Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 389 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite '4 DIB STIMMI nationah' Konferenz für Boykott Hitler- DoutsriUands eröffnet werden. Delegierte aus 16 Ländern, hauptsächlich Repräsentanten nichtjüdischer Organisationen, werden an dem Kongreß teilnehmen. »IRMINSUL« Kinoprogramme der Woche BURG-KINO KREUZ-KINO Uraufführung I Abenteurer in Schanghai mit Jack Holty Lia Lee und Ralph Graves Beginn: 4, VA VA 7*10 Uhr Fleischmarkt 1 Telephon R 29-1 59 ROTENTURM-KINO 1 Beginn; 4, V46, */*8, 74IO Uhr Die Rothschilds G. Arliß / L. Young / B. Karloff Leopoidstfidter Volkskino Telephon R^f^al Vom 5. bis 9. Oktober: Vollständig neues Programm Wochentags Y16. Y*8, ‘/JO Uhr, Sonn- und feiertags 7,4 Uhr VI., Mariahilferstraße 37 Telephon B 20-203 Vom 5. bis 9. Oktober: Karl der Große genießt den besonderen Haß der de.uteohen Nationalsozialisten. Er war der erste Gleichschalter der deutschen Geister, die er samt und sonders 1., Opernring 19 | ^em römischen Katholizismus zuführen Telephon B 20-3-99 wollte, desen geistlicher Oberhirte ihm, dem Die Schicksale einer Familie, die für das Judentum I fränkischen Könige, die römische Kafeer- und die Freiheit des jüdischen Volkes kämpfte, kröne aufs Haupt setzte. Sollten seine ■fc ■ Ä älifipliil aä m Untertanen die ganze Bedeutung diese« ftl I 6 |% O Ir TI S C ■■ I I Ci S Symbols erfassen, dann mußten sie mit _ . „ . TT , I römischem Geiste erfüllt werden, römische Begmn : A VA MO- Karten im \ orvwlntnt. Bildung, römisches Recht akzeptieren und i., wotizeiie 18 diese Aufgabe, die damals für Mitteleuropa Tel. r 24-2-161 noch eine immense Kulturmission unter Halb- und Ganzbarbaren in sich schloß, wurde vorbildlich von den in deutschen Klöstern angesiedelten Lehrern des Katholizismus durchgeführt, Karl der Große war kein engherziger Fanatiker, er hat die Unduldsamkeit des germanischen Heidentums, das jeden Fremdblütigen als Opfergabe auf den Altären der Aeen verbluten ließ, zugunsten der milden Religion der Nächstenliebe und Barriiherzigkeit, wie der Menschheit zuerst auf dem Sinai offenbart worden war und später von christlichen Missionären den Abendländern mundgerecht gemacht wurde, rücksichtslos verdrängt. Aber die Kultur Schöpfungen des Heidentums, die alten Heldendichtungen, Sagen und Mythen hat er mit dem liebevollen Eifer des Kunstbegeisterten gesammelt. Erst sein Sohn, Ludwig der Fromme, hat diese Samlting, sich an ihrem unchristlichen Inhalt stoßend, verbrennen lassen und so unermeßlichen Schaden an den Geisteschätzen der Deutschen angerich tet. An diesem Sohne haben die Hitferianer nichts auszusetzen. Mögen die Germanisten noch so sehr über die verständnislose Vernichtung germanischer Kulturgüter trauern — die Sachwalter dee Dritten Reiches schätzen Bücherverbrennungen als ein Mittel, das deutsche Streben nach Bildung und Wissen in Raufhust und Kampfbegierde zu verwandeln. Sie haben das Beispiel des SCHÄFFER-KIHO mit Grawford Beginn : %4, 7*6, 7*8, V*10 Uhr. Das Amerikanische Olympiäkami tee geht nach Berlin New York, 30. September. Auf Grund der Zusicherungen, die die deut-1 frommen Ludwig nachgeahmt, weil ihnen sehe Regierung dem American Olympic Com-1 kriegerische ,,G eländeübungen“ wich 'mittee betreffend faire Behandlung jüdischer I tiger erscheinen als Lektüre und Studium Sportler gegeben hat, hat das American Sie nennen diese« System „Kampf gegen den Olympic Committee auf seiner Sitzung am jüdischen Geist“. 