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Die Stimme · 1934-09-28 · Heft 388 (28.9.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 388 (28.9.1934)
Date
1934-09-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SeMe 4 ME STIMME Kr. 388 — 28. September T Aus dem Dritten Reich Synagogen in Dentscfetand Der Saarbrückener „Deutschen Freiheit“ wird aus Berlin aus verbürgter nichtjüdiselier Quelle mitgeteilt: Die hohen jüdischen Feiertage dieses Monats (Neujahr und Versöhnungsfest) werden von Parteigenossen dos deutschen .. Führers“ und Reichekanzlers Adolf Hitler zum Anlaß für besonders gemeine Judenverfolgungen ge noinmen. Aus mehreren deutschen Städten gehen uns verbürgte Berichte über die Schändung jüdisc.l>er Friedhöfe und Gotteshäuser zu. In allen Mitteilungen wird flehentlich gebeten, nichts über die Vor gänge zu veröffentlichen, da sonst mit den schwersten Repressalien zu rechnen sei. Mindestens einige dieser Barbareien seiner Parteigenossen müssen dem sogenannten deutschen „Führer“ bekannt gewesen sein als er auf dem Nürnberger Parteitag sprach Trotzdem hat er in mehreren seiner Reden der antisemitischen Hetze Vorschub geleistet und den wüstesten und rohesten Judenfeind Julius Streicher, ausgezeichnet wie kei nen anderen Nationalsozialisten. Wie dieser Hitler-Geist sich auswirkt, hat die jüdische Gemeinde von Schwäbisch üraüad kurz vor ihrem Neujahrstage er fahren. SA.- und SS.-Leute drangen in die Synagoge ein und zerstörten deren ganze Inneneinrichtung. Mit den Kultgegenständen 'wurde Spott und Hohn getrieben. Zer fetzt, zerrissen und zerstört wurden sie auf die Straße geworfen. Nach der Tat wurde die ganze jüdische Gemeinde zusammengetrieben. Einer der Banditen hielt eine Ansprache und bedrohte die gesamte Juden schaft von Schwäbi-seh-Gmünd mit dem T o d e, falls irgend eine Nachricht über die Vorgänge in die Presse gelange. Der Nationalsozialist schloß seine die Schändung der Synagoge verherrlichende und die Juden, auch Frauen und Kinder, mit dem Tode bedrohende Rede mit dem Rufe: „Heil * Hitler“ *; Wie „I>aily Express“ a/us Saar brücken berichtet, wurde am Jom Kippur-Tage in dem Dorfe D e i ß 1 e n an der Saar, während die jüdische Bevölkerung in der Synagoge weilte, der jüdische Friedhof geschändet. 200 Gräber wurden beschädigt, 32 Grabsteine zerbrochen. ,,Daily Express“ beschuldigt die National Sozialisten, diese vandaMßche Tat begangen zu haben. Wie aus Buer (Westfalen) berichtet wird, ist die dortige Synagoge geschändet worden. Es wurden fast alle Fensterscheiben eingeschlagen und das Innere des Gotteshauses durch Steine, Unrat und dergleichen verunreinigt. Der Synagogenvorstand hat sich an den Oberbürgermeister gewandt und ihn gebeten, Schutzvorkehrungen zu treffen. Zahl der Juden ln Preußen um log Prozent zurückgegangen Die ..Jüdische Rundschau“ (Berlin) veröffentlicht eine Gegenüberstellung der Zahl der jüdischen Bewohner der einzelnen Provinzen Preußens am 10. Juli 1933 und am 10. Juni 1925. Die Zahlen für 1933 sind den Veröffentlichungen des statistischen Reich,samtes entnommen, die auf der Internationalen Büro-Ausstellung in Berlin (9. bis 10. September) vorgeführt waren. Danach hat die Zahl der Juden in ganz Preußen in diesen acht Jahren um 10.5% a b g e n o Hirn e n, sie ist von 404.440 