Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 387 (21.9.1934)
- Date
- 1934-09-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 2 — 21. September 1934 DIE STIMME Seite 9 Uni den inneren Frieden M»!!illlllllll]l]!!!!llllllll!!l»lll[Hlll!l!l!!illllllllll!!!lll!illil^;i!ii!l[llll|llllllil!^lll1lil]i[l|[|llllllllii!l[][i^lll[llll[[[[][|[ilill![lliiHI^<!lilili[llillllllllllll[f;[tf[[ifflHI!Hllil[ Standpunkte Palästinas und vom organisatorischen Standpunkte kein anderes Interesse als darüber nachzudenken, auf welche Weise verhindert werden kann, daß die Mapai ihr Monopol in der Uistadruth verliert? Offenbar wollten die Arrangeure der Warschauer Konferenz mit dieser Resolution den Eintritt der polnischen Landes Organisation in den Weltverband der Allgemeinen Zionisten unmöglich machen. Wird das Warschauer Zentralkomitee mit diesem Beschlüsse wegen der Uistadruth jonglieren, dann wird cs klar werden, daß es eigentlich nur als Fußschemel des Unken Flügels dienen will und nicht bereit ist, eine unabhängige zionistische Politik zu führen. In einem solchen Falle wird, dem Well verbände der Allgemeinen Zionisten nichts übrig bleiben, als eine allgemein-zionistische Organisation in Kongreßpolen zu schaffen. Da wir vor einem Kongreß stehen und wissen, daß das Los des Kongresses auf dem Gebiete Polens entschieden wird, müssen icir auch Kongreßpolen für den Weltverband gewinnen. Set SoöfKftmerjeti, rfjeumatiftljen n. rjicfetifcfei'n33e[djSerben U>irfeu XogaLXabRttnt iafefe uitb i'tcfjct. föcirt artbereg äfjnttcfyeä ^räparat — mag i!)m aitcfe nocf) fo bicl uacfyqe* rityrnt mcrbcit — bc)'Ü3t über 6000 fc()rifUtc()e ripjegutadjtcn. Cciit Serfucf) überzeugt! $n allen 2lpotf;efcn erf) alt liefe. $ret3 S 2.40. Bfe erste jüdische SchiSSahrtslinie Mit dem 1. September hat die erste jüdische Schiffahrtslinie, die neugegründete „Palestine Maritime Lloyd Ltd. Haifa“, ihren Dienst aufgenommen. Unter •j ü di sc her Flagge und unter j ü d isc he m K o m m ando teer den fetzt die beiden Schiffe „Progresso“ und „Risveglio“, die bisher der „Italian-Palestine Line“ gehörten, den Dienst zwischen Konstanta, Istanbul, Rhodos, Haifa, Jaffa, Port Said versehen. Die 5400-Tonnen-Schiffe haben eine Schnelligkeit von 13 Seemeilen in der Stunde. Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung- Hermann Tu ebner (eiche Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R 41-4-20. Fabrik beschäftigt war, hatte keine Zeit und Gelegenheit, selbst eine Laubhütte für die Feiertage zu errichten. Die Laubhütte sollte unser Nachbar, der Tischler war, hersteilen. .,Sie haben gleichen Anteil am Ethrog wie wir!“ sagte Mutter zum Tischler. „Ja, beim Beten!“ berichtigte Vater sogleich. „Wofür denn? Vielleicht zum Essen?“ gab der Tischler seinerseits zurück. Und Sahnen war nicht der einzige, dei einen Segensspruch über unseren Ethrog machen wollte. Darauf warteten auch mit brennender Ungeduld seine Kinder. Es war doch keine Kleinigkeit, wenn man in der einen Hand einen Lulab und in der anderon den Ethrog hielt und dio Worte dee Gebetos sprach: „al netilas Lulab“ und den Lulab schüttelte, daß es rasselte. Trrrr... und noch einmal; trrrr... „Wieviel Togo fohlon noch zu Sukkoth?“ fragte ein Kind das andere und alle begannen aufgeregt dio fehlendo Zeit an den Fingern zu errechnen... Am Vortage des Feiertagos war Vater mit dem Herstellen des Lulab beschäftigt. Sorgfältig band er alles Notwendige zusammen. Dann stellte er den Lulab auf den Schrank und lohnte ihn leicht an, damit er nicht umfalle. Der Lulab sah fast wie ein Mensch aus, der eich ein wenig angelehnt hatte, um sich auszuruhon... Lojbel hatte allen Grund, don Lulab Lulal» sein zu lassen. Er dachte gar nicht einmal an den Lulab. In seinem Kopfe war bloß ein einziger, ganz schrecklicher Gedanke: „Was wird los sein, wenn jemand nach dem Köpfchen, nach dem kleinen Pitum sieht und bemerken wird, daß er abgehissen worden ist...?