Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 387 (21.9.1934)
- Date
- 1934-09-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIC STIMM! Nr. 2 — 21, September 1934 s i t z o jüdischer Institutionen, wie ,1er New Yorker Palest, ine E o n o m i c Corporation und des Londoner Economic for P a lest i n e, ist, wandten sich die entlassenen jüdischen Angestellten an Sir Robert Wale y - C o h e n von der Palestine Economic Corporation in Jerusalem um Wahrnehmung ihrer Interessen, dieser aber erklärte, daß die lokale Gesellschaft in der! Angelegenheit nichts unter-! nehmen könne. Die Palestine Economic! Corporation werde ihr Möglichstes tun, um eine Regelung der Beziehungen zwischen der Leitung des King-David-Hotels und den lokalen Angestellten, jüdischen wie arabischen herbeizuführen. Die jüdische Öffentlichkeit wird selhstver stündlich nicht warten, bis Sir Waley-Cohen sein Möglichstes getan hat. Kein Jude wird in Hinkunft das antisemitische Hotel, das einen jüdischen Namen trügt, betreten noch mit ihm in Geschäftsverbindung bleiben dürfen. PALÄSTINA-TRANSPORTE & ‘SKTir IHXb tsnSDJIB BROPER & FENYP Wien, I., Franz-Josefs-Kai 7-9, Telephon R 26-0-67 und R 26-1-67, übernehmen zu kulantesten Be. dingungen Übersiedlungen, Warentransporte via Gufatz, Triest und Constanza nach Palästina Auskünfte: Ernst ULLMANN, Leiter der Palästina-Abteilung 23.000 jüdische Einwanderer von Jänner bis 31. August Palästina meldet: Nahum Sokolow in Palästina Jerusalem, 18. September. Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Sokolow, ist nach mehrmonatigem Aufenthalt in Südafrika, wo er die Kampagne für den Keren Hajessod geleitet hat, in Palästina eingetroffen. 350.000 Pfund'Anleihe für Tel-Aviv perfekt Paris, 18. September. Bürgermeister Dizengoff, der am 16. September von Marseille aus die Rückreise nach Palästina angetreten hat, ist es vor seiner Abreise aus London gelungen, eine 350.000-Pfund-Anleihe für Tel-Aviv zu dem Zinsfuß von weniger als 5 Prozent zu sichern. 167 *'Illegale“ ln Gefängnissen Jerusalem, 14. September. (2. T. A.) Seitens der Leitung der Palästina-Polizei wird mitgeteilt, daß gegenwärtig 167 Juden, unter ihnen 56 Frauen, als „illegale Einwanderer“ in Paläs tina- Gefängnissen sitzen. 140 Juden büßen bereits ihre Strafen ab, während 27 Juden noch auf das Urteil warten. Auch 199 Nichtjuden sind wegen illegaler Einwanderung in Haft. Die meisten illegalen Einwanderer sind im Gefängnis zu A k k o untergebracht. Die mit dem griechischen Dampfer „Union“ eingetroffenen und wegen illegaler Einwanderung verurteilten 17 Juden sind in den Hungerstreik getreten: zum Protest gegen den Beschluß, sie zu deportieren, und gegen schlechte Behandlung im Gefängnis. Neuer Leiter des Erziehungsdepartements des Waad Leumi Jerusalem, 14. September. (2. T. A.) Nach dem Rücktritt des bisherigen Leiters des Erziehungsdepartements des Waad Leumi, Dr. Israel B. B e r k s o n, hat Dr. J. Luria, der viele Jahre hindurch erster Assistent Dr. Berksons zunächst im Erziehungsdepartement der Palästinaexekutive der Jewish Agency und dann in dem des Waad Leumi war, dieses Amt übernommen. Dr. Berkson bleibt auch nach seinem Ausscheiden aus der Leitung des Erziehungswesens Mitglied der Palästinaexekutive, in die er auf der letzten Tagung des Council der Jewish Agency in Prag neuerlich gewählt wurde. 