auf 361.826 g esanken. Am schwächsten (7%) ist die Ahnahme in Berlin, was sich aus der Zuwanderung aus anderen Landesteilen erklärt, am stärksten in Schleswig-Holstein (25%), in Ostpreußen (22%), in der Grenzmark (19.2%) und in Pommern (18.6%). Die Gesarntabnahmo in der Provinz (Preußen und Berlin) beträgt 30.512, das sind 13.2%. Für das übrige Reich liegen die Zahlen rmch nicht vor. 1925 hat die Gesamtzahl der Juden in Deutschland 564.379 betragen; in den nichtpreußischen Ländern lebten da tnuls also 159.933 Juden. Wenn man annimmt, daß diese Zahl in demselben Verhältnis ahgenommen hat, wie in Preußen ohne Berlin, also um 13.2% — 21.111 Personen, so ergibt sich für das ganze Reich daß die jüdische Bevölkerung in den acht Jahren von Juni 1925 bis Juni 1933 um etwa 63.700 Seelen auf 500.700 durch Sterbeüberschüsse und Auswanderung zurückgegangen ist. Wie die „Rundschau“ bemerkt, dürfte sich diese Entwicklung in den seit der Volkszählung vergangenen 15 Monaten weiter fortgesetzt haben. Außerordentlich starker Syna* gogenbesuch am Jom Kippur Berlin, 21. September. Die Beteiligung am Jom-Kippur-Gottesdienst in Berlin war in diesem Jahre außerordentlich stark und dürfte die des Vorjahres noch übertroffen haben. Sämtliche Synagogen und die zahlreichen außerordentlichen Betsäle waren bis zum Schluß des Gottesdienstes mit. Besuchern überfüllt. Auch aus den übrigen Städten Deutschlands wird eine besondere starke Beteiligung am Jom-Kippur-Gottesdienst gemeldet. Gegen die jüdischen Jugend• verbände Berlin, 21. September. Die Staahspolizeistellc für den Regierungsbezirk Potsdam hat eine Bekannt machung erlassen, die das Auftreten jüdischer Jugendverbände in der Öffentlichkeit regelt. Den jüdischen Jugendverbänden ist künftig das öffentliche Tragen von ein heitlicher Kleidung, das Verdecken der verbotenen Kleidungsstücke durch Zivilkleidung sowie jede sonstige einheitliche Bekleidung, die auch nur teilweise für die bisherige Bundestraeht als Ersatz anzusehen iet, das gemeinsame Übernachten und Wohnen in Zelten und Privaträumen, das Mitführen oder Zeigen von Fahnen, Bannern, Wimpeln und Feldzeichen aller Art und das Auf- und Ausmarschieren, insbesondere das gemeinsame Ausmarschieren in feldmäßiger Ausrüstung, sowie das Üben in gelände- und wehrsportlicher Hinsicht aller Art verboten. KINOPROGRAMME DER WOCHE KREUZ-KINO Prolongiert I., Wollzeite.fB Tel. R"M&ti Der Bürgerrechte der Juden in Deutschland Nach einem Bericht, den „News Chronicle“ aus Berlin veröffentlicht, bereitet die deutsche Regierung ein Gesetz vor, das alle deutschen Juden der Bürgerrechte beraubt. Nur die deutschen Juden im Ausland sollen dem Schutze der deutschen diplomatischen Vertretungen unterstehen. Die Zeitung schreibt, daß nur Deutsche, die ihre rein arische Abstammung bis drei Generationen zurück nachweisen können, die Bürgerschafts rechte einschließlich Stimmrecht genießen werden. Es soll in den kommenden Monaten ein rass ische s In v en t a r ü ber ganz Deutschland aufgenommen werden, um Deutschland rassisch rein zu machen, danach soll das geplante Gesetz zur Ausbürgerung der Juden verkündet werden. Die Standesämter werden strenge Rassenärater für Geburten, Eheschließungen und Todesfälle sein. Wie ,,News Chronicle“ weiter erfährt, soll auch durch eine starke