“ Lcjbol hatte zwar sofort und an Ort und Stelle dio abgebissene Spitzo mit, Speichel angeklebt. Doch wer konnte wissen, ob die Sache so auf bloßen Speichel fein halten Nach dem Stawsky-Urteil haben die Revisionisten der Arbeiterpartei den Vorschlag zu einer Kound-Table-Konferenz gemacht. Raid nachher sind die Linken mit einem Frietlensvorschlag hervorgetretun. Die Misraehisten haben bei ihrer letzten Konferenz zwar noch eine intransigente Haltung gezeigt, aber man weiß, daß auch in ihren Reihen die Sehnsucht nach einer Befriedung der Organisation bedeutend wächst. Allgemein ist aber der Eindruck, daß die Friedensrufe, die von links und rechts ertönen, keinen rechten Widerhall gefunden haben. Auch wenn man glaubt, daß die Friedensangebote ernst gemeint sind — die Hoffnung auf eine Befriedung, die durch eine Fühlungnahme der Flügelpartcien Zustandekommen könnte, ist als sehr gering zu bezeichnen. Es war daher eine dankenswerte Tat, daß der W e 11. v c r b a n d der Allgemeinen Zionisten bei seiner K r a k a u e r Tagung einen Weg aufgezeigt hat, um die Streitteile zu einem positiven Schritt zu veranlassen. Er verlangte in einem Beschluß sofortigen Burgfrieden 'durch die sofortige Einstellung aller feindseligen Akte und Beziehungen in der inneren Auseinandersetzung. Es ist doch ganz klar, daß in der vergifteten Atmosphäre, die leider besteht, eine ruhige Auseinandersetzung von vornherein aussichtslos ist. Mit Recht verlangen daher die Allgemeinen Zionisten den sofortigen Burgfrieden. Wir müssen uns darüber klar sein, daß im zionistischen Lager eine Art Kriegszustand herrscht. Es hat aber keinen praktischen Wert, darüber unaufhörlich zu lamentieren. Will man diesen Zustand beendigen, dann muß man vorher einen Waffenstillstand schließen. Die Streitaxt muß vorerst begraben werden. Dann erst kann man sich an den Verhandlungstisch setzen. Was geschieht aber in den verschiedenen zionistischen Lagern? Jede Partei spielt sich als Friedensapostel auf und will damit für sich den Lorbeer ernten, wo es um die Existenz der zionistischen Bewegung geht. Jede Partei stellt Bedingungen und die Parteiblätter legen mit' Freude die neue Walze ein. Dio Druckmaschinen rattern und speien Unmengen von Artikeln wollte?... Welche Gründe wird er bloß zu seiner Entschuldigung anführen? Ach, was wird da noch alles herauskommen? Wie wird er nur seinem Vater in die Augen sehen können? Wie erst seiner Mutter? Oder sollte er die Tat in Abrede stellen, sagen, daß er es nicht gewesen sei? Und wozu hatte er es denn überhaupt tun müssen? Wer wird ihm denn Glauben schenken? Wer? Wozu hatte er das nur getan? Was, in aller Welt, hatte er davon gehabt? Wie schmeckte denn schon das Köpfchen des Ethrog?... Pfui! Bitter wie Galle! Ekelhaft! Ganz ekelhaft schmeckte es! Umsonst, ganz unnütz war dio Frucht geschändet worden! Mir nichts, dir nichts hatte er einen so wunderbaren Ethrog entweiht und geschändet... Lejbel hatte schon von den Buben im Cheder erfahren, daß der Ethrog beim Fehlen des Köpfchens entweiht war, entweiht und geschändet. Aber, um des Himmels willen, wozu hatte es ihm genützt? Wozu hatte er sich so etwas Fürchterliches auf den Hals genommen? Lejbel bekam schließlich die fixe Idee, daß er nun ein grausamer Mörder wäre. Hatte er doch ein lebendiges Ding genommen, ihm einfach don Kopf abgehissen und ihm das Leben geraubt! Und wozu? Wozu denn? Der Ethrog hatte ihm doch gar kein Leid zugefiigt! Das fürchterliche Bild des abgebissenen Köpfchens schwebte ihm fortwährend vor den Augen. Er sah