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Die Stimme · 1934-09-28 · Heft 388 (28.9.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 388 (28.9.1934)
Date
1934-09-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 388 — 28. September 1034. DIE STIMME Seite 3 91 sic bezeichnet dies als Warnung. Wovor soll eigentlich gewarnt werden? Eine Warnung sieht oft wie eine Drohung aus und wenn das hier stimmen sollte, dann hieße es, daß die „Reiehspost“ den Juden sogar verwehren will, sich gegen Unrecht und Demütigung zu wehren. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Das „Nouigikeite-Wcdfcblatt“ sucht nachzuweisen, daß nun eine Art Schulmathcmatik vorliegt, aber es bemerkt, daß die Christen, falls die Juden bei ihrem Protest bleiben, gleichfalls ihr e F o rd erungen a n in e 1 d e n w ii r d e n. Das mag wohl eine andere Übersetzung des von der „Reiehspost“ in lateinischer Sprache zitierten Sprichwortes „Hier hausen Löwen!“ sein. Unsere Antwort: siehe oben. caf£ national II., Taborsftrafte 18 Dienstag, 2. Oktober 1934 Große Simchath-Thora-Feier! Mitwirkend: Schauspieler der Jüdischen Bühne und der IWaximofl-Truppe 7,9 Uhr abends SO Groschen Musikschutz Eden über die jüdischen Minderheiten Genf, 26. September. In der politischen Kommission des Völkerbundes berührte Lord Eden, der Geheimsiegelbewahrer Großbritanniens, das jüdische Problem in Deutschland und in den osteuropäischen Ländern und wies auf die schlechte Behandlung der Juden in diesen Ländern als ein Beispiel dafür hin, warum die Rechte nationaler Minderheiten vom Völkerbund geschützt werden müssen. Die jüdischen Minderheiten, erklärte Eden, werden durch die bestehenden Minderheitsverträge durchaus korrekt geschützt. Diese beziehen sieh jedoch nur auf gewisse Länder. Jede Regierung trägt die unmittelbare Verantwortung für Personen aller Rassen, Sprachen und Religionen in den Territorien, die sie verwaltet Nach der Behandlung ihrer Minderheiten wird jede Regierung beurteilt, und auf einer guten Behandlung aller Staatsbürger beruht auch der gute Name eines jeden Landes. Die Minderheiten Polens Genf, 26. September. In Genfer diplomatischen Kreisen wird die Frage erörtert, wie der Völkerbund Vorgehen würde, falls ein Angehöriger der ukrainischen oder jüdischen Minderheiten in Polen vor den Völkerbund eine Klage gegen die polnische Regierung wegen Benachteiligungen, die eine Verletzung des Versailler .Vertrages bedeuten, bringt. Da die von Beck ,Vorgebrachte Erklärung vom Völkerbund nicht sanktioniert wurde, würde eine solche Klage, nach dem bestehenden Verfahren, yom Völkerbund genau so zu behandeln sein wie die Bernheim-Petition. Ein solcher Präzedenzfall würde erst zeigen, ob die polnische Regierung ihren Standpunkt auch in der Praxis zu befolgen gedenke, indem sie ein Erscheinen vor dem Völkerbund unter Hinweis auf die Erklärung Becks ablehnen würde. Polens Antrag vorläufig zurückgestellt Genf, 23. September. ' Bei der am 21. September fortgesetzten (Aussprache in der 6. Kommission des Völkerbundes über den Antrag Polens, die Minderheitenschutzbestimmuugen auf alle europäischen Staaten auszudehnen, gaben 'die Vertreter der Großmächte England, Frankreich und Italien ihre Stellungnahme zu dem polnischen Vorschlag bekannt. Im Sinne der bereits in der Völkerbunds-Versammlung abgebenen Erklärungen lehnen diese Mächte