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Die Stimme · 1934-10-09 · Heft 390 (9.10.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 390 (9.10.1934)
Date
1934-10-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Oft STIMM! Nr. 890 — 9. Oktober 18*4 In der Galuth ■IIIBIIIII1II1IIIM | Danksagung I ■ Drr üJiäJic humanitäre Verein „KengreS-PoIrn", Wien. II.. H S Kleine Mohreng:s?e dankt auch aut diesem_Wege dem H ■ Herrn Rabbinei und Prediger Joset Rates, XX., Univer- H sumstratie 40, herzlich tür seine Mitwirkung an dem anfl H lai'ltoi der honen Feiertage veranstalteten Gottesdienst, H ■ oei dem er Predigten und Mussatgebete zur vollsten Zu- H I itiedcnheit aller Teilnehmer verrichtete. H daher mit Nachdruck eine Vers t .1 r k u n g der j ü d i s c h e n Ein w’a n d e r u n g. Er weist darauf hin, daß Tausende von Arbeitsplätzen in jüdischen Landwirtschaitsbe tri eben infolge des Mangels an jüdischen Arbeitern in illegalen arabische Einwanderer aus dem Hauran und Ägypten vergeben werden. Erleichterung der Handwerker- Einwanderung nach Palästina Wie das britische Paßamt in Berlin mitteilt, ist die Einwanderung von selbständigen Handwerkern mit einem Mindestkapital von 250 Pfund von der Palästinaregierung neuerdings dadurch erleichtert worden, daß für diese Kategorie außer den bisherigen Berufen auch die Angehörigen folgender Handwerksgruppen zugelassen sind: Feinmechaniker. Optiker, Motormechaniker, Vulkaniseure, Sattler, Lederarbeiter, Polierer, Buchbinder, Buchdrucker. Die Bewerber um Handwerker-Zertifikate müssen eine m i ndestens vierjährige Ausbildung in ihrem Beruf nachweisen. Palästina-Auswanderungskomitee in der Türkei Dieser Tage wurde in Istambid ein jüdisches Komitee gegründet mit dem Ziel die Auswanderung türkischer Juden nach Palästina zu erleichtern. Es ist dies das erste jüdisch-palästinensische Komitee in der Türkei, wo sonst zionistische Betätigung verboten ist. Die neue Organisation wird sich im wesentlichen der Aufgabe widmen, Juden aus Türkisch-Thrazien und den Dardanellen zu helfen, nach Palästina auszuwandern. Angesichts der dort vor kurzem stattgefundenen antijüdischen Ereignisse befinden sich die Juden in diesen Distrikten immer noch in einer sehr schwierigen Lage. Kinoprogramme derWodie BURG-KINO Telephon B 20-3-99 Die Schicksale einer Familie, die für das Judentum und die Freiheit des jüdischen Volkes kämpfte. Die Rothschilds Beginn: 7»4, ‘/,6, V28, ’/alO. Karten im Vorverkauf. KREUZ-KINO WÄS Uraufführung! Abenteurer in Schanghai mit Jack Holl, Lia Lee und Ralph Graves Beginn: 4, 3/A 7,8, 7*10 Uhr ROTEHTURM-KINO * Telephon R 29-1 59 Beginn; 4, V46, Vs8, 7*10 Uhr Die Rothschilds G. Asrlfß / L. Young / B. Karloff LeoDoldstädter Volkskino TelephonflRr<lf-<Wä3 Vom 9. bifl 12. Oktober: Vollständig neues Programm Wochentags Vj6, V48, 7«10 Uhr, Sonn- und feiertags 7,4 Ubr SCHAFFER-KIM VI Tdephon^Blo-lol Vom 9. bifl 12. Oktober: MEINE LIEBE, DUMME MAMA Streit um das Jüdische Kanonenfutter Die in Saarbrücken erscheinende, über die Strömungen in Deutschland sehr gut informierte Wochenschrift „Westland“ führt unter der Überschrift „Muß der Jude ins Feld?