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Die Stimme · 1934-10-05 · Heft 389 (5.10.1934) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 389 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE STIMME Nr. 380 - 5. Oktober im fWVrWMWlH l»IIIWSUW^TWWiBWWBgOTWI FRAGEN IM BERUF Weibliche Einwanderung nach Zahl und Kategorien Von Dr. Nadja Stein, Tel-Aviv (Fortsetzung Die Frau als Partnerin ihres Mannes. Vielfach winl man übrigens die Feststellung machen können, daß die Frau bei ihrer größeren praktischen und manuellen Fertigkeit es leichter hat, sich wirtschaftlich durchzusetzen als der Mann. Viele gemeinsame Unternehmungen von Frau und Mann sind darauf aufgebaut, daß die Frau sich als Produzentin zu betätigen imstande ist. Sie führt zum Beispiel in Restaurants, Hotelpensionen und Heimen die Küche, wahrend der Mann den Verkehr mit den Gästen und die Administration übernimmt. Oder sie backt Konditorwaren, die er austrägt, oder besorgt die Anfertigung von Waren in der Konfektionsbranche, die der Mann vertreibt, usw. In vielen Fällen hilft die Frau dem Mann, die Existenz auszubauen, indem sie einen unentbehrlichen Teil der Arbeit leistet, sie besorgt die Assistenz in den ärztlichen oder juristischen Sprechstunden, erledigt die Büroarbeit bei kaufmännischen oder industriellen Unternehmungen, teilt sich mit dem Mann in Verkaufsarbeit usw. Im vorigen Herbst hat die Jewish Agency eine Betriebszählung durchgeführt. Ihre Ergebnisse werden in einigen Wochen vorliegen und dann wird man einen Überblick darüber haben, wieviele Unternehmungen von Frauen geleitet werden und wieviele Frauen al<s Angestellte in Industrie und Handel tätig sind. Städtische Lohnarbeit. Was nun die städtische Lohnarbeit der Frau anbetrifft, so stehen ihr hier folgende Hauptarbeitsgebiete offen: Fabrik, Haushalt, Büro, kaufmännische und gewerbliche Betriebe. Man kann fast allgemein sagen, daß 'die Verdienstmöglichkeiten der Frauen in allen diesen Betrieben sehr beschränkt sind, wenn sie nicht eine leitende Stellung bekleidet, zu der eine besondere fachliche Qualifikation erforderlich ißt. Die Löhne reichen in den meisten Fällen nur zu einem knappen Existenzminimum. Es wird noch eines harten Kampfes der organisierten Arbeiterinnen bedürfen, um ihre Lebens¬ und Arbeitsbedingungen zu verbessern und die um 50 bis 75 Prozent mindere Entlohnung als die des im gleichen Berufe tätigen Mannes auf dieselbe Höhe zu bringen. Wenn trotzdem der Zudrang zu diesen Berufen, insbesondere auch den am schlechtesten bezahlten, der einfachen Hausarbeit und der Fa.brikarbeit so groß ist, so ist der Grund hierfür, daß hierin dauernd Nachfrage besteht und daß vielen sofort auf Broterwerb angewiesenen Mädchen, die über keine fachliche Vorbildung verfügen oder in dieser nicht ankommen können, keine andere Wahl bleibt, als sich ungelernter Arbeit zuzuwenden. Man muß aber die Beschäftigung der Mehrzahl dieser Mädchen nur als Durchgangsbeschäftigung ansehen. Die meisten hoffen, sich daneben entweder fachlich ausznbilden oder nach Erlernung des Hebräischen sich ihrem ursprünglichen Beruf wieder zuzuwenden, um besser0 bezahlte Stellungen erhalten zu können. Für viele ist es nur der erste Schritt zur sozialen Umstellung. So schwer er ihnen fällt, so erlaubt er ihnen doch für den Anfang noch in der gewohnten Umgebung der Stadt zu bleiben. Doch mit der längeren Anwesenheit im Lande, der besseren Vertrautheit mit dem Leben außerhalb der Stadt, der stärkeren Durchdringung mit zionistischen und gesellschaftlichen Erneuerungsidealen, erscheint vielen das Leben auf dem Lande sinnvoller und wertvoller. Man darf also die heute in der städtischen Lohnarbeit tätigen neu Eingewanderten durchaus nicht als darin bereits dauernd gebunden