die Verallgemeinerung der Verträge ab, da diese unter Berücksichtigung bestimmter Verhältnisse in den neuge- Bchaffenen Staaten geschlossen worden seien und deshalb nicht ohnewoiters auf andere Staaten und Verhältnisse übertragen werden könnten. Eino Abänderung der Verträge und des in ihnen vorgesehenen Verfahrens sei nur mit Zustimmung der Mehrheit des Völkerbundsrates möglich. Daraufhin erklärte der Vertreter Polens, ßra| E B tfeinachdem gr eiclj tele¬ Sie essen von 30Groschen aufwärts vorzüglich im GRABEN-KELLER phonisch mit dem polnischen Außenminister Oberst Reck in Verbindung gesetzt hatte, Polen verzichte auf die A h s t, i m- Der Völkerbund hat zu erkennen gegeben, daß das Mmderheitenrecht nicht eingeschränkt werden darf. Der Vertreter Polens mußte, um keine Ablehnung des bekannten Antrages zu provozieren, auf die Abstimmung verzichten. Er erklärte dazu, daß Polens Standpunkt, so wie ihn Minister Beck selbst gezeichnet hat, unverändert bleibt, das heißt, daß Polen in den Minderheitsfragen eine Zusammenarbeit mit dem Völkerbund ablehnt. Doch hat Polen keine Einwendung dagegen erhoben, daß die Beschwerde des Fürsten Pleß wegen Beschlagnahme seiner oberschlesischen Güter vom Völkerbund in Verhandlung gezogen wird, obzwar Polen diese Angelegenheit bereits als abgeschlossen bezeichnet hatte. Es wird nichts so heiß gegessen, als es gekocht wird. Es war versucht worden, das bißchen Recht der Minderheiten zum Gegenstand eines machtpolitisohen Intrigenkampfes zu machen. Der Versuch ist daran gescheitert, daß die großen Mächte die schon vorhandenen Sorgenpakete nicht auch noch um ein neues schweres vermehrt wissen wollten. Trotzdem wäre es gut gewesen, wenn der eigentliche Antrag Polens, die Minderheitenfrage vor einer internationalen Konferenz zu diskutieren, zur Durchführung gekommen wäre. Aller MaoMavelismuß hätte es nicht verhindern können, daß eine Aussprache erfolgte. Es hätte sich da gezeigt, daß gerade die Regierungen, die in der Durchsetzung des Mehrheitsprinzips am intransigentesten sind, die ihre Minderheiten am härtesten behandeln, am meisten und asm lautesten geredet hätten. Es hätte Vorwürfe und Gegenvorwürfe geregnet, aber es wäre doch eine Aussprache gewesen, die Gutes erzeugt hätte. Es hätte sich nicht vermeiden lassen, daß auch das Schicksal der verschiedenen jüdischen Minderheiten zur Sprache gekommen wäre. Freilich ist gerade diese Frage durch die Vorgänge im Dritten Reich in ihrem ganzen Umfang der Öffentlichkeit bekanntge worden. Der Völkerbund hat nicht die Entschlußkraft aufbringen können, Deutschland, das damals noch der Genfer Liga angehörte, auf den Weg der europäischen Gesittung zu zwingen. Aber was in Deutschland vorgegangen ist, wurde in den westlichen Ländern ohne Einschränkung mitgeteilt und die Behandlung der Juden durch Deutschland hat unendlich viel dazu m u n g über seinen Antrag, halte aber an seiner Forderung nach Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes weiterhin fest. Seuche erfaßt worden; das ist' eine merkwürdige Erscheinung, aber sie ist vorhanden, und jeder Staat, in dem es deutsche Minderheiten gibt, hat mit dieser Tatsache zu rechnen und auch daraus resultiert eine Verschlimmerung der allgemeinen politischen Lage der deutschen Minderheiten. Die „Czernowitzer deutsche Tagespost, das Organ des nationalsozialistischen Deutschtums der