“ aus: Ob in dem Krieg, für den Europa rüstet, die deutschen Juden unterm Hakenkreuz marschieren werden, dürfen, sollen — darüber ist zwischen den verschiedenen Berliner Ministerien ein heftiger Notenwechsel entbrannt. Der Leiter des Außenpolitischen Amtes, Alfred Rosenberg, vertritt die kompromißlose nationalsozialistische Lehre, nach der kein Jude würdig sei, Waffen zu tragen, zumal das deutsche Volksheer nur aus Volksgenossen, aus zuverlässigen, reinblütigen Ariern, bestehen dürfe, wenn es siegen wolle. Die Reichswehr, vortreten durch das Wehrmachtsamt, weist darauf hin, daß man, 50.000 wehrfähige Männer in einem Krieg, der um die Existenz des Reiches gehe, nicht entbehren könne. Es ist interessant, daß von dieser Seite die 12.000 gefallenen Juden, die 15.000 Kriegsfreiwilligen und die 2000 jüdischen Offiziere zitiert werden. Es wird betont, daß den deutschen Juden ja bisher formell, wenn auch nicht faktisch, die Staatsbürgerrechte mit Einschluß des Wahlrechts belassen seien, so daß keinerlei Bedenken einer Aushebung im gegebenen Falle entgegenstünden. Der Minister des Innern, F r i c k, ist der Initiator eines Kompromißvorschlages. Er will jene Juden, die kriegsdiensttauglich sind, in besonderen Judenbataillonen zusammenfassen, die vor allen andern Gelegenheit erhalten sollen, „sich zu bewähre n“. Außerdem hält Frick es für selbstverständlich, daß die Juden, die ja den Schutz des Deutschen Reiches genössen, sich dafür im Kriegsfälle zur Verfügung zu halten hätten. Es verstehe sich ja von selbst, daß man sie unter scharfer Kontrolle halten werde. Charakteristisch ist der Hinweis des Ministers, daß ja auch im letzten Kriege von Landesverrat, Desertion oder Kriegsdienstverweigerung einzelner Juden nichts bekannt geworden wäre. Der Reichsführer Hitler soll auf dem Standpunkt Rosenbergs stehen, während Göring zu gewissen Konzessionen in der Richtung Fricks bereit sei. Charakteristisch ist, daß nirgendwo im Text der Noten von einer Stellungnahme der Juden die Red© ist — sie selbst, die ja dieser Entscheid auc/h angeht, sind offenbar bis zur Stunde weder befragt, noch von diesem Notenwechsel unterrichtet worden. Das Jüdische Schulwesen in Bulgarien bedroht Der Bestand des großen jüdischen Schulwesens in Bulgarien, eine der größten Errungenschaften des bulgarischen Judentums, ist durch eine Maßnahme der bulgarischen Regierung in Frage gestellt worden. Das Untemohtsministerium erließ eine Verordnung, wonach Lehrer für bulgarische Sprache, Geschichte, Heimatkunde, Religion und Turnen an den privaten Schulen — worunter auch die jüdischen Schulen zu verstehen sind — Personen bulgarischer Nationalität und bulgarischer Staatsangehörigkeit sein müssen; Lehrer anderer Fächer können zwar Nicihtbuilgaren sein, eie müssen aber über eine abgeschlossene pädagogische Ausbildung verfügen. Alle bisher an Lehrer, die die oben genannten Qualifikationen nicht besitzen, erteilten Lehrbewilligimgen werden nunmehr zurückgezogen; die betreffenden Lehrer dürfen nicht mehr Unterricht erteilen. Außerdem müssen private Schulen an Sonn- und Feie*- tagen geschlossen bleiben. Die Verordnung trifft die jüdischen Schulen, die einzigen der jüdischen Jugend Bulgariens zur Verfügung stehenden Erziehungsinstitutionen, sehr hart. Die jüdischen Lehrer, die an sich booh qualifiziert sind, hatten keine Möglichkeit, den erforderlichen Bildungsgang durchzumachen und ein© Staatsprüfung abzulegen, da sie in den Volksschulen keine Zulassung fanden und somit die vorgeschriebene einjährige Praxis an einer staatlichen Schule nicht absolvieren konnten. Außerdem wurden jüdische Kandidaten zur Staatsprüfung unter dem Vorwand nicht zugelassen, daß sie Lehrer privater, nicht staatlicher Schulen seien. Nach der neuen Verordnung werden die jüdischen Schulen ohne jüdische Lehrer bleiben müssen