26. September die Teilnahme der Vereinigten Karl der Große hat als deutsches Reiche Staaten an den internationalen Olympischen I Oberhaupt das polar entgegengesetzte Ideal Spielen 1936 in Berlin beschlossen. Nachdem verfolgt. Er hat die deutsche Jugend aus •die jüdischen Mitglieder des Komitees, Charles den Kampfspielen in die Schulen geführt; O r ns t e i n und Fräulein Charlotte Epstein, das Buch hielt er höher als das Schwert, sich gegen die Annahme dieses Beschlusses obwohl er selbst mit diesem besser umzuenergisch aussprachen und an der Abstim-1 gehen verstand als mit jenem, da er erst 'im mung nicht teilnahmen, wurde die Beschlußhohen Alter, ruhmbedeckt von vielen eiegresolution einmütig angenommen. Zugleich hat | rei0hen Feldzügen, Lesen und Schreiben -das American Olympic Committee eine Warnung erlassen, falls Deutschland seine Zusage betreffend faire Behandlung der Juden im Sport verletzt, die Resolution zurückgezogen wird. Rabbiner Stephan W i s e und Bernard lernte. Juden hat er ale Ratgeber herangezogen und diese Repräsentanten einer alten, sittlich-religiös fundierten Humanität hat er weder zwangsgetauft noch auegerottet. Er war eben kein religiöser Fanatiker, sondern ein zielbewußter Wegbahner der Kultur und ehrte die&e, wo er sie fand. Deutsch erklären, daß die Zusicherungen ßbenso konsequent vernichtete er die Trä Deutschlands gegenüber dem American Olym- ,ger un<j Wahrzeichen der Barbarei. Wenn pic Committee den Tatsachen nicht ensprealso die Geschichte meldet, daß Karl der chen und verlangen, daß ihnen die Möglichkeit Grüße trot. seinCr Wertschätzung vor allen gegeben werde, öffentlich an Hand zuverlässideutschen Kuiretschöpfungen die „Irmin jren Beweismaterials die unterschiedliche Be-|ßui« <pe Säule, die zu Ehren des säohlos hinopfern, das entspricht durchaus der Mentalität der heutigen Nazi. Wa« diese Hakenkreuz-Mentalität von dem Gewissen der entsetzten Umwelt feindlich trennt, einen immer tieferen Abgrund zwischen Hitler-Deutschland und Europa auf reißt das ist eben jene Kultur, bei deren Grundsteinlegung Karl der Große hervorragend beteiligt war. Darum muß sein Andenken im deutschen Volke ausgelösoht und die ihm von der Vergangenheit zugebilligte Größe auf seinen Gegner Widukind übertragen werden. Dem gleichgeschalteten Geschichtsunterrichte der deutschen Schulen von heute kommt also die paradoxe Aufgabe zu, einen Heros zu inthronisieren, dessen Größe darin bestand, daß er .sieh nicht gleich sc halten lassen wollte... Die Nazi drücken das freilich anders aus. Sie bewundern Widukind, weil er Widerstand gegen eine dem deutschen Volke angeblich artfremde Weltanschauung geleistet hatte. Diese Artfremdheit erhellt ihnen aus den zehn Geboten von Sinai. Sie empfahlen an deren Stelle neun andere. Neun ist eine deu heutigen Germanen vom Kegelschieben her heilige Zahl. Bezeichnend ist aber, welches Gebot aus dem Dekalog den Hakenkreuzlern so überflüssig erscheint, daß sie es einfach eliminieren Ee ist das Gebot, nicht zu stehlen. Ein politisches System, das in der brutalen Enteignung verdienstvoll Schaffender, ihrer entßchädigungslosen Verjagung aus Beruf und Amt, und der Konfiszierung ihrer Vermögen gipfelt, muß das Diebstahlverbot geradezu als Aufforderung zum Hochverrat empfinden. Von diesem Standpunkte aus sind auch die neun empfohlenen Gesetze zu werten. Wenn z. B. das mosaische Verbot des Ehebrüche durch das Gebot ersetzt wird: „Halte dich rein!