betrachten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, daß eine Reihe von Kursen zur gewerblichen Ausbildung von Mädchen, die die Wizo veranstaltet, den Mädchen den Zugang zu besser bezahlten Berufen eröffnet, wie zur Oraugenpachcrin, zur Fliesenlegerin und zur Anstreicherin. Was den städtischen Arbeitsmarkt außerhalb der Fabrikarbeit betrifft, so sagen alle Arbeite Vermittlungsstellen übereinstimmend aus, daß die Mehrzahl der zu besetzenden Stellen sich im Haushalt (auch zu Kindern) ergab, daß in zweiter Linie Fachkräfte, wie Schneiderinnen, verlangt werden, weiter Bürokräfte und Verkäuferinnen und vereinzelt dann Vertreterinnen anderer Berufe, wie zum Beispiel technische Zeichnerinnen in Ingenieur- und Architektenbiiros u. a. m. In keinem der genannten Berufe konnte die Nachfrage wirklich gedeckt werden, weil die Vorbildung in vielen Fällen nicht zureicht. An guta ungebildeten Kräften für den Privat- und Großhaushalt fehlt es ständig, besonders an perfekten Köchinnen, Wirtschaftsleiterinnen. Administratorinnen. Freij lieh sind, wie oben angedeutet, die Bedingungen wenig verlockend. Für harte Arbeit wird nur ein Minimum von 2A bis 3 Pfund Sterling pro Monat gezahlt bei vollständiger Verpflegung, zuweilen auch mit Wohnung. Die geringe Höhe der Familieneinkommen trägt Schuld an dieser geringen Entlohnung der Haushilfe. Wirklich erstklassigen Kräften bieten sich allerdings in wohlhabenderen Haushaltungen und vor allem in größeren Betrieben, Pensionen, Restaurant usw. bessere Bedingungen. 6, 8 und 10 Pfund Sterling pro Monat bei freier Kost und Station, und wem das Wohnen an der Arbeitsstelle widerstrebt, kann sich bei diesem Lohn auch ein eigenes Zimmer bezahlen, wozu der Lohn einer durchschnittlichen Angestellten nicht aus reicht. Sie muß es mit einer oder zwei Wohnpartnerinnen teilen. Im Schneiderinnen-, Näherinnen- und Modistinnenberuf ist eine Überfüllung an zweit- und drittklassigen Kräften eingetreten. Perfekte Meisterinnen ihres Faches konnten bisher noch immer Stellungen finden oder sich einen genügenden Kundenkreis schaffen. Direktricen sind gesucht und verdienen 6 bis 10 Pfund Sterling, während die minderen Kräfte nur auf 3A bis 5A Pfund Sterling im Monat rechnen können. Dauernd werden auch erstklassige Wäscherinnen und Plätterinnen verlangt, eine Arbeit, die ihrer starken physischen Beanspruchung halber weniger gewählt wird und auch niedrig bezahlt wird, 15 bis 25 Piaster täglich. Doch beginnt man wegen Mangel an tüchtigen Kräften bessere Löhne zu bieten, besonders auch bei Kenntnissen in chemischer Reinigung. Erstklassige Friseurinnen haben gleichfalls Aussichten bei 5 bis 6 Pfund Sterling Gehalt. Bürokräfte mit wirklich guten Sprachkenntnissen, besonders in Hebräisch und Englisch, und Erfahrung in Stenographie ..und Schreibmaschine sind dauernd gesucht. Da viele über diese Kenntnisse nicht verfügen, können sie in ihrem Fach nicht ankommen. Gehälter von 5 bis 12 Pfund Sterling pro Monat und mehr. Auch bei Verkäuferinnen ist die Nachfrage größer als das Angebot an geeigneten Kräften. Unkenntnis des Hebräischen versperrt den Zutritt. Oft wird auch Englisch und häufig auch Arabisch verlangt. Gehälter zwischen 3 und 6 Pfund Sterling monatlich. Landwirtschaftliche Arbeit und ihre Aussichten. Sehr gesucht sind jetzt auch bei der Ausbreitung der mittelstämdisohen Siedlungsbewegung gelernte Handarbeiterinnen, die Melken und Hühnerzucht verstehen und auch in der Hausarbeit Bescheid wissen. In der landwirtschaftlichen Arbeit ist nun nicht nur der größte Raum, auch für die weibliche Arbeitskraft, sondern es ist die Arbeit, die durch ihre national aufbauende Leistung auch die größte Genugtuung sichert und die sich auf die Dauer als die stabilste erweist. Das Anwachsen der Städte hat