Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 389 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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KV. m w- 5. Oktober 1934 DIE STIMME Seife 8 Erklärungen Venizelos' i Saloniki, 28. September. (2. T. A.) Der ehemalige Ministerpräsident Veni- Kein s, dem in letzter Zeit wiederholt zum iVorwurf gemacht wurde, er habe sich den antisemitischen Gedankengängen mancher seiner Anhänger angesehlosscn, und von dem in radikalen Kreisen erwartet wurde, er werde einen entschieden judenfeindlichen Kurs in Griechenland den Weg bereiten, hat in der Salonikier Tageszeitung „N6a Alithia“ einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Forderung seiner Partei nach Wiederherstellung der besonderen jüdischen Wahlkurie in Saloniki begründet und anschließend daran allgemeine Gedanken über die Judenfrage äußert. Unser Kampf mit den Juden Salonikis in dieser Frage (der Wiederherstellung der besonderen Wahlkurie, die von den Türken, welche — wie Venizelos einleitend bemerkt — sich als politisch reifer als die Juden erwiesen hätten, selbst vom Senat verlangt worden sei) kann nicht einem sogenannten antisemitischen Gefühl bei mir zugeschrieben werden. Die Juden Altgriechenlands wissen, wie freundschaftlich meine Gefühle ihnen gegenüber sind. Niemals habe ich aufgehört, die Tugenden Israels anzuerkennen und zu verkünden, und während der langen Jahre meiner Regierung habe ich alles Mögliche getan, um die gerechtfertigten Ansprüche der Juden Salonikis zu befriedigen, und habe ihnen beim Völkerbund meine uneingeschränkte Unterstützung gewährt... Als ich vor einigen Tagen eine jüdische Abordnung empfing, betonte ich ihr gegenüber, daß es unzulässig sei, die Sei StnDffdjmcim rljeumatififien n. jji djti [cfycn S3e[cf;lncrbcrt hxrfcrt 2bgaL$af>Ictten rafdj itnb ftcfycr. $ein attber-eä äfynl icfyeS Sßrä* barnt — mag ilgn mtef) ttoef; jo bicl tiadjgc» Tiiljmt inerten — beflißt über 6000 fdjriftlicfye $rjtegutad)tcn. (Sin 53erfucf; übenenigt! $n allen 2lpotI)cfcn erljältlid). — ^rei3 S 2.40. besondere Wahllairie als politisches Ghetto zu bezeichnen, denn die Juden hätten besondere Privilegien, die ihnen durch den Minderheitenvertrag garantiert sind, und ich war erstaunt, daß Mitglieder dieser Abordnung in Unkenntnis dieser Privilegien waren. Eine deutliche Aufklärung ist notwendig“, schreibt Venizelos weiter. „Das 'Judentum ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine besondere Nationalität. Die große Masse der Juden in der ganzen Welt aber hat sich dem Zionismus angeschlossen. Und die 16 Millionen der Welt sind stolz darauf, zu einer Nation zu gehören, deren Geschichte den Vergleich mit der Geschichte irgend eines anderen (Volkes nicht zu scheuen braucht. Die jüdische Weltkonferenz, die vor einem Monat in der Schweiz zusammentrat, hat beschlossen, für das nächste Jahr einen Jüdischen Weltkongreß einzuberufen. Ich bin sicher, daß dio Juden Salonikis die ersten sein werden, Delegierte zu diesem Kongreß zu entsenden, und ich verstehe das sehr gut. Niemand kann ihnen einen Vorwurf daraus machen, daß sie stolz sind auf ihre Vergangenheit, und jeder Grieche hat volles Verständnis für dieses Gefühl des Stolzes. Aber unsere jüdischen Mitbürger in Saloniki müssen mit größerer Folgerichtigkeit denken. Da sie eine Minderheit bilden, nicht nur in religiösem, sondern auch in nationalem Sinn, so müssen sio sich mit jener Vertretung in den Kammern begnügen, auf dip sio ihrer zahlenmäßigen Stärko entsprechend Anspruch haben. Sie mögen das Schicksal des Landes nicht in höherem Maße zu beeinflussen wünschen, als es dieser zahlenmäßigen Stärke entspricht. Das bestbekannte 'yyj Restaurant Hotel „Stefanie“ II., Taborstraße 