140 neue Straßen in TebAvlv Tel-Aviv, 18. September. Der Stadtrat von Tel-Aviv hat die Namen von 140 neuen Straßen endgültig festgesetzt. Die neuen Straßen tragen zum Teil die Namen historischer jüdischer Persönlichkeiten, die Namen von Gaonim, Rabbinern, Philosophen, Dichtern, zum Teil sind sie nach großen jüdischen Siedlungen in den Ländern der Zerstreuung benannt. So gibt es unter anderem eine Wormser-, Prager- und Wilnaeretraße. Auch hervorragende nichtjüdisohe Persönlichkeiten wurden geehrt, indem Straßen nach ihnen benannt wurden. umsonst. Die Finger blieben verpappt vom Leim und die Nägel waren genau so rot von der Politur wie vorher ... In diese Hände kam der zarte, duftende Ethrog. Als Salmen den Ethrog in die Hand genommen hatte, gab es meinem Vater einen tüchtigen Ruck. Salmen quetschte den kleinen Ethrog mit seinen Fingern und schüttelte den Lulab so stark, daß er zu zerbrechen drohte. „Vorsichtig sein! Vorsichtig!“ sagte Vater und ließ kein Auge vom Ethrog, der in der Hand des Tischlers fast verschwunden war. „Jetzt muß man den Ethrog mit dem Köpfchen nach unten halten und ,Schehechejuni4 sagen!“ belehrte Vater den Tischler. „Aber um Gotteswillen vorsichtig sein!“ Plötzlich fuhr Vater wie vom Blitze getroffen zusammen. Vater stieß einen unmenschlichen Angstschrei aus. Mutter stürzte zitternd in die Laubhütte und fragte: „Was ist dir, lifo Gottes willen, zugestoßen? Gott ist mit dir!“ „Grobian! Lümmel! Tolpatsch!“ stieß Vater laut hervor und wollte dem Tischler eine versetzen. „Ein Ethrog ist doch keine Hacke! Ein Ethrog ist doch kein Hammer! Ein Ethrog ist doch kein Hobel! Mir wurde doch der Hals ohne Messer durchgeschnitten! Mein Ethrog ist doch geschändet! Geschändet und entweiht! Da liegt das Köpfchen! Da liegt der Pitum, abgebrochen! Grobian! Ungehobelter Grobian!“ Wir standen alle wie gelähmt da. Salmen selbst glich einer Leiche. Er schien es nicht fassen zu können, wieso gerade ihm so ein schreckliches Unglück zustoßen, konnte. Wie war es nur möglich, daß das Köpfchen abspringen konnte — sann er. Er hatte es doch vorsichtig berührt. Kaum, kaum mit den Fingern fesfcgehalten... So ein Unglück... So ein schreckliches Unglück ... Vater war bis in die Seele verwundet. Noch ehe er im Bethaus war, noch ehe er den Segensspruoh übec seinen eigenen Ethrog machen durfte, war sein Ethrog entweiht und gräßlich geschändet worden. Warum hatte er bloß eine so edle und zarte Frucht in solche grobe, ungeschlachtete Hände gegeben? Hätte der Tischler denn nicht ebenso gut seinen Segensspruch über den Ethrog machen können, der für alle im Bethaus zur Verfügung stand? „Grobian! Tölpel!“ sagte Vater in seiner tiefen Verzweiflung. Mutter stand lautlos da und rang die Hände. Dann brachte sie weinend hervor: „Wenn es einem Menschen nicht gegönnt ist, so soll er sich lieber lebend begraben lassen!“ Lejbel stand auch ohne Bewegung da. Er zitterte vor Schreck. Vaters großer Schmerz und Mutters Tränen taten ihm im Herzen weh. Lejbel war sich nicht im klaren, ob er vor Freude herumtanzen sollte, weil ihm ein Wunder geholfen, ihn von solchen schweren und beängstigenden Sorgen und Qualen erlöst hatte, oder ob er über seines Vaters tiefen Schmerz, wegen der Trändfl der Mutter und des Unglückes des armen Tischlers weinen sollte. Oder ob er dem unglücklichen Tischler um den Hals fallen und ihm die groben, verpappten Finger mit den roten Nägeln küssen sollte, weil er sein unbewußter Retter in höchster Not war? Lejbel starrte in das bleiche, aschfarbene Antlitz seines Vaters, auf die Tränen seiner verzweifelten Mutter und auf die Hände des Tischlers, auf den Ethrog, der auf dem Tisch hin und her kollerte, gelb wie Wachs, ohne Köpfchen, ohne einen Funken Leben in sich einer fürchterlich verstümmelten Leiche gleichend ... „Ein toter Ethrog!