überdies einen großen, durch Landesprodukte noch wenig gedeckten Absatzmarkt geschaffen und verspricht eine gute Rentabilität für Aararprodukte. Abgesehen von naliniiafen Motiven ist, auch aus diesen Gründen die Siodlnngsbewegung in Erez Israel erstarkt, und viele, die sich einem städtischen Beruf zuwenden oder ihre bisherige städtische Existenz fortsetzen, erstreben in Wirklichkeit durch die Ansiedlung die Umschichtung aufs Land, eventuell eine Verbindung von beidem, um eine auskömmlichere Familienexistenz zu finden, die bei dem ständigen Zuzug in die vererbten kaufmännischen und freien Berufe immer schwieriger wird. Eine Schulung der Frau in den Berufszweigen, die die Siedlerin beherrschen muß, damit das Umschichtungsexperiment, gelingt, ist daher für weiteste Kreise eine conditio sine qua non. Die Unkenntnis der Frauen in diesen Arbeiten ist, in vielen Fällen ein Hemmnis für den Siedlungswillen des Mannes. Umgekehrt geht die Initiative zum Siedeln vielfach von der Frau aus, sobald sie einmal die Hof- und Gartenwirtschaft beherscht und diese sie nicht mehr schreckt. Die Einsicht in die Notwendigkeit der Umschichtung aufs Land und der Wille dazu aus Erneuerungssucht für das eigene Volk und für sich selbst, bricht sich auch in der neuen, nicht chaluzischen Einwanderung, vielfach auch gerade mit ihrer Neuerweckung zum Zionismus Bahn und äußert sich unter anderem im Zudrang zu den landwirtschaftlichen Lehranstalten und Lehrfarmen der Wizo und der Arbeiterinnenorganisationen, die mm weiter aus ausgestaltet werden. Eine sehr rohe Schätzung — genauere Ziffern werden erst in einigen Wochen vom Merkas Chaklai erhältlich sein — nimmt die Zahl der neueingownnderten Frauen, dlö als Arbeiterinnen oder als Siedlerinnen aufs Land gegangen sind, mit etwa 1500 an. Das wären 12 Prozent, und rechnet, man diejenigen dazu, die heute sich noch in einem Obergtangsberuf befinden, aber sich mit der Absicht tragen, aufs Land zu gehen, und1 diejenigen, die wegen der Kürze ihres Aufenthaltes im Lande ihren Siedlnngsplatf noch nicht fostegelcgt haben, oder auch nur zum Beispiel die Mädchen aus der neuen: Alijah in den landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten von Wizo unef Moazath Hapoaloth, so ist, der Prozentsatz noch um etwas höher. Er sollte zwar 30 Prozent betragen, um der idealem Forderung: „Ein Drittel aufs Land“ zu genügen, aber man darf doch sagen, daß auch die neue Alijah trotz ihres überwiegend städtischen Charakters die zur weiteren Erschließung und Bearbeitung des Bodens von Erez Israel nötigen Kräfte auch aus der Frauenwelt zu einem Teil wenigstens stellt. Die Zahl dieser Kräfte wird in der künftigen Alijah wieder ans teigen müssen, infolge des Sättigungsgrades, dem die Städte entgegengehen, bis wieder ein neues Fortsehreiten in der Entwicklung der ländlichen Siedlungen ihnen ein weiteres Anschwellen gestatten wird. Es kann daher allen jungen Kräften in der Frauenwelt, die in der Gallith vor ihrer Berufswahl stehen und nach Erez Israel streben, nur dringend amgeraten werden, alle die Anlagen in sich zu entwickeln, die sie dazu befähigen, eine Farmerin auf palästinensischen Boden zu werden, sowohl in ihrem eigenem Interesse als auch in dem des Aufbaues der jüdischen Heimat. JÜDISCHE GEMEINDE Aus dem in öffentlicher Plenarsitzung vom 13. September durch Amtsdirektor F u c h s g e 1 b erstatteten Präsidialbericht entnehmen wir folgendes: Aus der Fülle der Angelegenheiten seien drei hervorgehoben, die die Gemeinde besonders intensiv beschäftigt, haben: der Zubau zur Versorgungsansta.lt der Kultusgemeinde, die Ferienaktionen für arme Kinder und die Vorkehrungen für die hohen Feiertage. Die Bau arbeiten des neuen Pavillons in der Versorgungsanstalt. wurden nach eingehenden Beratungen