12, Tel. R 46-5-57 empfiehlt seine reichhaltige SpoisonauBwahl Menll von S 1*60 an. Speisen am Rost, tttglioh frische Fische, erstklassige Bedienung. Einstein kehrt nicht mehr nach Europa zurück New York, 3. Oktober. (Z. T. A.) Professor Albert Einstein erklärte heute, daß er nicht mehr nach Europa ziurückehren werde. Einstein lehrt jetzt an der Universität iß EsEiß&frfc&Sb Sie essen von 30Grosdien aufwärts vorzüglich Im GRABEN-KEUER Gespräche mit Juden Wer Gelegenheit hat, regelmäßig mit jüdischen Menschen zusammenzutreffen, um bei ihnen das schwierige Geschäft der Werbung für das Werk des Palä.sbinaaufbaues zu betreiben, der kann gewisse Typen unterscheiden und sie in gewisse Kategorien einteilen. Da ist einmal der Interesselose oder innerlich Unberührte: ein Mensch mit geringem sozialen Sinn, mit einer Spur von Gefühl für die menschliche Verpflichtung zur Wohltätigkeit, die ja bei Juden im allgemeinen stark empfunden wird. Die Forderung, zum Aufbau des jüdischen Landes beizutragen, stößt bei ihm auf einen natürlichen Widerstand; er kann nicht recht verstehen, was man von ihm will, und alle Versuche, ihn zu überzeugen, zerschellen zailetzt an seiner Herzensträgheit. Da ist der typische Wohltäter — eine unter Juden stark verbreitete Erscheinung. Du willst von ihm eine Opferleistung für Palästina — er beruft sich auf die jüdischen Wohlfahrtsvereine, die notleidend sind, auf seine Spenden für Arme und Kranke. Du erklärst ihm, daß es hier nicht um Wohltätigkeit geht, sondern um ein Werk des nationalen Aufbaues, um eine Sache, für deren Gelingen wir alle verantwortlich sind, lim ein Unternehmen, das in einer völlig anderen Ebene liegt. „Man kann nicht bei allem mittun“, antwortet er dir schließlich. Immer wieder erlebt man es, wie sich für diese Kategorie von Juden ihre Zugehörigkeit zum Judentum in dieser Wohltätigkeit restlos manifestiert, wie ihr Jüdisches durch sie gänzlich ausgefüllt wird und der Volksgedanke mit seinen Verpflichtungen darin gar nicht Platz findet. „Ich bin ein guter Jude“, erklärt er dir, um gleich darauf dieses sein „gutes Judentum“ dadurch zu beweisen, daß er etwas für jüdische Not und Armut übrig hat. Das jüdisch Selbstverständliche wird hier zum Programm erhöht, „Judentum“ mit jüdischer Wohltätigkeit identifiziert! Wie sehr es damit eingeengt, ausgehöhlt und erniedrigt wird, kann mau diesem Typ nur in seltenen Fällen begreiflich machen. Andere wieder versuchen es mit Einwänden, die verschiedentlich wechseln, kurzerhand, ohne die Absicht nach einer sachlichen Diskussion: einmal sind es die Araber, das anderemal die Engländer, im dritten Falle — die Juden selbst. Er ist natürlich ganz oberflächlich informiert. Die Araber — oder die Engländer — so operiert er — wie wollt Ihr mit denen fertig werden? Denn innerlich unbeteiligt, betrachtet er das ganze Problem lediglich von außer her, ihm ist es sozusagen ein Kalkulationsfall. Er mißt die „Kräfte“ lind es ist klar, daß der jüdische Gegenspieler in der Partie bei ihm schlecht abschneiden muß, zumal er unter Kraft nur die augenblicklich zähl- und meßbare Stärko versteht. Versucht man es, ihm mit dem seelischen Drang, der nationalen Energie des Judentums zu kommen, so blickt man in einen kleinen Abgrund von Gefühlslauheit und Verständnislosigkeit. Am ärgsten ist es, wenn sich seine Argumentation auf die Juden selbst wirft: hier ist das Banalste gut genug. Wie sollen sich Juden untereinander vertragen, bei ausschließlichem Zusammenleben? Man erwartet mit leisem Bangen einen abgeschabten Ghettowitz, der jetzt irgendwo im Hintergründe lauort und ist diese Klippe vorbei, so wird er breitspurig erzählen, wie schwor es ist, mit Juden ein Geschäft abzuschließen. Man erwidert, sucht ihn