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Die Stimme · 1934-09-21 · Heft 387 (21.9.1934) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 387 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Saite 8 DI8 STIMME Nr. 2 21. September lf>34 Kreisen sich diese Menschen rekrutieren und aus welchen Motiven diese Auswanderer geleitet, werden." Vom Bahnhof weg werden die 300 bis 400 Auswanderer mittels bereitstehenden Straßenbahnwagen ins Heim des Palästina- Amtes gebracht, wo sie bis zur Einschiffung beste Fürsorge und Betreuung finden. Bei Überfüllung der Räume des Palästina-Amtes wird ein Teil der Emigranten in einem eigens für diese Zwecke eingerichteten Heim der Cosulich-Line. das ebenfalls der Obhut des Palästina-Amtes untersteht, untergebracht. * Es gehört, unendlich viel Takt, Geduld und Idealismus, diese gewaltige Arbeit, die auf den Schultern einiger Menschen ruht — der Apparat besteht aus dem Leiter Doktor G o 1 d i n, der Seele des Anita«, und insgesamt 4 Beamten — zu leisten. Jeder einzelne Emigrant bat seine eigenen Sorgen, die nach Tunlichkeit zu berücksichtigen, größtes Bestreben der Leiter des Triester Palästina-Amtes ist. Allen ist ein einziger Wunsch gemeinsam, ihr einziges Sinnen und Trachten ist auf einen einzigen Punkt gerichtet, der Palästina heißt. Sie alle können den Augenblick nicht, erwarten, das Palästinaschiff, das für sie einen magischen Klang hat, zu besteigen. Zahllos sind jene, die ohne Zertifikat, ohne Schiffskarte und ohne Geld nach Triest kommen, mit der einzigen Hoffnung, hier durch das Tor Palästinas leichter bindurchzukommen. Ihnen allen, so sehr sich das Palästina-Amt in materieller Hinsicht die größte Mühe gibt, zu helfen, muß man mit Dante entgegenrufen: „L a s c i a t e o g n i speranz a“. So bleiben zahlreiche Emigrantengruppen, die ohne Mittel nach Triest gekommen waren, auch mehrere Wochen hindurch hier. Sie werden dann vom Palästina-Amt verköstigt, was keine kleine Belastung bedeutet. Dies um so mehr, als dieses Amt, wohl offiziell der Jewish Agency unterstellt, von dieser jedoch keine nenenswerten finanziellen Hilfsmittel erhält und 8000 Lire (etwa 4000 Schilling) jährlich lediglich an Zins der Jüdischen Gemeinde zu zahlen hat. Das Budget wird denn auch zum größten Teil aus privaten Spenden der italienischen Judensehaft aufgebracht. Das Triester Emigratdonsheim ist mehr als bloß Palästina-Amt. E-s ist schlechthin eine ganze Institution. Eine regelrechte Expositur, die von allen Behörden als solche anerkannt, geschätzt und in ihren schwierigen Arbeiten — zumindest moralisch — auch gefördert wird. Mit Ausnahme des Palästina-Amtes in Warschau ist das Triester Palästina-Amt das für die jüdische Palästinaemigration bedeutsamste, dessen ausgeezichnete Einrich- Rabindranath-Tagore über Rassenhaß .,/ s r aels M a s s enge r" (Shanghai) vom 3. August, veröffentlicht folgenden. Brief R a b i nd r a n at h -T a g o r e s an den Herausgeber dieses Blattes, Ezra: .,Meiner Meinung nach ist der Rassenhaß in jeglicher Form ein Glaubensbekenntnis zum Barbarismus und ich kann keine Ursache anerkennen. in deren Namen Völker diesem Übel frönen, ln Indien bemühen wir uns, unseren nationalen Geist von dieser gefährlichen Perversität des Rassenhasses fernzuhalten und wenn ich gewahr werde, daß die westlichen Staaten ihr Vertrauen auf diesen