ganz deutlich das Köpfchen dos toten, so grausam ermordeten Ethrog vor sich, der so gelb wlo Wachs schimmerte und keinen Funken Lebon ln sich hatte, eine Leiche, eine geschändete Leiche... Sogar im Schlafe vorfolgto ilm das schreckliche Bild. Der bleiche Ethrog erschien, rüttelte ihn an den Schultern, zerrte ihn beim Hemdärmel und zischte ihm ins Ohr: „Was habe ich dir den» getan? daß du aus — mit einem Wort, es wird tüchtig M a k u 1 a t u r p a p i e r erzeugt. Das alte Spiel, bis zum Überdruß aus der zionistischen Geschichte bekannt, erneuert sich: Man redet und schreibt Bände, aber man redet und schreibt aneinander vorbei. Man geht der praktischen Arbeit aus dem Wege und bezieht durch Reden und Schreiben die Linie des geringsten Widerstandes. Es bestand daher die Gefahr, daß der von Krakau aus ergangene Ruf nach Burgfrie den absichtlich überhört werden könnte. Man mußte ein übriges tun, um dem nutzlosen Reden und Schreiben ein Ende zu bereiten. Deswegen wurde in Krakau ein zweiter Beschluß gefaßt, der lautet: „Der Weltverband ersucht die Exekutive der zionistischen Weltorganisation im Einverständnisse mit dem Präsidium des Aktionskomitees die Führer aller Parteien zu einer gemeinsamen Konferenz zwecks Befriedung der inneren Situation in der Bewegung raschestens zusammenzuberufen.“ Dieser Beschluß, dio Parteiführer zusammenzuberufen, geht auf eine Anregung zurück, die Dr. O. Thon nach dem Stawsky-Urteil gegeben hat. Sie hat leider keinen Widerhall gefunden, auch der Appell Thons an die Exekutive hatte keinen sichtbaren Erfolg. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten hat Thons Idee aufgegriffen. Er hat sich sie zu eigen gemacht und wird für ihre Realisierung mit aller Macht eintreten. Der Einsatz seines Wortes wird inehr wiegen als es bei einer von der Exekutive ausgegangenen Aufforderung an die Parteien der Fall gewesen wäre. Jetzt, wo der Weltverband der Allgemeinen Zionisten auf den Plan getreten ist, wird man der Exekutive nicht den Vorwurf machen können, der sonst sicher gegen sie erhoben worden wäre, daß sie nämlich die Interessen der Arbeiterpartei, nicht aber den Frieden, fördern wolle. Das Wort hat zunächst einmal die Exekutive. Die zionistische Welt harrt gespannt der ehesten Einberufiin g der Führerkonferenz. Die verantwortlichen Führer werden dann das Wort haben und sie werden auch die Verantwortung zu tragen haben. Ihnen muß es gelingen, das Geschrei und das Gerede ihrer Parteipresse zum Schweigen zu brinmir mein armes Köpfchen abgebissen hast? Ich bin doch jetzt für ewig geschändet, für ewig entweiht, entweiht und entweiht...!“ Unruhig und ängstlich wälzte sich Lejbel im Bette herum, stöhnte wie ein Schwerverwundeter auf und sank wieder in einen schreckerfüllten Traum zurück! Sofort war wieder der Ethrog zur Stelle und rüttelte an seinen Schultern und schrie ihm ins Ohr: „Du Mörder! Was habe ich dir nur getan, daß du mir mein Köpfchen abgebissen hast? Was wolltest du uur von meinem Pitum, von meinem Köpfchen haben?...“ Hi Der erste Tag des Laubhüttenfestes war gekommen. Die „Sonne übergoß die Erde mit freudiger, wohltuender Helligkeit, die in den Körper strömte und das Herz mit seltsamer Wehmut nach dem vergangenen Sommer erfüllte. Strahlende Helligkeit spendete die Sonne, doch die wonnige, behagliche Wärme fehlte. Bei uns in Kasrilewka sagt man: „Sie gleicht einer Stiefmutter!