und darauf angewiesen sein, nichtjüdische bulgarische Lehrer heranzuziehen, was im Hinblick darauf, daß die Unterrichtssprache an den meisten jüdischen Schulen hebräisch ist, ein Nonsens sei. Das größte Unrecht, das durch die Verordnung den bulgarischen Juden zugefügt wird, besteht aber darin, daß Juden bulgarischer Staatszugehörigkeit, auch wenn sie den vorgesohriebenen Zensus und den Bildungsgang haben, nicht Lehrer der bulgarischen Sprache, Geschichte, Heimatkunde, Religion und Turnen sein können. Die Verordnung hat denn auch unter den Juden Bulgariens große Aufregung hervoigerufen; sie fühlen sich durch diese zu Bürgern zweiter Klasse degradiert. Dazu kommt, daß 150 jüdische Lehrerfamilien ihrer wirtschaftlichen Existenz beraubt sein werden. Die weitaus größte Zahl der jüdischen Schulen Bulgarien sist bereits hebräisiert, alle Lehrgegenstände außer bulgarischer Sprache, Geschichte und Landeskunde werden in hebräischer Sprache unterrichtet. Mit der Absetzung der jüdischen Lehrer wird nicht nur das Werk der HebräisieTung vollkommen zunichte gemacht, sondern die Schulen selbst werden entjudet. In jüdischen Kreisen wird eine Schliessung der jüdischen Schulen in Erwägung gezogen. Die Judenschaft kann nicht die schwere Last der Erhaltung eines so großen Schulwesens tragen, wenn die Schulen nicht mehr jüdisch sind und nichtjüdische Lehrer an ihnen unterrichten. Die Führer der jüdischen Institutionen bereiten sich zu einem Schritt bei der Regierung vor, um den Status quo im jüdischen Schulwesen aufrechtzuerhalten. Jüdische Häuser In Smyrna beschlagnahmt Die Behörden der Stadt Smyrna (lsrnir) haben mehr als 100 Häuser von Juden, die infolge des kürzlich in Kraft getretenen Gesetzes, das Ausländern jede handwerkliche und sonstige gewerbliche Tätigkeit in der Türkei verbietet, zum Verlassen der Türkei gezwungen wurden, beschlagnahmt. Ein Grund für die Beschlagnahme wurde nicht gegeben, auch wurde nichts darüber verlautbart, ob die Eigentümer der Häuser von der Regierung entschädigt werden würden. Die Mehrzahl der Jude®, denen die konfiszierten Häuser gehören, lebt gegenwärtig in Saloniki. In Mandschuhuo Der japanische Vize-Außenminister S i nein i t s h u gab einer bei ihm vorsprechenden jüdischen Abordnung die Zusage, daß er die Regierung von Manschukiuo veranlassen werde, die von russischen Weißgardisten betriebene gefährliche antijüdische Hetze zu verbieten. Auch der Irak Die Nachrichten über eine Verschärfung der antijüdischen Stimmung im Irak, die gesteigert wird durch die gegen das jüdische kulturelle Leben gerichtete Politik der Irak- Regierung, werden durch eine Meldung des ,Manchester Guardian“ bestätigt. Die Regierung des Irak hatte bei der Aufnahme in den Völkerbund darauf hin weisen können, daß eine besondere Bindung für sie in bezug auf die Beobachtung der Minderheitenklausel nicht notwendig sei, da die Juden des Irak in einer offiziellen Kundgebung zum Ausdruck brachten, eie vertrauen ihrer Regierung, daß diese auch ohne alle Bindung die bürgerlichen, kulterellen und religiösen Rechte der Judenheit wahrnehmen werde. Heute nun — so meldet „Manchester .Guardian“ — setzt die Irak-Regierung da« gesamte jüdische Schrifttum unter Bann. Sie verbietet alle jüdischen Zeitungen des Irak und die Einfuhr jüdi« scher Zeitungen aus dem Ausland, beschlagw nahmt gleichzeitig alle aus Amerika, Eng* land und Frankreich eintreffenden nicbtjüdi« sehen Zeitungen, sofern diese etwas Pro« jüdisches bringen, und verbietet