Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 390 (9.10.1934)
- Date
- 1934-10-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Vf. flw — fl Oktolier 1054 HWB Bll «TIMM« Seite 15 MMman) Ben Gurion über Palästinafragen Warschau, 4. Oktober. Auf einer in Warschau jiibgehaltenen Pressekonferenz iiußerte sich rlor Leiter dop politischen Departement« der Palästina- Exekutive der Jcwish Agency David Ben 0 u r i o n über die Bedeutung des Ergebnisses der Stadtratswahlen in .Jerusalem für die weitern Gestaltung der politischen Verhältnisse. r Das Jerusalemer Wahlergebnis, erklärte Ben Gurion, gebe ein Spiegelbild der letzten Entwicklung^- und Waclustumsperiode fies Jisehuw. Während dem früheren Stadtrat bloß vier .Juden angehörten, zählt' er jetzt sechs jüdische Ratsraänner ,— so viel wie die mohammedanischen und christlichen Vertreter zusammen. Dem ararischen Bürgermeister werde ein jüdischer .Vizebü rgermewter zur Scito gestellt werden. Analog der Entwicklung in Jerusalem «ei die in Haifa, wo früher von neun ■ Stadtverordneten bloß zwei Juden waren, während eich der neue Stadtrat aus vier Juden, vier Mohammedanern und vier Christen zusammen setzt. Auch dort, stellen die Juden den Vizebiirgermeistor. Diese Änderungen seien von weittragender Bedeutung. Trotz der vielfältigen Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung sei es gelungen, einen jüdischen Einheitswahlblock zu schaffen, in dom die verschiedensten Richtungen von der Aguda bis zur Arbeiterpartei vertreten waren. Die Revisionisten, die zunächst eine Beteiligung an der Wahl überhaupt abgelchnt .hatten, hätten später überraschenderweise eigene Listen aufgestellt, jedoch trotz eifrigster Wahlpropaganda nur eine u n b e d e ut e fl d e S t i m m e n z u h 1 auf sich voreinigt. Die jüdischen Mitglieder des Stadtrats seien in ihren WaMkreisen mit absoluter Mehrheit gewählt worden. Von großer Bedeutung sei auch der Mißerfolg des bisherigen Bürgermeisters Nashashibi, in dem man einen der reaktionärsten Vertreter des alten Regimes sehen müsse. Sein siegreich gebliebener Kandidat Dr. Kih all di gehöre einer Familie an, die sich durch ihren aufrechten Kampf gegen die Korruption aus zeichnet. Erst vor kurzem hätten Vertreter dieser Familie Unterhandlungen mit den Juden geführt, in denen sie ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit Ausdruck gaben, da sie eine grundsätzliche Interessenversehiedenheit zwischen Juden und Arabern in Palästina nicht anerkennen können. Die Wahl Dr. Kahlidis zum Stadtverordneten lasse erwarten, daß sich die Beziehungen zwischen Juden •und Arabern im Stad trat von Jerusalem ebenso freundschaftlich gostalton werden wie im Stad trat von Haifa. Zur Frage der jüdischen Arbeit wies Ben Gurion darauf hin, daß man, ohne die Gefahr etwaiger verfasisungemiißigor Veränderungen in Palästina, zu unterschätzen, doch als die größte Gefahr für den Jisehuw die Möglichkeit der Vernichtung der bisherigen jüdischen Arbeitepositionon infolgo Vordringens fremder Arbeit bezeichnen müsse. Noun Zehntel der Arbeit der Exekutive seien dem Kampf um die Alijah gewidmet, deren Steigerung bis zu einem Maximum in der doppelten Absicht angestrebt werde: der Judennot in der Galuth abzuhelfen und im Lande einen mächtigen politischen Faktor au schaffen. Als dio beiden Hauptprobleme der Judenheifc Palästinas bezeichnete Ben Gurion dio Beziehungen zu den Arabern und dio Beziehungen zu der Mandatarmacht. Beide seien keineswegs zufriedenetel- 1 e n d. Letzten Endes komme die entscheidende Bedeutung nicht der Stärke der Argumente, sondern der Macht der Tatsachen zu. Daher sei es dio politische Kardinalaufgabe des Augenblicks, von der das Schicksal der I zionistischen Bewegung abhängo. in möglichst. kurzer Zeit, in Palästina einen Jisehuw von einer halben Million Menschen zu schaffen. Wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse ein treten, werde die Entwänderungsziffer weiter erhöht worden können. Man müsse aber auch die Schattenseiten der Einwanderung berücksichtigen. Es sei ein ungesunder Zustand, daß die Einwanderung derzeit hauptsächlich in die Stadt und in die Orangenpflanzung c n gehe. Man dürfe es nicht zulaseen, daß clie Juden in Palästina wieder zu einem städtischen Element werden. Auch das große Unglück der Spekulation