“, dann muß man die nationalsozialistische AtKmfim Sie^r eine PENSION I I. bil BanifiUnfähigkeit INVAtlDITXTS.RCNTCN 1 fdr «In sorgloses Alte« AtTIRff*RENTEN Im Ablobansfallo HINTERBIIEBENEN.RENTEN1 ZU CUNSTICEN BEDINGUNGEN VERSI WIEN, Weisheit bewundern, die sich an das Sprichwort hält: „Eine Hand wäscht die andere.*1 Das Gebot der Elternliebe ist erweitert! durch den Befehl: „Ehre Ahnen und Enkel!“, was nicht nur der Wertsteigerung der ari-. echen Großmutter, sondern auch dem irn Dritten Reiche obligatorischen Respekt der nicht mehr wehrhaften Grauköpfe, vor dom da.s braune Hemd der Hitler-Jugend tragenden Hosenmätze Rechnung trägt. Eine andere Frage ist, ob Widukincl und seine Sachßen dieses Neungobot lieber akzeptiert hätten als das Zehngebot der Bibel, die sie angeblich als artfremd ab* lehnten. Am Ende hätten sie die national-! sozialistischen Grundsätze noch viel encr-. giß eher zurückgewlesen. Darum ist es für Widukind ein wahres Glück, daß er im Ersten Reich gelebt hat und nicht im Dritten. Denn so konnte er sich im Frieden eineß karolingischen Klosters mit der neuen Welt auss ölmen. Heute würde er das Schicksal jüdischer „Schntzhäftlmge“ teilen! von SA und SS zu Tode getrampelt oder, verbrannt zu werden — als Opfer zu Füßen; der neudeutsohen Irrmln-Säule... Palästina vor der Völkerbundversammlung handlung der jüdischen Sportler in Deutsch land nachzuweisen. Schneidermeister Adolf Singer III., Fasangasse 32, Tel. B 50-7-60 ehern. Regimenlsachneider des k. u. k. Schützenreg. 24 und der Flieger-Abteilung Elegante Herrenkleidung, tadellos passend, zu billigen Preisen. Auch aus mitgebrachten Stoffen Unsere geschätzten Leser werden a/uf die «Ischen Kriegegottes errichtet worden war, gleich zu Beginn der Sachsenkriege vernichten ließ, dann mußte die kultisch durch die Opferung der Kriegsgefangenen mit ihr zusammenhängende Kulturschändung offenbar viel größer gewesen sein als ihr Kunstwort. Die Macher des Dritten Reiches können a/ber dem Schöpfer deß Ersten Reiches die Vernichtung dieser Säule nicht verzeihen und planen allen Ernstes ihre Wiederaufrichtung. Zwar weiß man nicht, wie sie jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe eigentlich ausgesehen hat, aber was tut’s? Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo Umso 'besser hat man den Geist erfaßt, der für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, in dieser Säule seinen symbolischen Ausauch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erdruck gefunden hat. Politische Gegner, hältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Gro-1 „Kriegsgefangene“ der Hitler-Revolution, sehen täglich. Keine Nebengebühren. Für An-1 zu Tode martern, andere Gesinnte dem fragen Telephon R 41-4-20. j Götzen der eigenen Ideologie erbarraungs- In einem offiziellen Communiquö des Völkerbundes wird der Bericht mitgeteilt, den der dänische Delegierte Erik de Scavenius der Völkerbundversammlung im Auftrag der Sechsten Kommission über deren letzte Beratungen erstattet hat. Über die Beratungen betreffend das Palästinamandat heißt es in dem Bericht: „Die Frage des Jüdischen Nationalheimes in Palästina, die in