Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 392 (16.10.1934)
- Date
- 1934-10-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054147--4557-3060188- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Kr. 892 - 18. Oktober 1984 DII «TIMMI Seit# 9 Der 50. Geburtsta Josef Löwenherz* Solenne Ehrungen des verdienstvollen zionistischen Vizepräsidenten der Jüdischen Gemeinde Im Rahmen eines vom Zionistischen Landesverband für Österreich veranstalteten Vortrages über „Amerika, wie ich es sah“ wurden an Dr. Löwenherz vom Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Desicler Friedm a n n, dem Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, Dr. Oskar Grün bäum, dem Vertreter des die Feier vorbereitenden Komitees der österreichischen Zionisten, Kultusvorstehor Dr. I. H. Körner, in Anlehnung an die Überreichung einer Reihe von Geschenken, wie einer Urkunde über die Eintragung Doktor Löwenherz in das Goldene Buch des Jüdischen National fonds, einer von den Wiener Zionisten veranstalteten Dankadresse umc der Urkunde über eine Parzelle Palästinabodens im Gebiete des Karmel bei Haifa, die den Namen de3 Dr. Löwenherz tragen wird, herzliche Ansprachen gerichtet, in denen die außerordentlichen Verdienste des Jubilars um die Wiener Judenschaft gewürdigt wurden. Der Abend, an dem alle Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung teil nahmen und der einen überaus festlichen. Charakter hatte, erhielt sein besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des Gesandten der Vereinigten Staaten Amerikas, Mr. Meesersmith, der . mit gespanntestem Interesse den ausgezeichneten Ausführungen des von Amerika begeisterten Dr. Löwenherz über seine Eindrücke in der Neuen Welt folgte. * Unter den zahlreichen Festgästen sah man den Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, den Vizepräsidenten der Ku'ltusgemeinde, Dr. Josef T i c h o, den Ehrenpräsidenten der Union, Dr. Jakob Ornat e i n, fast den gesamten Kultusvorstanid, Regierungsrat Amtsdijektor Fuchsgelb. Ferner bemerkte man zahlreiche Funktionäre und Mitglieder des Boanntenkörpers der Kultusgemeinde und ihrer Institutionen. ¥ Im Namen des Zionistischen Landesverbandes für Österreich begrüßte Präsident Dr. Oskar Grünbaum zunächst den amerikanischen Gesandten in Wien, Mr. Messorsmith, mit einer kurzen Ansprache, in der er hervorhob, daß Mr. Messersmitb aus einem Lande komme, in dem für die zionistische Bewegung große Sympathien gehegt werden. Dr. Grünbaum erinnert daran, daß das amerikanische Repräsentantenhaus und der Senat schon im Jahre 1922 die Balfour-Deklaration in feierlicher Weise akzeptierten. Diese prozionistische Kundgebung des amerikanischen Volkes ist um so bemerkenswerter, da Amerika nicht Mitglied des Völkerbundes ist. Dr. Grünbaum weist darauf hin, daß wir mit Stolz auf die jüdischen Bürger Amerikas blicken, die sich dort der vollsten Gleichberechtigung erfreuen und wesentlich an der grandiosen Entwicklung Amerikas mitarbeiten; er erinnert ferner an die großen Sympathien, die Mr. MesserBmith für Österreich empfindet und schließt seine herzliche Ansprache mit der Versicherung, daß dieses Wirken Mr. Messersraiths im Interesse Österreichs von den Wiener Juden dankbar vermerkt wird. Hierauf würdigte Dr. Grünbaurn, an Dr. Löwenherz gowendet, die Verdienste des Jubilars um die zionistische Bewegung in Österreich. „Wir Zionisten“, sagte der Präsident des Landeskomitees, „verfügen über keine Orden und keine Titel, mit denen wir unsere verdienstvollen Männer ehren können. Als Ausdruck unseres Dankes, unserer tiefen Verbundenheit für alles, was Dr. Löwenherz dem zionistischen und jüdischen Wien in unermüdlicher, jahrelanger Arbeit geschenkt hat, soll seine Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds gelten.