dürfe man nicht vergessen. Auf all da-s sei es zurückzufiihren, daß sich der jüdische Bodenbesitz jn Palästina während der ganzen Zeit der Prosperity mn nur 90.000 Dunam vergrößert hat. Die Bemühungen, eine großo Bodenroservo in Palästina zu schaffen, werden jedoch fortgesetzt. Ben Gurion wandte sich sodann der Frage des Legislative Council zu. Die Exekutive der Agoncy vertrete den Standpunkt,- daß sie keinesfalls einem verfassungsmäßigen Regime in Palästina z 11 s t i mm e n kann, das sich auf den Status q u o stützt, weil dies i m W i d e repruch zum Geist dos Mandats stünde. Eine der Hauptaufgaben des Mandats bildet die Schaffung dos Jüdischen Nationalheims, durch die eine Änderung der Kräfteverteilung im Lande herbeigeführt werden muß. Heute wäro es verfrüht, dio Frage zu beantworten, ob dio Regierung ihre Absichten bezüglich der Legislative Council unbedingt werde verwirklichen wollen. Der kommende Monat werde sowohl in bezug auf diese, wie auch auf andere Fragen entscheidend sein. Leider kann ich nicht behaupten, erklärte Ben G-urion, daß der Widerstand der Juden dio Wahl dee Legislative Council verhindern wird. Die Regierung ist zu verschiedenen Zugeständnissen in bezug auf Zusammensetzung und Machtvollkommenheiten des geplanten Rates bereit. Die Jewi&h Agency aber hat es abgelehnt, Kompromißvorschläge zu machen. Die Araber aber ändern, wenn auch nicht eingestandenermaßen, ihre bisherige Haltung. Sogar die Mufti-Partei ist jetzt bereit-, Vertreter in den Legislative Council zu entsenden. Diese Tatsachen beeinflussen natürlich die Haltung der Regierung in dieser Frage. Eine Analyse der jüdisch-arabischen Beziehungen führte Ben Gurion zu dem Schluß, daß die These von einer inneren Unvereinbarkeit der jüdischen und der arabischen Interessen unrichtig sei. Für die Juden sei Erez Israel alles; die Araber Palästinas dagegen machen nicht mehr als zwei Prozent des arabischen Volkes aus, das fünfzig bis sechzig Millionen zählt und g a n z Vorderasien und N o r d a f r i k a bewohnt. Mit der Befreiung und Vereinigung dieser arabischen Bevölkerung müsse früher oder später gerechnet werden. Dio Juden werden sich einem großen Volke gegenüber finden, das ganz Palästina einkreist. In der großen Linie dev arabischen nationalen Bewegung werden sich gemeinsame Interessen von Juden und Arabern, die einander weitgehend worden unterstützen können, finden. Ziel des Zionismus sei, Millionen von Juden nach Palästina zu verpflanzen. Noch zu Le b zelten der heutigen Generation könne die Niederlassung von vier Millionen Juden in Palästina erreicht werden. Diejenigen, dio Entwicklungen unter historischen Perspektiven betrachten, Ixginnen zu verstehen, dnß der jüdisch-arabische Konflikt, auf Mißverständnissen beruht. Auch Im arabischen Lager werden Stimmen Ja nt-, die eine weitgehende Verständigung mit den -Juden verlangen. Zum Schluß behandelte Ben Gurion die Frage des Friedens innerhalb der zionistischen Bewegung und erklärte, der Zionismus brauche Arbeitsfähigkeit und Schaffenskraft. Wenn es gelingen wird, sich frei zu machen von den Klüngelstroitigkeiten und alle Kräfte des Zionismus zu mobilisieren, dann würden Tatsachen geschaffen werden, die den Weg ins Land eröffnen. Dies müsse dem jüdischen Volke zum Bewußtsein gebracht, werden. ★ Forderung nach einem jüdischen Bürgermeister Jerusalem, 5. Oktober. Die neugewählten jüdischen Mitglieder des Stadtrats von Jerusalem haben ihre konstituierende Fraktionssitzung abgehalten, an der auch Vertreter der jüdischen Spitzenverbän-de Palästina teilnahinen. Es wurde beschlossen, die Forderung nach Einsetzung eines Juden als Bürgermeister von J e r u s a ie m zu erheben. Bei diesem Beschluß ging die Fraktion von der Tatsache aus, daß die jüdischen Stimmen bei der letzten Wahl die Hälfte aller abgegebenen Stimmen ausmachten und daß die Parteiverhältnisse bei den Arabern sich so gestaltet haben, daß viele von ihnen für die Ernennung eines Juden zum Bürgermeister eintreten würden. Nachwahl ln Jerusalem erforderlich Mandatsverzicht Daniel Austers Jerusalem, 7. Oktober. Daniel Auster, einer der neugewählten jüdischen Stadtverordneten in Jerusalem, hat auf sein Mandat verzichtet. Über die Gründe dieses Schrittes erklärt er, jetzt noch nichts bekanntgeben ’zu können, stellt aber