Barbarismus aufbauen, und sogar daraus einen wissenschaftlichen Schlachtruf formen, muß ich stolz auf mein Volk sein, das, trotzdem es arm und verfolgt tungen und Tätigkeit man nur mit einem Gefühl vollster Bewunderung für die Menschen, die diese Arbeit leisten, verläßt. Von den Menschen, die nach Palästina wandern, von den Olim und den Emigranten und ihren mannigfachen Schicksalen, soll demnächst die Rede sein. wird, nicht geneigt ist, die menschlichen Rechte mittels solch brutaler Mittel für sich in Anspruch zu nehmen. Dies bekräftigt, meinen Glauben an den unsterblichen Geist des Ostens. Über das ü Itle r - Re gl m e in Deutschlan/J, gibt es verschiedene Meinungen. Es ist nicht zu bestreiten, daß das deutsche Volk sich zu vielen Verabscheuung s w ilr digen Tate n hinreißen ließ, weil es durch die Siegennächte nach dem Kriege gedemütigt wurde. Nichtsdestoweniger sind die brutalen Aktionen, wenn sie der Wahrheit entsprechen, von der zivilisierten Welt zu verwerfen und u m keine n Preis d ii r f en w ir ihne n Konzess io ne n m ac he n. Die Angriffe gegen m einen V r e u n d E ins t ei n haben mein Vertrauen an die moderne Zivilisation erschüttert. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß diese unglückliche Tat einer trunkenen Laune entspringt und nicht im nüchternen Zustande vön einem so begabten Volk, wie es die Deutschen sind, vollbracht wurde. Jüdische Selbstregierung ln Palästina In „The Ncar East and Indiaf< (London), einem der Colonial Office nahestehenden Organ wird, das Buch von M o s c he Bürste i n „Jüdische Selbstregierung in Palästina“ besprochen. Als Rezensent zeichnet A. M. II. Das sind die Anfangsbuchstaben des kürzlich in Pension gegangenen Herrn H y a m s o n, des obersten Beamten der Einwanderungsbehörde in Palästina, der früher einmal Zionist war. ln seiner amtlichen Tätigkeit tat er alles, um die jüdische Einwanderung zu erschweren. Hyamson war im jüdischen Palästina, verfemt. Es ist nun charakteristisch, wie sich Hyamson über Bursteins Buch äußert: „Obwohl schon fast sieben Jahre seit der Herausgabe der von der Regierung erlassenen Bestimmungen für die jüdischen Gemeinden vergangen, sind, blieben sie auf dem Papier. Die Juden lassen keine andere Meinung gelten als ihre eigene. Obwohl die Palästina- Regierung in Palästina nur eine Nationalität anerkennt, nämlich die palästinensische, behauptet der größere Teil (!) der Zionisten, daß die Juden eine eigene Nation bilden. Ebenso lehnen die nationalistischen Araber die palästinensische Staatsbürgerschaft ab und behaupten Bürger Groß-Syriens zu sein...“ Da muß man wohl sagen: Hyamsons Pensionierung war ein Glück für den Jischuw. Zur Frage der Hlstadruth Dr. F. Rotenstrcich (Lwow) schreibt in der „Zionistischen Woche“: Die Landeskonferenz der polnischen Allgemeinen Zionisten in Warschau hat einen Beschluß angenommen, der den Eintritt dieser Organisation in den Weltverband der Allgemeinen Zionisten davon abhängig macht, daß ihre Forderung auf Anerkennung der Histadruth als der einzigen jüdischen Gewerkschaft akzeptiert wird. .Wir wollen uns nicht in die Frage einlassen, ob wir eine solche Histadruth, wie wir sie jetzt haben, brauchen, aber es fragt sich, ob die Allgemeinen Zionisten keine anderen Sorgen haben, als darüber nachzudenken, wie man den Einfluß der Mapai in der Histadruth stärkt. Haben