“ (Dr. Grünbaum überreicht Dr. Löwenherz die Urkunde über seine Eintragung ins Goldene Buch.) Der Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Desider Fried m a n n, führte in seiner überaus herzlichen Begrüßungsansprache u. a. folgendes aus: Wir sind Zeugen einer sich überstürzenden Entwicklung. Wir leben in einer Zeit der Unrast, in der früher eherne Begriffe umgewertet werden. In einer Zeit, ln der e.« unmöglich ist, den Ablauf der Dinge vorauszusehen. Doch wie immer die Welt floh auch gestalten möge, an einer Tatsache wird sie nicht vorübergehen können: Am Wert persönlicher Initiative, persönlicher Leistung. Immer wird das Beispiel wichtig sein wegen seines erzieherischen Wertes. Nichts kann die Kraft propagandistischer Erscheinung übertieten als die Lebensführung und das Wirken jener, die den Weg unbeirrbar gehen, den sie als wahr und richtig ansehen. Einen Bolchen Führer stellt Dr. Josef Löwenherz dar. In ihm treffen alle Voraussetzungen für die zionistische Persönlichkeit zusammen: Liebe zum Volk, Streben an der geschichtlichen Entwicklung unseres Stammes. Dr. Löwenherz kennt nicht den Begriff des Unmöglichen, Widrigkeiten spornen seine Kraft an im Dienst für das jüdische Volk. Und daher lieben und schätzen wir ihn und sind stolz darauf, daß Dr. Josef Löwenherz einer der unseren ist. Der 50. Geburtstag Dr. Löwenherz ist ein Anlaß für die gesamte jüdische Öffentlichkeit, Dr. Löwenherz den Dank auszusprechen, der aus dem Gefühle der Bewunderung und der Verehrung für diesen Zionisten höchster Pflichterfüllung Ein jüdischer Volksführer wird geehrt Eine der markantesten Persönlichkeiten, die im jüdischen und zionistischen öffentlichen Leben Wiens eine führende Stellung einnehmeh, ist wohl der Wiener Rechtsanwalt und langjährige Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde} Dr. Josef L öwenherz. Die Wiener Judenschaft und insbesondere die Wiener Kultusgemeinde verdanken Dr, Josef Löwenherz ungemein viel. Es ist bald ein Jahrzehnt her, seitdem Dr. Löwenherz die schwere Bürde des Vizepräsidenten der großen Wiener Judengemeinde trägt. Innerhalb dieses Zeitraumes hat Dr. Löwenherz dank seiner unbändigen Energie, Arbeitskraft, seinem geradezu außergewöhnlich entwickelten Organisationstalent, seiner blendenden Rednergabe und einem von starkem Optimismus und Vertrauen erfüllten Idealismus für das Wohl der Wiener Judengemeinde ganz AußzrordenUches geleistet. Dr. Löwenherz ist mehr als ein ehrenamtlicher Funktionär dieser Gemeinde. Der begeisterte Zionist Dr. Löwenherz hat es in fast jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit der früheren nichtzionistischen Majorität durch seine auch von dieser Seite vielgerühmte Objektiv itüt verstanden, sich in allen Schic fiten der jüdischen Bevölkerung dieser Stadt und bei allen Parteien des Kultusvorstandes größter Wertschätzung und Achtung zu erfreuen. Was Dr. Löwenherz für die Wiener Judenschaft in seiner Eigenschaft als Vizepräsident geleistet hat, übertrifft bei weitem jenes Maß an Leistungsfähigkeit, die man gemeiniglich auch von einem an hervorragender Stelle agierenden Gemeindefunktionär erwarten darf. 40 Jahre war Dr. Löwenherz alt, als er in die Kultusstube eintrat. Die Zionisten waren damals noch in kleiner Zahl, doch genügend stark, daß aus ihrer Mitte einer ins Präsidium delegiert werden konnte. Daß es Dr. Löwenherz war, dem nach