im Baukomitee und Vertreterkollegium vergeben und sind nun in vollem Gange. Die Ferienaktion hat dadurch eine Erweiterung erfahren, daß für den letzten Turnus 340 jüdische Schützlinge von der Vaterländischen Front, zugewiesen wurden, für welche innerhalb weniger Tage neue Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden mußten, da die von der Kultusgemeinde mit Beginn der Ferien installierte Kolonie bereits voll besetzt war. Dank der umsichtigen Bemühungen unserer Fürsorgezentrale konnte umfassende und befriedigende Vorsorge geschaffen werden. Für die hohen Feiertage wurde teils durch eigene Veranstaltungen der Kultusgemeinde und der Bethau^ verstände, teils durch Vereine und Rabbiner die Abhaltung von insgesamt 54 Gottesdiensten sichergestellt. Es muß leider festgestellt werden, daß sowohl in den Gemeindetempeln als auch in den Tempeln und Bethäusern der Vereine in diesem Jahre der Erlös für B e t s i t z e empfindlich zurückgeblieben ist gegen das vorjährige Ergebnis und daß die Inanspruchnahme von ermäßigten und unentgeltlichen Besitzen eine wesentliche Steigerung erfahren hat. Es war jedoch so vorgesorgt, daß kein begründetes Ansuchen zur Ablehnung gelangte. Vom israelitischen Humanitätsverein „Massadah“ B’nai B’rith wurde der israelitischen Kultusgemeinde anläßlich der 30. Wiederkehr des Todestages Theodor II e r z 1 s dessen Bildnis, von der Meisterhand Jacquas Sfcernfeld gemalt, als Widmung zugesagt. Das Bild soll in den Repräsentationsräumen der Kultusgemeinde angebracht werden. Der Vereinigung wurde der herzlichste Dank für die beabsichtigte Widmung ausgesprochen. Die Abbaumaßnahmen, die an verschiedenen Stellen der staatliche n und kommunalen Verwal t u n g sowie bei F i n a n z i n s t i t u t e n in besonders empfindlicher Weise .Juden betroffen haben, boten dem Präsidium der Kultusgemeinde Veranlassung zu einer Reihe von Interventionen und Eingaben. In diesem Jahre fielen sowohl das Rosch- Haschono-Fest al6 auch die Sukkoth- Festtage auf Montage und Dienstage, so daß die Koscherfleisch- und Geöügelhandlungen durch je vier Tage hätten geschlossen bleiben müssen und eine Versorgung der rituell lebenden Gememdevnitglieder mit Koscherfleisch Produkten nicht möglich gewesen wäre. Über E i n s c h r e iten der Kultusgemeinde hat der Magistrat der Stadt Wien Ausnahmsverfiigungen erlassen, wodurch diesem Übelstande abgeholfen wurde. Ebenso wurden auch für die rituellen Bäckereien Erleichterungen konzediert, um an den jüdischen Feiertagen die Erlaugung frischen Weißgebäcks zu ermöglichen. In den letzten Tagen sind vom Schulamte all jene Maßnahmen getroffen worden, die sich auf den Schulbeginn beziehen. Leider ist durch den erschreckenden Geburtenrückgang in der Nachkriegszeit ein weiteres Sinken des Schülerstandes und damit eine Verminderung der Zahl der Klassen und Abtei lu n g e n zu verzeichnen. Aus diesem Umstande ergibt sich besonders eine Verminderung der Klassen im internen Religionsunterrichte und eine verstärkte Zuweisung an Sammelst,ationen, was für den Unterrichtserfolg nicht förderlich sein kann. Die finanziellen Ergebnisse der letzten Wochen spiegeln den ungünstigen Stand der wirtschaftlichen Verhältnisse unter der Wiener Judenschaft, wieder. Sowohl in der Kultussteuer als auch in allen anderen Einnahmszweigen der Kultusgemeinde-Verwaltung sind wesentliche Rückgänge gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen und sind auch gegenüber dem Budget wahrnehmbar, so daß es der größten Mühe bedürfen wird, um das Gleichgewicht im G em o in de h aus h a 1 to aufrecht zu erhalten. I Uebernehmet neue Selbstkontlngente für das neue jüdische Jahr £■1wfll5ldl ■ zugunsten des Keren Kalemeth I , .. ....

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