Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 386 (14.9.1934)
- Date
- 1934-09-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. T T4. September 1934 Dil ITIMMI S«H« fl Pressestimmen 2ur Krakauer Konfesenz des Welt Verbandes der Allgemeinen Zionisten hJüdische Rundschau" S. Brodelzky: „Die Allgemeinen Zionisten haben verstanden, daß die Uneinigkeit in ihren Reihen und besonders die Existenz der sogenannten A- und B-Gruppcn ein Hindernis zur Befriedung der Organisation darstellten... Zionisten, die extreme Anschauungen gegeneinander vertreten hatten, fühlten, daß eine gewisse Annäherung stattgefunden hatte, ■und daß die Konferenz viel beigetragen hatte zur Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen nicht nur unter den Allgemeinen Zionisten, sondern unter allen Teilen der Bewegung, die bereit sind, produktiv und friedlich zusammenzuarbeiten...“ deren Wacht der Misrachi steht. Es ist be merkenswert, daß die Arbeiterpresse mit voller Begeisterung den Versuch einer slam-zionistischen Einigung begrüßte und, es ist zu hoffen, daß sie zur vollzogenen Tatsache sich noch günstiger beziehen wird“ „Chwlla“ Dr. E, Schmorak: „Selbstwehr" „Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten geht aus dieser Konferenz gestärkt und geeinigt hervor... Durch die Annahme dieses Programmes und der unbedingten Disziplin in Hinsicht auf dieses Programm haben nach langer Zeit die Gruppen A und B eine Einigung ermöglicht, die berechtigte Hoffnung für die zukünftige Arbeit er wecken kann. Auch bezüglich der Disziplin in Fragen, die durch das Programm nicht geregelt werden, wurde ein Übereinkommen getroffen, welches sowohl ein einheitliches Vorgehen des Weltverbandes, als auch die Meinungsfreiheit in prinzipiellen Fragen entsprechend wahrt...“ vNowy Dziennlh“ Dr. 0. Thon: „Die Unterschiede zwischen den Gruppen A und B waren nicht grundsätzlicher Natur und es war möglich, in verschiedenen Kombinationen die Anschauungeti beider Gruppen zu teilen. Jetzt wurde eine einheitliche Organisation geschaffen, begründet auf recht starker Parteidisziplin und vereinigt durch das Band einer einheitlichen Leitung. Es war ein Vergnügen, in Krakau zu beobachten, wie die Führer der A-Gruppe ihr Lager ,verrieten1 und an der Vereinigung arbeiteten. Es war klar, daß die B-Gruppe von Anfang an energisch an die Arbeit ging. Es ist wieder im Zionismus eine tragfähige nach vorwärts drängende, zentrale Kraft entstanden. Im Zionismus kann nur eine volle Vereinigung aller produktiven Kräfte ohne Ausschluß irgend einer Strömung herrschen. Wehe dem, der versuchen würde, seine Herrschaft gegen den jüdischen Arbeiter, dieses ungemein produktive Element, zu richten. Man kann aber auch aus dem jüdischen Volke nicht die traditionstreue und geistige Kraft eliminieren, an „Die zwei allgemeinen zionistischen Grup pen, die jahrelang durch Ideologie und Taktik voneinander getrennt waren, akzeptier ten in Krakau ein gemeinsames Programm und verpflichteten sich, in beinahe allen An gelegenheiten zur bedingungslosen und, in einigen zur beschränkten Disziplin. Von nun an werden Äußerungen aus dem Gebiete der Politik, der Wirtschaft, des sozialen und kulturellen Lebens in Palästina mit den in Krakau beschlossenen Thesen in Einklang gebracht werden müssen, falls sie als For derungen des Allgemeinen Zionismus gelten wollen. Es wird auch, vielleicht nicht ganz aber doch auf einem beträchtlichen Gebiete der Arbeit unserer Kongreßinstanzen, das Bild verschwinden von Vertretern desselben Lagers, die in grundsätzlichen und wichtigen Fragen gegeneinander stimmen. Die Krakauer Beschlüsse würden jedoch einen rein formalen Wert haben, wenn nicht die Tatsache, daß sie sich als Folge der Annäherung der Gruppen in bezug auf Inhalt und Ziel des Stam-Zionismus ergeben haben. Die B-Gruppe und Gruppe der ostgallzischen Allgemeinen Zionisten