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Die Stimme · 1934-09-21 · Heft 387 (21.9.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 387 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 2 — 21. Feptemliev 1934 Atollen. ob sie nicht a u f <1 r e i, statt auf bloß zwei Abgeordnete sowie, wie früher, auf einen Senator Anspruch haben. Besonders sensationell wirkt die von Yenizeloß seinen jüdischen Freunden gegenüber geäußerte Meinung. daß die eigene Wahlkurie <1 e ni M i n d e r h e i t. e u r e c h t e n tspro c h e, das sich auf die Bestimmungen des Vertrags von Lausanne gründet, und eigentlich von den Juden selbst hätte gefordert werden müssen. Auf den Einwand der jüdischen Abordnung, die Juden Griechenlands hätten es stets abgelohnt. als eine Minderheit, behandelt zu werden, erklärte Venizedos. sie seien aber in der Tat eine Minderheit und er werde den Juden eine Kopie des Vertrages von Lausanne, geben, damit sie ihren Status selbst studieren könnten. FÜR UNSERE LESER lllllllllllllllillllllllllllllllllll HERRENSCHNEIDER-ATELIER JOSEF KLEIN WIEN,I., SCHELLINOGASSE 7, TEL R 22-8-51 ELEGANTE ERSTKLASSIGE AUSFÜHRUNG nillllilllllll MASSIGE PREISE illllllllllllllllill!lllllllllllllll bedingt über die Straße muß. so schleicht er sich scheu und gedrückt an den Häusermauern entlang, immer gewärtig, von einem „Festteilnehmer1 den Schädel eingeschlagen zu bekommen. Nürnberg ist für diese Woche nicht nur der Hort des Nationalsozialismus, sondern auch d a s a r i s c h c M u s t c r p a r a d i e s. „Hier hangt der letzte Jude!M Die Saarbrückner „Deutsche Freiheit“ berichtet: In dem kleinen Ort G e i n e h o i m hei Mainz gab es jüngst eine freudige Sensation für die Nationalsozialisten und die Hitler-Jugend des Ortes. Man machte sich eine Strohpuppe zurecht und zog sie an einem Laternenpfahl in die Höhe. Darunter stand in großer Schrift: „Hier hängt der letzte J u d c.“ Das sollte ein Zeichen dafür sein, daß es mit vereinten Kräften des Boykotts und des Terrors gelungen war, die letzte der sechs jüdischen Familien des Dorfes a u s z u t r e i b e n. Das gab ein Lachen und Schmunzeln. Es versteht sich von selbst, daß die gelungene Judenaustreibung höheren Ortes gemeldet wurde, und der hessische Gauleiter mit seinem Lob für seine tüchtigen Amtswalter nicht kargte. Die jüdischen Studierenden an den deutschen Hochschulen Berlin, 18. September. In der Hoch.sehu 1 -Statistik für das Sommerhulbjahr 1033 werden Zahlen veröffentlicht, die zu.m erstenmal einen Rückschluß auf die. Auswirkung der Neuzulaseung von Juden »um Studium gestatten. Danach sind aus 1850 nichtarischen Abiturienten 154 Studenten des ersten Semesters geworden, daß sind 8*3 Prozent. Bei den Abiturienten j ii d i s c h o r Konf e «- s i o n läßt sich dieser Prozentsatz auf 5-6 Prozent berechnen. Die Gesamtzahl der reichsdeutechen jüdischen Studenten betrug im Sommer 1032 3050 und ist im Sommer 1033 auf 1908 zurückgegangen. Die Gesamtzahl der nichtarLsehen und nicht voll arischen Studenten an den preußischen Hochschulen betrug im Sommersemester 1033 demgegenüber 1635; davon .gehörten 07*04 Prozent, der jüdischen Religion an; rein jüdischer Abstammung waren 90*32 Prozent, nur teilweise jüdischer Abstammung 515 Prozent. Weitere Berechnungen ergeben, daß die Kontingentierung des Anteils der Juden am Hochschulstudium einen Ausfall von G32 jüdischen Studenten verursacht hat. Gerda Kreiller Wien, um. Edmund MüQlsiok Wien, V. empteölen slcö als Verlobte Wien, im September 1934 ligten antisemitischen Hctzupoßtels u u d p e r s ö ji 1 i c h c n F r e u n d es Hitler s u n d Juli U s S t r o i c h e r s, der es als seine Lebensaufgabe betrachtet, eine jüdische „Weltverschwörung“ iiuf»udeckeri und sich im Laufe des Prozesses