Bukowina, klagt z. B.: „Die Minderheiten machen bei uns im Lande ungefähr 25 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Ist es anmaßend, wenn wir verlangen, daß wenigstens 10 Prozent der ernannten Supplenten Minderheitler sind? Dürfen wir Minderheitler, die wir genau so unsere Steuern zahlen, den Mi- ’ litärdienst leisten, mehr als einmal bewiesen haben, daß wir treu zu Staat und Volk halten, nicht auch verlangen, daß Angehörige der Minderheitsnation Staatsstellungen bekommen? Aus Handel und. Gewerbe will man uns verdrängen, in den freien Berufen sind wir zu viel, im Staatsdienst rottet man uns aus —, wohin sollen wir eigentlich, die wir auf diesem Boden ebenso geboren sind und hier unsere Heimat haben wie das Mehrheitsvolk,“ . Die Fragen, die das Czernowitzer Blatt stellt, drucken die „Wiener Neuesten Nachrichten“ ab, ein Blatt, daß sonst mit den hier beklagten Maßnahmen sympathisiert, wenn eie gegen Juden a n g e we n d e t w e rcl e n. Die Leute, die sonst nicht genug die Macht der Za h 1 Schulbücher für alle Lehranstalten in den vorgeschrieben en Auflagen, auch antiquarlschf zu wirklich billigsten Preisen liefert die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner, Oien II., ECKE Taborstraße Nr. 52 Verzeichnisse umsonst. Spesenfreie Zustellung Überallhin Für Auskünfte Telephon R 41-4-20. aus, einerseits darauf gerichtet, die Rechtsposition von 11 Prozent der Bevölkerung zu vernichten und anderseits durch die Lockerung der politischen Moral Land und Volk reif zu machen für die Unterwerfung unter die moral insanity der SA. und SS. Gewiß hat der Bundeskanzler in seiner Erklärung an das Komitee der jüdischen Delegationen sich zu. der absoluten Gleichberechtigung der Juden bekannt, abeT der Geist des Chauvinismus und des hemmungslosen Antisemitismus versucht immer wieder durchzubreohen. Das erschwert die innere Befriedung, es ist aber auch eine Gefahr für die internationale Stellung Österreichs, die heute zu einem sorgenvollen Problem aller europäischen Staaten geworden ist. Es ist nicht gut für Österreich, wenn seine innere Politik außerhalb des Staates zur Diskussion gestellt wird, wenn immer wieder Verfügungen untergeordneter Organe oder Erlässe selbstherrlicher Funktionäre bekannt werden. Österreich gehört dem Völkerbund an und es hat allen Grund, sich dieser Ehre wert zu zeigen und die Schutzbeßtimimungen zu achten, die es selbst unterecihriebeii hat« Nicht nur dem Wort, sonderö auch dem Geiste nach. Das Recht der Minderheiten ist heute* trotz des polnischen Vorstoßes stärker alß je. Es ist, wie man in Genf erkennen konnte, zum festen Bestand des politischen Denkens der zivilisierten Welt geworden. Die Art,, wie es befolgt und gehandbaibt wird, ist derl Gradmesser für die politische Kultur eines’ ALLEN VORAN! REICH DAUERBRANDOFEN FÜR INLAND- UND STEINKOHLE, KOKS UND ANTHRAZIT BEI HOLZ-DAUERBRANDÖFEN | PRIMAT I 30% BUNDESZUSCHUSS IV., PRESSGASSE 28. TEL. B 20-2-38. - I., PARKRING 12. TEL. R 20-3-57. Oesterreich und Genf beigetragen, daß die zivilisierte Welt eine genaue Kenntnis der Moral des Dritten Reiches erhielt, und daß das politische Verhalten Europas und auch Amerikas gegenüber Deutschland davon beeinflußt wurde. Es gibt Länder und Völker, die im Dunstkreis deutschen Wesens leben und die sich daran gewöhnt hatten, alles, was Deutschlands Wissenschaft und Technik