besitzen ein großes Verdienst, durch die klare, unzweideutige Formulierung des Wesens des Stam-Zionismus in der Presse und auf Kongressen zur Klärung der Meinungsunterschiede beigetragen zu haben, auf Grund deren eine Kristallisierung der Meinungen in Krakau möglich war... Die Mission des Allgemeinen Zionismus kann nicht mehr in der Rolle eines Schiedsrichters bestehen, welcher die Forderungen dieser oder jener Partei für richtig oder nützlich hält, sondern unser Lager muß in Palästina selbständig den Zionismus realisieren, muß in jeder realen Frage mit seiner eigenen Meinung und seinen eigenen Taten herausrücken. Die Weltorganisation braucht einen starken fitam'-Zionismus.“ Eine Erklärung des „Misrachi1* Um Mißverständnisse zu vermeiden, erklärt der Misrachi Landesverband für Österreich, daß er mit der in Wien erscheinenden Zeitschrift „Misrachi“ nichts Gemeinsames hat. Rabb. Lat. F r i e d m a n n. (Eine analoge Erklärung wird von der fineu- Red.) Misrachl-Welfcorganisation in der paliistinrn siseben Presse veröffentlicht. Anm. IN ACCER KÜRZE Frankfurt a. M. Der bisherige Chefarzt der Röntgenabteilung am Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt a, M„ Dr. med. Albert Oppenheimer, erhielt einen Ruf als Professor der Röntgenologie an die amerikanische Universität in Beirut (Syrien). Dr. Oppenheimer hat die Berufung angenommen. Kapstadt. Louis Gr ad ne r, ein Führer des südafrikanischen Judentums, ist einstimmig zum Bürgermeister von Kapstadt wiedergewählt worden. Antwerpen. Der Äntwerpener jüdische Dkh mantenhändler Max Hirschberg, ist auf, der Straße von zwei unerkannt gebUebeneit Personen niedergeschlagen worden und bUeb tot liegen. Man nimmt an, daß die Attentäter, flämische Diamantenschlelfer sind, die Hirsch* borg einen Denkzettel verabreichen wollten^ weil er den Deutschlandboykott brach und für Deutschland Schleif arbeiten besorgte. Antwerpen. Die Äntwerpener antisemitische Zeitung „De Starmloop“ wurde vom Gen rieht wegen Boykotthetze gegen einen jüdsli sehen Kaufmann zu einem Schadenersatz bl der Höhe von 3000 Francs und zur VeröffenU lichung des Urteils in zwei Tageszeitungen verurteilt. PERSON ALNACHRICHTE N Abteihmgsvors tand Dr. Sand Beer Ist von seinem Urlaub zurückgekehrt und ordiniert wieder Wien, VI., Linke Wienzeüe 4 (Tel. B 20-0-59). Rechtsanwalt Dr. Julius Mannheim hat seine Kanzlei im Anschlüsse an die des Rechtsanwälte« Dr. Leopold Plasdhkes in Wien, I., Schottenring 91, eröffnet. JÜDISCHER SPORT „Hagibor“’Schwimtner und Mägde* Bürger Schwimm*Olymplade Prag, 12. September. Das Blatt der tschechischen Agrarier, „V e 5 e r“ richtete zweimal scharfe Angriffe gegen die jüdischen Schwimmer in der Tschechoslowakei, die eine Teilnahme an der Schwimmolj'mpiade in Magdeburg ablehne n, wodurch die Leistungen der tschechoslowakischen Landesgruppe beeinträchtigt wurden. „Veßer“ bringt eine „Zuschrift aus tschecho-jüdischen Kreisen“, in der erklärt wird, daß nur die zionistischen Schwimmer die „Interessen der Tschechoslowakei im Stich gelassen“ haben, und daß die tschecho-jüdischen Sportpreise damit nichts, zu..tun hätten. 4. Jom-Hlstadruth des Haschemer Hadati. Am Sonntag, den 16. d., um H-i Uhr nachmittags, findet im Heim, II., Kleine Mohrengasee Nr. 6—8, der 4. Jom-Histadruth des Bundes statt. Die „Selb st wehr“ nennt diese Angriffe jüdischer Aseimilanten gegen Zionisten in der antisemitischen „Veßer“ ein „würdeloses“ und „äußerst gefährliches“ Spie!, bedauert, es, daß die offiziellen tschecho-jüdischen. Kreise sich von diesem noch nie entsprechend distanziert haben, weist darauf hin, daß der bekannte, in einem Prager tschechischen Klub tätige Schwimmer, Epe tein, seine Teilnahme an den Magdeburger Konkurrenzen ebenfalls abgelehnt hat und führt dann aus: . „Die heutige jüdische Generation steht auf allen Gebieten des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens