ist, und daß es sich nur noch darum handeln könnte, wer die Anklage erhebt. Aber könnte, dürfte es nur bei dieser einen Angelegenheit bleiben? Müßte nicht die Anklage auf das ganze System von Unrecht und Vergewaltigung ausgedehnt werden, das sich Politik nennt und in dem man schon seit langen Jahren die Spuren jener „heroischen Weltanschauung“ findet, die in unseren Tagen im Herzland des Kontinents den Thron bestiegen hat und von hier aus, im vollen Besitz von Macht und Geld über die Grenzen wirkt und die Seelen vergiftet? Es ist die Herrschaft einer bis zur Hysterie gesteiger- 1 fcen Psychose, die in jedem An der »denken den, Andersgestalteten den todeswürdigen Verbrecher sieht; eine Entartung der Gei stigkeit, die in einer unnennbaren Feigheit die grundsätzliche Diskussion flieht und die Revolverkugel zum inappellablen Richter erhoben hat. Die ganze zivilisierte Welt ist in Erregung geraten. Zwei ihrer Mittelpunktgestellten, Barthou und König Alexander, sind ermordet worden und an ihrem Grab ist der Ruf der Solidarität der Kultur, der jiumanität, des beleidigten Rechtes laut geworden, Aber' diese edle Entrüstung wird daurch entwertet, daß sich an ihr alle jene beteiligen, denen die Gewaltanwendung gegen die jüdischen Volksteile in allen Staaten als etwas Selbstverständliches, ja als eine kultische Notwendigkeit erscheint. Die „heroische Weltanschauung“ ist in dieser zerrissenen, fieberverwüsteten Welt die einzige Konstante; aber ob sie sich nun in einer Massenrevolte äußert oder in dem Werk eines gedungenen Mörders — in den meisten Fällen richtet sie sich gegen Mächtige oder Madhtgrößen. Ihr hervorstechendster Zug aber ist die Behandlung der Juden; hier kann sie am weitesten sich vorwagen, weil in bezug auf die Juden die Solidarität der Kultur und Sitte seit eh und je versagt hat. Und doch geht von der Judenunterdrückung der Strom der Zerstörung aus, der die Massen lehrt, daß die Manier der gesetzlichen Ordnung an dieser Stelle ungestraft durchbrochen werden darf. Und wenn die Manier einmal stürzt und der Ni hilismus sich an anderen vergreift, wenn eiandere Minderheiten rechtlos macht oder Mossul-Oel Röhrenleitung Irak-Haifa eröffnet Haifa, 16. Oktober. (2. T .A.) Am 14. Oktober morgens wurde die von den Ölfeldern des Irak nach dem Hafen von Haifa gehende Ölröhrenleitung offiziell eröffnet; das erste Mossul-Öl fließt bereits in die Tanks von Haifa. Ende Oktober wird mit der Verschiffung des Öls nach Europa und nach anderen Erteilen begonnen werden. 2 VII., KAISERSTRASSE 123 Ar IX., ALSERSTRASSE 6 Mit diesem Tage ist ein großes Werk in Aktion getreten, von dem man sich seit Jahren eine Aufwärtsentwicklung des Wirtschaftslebens Palästinas verspricht. Anläßlich der Eröffnung des Haifa-Hafens vor etwa einem Jahre wies der aus diesem Anlaß nach Haifa gekommene Kolonienminister des britischen Reiches, Sir Philip Cunli f f e - L i s t e r, auf die g r o ß e B e d e utungder ö 1 r ö h r e n 1 e i t u ng Moss u 1-—H a i f a für die Entwicklung- Palästinas hin. Der High Commissioner SiT Arthur Wauchope sagte damals, er vertraue darauf, daß Haifa sich als das neue Tor zum Osten, als welches es benannt wurde, in der Tat erweisen wird. Im November 1930 hatte der damalige High Com-, missioner Sir John Ohanoellcw die 25 Acker umfassende riesige Öltankanlage der Shell Oil Company, die eine Aufnahmefähigkeit von über sechs Millionen Gallonen hat, eröffnet; diese Tank6 dienen nun zur Aufnahme des Mossul-Öls. Gemäß der Konvention zwischen der Regierung Palästinas und der Iraq Oil Company ist dio Gesellschaft verpflichtet, auf palästinensischem Boclen nur palästinensische Arbeiter zu beschäftigen; nur wenn es an solchen Arbeitern mangelt, gibt der High Commissioner Erlaubnis zur Einführung fremder Arbeiter. Die Gesellschaft verpflichtet sich aber, die ausländischen Arbeiter in ihre Heimat zurüokzubefördem, sobald sie durch einheimische. Kräfte ersetzt werden können. ausplümdert, oder wenn er Mächtige meuchelt — dann beginnt die Entrüstung, dann gibt es Augenblicke des Nachdenkens, in denen aber der tiefste und letzte Grund der Verschwörung nicht erkannt wird: daß sie nur möglich ist, weil innerhalb der so stolzen und hochgebildeten Kultur Europas ein Volk lebt, das jedermann verfemen, verachten, bestehlen kann und darf. Das ist das jüdische Volk. Gegen kein Volk ist so viel gefrevelt und konspiriert worden, wie gegen das jüdische; und im Verlauf dieses einen letzten Jahres ist es’ schrecklich klar geworden, daß auch nur gerechtes Fühlen gegenüber den Juden ein Todesurteil bedeutet. Pderacki, der »ich dem Exzeßpöbel entgegenstellte, wurde ermordet; Dnoa erlag der Eisernen Garde; Doll-- fuß wurde in seinem Arbeitszimmer niedergeschlagen. Jetzt sind Barthou und König Alexander tot und in gewissem Sinn darf man dieser Reihe auch Poincare anschließen, der auf die Nachrichten aus Marseille vom Schlag gerührt worden ist. Alle diese Morde sind von Elementen begangen worden, die aus der Neugestaltung des Dritten Reiches ihre politische Phantasie beflügelt fühlten: Rechtsradikale in Polen und Rumänien, die in offener Verbindung mit Berlin standen, Hakenkreuzler österreichischer Abkunft, mazedonische Emigranten, die seit Jahren die Juden Bulgariens brandschatzten. Alle diese Entarteten stehen mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Lehre von der Faiust und ihrer Macht. Ist es nicht ein entsetzliches klares Zeichen der Lage, daß es in Kroatien auf die Kunde von dem Attentat zu Exzessen gegen jüdische Kaufleute gekommen ist? Di« jugoslawische Regierung hat sehr rasch zugegriffen und dem Treiben, an dem nationalsozialistische Emissäre aus Warasdiü uud Pozega beteiligt waren, sofort ein Ende gesetzt. Jeder Vernünftige in Kroatien mußte sich sagen, daß ein Attentat von Juden gegen diesen vornehmen Mann ein Absurdum wäre. Aber die Vernunft hat nicht mehr Geltung, am wenigsten in bezug auf die Juden. Nicht in Kroatien, nicht in Europa. Und solange dieser Antisemitismus besteht, der Haß an sich, der Haß gegen Menschen wegen ihrer Abkunft, solang« bleibt der politische Mord die Konstante, Es ist die direkte Fortsetzung des Antisemitismus, wio dieser ein Hochverrat an' der Menschheit. Das bestbekannte Restaurant Hotel „Stefanie“ II., Taborstraße 12, Tel. R 46-5-57 empfiehlt seine reichhaltige Speisenauswahl Mentl von S 1*60 an. Speisen am Rost, täglich frische Fische, erstklassige Bedienung