Allgemeine Zionisten vom Von der großen Jüdischen Kriegstotenfeier In Wien Hauptmann v. Friedmann mit den Ehrengästen Aus der jüdischen Presse außerdem zierte sie ein Knopf, und zur Seite baumelten zwei Quasten herab ... Immer hatte ich das Verlangen, die Quasten mein nennen zu können. Wenn die Mütze nur ein einzigesmal in meine Hände gerät — sann ich stets —, bloß für zwei Minuten, dann wären die Quasten mein. Aber Hensel trennte sich niemals von seiner Mütze, immer hatte er sie auf. Und es kam mir schließlich so vor, daß die Quasten mit der Mütze und mit seinem Kopf fest verwachsen seien, ein unzertrennliches Ganzes. Und wenn Hensel redete und mit den Händen durch die Luft fuhr, zittern die Haarlocken zugleich mit den Quasten hin und her. Hensel hatte vor sich seinen Kram ausgebreitet. Emsig suchte er einen Ethrog hervor, nahm ihn behutsam zwischen die Finger und brachte ihn zum Vater. „Den Ethrog da, Rab Mojsche! Eine Spezialität!“ empfahl er lebhaft. „Ist das ein guter Ethrog?“ fragte ihn Vater, und betrachtete den Ethrog von allen Seiten, drehte und wendete ihn hin und her wie einen ungeheuer kostbaren Brillanten, während seine Hände vor Freude bebten. „Ein vorzüglicher, ein ausgezeichneter Ethrog!“ sprach der Schächter, und die Quasten torkelten auf und ab. „Ein vorzüglicher, ein wunderbarer! Von den besten der allerbeste Ethrog!“ Mojsche Jankel weidete sich am Anblick des Ethrog. Er konnte sich kaum sattsehen, dann rief er meine Mutter herbei und zeigte ihr mit verklärtem Gesicht den Ethrog etwa in der Art, wie man ein seltenes Kleinod oder ein schönes Kind zeigt. Mutter konnte in ihrer grenzenlosen Freude kein einziges Wort hervorbringen. Stumm kam sie heran und streckte vorsichtig die nach der. seltenen Frucht aus, um sie berühren zu können. Doch das durfte sie nicht. „Nur langsam mit den Händen! Bloß riechen, wenn du willst!“ sagte Vater ängstlich. Und meine Mutter begnügte sich mit dem bloßen Duft. Mich ließ man ,ihn nicht einmal ansehen. Ich durfte nicht in die Nähe kommen. So kostbar war der Ethrog. So kostbar. „Er ist natürlich gleich da!“ sagte Mutter, mich damit meinend. „Wenn man ihn heranläßt, so beißt er gleich das Köpfchen ab!“ „Gott behüte!“ erwiderte Vater zu Tode erschrocken. „Gott behüte!“ fiel die Mütze ein, und die Quasten taumelten erschrocken hin und her. Rab Hensel schenkte uns noch überdies ein bißchen Holzwolle, um den göttlichen Ethrog einzuhüllen. Und der Duft, der himmlische Duft des Paradieses erfüllte jeden Winkel des Zimmers ... Der Ethrog wurde behutsam genommen, als wäre er ein kostbarer Edelstein, ein Brillant, den man einem guten Freunde zum Aufbewahren anvertraut, hatte, oder ein unersetzbarer Augapfel, und fürsorglich wie ein kleines Kind, das bei seinen Eltern das einzige ist, eingehiillt, damit ihm ja nichts zustoße. Dann bettete ihn Vater vorsichtig in eine schöne, ovale Holzschachtol, deren Äußeres durch Bilder verziert war, und in der sonst der Zucker zu ruhen pflegte. Die Schachtel selbst kam in den Glasschrank. Die Glastür wurde gleich zugemacht — und erledigt. „Daß sich der Bengel“ — damit ist meine Persönlichkeit gemeint — „nur nicht an den Schrank heranmacht und vielleicht noch das Köpfchen vom Ethrog ahbeißt!