tut, als vorbildlich für sich zu betrachten und nachzuahmen. Auch die Maßnahmen gegen die Juden haben auf diese Länder und Völker abgefärbt, aber sie sind vielfach, nicht bei den Juden stehengeblieben, sondern über diesen Bereich hinaus erweitert worden. Der Nationalsozialismus hat infolge dieser Prozedur die deutschen Minderheiten sehr tief getroffen und eie fast wehrlos gemacht. Ihr ganzer Kampf um die Erhaltung ihres geistigen Besitzes, um ihre Jugenderziehung, um ihre Position überhaupt, ist entwertet worden, und jede ihrer Beschwerden wird mit dein Hinweis darauf beantwortet, es sei doch nur das geschehen, was in Deutschland den Juden geschehen ist. Das Auslanddeutscihtum ist zudem durch innere Kämpfe zerrüttet und geschwächt. Es ist zu einem großen Teil von der Hitlerdie Juden fühlen lassen, die die Juden aus Handel und Gewerbe und aus den freien Berufen ausrotten wollen, die die Juden nicht zum Staatsdienst zulassen wollen, diese Leute sind sehr wehleidig und empfindlich, wenn irgend jemand ihre Theorien gegen sie selbst auwendet. Die Deutschen haben von den Sehutzbestimniungen der Minderheitenverträgo sehr ausgedehnten Gebrauch gemacht, obzwar sie in ihren Blättern jederzeit die Idee des Völkerbundes verhöhnt und verlacht haben. Und die Deutschen sind die ersten gewesen, die ~ offen und am hellichten Tag das Minoritätenrecht, das moralische Recht einer wehrlosen Minderheit zertreten haben. Es ist auch nicht nur uns, sondern auch der Umwelt bekannt, welche Absichten das nationale Deutschtum in Österreich in bezug auf die Juden hegt, und wer noch daran zweifeln sollte, kann sich durch die Lektüre der „Wiener Neuesten Nachrichten“ darüber informieren, jenes Blattes, das den beweglichen Hilferuf der Bukowinaer Hakenkreuzler einer breiteren Öffentlichkeit übergibt. Von den Kreisen, die hinter diesem Organ stehen, gehen ununterbrochen antijüdische Bestrebungen JEÄKIWK! ZU DEN DREI HUSAREN UNTER VOLLSTÄNDIG NEUER LEITUNG ERÖFFNET! ES KOCHT UND SERVIERT ERSTKLASSIGES PERSONAL UNSERE PREISE WERDEN SIE TROTZDEM ANGENEHM ÜBER¬ RASCHEN. FRANZÖSISCHE, UNGARISCHE U. WIENER KÜCHE Staates. Die Mächte, die den Minderheitenpakt nicht angreifen lassen, sind wenigstens in dieser Frage einig und .sie sind stärker als die G nippe, die in Wien nach Berliner Kommando Politik auf eigene Faust machen will. Der Völkerbund ist der Garant des Rechtes der Minderheiten, auch der jüi dischen Minderheit. Erlösung von der täglichen Qual ist die sanft-scharfe SWLN6 Die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland Genf, 26. September. In der Zweiten Kommission der Völker-* bundversammluüg wurde ein Bericht über die Lage der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland erörtert. Der englische Dele-< gierte Shakespear“berichtete über die vom Hochkommissar für die deutschen Flüchtlinge James G. M a e D o n a 1 d in der Ansiedlung der Flüchtlinge in verschiedenen Ländern geleistete Arbeit. Laut diesem Bericht wurden 25.000 Flüchtn linge aus Deutschland, unter ihnen 7000 Angehörige der lntelligenzberufe, von privaten jüdischen Organisationen unterstützt, die 1,000.000 Pfund für ihre Hilfsarbeit auf brachten. Der Völkerbund hat dem Hochkommissar eine Anleihe in Höhe von 25.000 Francs gegeben; diese Anleihe ist jetzt z ih rück gezahlt worden.

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