“ stöhnte Vater mit tiefer, trauriger Stimme. „Ein toter Ethrog!“ flüsterte Mutter mit Tränen in den Augen. „Tot!“ sagte Salmen, starrte, in sich gesunken, seine Hände an und dachte sich wahrscheinlich dabei: „So ein paar Hände!... Verdorren mögen sie mir Jerusalem (Palcor). Nach den Ziffern der Jewish Agency sind im Laufe des Monats August, d. J. durch die Häfen Jaffa und Haifa 2760 jüdische Einwanderer in Palästina eingewandert. In den acht Monaten des Jahres 1934 sind legal 22.062 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen. Wenn wir hierzu diejenigen Juden hinzurechnen, die im August über die Festlandsgrenzen ins Land gekommen sind, sowie die Touristen, die in diesem Monat die Erlaubnis erhalten haben, im Lande zu bleiben, beträgt die legale jüdische Einwanderung im Laufe der ersten acht Monate 1934 zirka 23.000. In den gleichen acht Monaten des Vorjahres betrug die Zahl der legalen jüdischen Einwanderer 16.178. Wir haben also im Laufe dieser acht Monate eine Steigerung der jüdischen Einwanderung nach Palästina um zirka 40 Prozent gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen. Als Kapitalisten sind in den ernten! acht Monaten dieses Jahres 4611 Einwanderer nach Palästina gekommen (im Vorjahre wanderten in den gleichen acht Monaten nur 2225 Personen als Kapitalisten ein); auf Grund der Zertifikate der Jewteh Agency wanderten 11.582 Personen ein (in der gleichen Zeit des Vorjahres 9963 Personen). Lebhafte Wirtschaftsentwicklnng in Palästina Das American Economic Committee hat eine Erhebung über industrielle Neugründungen in Palästina durchgeführt und festgestellt, daß in den ersten sieben Monaten des Jahres 1934 mindestens 115 Industriebetriebe in Palästina neu eröffnet wurden. In 87 der neuen Betriebe werden insgesamt 815 Personen beschäftigt, das investierte Kapital von 81 Betrieben beträgt 172.000 Pfund. Die neuen Firmen wurden in folgende Gruppen eingeteilt: Metalle und Metallwaren: 17; Holzindustrie: 14; Nahrungs¬ und Genußmittel: 13; chemische Betriebe: 12; Druckereien, Papierwaren- und Büroartikelindustrie: 9; Baumaterialerzeugung: 8; Glas-, Spiegel- und Keramikwerkstätten: 5; Kleiderirwtustrie, Textilwarenerzeugung, Lederfabriken und Gerbereien: je 4; Elektroartikel, AutomobiLindustrie und Garagen, medizinische Artikel: je 3; Tapeziererwerkstätten, Malerfirmen, Tabakerzeugung: je 2; ferner 8 verschiedene Betriebe. Knapp vor der Eröffnung stehen folgende 28 Industriebetriebe: 5 Metallwarenfabriken, 4 Lederfabriken und Gerbereien, je 3 chemische, Nahrungsmittel-, und Spinnerei- und Webereibetriebe, je 2 Glas- und Spiegelfabriken und keramische Fabriken, 1 Papierwarcn- und Büroartikelfabrik und 5 verschiedene weitere Fabriken. Das Committee weist darauf hin, daß von dieser Aufstellung nicht sämtliche neuen Industriebetriebe erfaßt wurden; ihre Gesamtzahl ist größer als die angegebene. Aqch wurden nur Fabriksbetriebe berücksichtigt, dagegen die kleinen Werkstätten außeracht gelassen. Rekordziffer der Geschäftsregistrierungen Die Registrierung neuer jüdischer