antijüdische Kampagne in den nächsten Monaten der Rücktritt der Juden, die noch im Theater- und Kunstleben verblieben sind, erzwungen werden. mit Robert Montgomery, Madg© Evans Vorstellungen: 4, 7*6, ‘/a8i 7*TO Wir II. Rotensternnasse 7a Telephon R 40-0-23 LeoDOldstdtiier Volkskino Vom 28. September bis 1. Oktober: Bei der blonden Kathrein mit Liane Haid Wochentags V»0i 7*8, 7J0 Uhr, Sonn- und feiertags 7»4 Uhr wurden in bedenklichem Zustande ins HospL tal cingcliefcrt. Zur gleichen Zeit wurde der jüdische Stu-* dent Roth von drei antisemitischen Stu-> denten in der Grodeckagasse schwer vorw u n d c t. Es gelang ihm, in das polnische Studentenheim zu entkommen. Wie angenommen wird, handelt cs sich bei den Angreifern auf die jüdischen Geschäfte ebenfalls um antisemitische Studentenrowdics. Die Angreifer entkamen, ohne daß auch nur, einer festgenommen worden wäre. Hitler erklärt. 9 New York, 20. September. (2. T. A.) Gustave Oberlender aus Reading, Pennsylvania, der Begründer des Fonds zur Förderung von freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland, der von einem Aufenthalt in Deutschland nach New York zurückgekehrt ist, erzählt, daß er in einem Gespräch mit Hitler die Bemerkung gemacht habe, daß die Verfolgung der Juden in Deutschland ein großes Unrecht sei. Darauf habe Hitler emphatisch erklärt: „Solange Ich an der Macht bin, werden die Juden ihren Einfluß in Deutschland nicht zurückgewinnen.“ Schneidermeister Adolf Singer III., Fasangasse 32, Tel. B 50-7-60 ehern. Regimentsschneider des k. u. k. Schützenreg. 24 und der Flieger-Abteilung Elegante Herrenkleidung, tadellos passend, zu billigen Preisen. Auch aus mitgebrachten Stoffen Tragisches Schicksal üdischer Auswanderer Bukarest, 21. September. (2. T. A.) Wie dem „Czemowitzer Morgenblatt“ aus Constanz a gemeldet wird, haben 300 jüdische Auswanderer aus Polen und anderen rändern, wolcho über Rumänien nach Paüstina gelangen wollten, sehr unangenehme Erlebnisse gehabt. Diese 300 Palästina-Auswanderer besaßen keine Zertifikate. Die englischen Behörden gestatteten ihnen daher nicht die Landung auf palästinensischem Boden. Das Schiff, auf dem sie sich befanden, setzte dann scino Fahrt nach PirUufi wo die 300 Auswanderer ane Land stiegen. In Piräus traten die Auswanderer mit einem Schiffsbesitzer in Verhandlung, der sich bereit erklärte, sie nach Haifa zu bringen und ihnen zu ermöglichen, ans Land kommen. Die englischen Behörden erfuhren aber davon. Als die Auswanderer das Schiff verließen und in Booten das Land zu erreichen versuchten, trafen mehrere e n g- 1 i s c h o P o 1 i z e i b o o t, o ein. Es kam zu einer Jagd auf die Boote, in denen eich die Auswanderer befanden. Ein Boot kippte um und drei Jünglinge ertranken. 80 junge Leute wurden von den englischen Behörden gefangengenommen. Den restlichen gelan es, das Laad zu erreichen und sich in Sicherheit zu bringen. Antisemitische Terrorakte in Lemberg Lemberg, 26. September. Am 23. September, Erev Sukkoth, üborfielen Exzedenten die jüdischen Geschäfte in mehreren Straßen Lembergs und mißhandelten die jüdischen Geschäftsleute, darunter Frauen und Greise, in grausamster Weise. Sie verprügelten dio jüdischen Besitzer, gossen brennende Säuren in mehrere jüdische Geschäfte in den Straßen Akademicka und Stryyska, wo