auah a 11 d hebräisch geschriebenen Bücher, von wo immer sie stammen. Sogar religiöse hebräische Bücher, die an das Oberrabbinat in Bagdad giesandfc wurden, wurden konfisziert. Überdies haben die Postbehörden den Auftrag, alle aus Palästina an Juden im Irak eintreffenden Briefe zu öffnen und deren Inhalt au kontrollieren. Die Synagogenschändungen in Deutschland Königsberg, 5. Oktober. (Z. T. A.) In der Synagoge in Rössel (Ostpreußen) wurden von unbekannten Tätern mehrere Fensterscheiben zertrümmert. Es ist Anzeige erstattet worden; die Ermittlungen schweben noch. — In der Synagoge von Christburg (Ostpreußen) ist ein Einbruch verübt worden. Gestohlen wurde eine Decke und ein Leuchter. Weiteres Silberzeug ist nicht entwendet worden. Eine füdische Gemeinde nimmt Abschied von ihrer Synagoge Prag, 5. Oktober. (Z. T. A.) Der Bürgermeister der Stadt G r ö b z i g (Anhalt) hat, dem Druck der nationalsozialistischen Kreise nachgebend, die monumentale Synagoge dieser Stadt, die einst eine bedeutende jüdische Gemeinde beherbergte und in der auch heute noch mehrere jüdische Familien leben, in das Eigentum der Stadtgemeinde übernommen. Der jüdischen Einwohnerschaft wurde Gelegenheit gegeben, in einem feierlichen Gottesdienst von der Stätte ihrer Andacht Abschied zu nehmen, zu dem der Vorstand des Anhaitischen Landesverbandes Israelitischer Kultusgemeinden und Mitglieder der Gemeinden Dessau und Köthen erschienen waren, Landesrabbiner Dr. Walter (Dessau) er« innert© in seiner Abschiedspredigt an die wechselnden Schicksale, die diese jüdische Landgemeinde während ihres dreihundertjährigen Bestehens erfahren hatte. An« schließend an den Gottesdienst zündete Rabbiner B a n e t h (Köthen) in der neuen Betstube der Gemeinde das ewige Licht an. Jüdische Arbeitssiedlung im Wieringermeer Amsterdam, 5. Oktober. (Z. T. A.) Die vor einiger Zeit in Wieringermeer- Polder auf einem trockengelegten Teil des Zuidersees errichtete Schulsiedlung zur Ausbildung jüdischer jungerLeute aus Deutschland in Landwirtschaft und Handwerk zwecks ihrer späteren Ansiedlumg in Palästina und in anderen über« seeischen Ländern wurde am 5. Oktober durch einen offiziellen Fesflakt feierlich eröffnet. Ansprachen hielten der vom Völkerbund eingesetzte Hochkommissar für Aiiswandererfürsorge James G. Mac- Donald, der europäische Direktor des Joint Distribution Committe Dr. Bernhard Kahn und der bekannte holländisch-jüdische Philanthrop Dr. van den Bergh. An der Feier nahmen auch hohe Beamte der holländischen Regierung teil, die bekanntlich Grund und Boden sowie Baracken für, die Siedlung zur Verfügung gestellt hat. Hochkommissar MacDonald hob die Verdienste der holländischen Regierung um das Zustandekommen dieses jüdischen Arbeitslagers mit warmem Dank hervor. Einwanderung und Niederlassung ln Cypem Mit Hinweis auf die Meldungen, betreffend Einwanderungs- und Niederlassungsbedingungen in Cypem, macht das britische Paßamt in Berlin darauf aufmerksam, daß die Einwanderung nach Cypem von den Landesbohörden genehmigt wird, wenn der Einwanderer im Besitze beträchtlicher Mittel ist. Die Entscheidung hierüber steht in jedem einzelnen Falle den Behörden zu. Der Erwerb der britischen Staatsangehörigkeit ist in Cypern an dieselben Bedingungen gebunden wie überall in Großbritannien und keinesfalls in einem kürzeren Zeitraum als in fünf Jahren möglich. Beginn : 7,4, V46, V48, y410 Uhr. IN JEDES JÜDISCHE HAUS DIE STIMME"

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