die Veröffentlichung einer Erklärung in Aussicht. Durch den Rücktritt Austers ist eine Nachwahl in einem der jüdischen Wahlkreise notwendig geworden. Daniel Auster ist einer der drei jüdischen Stadtverordneten, dio, weil ohne Opposition, noch vor dem Wahlgang als gewählt erklärt wurden. Die Million der Klassenlotterie bei der »Glückstelle Stein« gewonnen Der neueinpoführto Milliononlmupttreffer der Klassenlotterie wurde am 2. Oktober auf das Los Nr. (105 von Kunden der „Glück,stelle Stein“, Wien, T„ Wipplingorstraßc 2J, an der ..Hohen Brücke“, gewonnen. Wieder bewährt sieh das Glück der „Glücksteile Stein“ an der „Hohen Brücke“, wo auch die letzte große Prämie der Klassonloitcrie. eine halbe Million Schilling, im April dieses Jahres gewonnen wurde. Über die „Hohe Brücke“ führt der Weg zum Glücke! 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Bei der Volkszählung im Oktober 1922 gab es 08.000 städtische (82 Prozent) für alle Lehranstalten in den vorgesebriebenen Auflagen, auch antiquarisch) zu wirklich billigsten Preisen liefert die Jüdische Buchhandlung II., ECK6 Taborstraße Nr. 52 Verzeichnisse umsonst. Spesenfreie Zustellung überallhin Für Auskünfte Telephon R 41-4-20. und 14.990 ländliche (18 Prozent) Juden; im November 1931 zählte man 129.900 (74 Prozent,) städtische und 44.710 (26 Prozent) ländliche Juden. Am 1. September 1934 schätzte man eine jüdische Einwohnerschaft in den Städten von 222.000 (78’8 Prozent) und in den Dörfern eine solche von 61.000 (21*2 Prozent). Dobkin glaubt, daß bei fort* schreitender Einwanderung sich das Verhältnis noch mehr zu nngunsten der ländlichen Siedlung gestalten wird. Sie essen von SOGroschen aufwärts vorzüglich im 10 Millionen Pfund von Juden neu investiert iliiiilillililililiililiii Nach Berechnungen des Wirtschaftsreferenten des Allgemeinen jüdischen Arbeiter verbanden in Palästina, F r u mkin, wenden die jüdischen Neuinvestitionen bis zum Jahresende 10 Millionen Pfund erreichen. Diese Berechnung stützt sich auf die vorliegenden Ziffern für die ersten neun Monate des Jahres. Von der Citrus-Plantagen, 1 Million Pfund auf Neubauten in Ted-Aviv, Haifa und Jerusalem, 1,750.000 Pfund auif alte und neue Citrus-Plantgen, 1 Millionen Pfund auf Industrie und Handel, 800.000 Pfund auf Buuarbeiten in den Kolonien, 250.000 Pfund auf gemischte Landwirtschaft und 500.000 Pfund auf Transportwesen.' Außerdem wurden 500.000 Pfund in Bodenkäufen und 500.000 Pfund in Waren investiert. Die jüdischen Investitionen werden am Ende des Jahres um 65% höher sein als am 31. Dezember 1933. Gleichzeitig veröffentlicht der Wirtschaftsreferent des Arbeiter verbände® Ziffern, die die Möglichkeit der A r b o i t sbeechaffung für jüdische Einwanderer beleuchten. Die in jüdischem Besitz befindlichen Plantagen bedecken 145.000 Dunam und beschäftigen 4500 jüdische Arbeiter, Dieses Pflanzungsgehiet könnte jedoch mit Leichtigkeit 13.000 bis 14.000 jüdischen Arbeitern Beschäftigung geben,, seine Aufnahmefähigkeit für jüdische Arbeitskräfte ist somit n u r zu ei n em Drittel a ungenutzt. Da außerdem 1934 und 1935 von der Regierung über 1 lA Millionen Pfund für öffentliche Arbeiter aiusgegeben werden, wird die Nachfrage nach jüdischen Arbeitskräften gewaltig steigen. Frumkin fordert ■bui OB ZlonUllBcheB Landeskomltee tiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii llir Oesterreich. I.. Schwarzenbergplalz 1 •iiiiuintmiiiiiiitiiiiiiiiittiiuiiiiiiiiiiiiiiiimiitiiiiiiiiiiiiuuuiiiiitmiiiimiiiiitiiiiiiiiniiiiiiutmiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiTuitiimmiiiimttimmmmimHiiüiu FestBaal iitiiiiiiiiiiiiiiititiiittiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiitiittiit des Mllltärkenslnos Donnerstag, den n. Oktober 1934, präzise Vtg Uhr abends Dr. Josef £öwenif erst, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde : Amerika, wie teil es satt*« Karten sind zu haben: im Zionistischen Landeskomitee. 1., Kluntnerstraße 28, Telephon R 27-4-86, täglich von 9 bis 12 und 3 bla 6 Uhr abends, in der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13, Telephon R 44“3"45» Jüdische Kulturstelle, II., Aspernbrückengasse a. sowie bei allen Vorstandsmitgliedern aller Sektionen und Bücherstube ML Rath, II., Taborstraße ao a, Telephon R 45*305 Kl uwnimwi unrnnniiiiri