zu belehren, kommt endlich aut die Judenfrage zu sprechen, die doch edn allgemeines und brennendes Problem bilde und weist hin auf die verschiedenen Geschehnisse der letzten Zeit. „Am Antisemitismus sind doch nur die Juden selbst schuld“, erfährst du nun von ihm lind es folgt sofort eine ebenso primitive wie schiefe Charakteristik angeblicher oder wirklicher jüdischer Eigenschaften in alberner Verallgemeinerung. Er selbst? E r hat so viele nichtjüdische Geschäftsfreunde, mit vielen ist er wirklich befreundet und so mancher Nichtjude hat ihm natürlich schon gesagt, ja, wenn alle Juden so wären wie er usw.... Da sehe man’s also! Manch anderer, der es ln Erwerb und Gesellschaft ausschließlich mit Juden zu tun hat, faßt seinen Standpunkt kurz und bündig zusammen: Mit Juden soll man überhaupt nichts zu tun haben! Ein nicht uninteressantes Studienobjekt für zionistische Psychologen wären jene, die irgendein persönliches Erlebnis abzureagieren haben. Da bricht oft die große jüdische Nervosität, aber auch oft viel Ghettohaftigkcit hervor. Da hat einer etwas auf dem Herzen gegen einen bestimmten Zionisten, ein anderer klagt über die jüdische Gemeindesteuer, einem dritten hat das Begräbnis eines Verwandten Anlaß zu Beschwerden gegeben — und alle diese und noch ganz andere Dinge werden mit der Sache in Beziehung gebracht, die dich zu ihm geführt hat! Man fragt erstaunt, was alle möglichen privaten Angelegenheiten zu tun haben sollen mit der Sache der jüdischen Volkszukunft, mit dem Aufbau des jüdischen Landes? Aber es nützt nichts — er hat das Bedürfnis abzureagieren und er benützt die Gelegenheit reichlich, schließlich klammert er sich an eie, denn er sucht einen Weg, um dir ein „begründetes“ Nein zu sagen. „In Palästina hat man mehr Geld als wir hier, man sollte une von dort schicken“, sagt wieder ein anderer. Man versucht ihn zu belehren, worum es geht, daß es sich um eine große . Gemeinschafts aufgabe handelt, die nur aus Anstrengungen der Gemeinschaft gelöst werden kann, aber es ist verdammt schwer, sieh hier mit Argumenten durchzusetzen. „Man läßt ja niemand hinein“, argumentiert wieder ein anderer und wieder beginnt das Wortgefecht mit einem nicht informierten Besserwisser. Wieviel Nervenkraft, wieviel Energie diese Art von Debatten erfordert, läßt eich schwer schildern. Und der andere weiß ja nicht, daß du dich schon im Zustand gewisser Psychosen befindest, daß du zum Beispiel davor zitterst, schon im nächsten Augenblick zu hören zu bekommen, was du schon hundertmal gehört hast; Das Hemd ist mir näher als der Rock, wobei dieses „Hemd“ abwechselnd alle möglichen Ansprüche und Notwendigkeiten substituieren muß. Wir haben natürlich nur ein paar Typen herausgegriffen, Daß zum Glück nicht alle so sind und es auch erfreuliche Typen gibt, ist zu selbstverständlich, als daß es längerer Darlegungen bedürfte. Das Moralische versteht sich von selbst, sagt Goethe. Aber eä würide in dieser Erörterung etwas fehlen, wenn wir nicht des Typus von Zionisten erwähnten, deren emphatisch zur Schau getragene Gesinnung zu ihren Leistungen in so schreiendem Kontraste steht. Der nachdenkliche Leser wird aus dieser Skizze folgern, wie viel es noch für uni Zionisten zu tun gibt, wie groß die Auf* klärungs- und Erziehungsarbeit ist, welch«? der ernste Augenblick uns zur Pflicht macht. Hier bietet sieh ein Arbeitsfeld füJ j eden von uns, für jedermann nach seiner Weise und in seinem Kreise. Mögen die festlichen Tago ernster Selbstbesinnung in uns allen gute Entschlüsse auslösen für das beginnende neue zionistische Arbeitsjahr! Möge jedermann wissen, daß nur die voll« Pflichterfüllung, das eigene Beispiel ums berechtigt, auch an die anderen Forderungen zu stellen! A.F. RESTAURANT