“ Verschwunden ist die Wärme des Sommers, dahin ist all das erfrischende, saftige Grün des Sommers. Alles, alles ging’ von uns mit dem Kommen dos ersten Nachtfrostes deß ersten Tages doB Monats Ellul. Ach, wie lange wird eB dauern, bis die Sonne wieder soviel Wärme wio während des Sommers uns schenken wird, wie lange werden wir warten müssen, bis wieder das saftige Grün des Grases leuchten wird, bis die Vögel wieder ihr Lied zwitschern werden? Vorhor werden schreckliche, harte Frösto wüten, viele, unzählig viele tausend weiße Flocken vom Himmel herabtanzen und fürehtorliche Stürme über dio Erdo dahinrasen, bis die Erde endlich aus ihrem kalten Winterschlaf erwachen wird, um die frostige, weiße Bettdecko wegzuwerfon und sich mit einem blitzblanken, neuen Klcido zu verjüngen. Alles, was da lobt, wird wieder orwachen, die Vögel worden wieder tirulioren, alles wird sieh freuen und die Mutter Erdo segnen... An diesem Morgen machte sich Vater Fox-Film zeigt Charlie Chan, . in „Der chinesische PaM“ Nach dem preisgekrönten Roman von Earl Darr Biggers mit Warner Oland ab heute: IMPERIAL-KINO, I. gen und fürs erste den Burgfrieden zu schaffen, damit die meritorisohe Arbeit beginnen kann. Gerade der jetzige Zeitpunkt, in dem die guten Elemente aller Parteien des ewigen Haders müde werden und der ganze Zionismus der Gefahr des Legislativen Council gegenübersteht, ist der psychologisch günstigste für die Herbeiführung des inneren Friedens im Zionismus. D i e Exekutive möge nicht säumen und die Führer mögen ihrer Verantwortung in dieser schicksalhaften Stunde bewußt sein! Es ist fünf Minuten vor zwölf. King-David-Hotel antisemitisch Jerusalem, 19. September. (2- T. A.) Der geschäftsführende Direktor des Jerusalemer King-David-Hotels, Charles B ä hler, ein schweizerischer Katholik, hat dreizehn jüdische Angestellte entlassen, nachdem er bereits im Verlaufe der letzten Jahre zahlreiche jüdische Angestellte abgebaut hatte. Die im Hotel noch beschäftigten Juden erwarten ebenfalls ihre Entlassung. Als man Bähler nach dem Grunde' der Entlassungen fragte, gab er eine barsche Antwort. Er wandte sich ad die Palästinaregierung mit dem Ersuchen: um Ausfolgungvon Visen für einen völlig neuen Stab christlicher Angestellter, der die entlassenen Juden ersetzen soll. Da die Mehrzahl der Aktien des Hotels i m B e* schon in aller Frühe aus den Federn. Er wollte vor dem Beten noch schnell einmal die Feiertagsgebete durchgehen. Leise summte er die wunderbare Melodie der Gebete vor sich hin. Auch meine Mutter war sehr zeitig aufgestanden, um den Feiertagsfiseh in die Arbeit zu nehmen, um die Nu-i dein herzustellen und die köstlich mundende: Zuspeise aus gelben Rüben zuzubereiten. Auch unseren Nachbar Salmen trieb es zeitig aus den Federn. Er wollte schon in früher Morgenstunde den seltenen Genuß haben, über den Ethrog den Segensspruch machen zu können. „Rab Salmen bittet um Lulab und Ethrog!“ sagte meine Mutter zum .Vater, den ganz ins Gebet versunken war. „öffne den Schrank und hole die Schachtel heraus!“ erwiderte Vater. „Aber ja vorsichtig!“ fügte er gleich feto zu. Vater schob dann selbst einen Stuhl äh den Schrank heran und holte den Lulab' herab. Dann nahm Vater die Schachtel und den Lulab und ging mit dem wartende» Tischler in die Laubhütte. „Hier ist der Ethrog!“ sagte Vater und bot dem Tischler den Ethrog an. „Aber vorsichtig sein! Ja recht vorsichtig umgehen!“ Der Tischler Salmen war ein Riese und hatto zwei übergroße Hände, richtige Pratzen, von denen jeder Finger allein genügt hätte, um drei Wichte wie Lejbel umzulegen. Auf jedem Finger saß ein riesiger Nagel, der stets verpappt und von Politur rot gefärbt war. Wenn der Tischler mit einem seiner Nägel so leichthin über ein Brett fuhr, blieb eine tiefe Rinne klaffen wie von einer scharfen Stahlschneido ... Salmen hatte dem Feiertag zu Ehren ein weißes Hemd angelegt und trug einen neuen Rock. Lange war er im Bad gewesen, hatto viel Seife verbraucht, um die Finger gänzlich rein zu waschen, nahm sogar Asche und Reibsund zu Ililfe, aber es war ganz 5^851^77858074