“ wiederholte Mutter, nahm den kleinen Lejbel bei der Hand und führte ihn vom Schranke fort. Wie eine Katze, die Milch geschnuppert hat, vom Ofen herabspringt, eich behaglich den Rücken streckt, im Kreise herumschnurrt, ihr Fell glättet, jedem einzelnen aufmerksam in die Augen blickt und mit der kleinen Zunge ihre Pfoten leckt — genau so strich Lejbel geraume Zeit hindurch um den Schrank herum und warf so lange begehrliche Blicke nach der Ilolzschachtel, bis es Muttern gleich auffiel und sio dem Vater sagte, daß der Kerl den Ethrog in die Hand bekommen wolle. Da kam aber Vater gleich dazwischen und sagte: „Marsch in den Glieder, du Kerl!“ Lejbel ließ seinen Kopf hängen, senkte seine Blicke zu Boden und verschwand... * Die Worte, die Mutter zum Vater gesagt hatte, er werde das Köpfchen vom Ethrog abbeißen, gingen ihm fortwährend im Kopfe herum. Nachts, wenn er träumte, erschien der Pitum, das kostbare Köpfchen, und klopfte ihm sanft auf die Schulter und flüsterte: „Kennst, du mich gar nicht mehr? Das bin doch ich, ich, das kleine Köpfchen, der Pitum vom feinen Ethrog!“ Lejbel wälzte sich auf die andere Seite, stöhnte auf und versank wieder in das Reich der Träume. Sogleich kam . das Köpfchen wieder und rannte ihm ins Ohr: „Närrchen! Steh auf! Gleich! öffne ruhig den Schrank und hol’ dir den Ethrog heraus und beiß mich ab! Ich schmecke wunderbar, ganz wunderbar!“ Nachdem Lejbel am nächsten Morgen gebetet. und gel'rühstückt hatte, konnte er es sich keineswegs verwehren, einen verstohlenen Blick durch die Glastür nach der ovalen Schachtel zu werfen. Plötzlich wollte es ihm Vorkommen, daß die Schachtel ihn herbeilockte, ihm zurief, ihn herbeiäugte: „Daher! Daher! Komme getrost her!“ Doch Lejbel nahm die Beine über die Achsel und verschwand eiligst... Eines Tages war Lejbel ganz allein im Zimmer. Vater war in der Fabrik, Mutter auf dem Markte, um einzukaufen, und die Bedienerin gerade in der angrenzenden Küche beschäftigt. Nur sein kleines Brüderchen lag in der Wiege und schlummerte. Seine Händchen hatte es in die Höhe gestreckt und auf dem kleinen Gesichte spielt© ein feines Lächeln. „Engel spielen mit ihm!“ dachte sich Lejbel und konnte sich gar nicht von dem wunderbaren Bilde trennen. Lejbel warf einen verstohlenen Blick nach der ovalen Holzschachtel. Wieder kam es ihm vor, daß sie ihn heranrufe und ihm zviraune: „Hole mich! Schnell! Hole mich!“ Behutsam und auf den Zehenspitzen näherte er sich dem Glasschranke, öffnete vorsichtig die Tür und griff nach der Holz-: Schachtel. Dann nahm er den Deckel herunter und, bevor er noch dio Holzwolle weggeschoben hatte, schlug ihm scharfer, und starker Duft in die Nase, der Duft des Paradieses... Sofort hielt er den Ethrog in Händen und die Spitze hüpfte ihm ins Gesicht: „Willst du etwas Feines kosten? Willst du das Paradies haben? So beiß mich doch' ah, rasch, beiß mich ab! Fürchte dicli doch nicht! Kein Mensch wird es jemals erfahren! Niemand sieht dich, keine Seele ist da!.,.“ Ihr alle wollt nun wissen, was geschehen ist! Oh ich das Köpfchen abgebissen habe oder oh ich mich beherrschen konnte und es nicht abgobissnn habe...? Ich möchte gerne wissen, was Ihr an meiner Stelle vorgezogen hättet, nachdem man euch zehnmal verboten hat,, ja nicht das Köpfchen wegzubeißen? Ach, hättet Ihr nicht wissen wollen, wolchcn Geschmack das Köpfchen des Ethrog hat?“ ... * Mein Vater, der den ganzen Tag in der

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