bemühte, die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion“ michzuweisen. Über «eine Zc ti g e n a u e s a g e, in der er behauptete, er sei es gewesen, der die führenden Persönlichkeiten der nationalen Bewegung in Deutschland zu ihrem radikalantisemitischen Standpunkt gebracht hat, wird in dem Urteil gesagt: „Es fällt schwer, die Zeugenaussage eines so gearteten Mannes ernst zu nehmen. Der Zeuge Bcamis.li machto auf uns den Eindruck eines Menschen, der von den von ihm ausgesprochenen Ideen vollkommen beseseen, unduldsam in seinen Anschauungen ist. und Ein südafrikanisches Gericht ober die „Weisen von Zion" lllllllllllllM .. AUS DEM DRITTEN REICH Während des Nürnberger Parteitages der NSDAP hatte der Sonderberichterstatter des ..Matin“, Philippe Barree, in der alten Burg zu Nürnberg eine Unterredung mit Hitler und Streicher. In Hitlers Gegenwart sagte Streicher zu dem Korrespondenten: „Ich bin Streicher, den man den Schrecken des Frankenlandes nennt. Sie fragen mich nicht, wo die Juden sind, die ich getötet habe? Neulich sagte ein Däne zu mir: ,3000 sollen es gewesen sein1. Ich erwiderte: Nein, 30.000.“ Philippe B a r r e s erzählt dann weiter: Streicher klopft Heß auf die Schulter. Ebenso klopft er Herrn v. Tsehammer- Osten, Deutschlands oberstem Sportführer, auf die Schulter. Sein Lachen hallt von der Wölbung wider. Streicher ist neben dem Führer hier der wichtigste Mann. Hernach postierte sich Streicher wieder vor Barres, der neben Hitler sich befand, und sagte zu ihm: „Der Kampf gegen die Juden ist eine periodische Erscheinung in der Geschichte. Aber man wird wohl die Entscheidungsschlacht schlagen müssen. Hitler sagte nichts dazu. ,.Pariser Tageblatt“ läßt sich aus Nürnberg schreiben: „Schlagt die Juden, wo ihr sie trefft!“ ist in Wirklichkeit die einzige Devise, unteT der die Hauptstadt Frankens in diesen Tagen steht. Ein Gang durch die Straßen zeigt ein erschütterndes Bild. Unter der Regie Julius Streichers, der sein Handwerk nun bis in die kleinsten und grausamsten Finessen beherrscht, ist hier ein Musterbeispiel für die zügelloseste antisemitische Propaganda geschaffen worden. Am auffälligsten ist zunächst das Gesicht der Straße. Riesenplakate, die ganze Häuserfronten von oben bis unten bedecken, zeigen Karikaturen von Juden und jüdischen Dingen in der abstoßendsten und gemeinsten Form. Von Dach zu Dach sind in kurzen Abständen Transparente gezogen, auf denen die gröbsten Parolen aus dem antisemitischen Sclümpfwörterlexikon zu lesen sind. Fast alle Geschäfte haben in den Schaufenstern neben Bildern von Hitler und Streicher ähnliche Hetzplakate aushängen. In dem Menschengewimmel, das Tag und Nacht durch die Straßen der Stadt zieht, bilden sich Sprechchöre, die zumeist ihren Vortrag mit dem Lied beginnen: „Wenn’s J u rl e n b 1 u t. vom Messer spritzt, d a nn ge h t\s n o c h mal so g u t!“ Dann sieht man in den festlich geschmückten Straßen plötzlich geschlossene Geschäfte mit herabgelassencn Rolläden, auf denen in buntem Durcheinander Handzettel rnit Hakenkreuzen und antisemitischen Karikaturen kleben. Das sind die Geschäfte der Nürnberger Juden. Nicht ein einziges ist in diesen Tagen geöffnet. Kein Jude ist auf den Straßen zu sehen, und wenn einer un- Hebräisch Sprache und Literatur nach modernster leicht faßlicher Methode unterrichtet bewährter Lehrer Unter „Beste R e f e r e n z e n“ Das von dem Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofes in Grahamstown (Südafrika), Sir Thomas Graham, am 21. August gegen die Führer der antisemitischen Gra.uhonulen-Organisation, Harry Victor J n c h, Johannes von Moltke und David Hermanns Olivier, die antisemitische Pamphlete in Form von „Dokumenten der Weißen von Zion“, von denen sie behaupteten, sie stammten