der Sechsten Kommission bereits wiederholt angeschnitten worden ist, wurde von mehreren Rednern berührt. Der Delegierte Polens gab der Hoffnung Ausdruck, daß man der überschüssigen jüdischen Bevölkerung Mittel- und Osteuropas die Niederlassung in Palästina gestatten werde. Zu diesem Zweck solle die zionistischeEinwanderungverstärkt werde unter Berücksichtigung der besonders günstigen Wirtschaftslage des Gebietes, die in einem hohen Maß der Tätigkeit des jüdischen Bevölkerungselements zuzuschreiben sei. Die Delegierten Persiens und des Irak sprachen die Hoffnung aus, daß die zionistische Einwanderung nicht zu,m Schaden der erworbenen Rechte der e i ngesessenen arabischen Bevölkerung vor sich gehen werde. Der Delegierte der Mandatarmacht für Palästina erklärte, seine Regierung sei in gleicher Weise um die Interessen beider Bevölkerungselemente Palästinas, des jüdischen und des arabischen, besorgt gewesen. Er nahm Bezug auf die Bestimmungen des Mandats und die interpretierende Autorität der Mandatskommission, die vor kurzem bestätigte, daß die jüdische Einwanderung abhängig sein solle von der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Mandatsgebietes.“ Am Schluß des Berichtes wird der Völkerbundversammlung eine Resolution vorgeschlagen, in der den Mandatarmächten, der Ständigen Mandatskommission und dem Völkerbundrat das Vertrauen betreffend dxei Durchführung von Artikel 22 des Vöt-> kerbundabkomimeiis und die Zuversicht aus* gesprochen wird, daß sie das durch das Man* datssystem geschaffene Werk des Fort* Schrittes in dem gleichen Geist enger Zhfc* sammenarbeit fortsetzen. Eine zionistische Friedens« Konferenz London, 3. Oktober, (2, TrÄ.) Die Zionistische Exekutive hat, wie sie der Jüdischen Telegraphenagentur mitteilt^ sämtliche zionistischen Parteien, die Revi* sionisten eingeschlossen, eingeladen, Dele* gierte zu einer Mitte Oktober dieses Jahres in London abzuhaltenden Konferenz zwecks Wiederherstellung des Friedens innerhalb der Zionistischen Organisation und der Be* wegung zu entsenden. In den Verhandlim* gen, die zunächst mit den Führern jeder einzelnen Gruppe gesondert geführt werden sollen, wird auch die Frage der Pazifizierung und der Verstärkung der Arbeit für die na* tionalen Fonds (Keren Kajemeth und Keren Hajessod) einen breiten Raum einnehmen, (Die Einberufung der Friedenskonferenz ent* spricht einer vom Weltverband der Allge* meinen Zionisten bei seiner Krakauer Ta*, gung aufgestellten Forderung*. Die Red.) Legislative Council wird auch von der Agudah sabotiert London, 3. Oktober. (2. T. A.) Der Führer der englischen Agudisten H. A. Goodman übergibt der Jüdischen Tele-* graphenagentur eine offizielle Erklärung, in der das Gerücht, wonach die Aguclas Jisroel beabsichtige, Vertreter in den palästinensi* schon Legislative Council zu entsenden, als vollkommen grundlos bezeichnet wird, GROSSE WERBEVERSAMMjLIJNG Sektion Döbling*, 19., Caf6 Döblingerhof, Billrothstr. 49 Dienstag, den 9. Oktober 1. J., Va9 Uhr abends Prof. Dr. Wilheln Stein: „Das Judentum In den geistigen Strömungen der Gegenwart WW mmmmrm* GROSSE WERBEVERSAMMIUNG Mittwoch, den 10. Oktober 1934, Vz9 Uhr abends. Sektion XVI/XVII, Festsaal des Magistr. Bezirksamtes, 17., Elterleinpl. 14 Frau Prof. Martha Hoffmann; „Die Frau und die Einheit des Volkes“ Dr. A. Gross: „Die Aufgaben des Zionismus in der Galuth“