Dr. Friedmann das Amt des Vizepräsidenten übertragen wurde, zeugt von der großen Reife und Weitsicht der Wiener zionistischen Bewegung von damals. Doktor Löwenherz hat es im Laufe dieser Jahre verstanden, sich die Liebe aller Schichten der jüdischen B evölkerung dieser Stadt in einem hohen Maße zu erringen, Dr. Löwenherz liebt seine Arbeit in der Kultusstube, man kann förmlich von einer passionierten Leidenschaft sprechen, mit der er seinen Agenden obliegt. Es ist die gleiche intensive Liebe, mit der er sich den Interessen der Bethausstuben, dem Ausbau des jüdischen Spitals, der Schaffung von Pflegeschwesternheime u. a. nt. widmet. Alles ist ihm wichtig, hinter dem jüdische Notwendigkeit, jüdisches Streben und jüdische Treue steht. Dr. Löwenherz übt sein Amt in einer Zeit- Freude und Genugtuung, wohl aber sehr viel Schwierigkeiten und Bürden auferlegt. Dr. Löwenherz ist ein Mann, der keine Schwierigkeiten kennt, ein Mann, der, wie es kürzlich der Präsident Dr. Friedmmn von ihm sagte, Unmögliches möglich macht. Wenn die Institutionen der Wiener Kultusgemeinde in dieser Zeit schicerer sozialer Bedrängnis der jüdischen Bevölkerung, in einer Zeit, da etwa 50.000 Juden auf Unterstützung durch die Kultusgemeinde angewiesen sind, noch bestehen, ja sogar noch vielfach ausgebaut werden, so ist es nicht zuletzt das Verdienst der geradezu gewaltigen Arbeitsleistung des Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz. Seit zwei Jahren hat Dr. Josef Löwenherz auch das Finanzreferat inne. Als Finanzreferent der Wiener Kultusgemeinde hat Dr. Löwenherz seiner bisherigen aufopferungsvollen Arbeit in der Wiener Kultusgemeinde die Krone aufgesetzt. Dem Finanzreferenten Dr. Löwenherz gelang es, in einem Zeitpunkt, als es kaum eine öffentliche kommunale Institution gibt, die ohne schwere Defizite arbeite, die Defizite; der Wiener Juden gemeinde, die lange Jahre das Budget gewaltig belasteten, innerhalb eines kurzen Zeitraumes auf ein Minimum zu reduzieren und so das Budget der Wiener Kultusgemeinde, das die beträchtliche Röhe von etwa 6Ys Millionen Schilling im Jahr hat, ins Glcichgeicicht zu bringen. Die große Popularität, deren sich Doktor Löwenherz in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Wiens erfreut, kam so deutlich in ‘den zahlreichen Ehningen, die dem verdienstvollen jüdischen Führer anläßlich seines 50. Geburtstages zuteil wurden, zum Ausdruck. Die Wiener Judenschaft, die zahlreichen zionistischen und jüdischen Vereinigungen Wiens und nicht zuletzt die Wiener Kultusgemeinde selbst wollten den Anlaß des 50. Geburtstages Dr. Löwenherz’ dazu benützen, um diesem verdienten jüdischen Führer hi geeigneter Form den Tribut der Wiener jüdischen Bevölkerung zu zollen. Doch Dr. Löwenherz wußte es, sich allen geplanten Ehrungen durch eine Reise nach — Amerika zu entziehen. Nun ist er von einem mehrwöchigen Aufenthalte in den Vereinigten Staaten zurückgekehrt, und die früher geplanten Ehrungen fanden letzten Donnerstag abends unter Teilnahme der Spitzen des jüdischen und zionistischen Wien und in Anwesenheit des amerikanischen Gesandten in Wien Mr. Me ss ers m 11 h in einem überaus festlichen Rahmen im M ilit ä r k a s i n o statt. Die Art und Form, in der die Ehrungen Dr. Löwenherz' erfolgten, waren vornehm und würdig, schlicht und herzlich. Sie waren j ü d i s c h. Sie machten gleichermaßen Ehre den Ehrern wie dem Geehrten. S o wird ein jüdischer Volksführer geehrt. Dr. Josef Löwenherz kommt. Mit den Wünschen, der Freund zu bleiben, dor er bis jetzt war, dem Judentum noch durch lange, lange Jahre, wie