U. BAR I., WEIHBURGGASSE 4, TEL. R 20-0-81 ZU DEN DREI HUSAREN UNTER VOLLSTÄNDIG NEUER LEITUNG ERÖFFNET! ES KOCHT UND SERVIERT ERSTKLASSIGES PERSONAL UNSERE PREISE WERDEN SIE TROTZDEM ANGENEHM ÜBER¬ RASCHEN. FRANZÖSISCHE, UNGARISCHE U.WIENER KÜCHE AUS DEM DRITTEN REICH Hilter-Juden Der Verlag des „Hamburger Israelitischeri Familienblattes“ erhielt folgende Zuschrift: Sillenbuch, 11. Scpt. 34. An den Verlag M. Lcßmann, Hamburg. Ich bin aus der Israel. Religionsgemeinschaft ausgetreten und lege deshalb keinen Wert auf Ihre Zuschriften. Ich bitte Sie, veranlassen zu wollen, daß ich in Zukutift von Sendungen Ihres Verlages unbehelligt bleibe. H e il Hitler! Else Bar eis, StultgartlSillenbach, Panoramastr. 41. Da ist es wirklich schwer, keine Satire zu schreiben. Diese Else Bareis ist wahrscheinlich ein strammes Mitglied von Naumanns Verband national-deutscher Juden, von dem man sagt, er habe kürzlich in Berlin eine Straßendemonstration veranlaßt, bei der Tafeln mit folgender Aufschrift mitgetragen wurden: „Heil Hitler! Hinaus mit uns!“ Diese Else Bareis ist offenbar auch Anhängerin jenes Dr. H. J. S ch o e p s, der das Blatt „Deutscher Vortrupp44 herausgibt und kürzlich erklärte, es gebe keine Gemeinschaftslösung der Judenfrage, keine Gruppenemanzipation der Juden; „lebendiges Judentum und gegenwärtiges Deutschtum“ könne man nicht gleichzeitig leben und erleben; und so bleibe denn nichts als „restlose Trennung vom Judentum in£ jeder Form“. Der Mann, der das geschrieben hat, heißt Schoeps-und mit Recht. Billige Klingen sind billig. Sanft, gründlich, rassig und preiswert ist natürlich nu| Gegen die jüdischen Jugend verbände in Deutschland Der Berliner Polizeipräsident v. Lewet* z o w erließ eine Anordnung, die in Anlehnung an bereits früher ergangene ähnliche Erlässe in anderen Polizeibezirken den! Angehörigen der jüdischen Jugendverbände in Deutschland eine Reihe von Verbotsbestimmungen auferlegt, die ihnen da facto fast jede Betätigung unmöglich gemacht« So wird den jüdischen Jugendlichen von uuhi: ab das öffentliche Tragen einer einheitlichen] Kleidung, wozu insbesondere Hemden ge-: hören, und das Tragen von Abzeichen, ferner gemeinsame Auf- und Ausmärsche, Geländeübungen sowie geschlossenes Marschieren verboten sowie das öffentliche Mitführen; von Fahnen und Wimpeln, das Zusammenleben in Wohngemeinschaften und jegliches gemeinsames Übernachten, insbesondere in, Privaträinnen und Zelten, sowie die Herstellung und Verbreitung von Zeitungen, Flugblättern und Filmen. Für die Nichtbefoigung dieser Anordnung sind hohe Geldstrafen und die Verhängung von Schutzhaft vorgesehen. Diese Verordnung hat in der jüdischen Bevölkerung- Deutschlands große Beunruhigung und Besorgnis hervorgerufen. Seit der Ausschaltung der Juden aus dem gesamten öffentlichen Leben in Deutschland sind den jüdischen Organisationen neue große Aufgaben erwachsen. Insbesondere mußten die jüdischen Jugendbünde ihr Tätigkeitsgebiet erweitern, um den jüdischen Jugendlichen das zu ersetzen, was ihnen vom Staate genommen wurde. So wurden zum Beispiel im Laufe des letzten Jahres als Ersatz für dio Jugendherbergen, in die Juden nicht mehr a u f g e n o m m e n wo rden, in einer Reihe von deutschen Städten jüdische Privatimterkünfte bereitgestellt. Die Zahl der in den jüdischen Jugcndbünden Organisierten ist auch im letzten Jahre erheblich angewachsen. Der ITcehaluz zum Beispiel, der früher 2000 Mitglieder umfaßte, zählt heute 14.000 Mitglieder. Internationale Konferenz für Boykott Hltter-Deutschlands London, 3. Oktober. (Z. T. A.) Am 15. Oktober d. J. wird in London die vom Jewish Representative Council for the Boycott of German Goods and Services einberufene und für drei Tage berechnete intern