Geschäftsunternehmungen hat in der ersten Septemberwoche die Rekordziffer 45 erreicht. Es handelt sich in der Mehrzahl um die Errichtung von Handels- und Industrieunternehmungen durch Juden aus Deutschlan d, besonders in Tel-Aviv. In letzter Zeit haben sich 10 6 Ärzte und Ärztinnen, ebenfalls zum großen Teil aus Deutschland stammend, in Palästina registrieren lassen, die Gesamtzahl der Ärzte beträgt jetzt 1764. An Zahnärzte wurden 25 neue Lizenzen ausgegeben; ihre Gesamtzahl beträgt 522. Neue Arbeitervorstadt bei Mikweh Israel Auf einem Bodenkomplex hinter der bekannten Ackerbauschule Mikweh Israel wird eine neue A r b e i t c r v o r st a d t errichtet, um dem starken Wohnungsinangei in Tel-Aviv abzuhelfen. Das neue Viertel soll tausend Einfamilienhäuser und außerdem tausend Einzelwolmungen umfassen, somit, zweitausend Familien (acht- bis zehntausend Personen) beherbergen. Die Textilfabrik „Lodzia“, das erste nach dem Krieg in Palästina gegründete Industrieunternehmen, wird ein neues Eabriksgebäudo in diesem Arbeiterviertel errichten^ da das bisherige Gebäude fiii den vergrößerten Betrieb nicht mehr ausreicht. Steigende Bautätigkeit in Tel-Aviv Wie die Tel- A v i v e r 'Stadtverwaltung bekannt gibt, betrugen die Einnahmen aus städtischen Steuern im Vierteljahr April bis Juni 1934 63.774 Pfund, weitaus mehr, als jemals in einem gleichen Zeitraum eingenommen wurde. Die lebhafte Bautätigkeit in Tel-Aviv geht, weiter. Zwei orthodox-jüdische Siedler in Österreich prämiiert Anläßlich der Marchfelder Ausstellung für Kleintiere und Landesprodukte erhielten David Steinhof den ersten und Nathan Steiner den zweiten Preis. Silberwald heißt die Siedlung, in welcher sich vor acht Jahren die beiden Prämiierten ihre Weekendhäuschen errichteten und den Boden der „Wüste Gobi“ — so wurde der Landstrich genannt — bearbeiteten. Die Obst- und Gartenpflanzen der Siedlung fanden in der Ausstellung allgemeinen Beifall. Hebräische -Schreibhefte 11 und Vokabularien nur bei Nuchim Drimer, II., Wolmutstraße 8/18. Telephon R 43-9-42. Ein Revisionist denunziert Jerusalem (Palcor). In dem revisionistischen Parteiorgan „Hajarden“ wurde dieser Tage ein Artikel Dr. W o 1 f g ang von W e i s 1 s, „Der Stand der Sicherheit“ veröffentlicht. In diesem Artikel wendet sich der Autor an dio Pal äs tina-Regie rung mit folgenden Worten: „Der Regierung ist sich er lieh bekannt, daß die Jewish Agency im letzten Jahre die zu ihrer Verfügung stehenden Zertifikate «ehr vorsichtig verteilt hat, daß Gott behüte, kein Revisionist auf Grund eines Zertifikats nach Palästina hineinkommt. Der Regierung ist ferner bekannt, daß anderseits sowohl in Deutschland wie in Polen und anderen Ländern die Einwanderungserlaubnis nach Palästina eine große Zahl von Juden erhalten hat, die niemals Zionisten, wohl aber Feinde des zionistischen Gedankens waren und mit der Idee der Weltrevolution sympathisierten. Es ist sicherlich keine übertriebene Forderung, wenn wir jetzt, vun der Regierung verlangen, daß sie jetzt bei der Bewilligung der neuen Zertifikate von der Jewish Agency eine Garantie dafür fordert, daß auf Grund der Zertifikate nach Palästina nicht Juden kommen, die hier geigen den Jisehuw und das Nationalheim hetzen. Heute existiert in der Mapai (palävstiiiensiische Arbeiterpartei. — Anm. d. Red.) eine neue Gruppe von Menschen, sowohl unter den neuen Einwanderern wie unter den Führern, die nichts mit 5