dio 65jährige Frau des jüdischen Kolonialwarenhändlers Daychfeld sowie der jüdische Kaufmann Friedmann und seine Frau schwer verletzt wurden. Eine schreckliche Panik entstand, als die Leute, nachdem sio die Säuren in die Geschäfte gegossen, die Jalousien sowie die Ladentüren von außen schlossen und die in den Läden Eingeschlossenen, deren Kleidung Feuer fing, um Hilfe riefen. Auf die Hilferufe eilten eine große Menschenmenge aus den benachbarten Straßen zum Schauplatz, dio die Türen der Läden einbrach und das Feuer lokalisierte. Frau Daychfeld sowie der Kaufmann Friedmann und Frau lll Voraus muß mau denken/ Phönax Allgemeine Versuiierungs» Oes»/ Wien/IX*/ Alsevplats 3 Jom* Kip pur'Andacht ln Sowjet* rußland unter antireligiösem Ter* ror i Moskau, 21. September. 1 Am Jom Kippur waren sowohl die Synan gogen als auch dio von kommunistischer Seite veranstalteten anti-religiösen Ver-i Sammlungen stark besucht. Während in den Synagogen das ältere Element vorherrschte, war die Jugend zum größten Teil durch ihre Organisationen zu den anti-religiös s c n Kundgebungen a b komm a n-i d i e r t worden. In einem Falle haben sogar Gottesdienst und anti-religiöse Vcrsamm** hing unter demselben Dach stattgefunden;; hier war ein Teil der Synagoge vor längerer Zeit konfisziert und in einen kommunisti-i sehen Jugendklub umgcwandclt worden, Tagsüber wurden demonstrativ lürtnendQ Konzerte, Spiele und Tänze veranstaltet, Charakteristisch für den auf die jüdischen Arbeiter und Angestellten ausgeübten Druck' ist die Tatsache, daß sehr viele Menschen zum Frühgottesdienst in die Synagoge kamen, um dann zur üblichen Zeit an ihren Beschäftigungsort zu eilen. Das Restaurant Billet hat sich der Zeit an-« lassend entschlossen, bei gleicliblcilnMiiku*, loclnvertiger Qualität seiner Speisen, reichhaltige Menüs zu 8 1.90 u n d 8 2.(50 einzuführen. Vorzügliche, eisgekühlte Getränke, Schwechater Bräu. II., Ilammerpurgätallgasso 3 (nächst Salztorbrücke). Absolvent der Universität Jerusalem und Lehrer des Kinderdorfes Ben Schemen erte.Hl Unterricht in Hebräischer Sprache Zuschriften unter »Uriel« an die Administration der »Stimme« zionistisches Landeskomitee |lillllllll!llllllllllll!l!lltlllllllllllllllllllllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllll!lllll!llllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllll für Oesterreich, 1., Schwarzenbergplalz 1 Festsaal II!llllll!ll!llllllllll!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIillI!lillll!lll!!!ll!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIII!illllllilllllllllllllllllMIII!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll> des Miütärkasinos Donnerstag, den 11. Oktober 1934, präzise ^9 Uhr abends Or. Josef Löwen&ers, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde: Amerika, wie ich es sah« » Karten sind zu haben: Im Zionistischen Landeskomlfee, I., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-4-86, täglich von o bis 12 und 3 bis 6 Uhr abends, in der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldafadt, II., Prafersfraße 13, Telephon R 44-3-45, -• ‘ " * "•* " ---- - _ straße 20 a, Te sowie bei allen Vorstandsmitgliedern aller Sektionen telephon R 45-305 und Bücherstube M. Rath, II., Tabor-

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