aus der Synagoge von Port Elizabeth, zu einer judenfeindlichen Hetzkampagne verwendet hatten, auf Grund einer Klage des Prediger« der Synagoge von Port Elizabeth, Revisionist Abraham L e v y, gefällte Urteil liegt nunmehr im vollen Wortlaut vor. Das Urteil und seine Begründung, deren Verlesung anderthalb Stunden in Anspruch nahm, faßt den Gang des Beweisvorfahrens dieses denkwürdigen Prozesses zusammen, in dem die Angeklagten der Verleumdung schuldig befunden und zur Zahlung einer Entschädigungssumme von 1775 Pfund an den Privatkläger, Revisionißt A. Levy, verurteilt wurden. Die Urteilsbegründung beginnt mit der Feststellung, es könne nicht der geringste Zweifel darüber bestehen, daß die Angaben des Angeklagten Inch über die Herkunft der angeblichen Dokumente erfunden sind. Die Unglaubwürdigkeit dieser Aussagen wird ausführlich in allen Einzelheiten begründet. Es folgt eine Schilderung des vom Gericht in der Western Road Synagoge von Port Elizabeth vorgemommenen Lokalaugenscheins, der allein schon die Unwahrheit der Behauptungen des Angeklagten Inch ergab. Darüber hinaus ist aberdas Gericht auf die Prüfung’ des Inhalts der „Dokumente“ selbst eingegangen. „Nach Anhörung sämtlicher Zeugen“, heißt es nun in dem Urteil, „und insbesondere nach der von Prof. Dingemane (einem christlichen Theologen) an dem Dokument geübten vernichtenden Kritik, die einen tiefen Eindruck auf uns gemacht hat, sowie nach sorgfältigem Studium des Inhalte des Dokuments, sind wir zu folgender Schlußfolgerung gelangt; Sowohl das angeblich aus der Western Road Synagoge stammende Dokument als auch die beiden Dokumente, von denen Inch behauptete, er habe sie au« der Emanuel Hall bekommen, sind von derselben Person oder denselben Personen zusamrnengcstellt. Der Aufbau der „Dokumente“, die in ihnen gebrauchte Phraseologie und zum Ausdruck gebrachten Ansichten lassen keinen Zweifel darüber zu, daß sie von einer Person oder Personen verfaßt wurden, die glauben oder zu glauben vorgeben, daß die Juden in Europa, in Südafrika und auf der ganzen Welt sich zu dem Zwecke organisiert haben, die christliche Religion zu ßtiirzen. Die G r a u h e m d e n - B e w e g u n g in PoTt Elizabeth ist eine Gesellschaft, die zugegobenerinaßen jutlonfein flieh fl fl yerfolgt, Sie verfügt über einen „G e h e i m d i c n s t“, wie von Inch und von Moltke zugegeben wurde, diese haben eine Leibgarde, und sowohl Inch als auch von Moltke haben sich damit gebrüstet, durch Diebstahl in den Besitz von Briefen von Privatpersonen und des Jewish Board of Depufcies in Kapstadt gelangt zu sein. Ihr Wunsch ist es, die Juden aus Südafrika zu vertreiben. Die jüdische Religion wird verhöhnt und den Juden werden fälschlich gotteslästerliche und schreckliche Lehren zugeschrieben. Alle drei Dokumente enthalten lästerliche Ansichten über die christliche Religion, wie sie nach der vorgeblichen Meinung der Grauhemden und ihrer Jünger von den Juden vertreten werden. Mit anderen Worten; die drei Dokumente tragen unverkennbar den Stempel des Ursprungs aus gleicher Quelle, sie schildern die Juden vom Standpunkt der Führer der Grauhemden. ' Ein Freund Hitlers und Streidiers Das Urteil beschäftigt sich sodann mit der Persönlichkeit und der Glaubwürdigkeit des auf Antrag der Angeklagten vorgeladenen Zeugen Captaim Beamish, eines berilcheine übertriebene Vorstellung von seine r eige n e n B c d eu t u n g hat. Er hält sich flir einen modernen Kreuzfahrer, dessen Mission es ist, der Welt das Bestehen einer von den Juden seit dem Anfang ihrer Geschichte organisierten Weltverschwörung zur Niederwerfung der Christenheit und zur Vernichtung der Zivilisation zu enthüllen. Jede juden,feindliche Veröffentlichung, auf die er stieß, hat er mit Begierde aufgebauscht und jede