bisher, zu dienen, überreicht ihm der Präsident der Wiener Kultusgemeinde die in zwei Bänden von Korporationen und Ein* zelpersonen festgehaltenen Kundgebungen* die zur Ehrung des Jubilars Widmungen für den Jüdischen Nationalfonds vollzogen hatten. Hierauf überreichte namens des die Jubiläumsfeier vorbereiteten Komitees, Kultusvorsteher Dr. I. H. Körner, mit eine? herzlichen Ansprache die Urkunde über eine Parzelle Palästinabodens in dem Nähe des Berges Karmel, die den Namen Dr. Löwenherz tragen wird, als wttis diges Geschenk der österreichischen Zionisten. Tief gerührt dankte Dr. Löwenherz für diese Bekundung edler Freundschaft, für die Liebe dieser Freunde und Weggenossen, Er finde keine Worte, mit denen er seine» Ergriffenheit darüber zum Ausdruck bringen könnte. Er könne und wolle bloß versichern, daß er sich diesen Kundgebungen durch Treue sich selbst gegenüber, durch Treue an der Bewegung, der er sein Leben gewidmet, durch Treue dem jüdischen Volk und durch Treue zu Österreich, dessen tröuö Bürger die Juden sind, dankbar erweisen werde. Amerika, Du hast es besser I Der Vortrag Dr. Löwenherz’ Nach den mit großen Beifallskundgebungen aufgenommenen Ehrungen Dr. Löwenherz', hielt dieser seinen Vortrag über „Amerika, wie ich es s ah“. Es muß gleich zu Beginn vermerkt werden, daß es unmöglich ist, die geradezu gigantische Fülle der durch den fesselnden Vortrag vermittelten Eindrücke aus der Neuen Weife in einem kurzen Referat festzuhalten. In mehr als einstündigem Vortrag rollte vor dem mit größter Aufmerksamkeit lauschenden Auditorium der spannende Filmstreifen „Amerika“ ab. Dr. Löwenherz verstand es, in packender Weise ein plastisches Bild von der faszinierenden Entwicklung, von den Fortschritten Amerikas auf den verschiedensten Gebieten der Kunst und der Wissenschaft, der Technik und der Industrie, der Charitas und der Gastfreundschaft, des Handels und des gesellschaftlichen Lebens zu geben. Schon die Fahrt nach Amerika auf einem Ozeanriesen, sagte Dr. Löwenherz, stelle etwas Gewaltiges dar und hinterlasse tiefsten Eindruck. Diese Unermeßlichkeit des Ozeans, diese Unendlichkeit des Meeres, gewöhnt die Sinne allmählich an die gewaltigen Dimensionen der Vereinigten Staaten von Amerika, die unvergleichlich sind. Es ist eine neue Welt, eine schöne Welt. Aus 48 Staaten besteht Amerika, von denen ein Staat, Pennsylvanien, allein so groß ist wie Deutschland. Was dem Europäer so besonders wohltut, ist die Feststellung, daß zwischen diesen zahlreichen Staaten, die den Begriff Amerika bilden, keine Grenzen und keine Schranken bestehen und daß alle Bürger ausnahmslos im Süden und im Norden sich stolz und glücklich fühlen, Staatsbürger eines großen Weltreiches zu sein. Enorm ist der Fortschritt der technischen Entwicklung, die jede niedrige Menschenarbeit ausschaltet. Die technischen Errungenschaften machen so manches in Europa Notwendige in Amerika überflüssig. Die Technik wird in den Dienst des höchstentwickelten menschlichen Komforts gestellt, denn der Amerikaner arbeitet nicht, um zu arbeiten, sondern um sein Leben genießen zu können. Er arbeitet nicht mehr als der Europäer, aber ökonomischer. Reich und arm ist eines gemeinsam: Die große. Lebenslust. Der Staat greift fast nie in die Wirtschaft ein, die ausschließlich der Privatinitiative untersteht, ln edlom Wettstreit liegen all diese Unternehmungen, die nur eines kennen: Ilöchstontwicklung der technischen Mittel zum Vorteil der Menschen. Dies sehen wir auf dem Gobiete cm, die dem jüdischen Führer nur wenig J. R.. des Balmwüsene und deB Telegraphenwesens,