darin enthaltene judenfeindliche Behauptung a 1 s Tatsache genommen. Er war a u ß e rstande, auch nur die Spur eines wesentlichen Beweises zur, Stütze seiner Behauptungen zu erbringen. Kein Opfer eines Bauernfängers hat sich jemals so leicht und bereitwillig täuschen lassen. Nach der Feststellung, daß auch der Angeklagte von Moltke in der Sache der ,,Dokumente“ nicht guten Glaubens gewesen sein kann, und daß die Grauhemdem-Bewegung, bis zu deren Auftreten Judenhetze in Südafrika unbekannt gewesen ist, offenbar ein besonders wirksames Propagandamittel gesucht habe, uni sich bei dem von Natur aus freiheitsliebenden und in religiösen Dingen toleranten südafrikanischen Volk durchsetzen zu können, wird in dem Urteil ausgeftihrt: „Den Angeklagten ist es nicht gelungen, a u c h n u r di o. Spur eines Beweises für das Be-t stehen einer sogenannten jüdischen Weitver« echwörung zu erbringen. eine Fälschung eines Besuches in Paris im Jahre 19201 erfuhr. Er kehrte nach London zurück, wo er sie zum ersten Male zu Gesicht bekam und las. Er bemühte sich, der Ent« stehungsgeschichte des Dokuments nachzugehen, und zufällig entdeckten Beamte des Britischen Museums ein gegen die Herrschaft Napoleons III. veröffentlichtes Pamphlet, das im Museumskatalog unter „Antinapoleonische Pamphlete“ verzeichnet ist. Das war die französische Ausgabe der „Protokolle“. Er fand, daß die „Protokolle“ ein plumpes Plagiat dieser Streitschrift darstellen.“ Die Wirkung der Fälschungen In der Begründung des Entschädigungsanspruches des Klägers erklärt Sir Thomas Graham, daß der Klüger, wenn er auch keinen unmittelbaren materiellen Schaden erlitton hat, doch durch die diffamierenden Artikel und dio Ausbeutung ihres Inhalts in Volksversammlungen schweren seelischen Leiden ausgesetzt war. Das Gericht habe seine Erklärung, die Veröffentlichung des Dokuments hubo in Port Elizabeth große Unruhe hervorgerufen und seine Beziehungen zu seinen nlchtjüdiselien Froundon stark beeinträchtigt., uneingeschränkt a 1 s g e r o c h t f e r t i g t a n e r k a n n t. Zinn Schluß wird die Schuld der drei Angeklagten als feststehend erklärt und dem Kläger eine Entschädigung von 1000 Pfund seitens Inchs, von 750 Pfund soitens von Moltkcs und von 25 Pfund seitens Olivicrs zuge* Berochen, Die „Protokolle der Weisen von Zion" Von großer Bedeutung ist der Teil des Urteils, in dem auf Grund deT als beweiskräftig anerkannten Zeugenaussage des Präsidenten der Jewish Agency, Nahum S o k o 1 o w, die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“, mit denen die „Dokumente“ aus Port Elizabeth in Zusammenhang gebracht worden waren und die in dem mißlungenen Verteidigiuigsver.suoh der Angeklagten eine große Rolle spielten, als Fälschung zu antisemitischen Propagandazwecken erklärt werden. ,,Es ist behauptet worden“, heißt es in dem Urteil, „daß die Protokolle auf dem 1897 in Basel abgehaltenen I. Zionistenkongreß von Dr. Herzl geheim verkündet worden seien; aus der Aussage des Führers der zionistischen Bewegung, Nahum Sokolow, dessen Zeugenschaft wir ohne jedes Zögern anerkennen, geht jedoch b ewelskrüftlg hervor, daß auf diesem Kongreß niemals auf ein derartiges Dokument Bezug genommen oder seiner Erwähnung getan wurde. Herr Sokolow erklärte, daß er dem Kongreß beigewohnt hat, daß die Verhandlungen d.er Öffentlichkeit zugänglich waren, daß er Mitglied sämtlicher Kommissionen war und zu einem wesentlichen Teil an der Zusammenstellung der Tagesordnung niltwirkte. Dem Kongreß wohnten viele christliche Studenten bei, und es gab keinerlei Geheimnisse irgendwelcher Art im Zusammenhang mit den Sitzungen. Herr Sokolow hat ferner erklärt, daß er von der Existenz der Protokolle zum ersten Male anläßlich

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