ständig vor derselben Frage: keine Beziehungen zu jenem Streichen Deutschland zu schaffen, das unser ganze« Volk in der niedrigsten und schändlichste® Weise seit Jahr und Tag verunglimpft und be* leidigt. So lange diese Hetzer Deutschland repräsentieren, kann es für einen aufrechte® Juden keine andere Antwort geben, als die* die von den jüdischen Schwimmern den Tschechoslowakei und vieler anderer Lände* auf die Einladung zur Teilnahme an Veranstaltungen in Deutschland erteilt wurde. Die jüdisch-nationalen Schwimmer in de* Tschechoslowakei, die eben erst wiederum bei den Staatsmeieterschaften ihr hohes Könne® und ihren beispielgebenden sportlichen Elan unter Beweis gestellt haben, werden auch i®' Zukunft, wie unzählige Male bisher, die tschechoslowakischen Farben auf allen internationalen Kämpfen außerhalb Streicher-Deutschlands in einer Weise vertreten, die gewiß dia Anerkennung der gesamten tschechoslowakischen Öffentlichkeit finden wird.“ Turnkurse der zionistischen Bezirkssektion Döbling. Die zionistische Bezirkssektion Döbling eröffnet demnächst Turnkurse für kleine Kinder, Schulkinder, Jugendliche, Damen und Herren. Erste Vorbesprechung findet Donnerstag, den 20. September, 7 Uhr abends, im Turnsaal der Volksschule, XIX., Silbergasse 4, statt. Organisation der jüdischen Erfinderarbeit Der Erfinder gilt als ein besondeus geschätztes Mitglied menschlicher Gemeinschaft. Diese Wertschätzung hat aber bisher kaum zu seiner tatkräftigen Unterstützung geführt. Hat sein Einfall den Sprung aus dem Nichts in ein plötzliches Dasein gemacht, so ißt er auf sich selbst angewiesen, wenn er den Einfall praktisch erproben, ihn auf seine Neuheit prüfen, ihn schließlich auf kostspielige Art patentieren lassen will. Die Überwindung dießer drei Stufen, wenn sie glücklich gelungen ist, hat ihn zumeist so sehr erschöpft, daß die wirtschaftliche Auswertung seiner Idee anderen zufällt. Aus der Erkenntnis, daß der Erfinder eines der wertvollsten Produktionsmittel menschlicher Wirtschaft ist, wurde vor etwa 20 Jahren von einer Anzahl von Personen, darunter auch dem Verfasser dieser Zeilen, zeitlich und örtlich unabhängig voneinander, der Vorschlag gemacht, ein Institut zu schaffen, " das dem Erfinder dienen sollte. Es war beabsichtigt, dem Erfinder die Prüfung auf Neuheit, die Patentierung und die wirtschaftliche Verwertung abzunehmen, aber schon vorher in eigenen Versuchsanstalten, Modellbauerelen unter andorem eine werktätige Hilfe für seine Hauptarbeit zu schaffen. Der Vorschlag, der bereits konkrete Formen angenommen hatte, ist dann im Kriegslärm verschollen. Heute scheint es dem Verfasser dieser Zeilen an der Zeit, seinen Vorschlag wieder hervorzuholen, um ihn für Zwecke des Aufbaues der jüdischen Heimstätte in Palästina einzusetzen. Der Anteil der Juden am wissenschaftlicher Forschungs- und praktischer Erfinderarbeit ist erstaunlich hoch. Man könnte beinahe sagen, daß er verkehrt reziprok zur Volkszahl der Juden gemessen an jener der großen Kulturvölker ist. Die theoretische Begründung der Radioüb er traguug und die Erfindung der Radioröhre mag als ein Beispiel für viele gelten. Es wird also an Mitwirkenden keinesfalls fehlen, wenn daran gegangen werden soll, auch die jüdische Forschungs- und Erfindenlust für Zwecke des neuen Palästina zu mobilisieren. Weicher Art die Früchte solcher Tätigkeit sein könnte, ergibt folgende Überlegung. Die Kolonisation in Palästina erwuchs aus bekannten Erwägungen und Wünschen. Im Anfang wurde sicher nicht daran gedacht, dabei ein Gebilde wirtschaftlicher Macht herzusteUen. Nun bedeutet aber das Schaffen der knappen Viertelmillion Juden in Palästina bereits heute wirtschaftliche Macht. Das neue Palästina ißt schon jetzt ein beachtlicher Faktor für den Warenaustausch des Weltmarktes geworden, obwohl seino Hauptprodukte keinen besonderen Seltenheitswert besitzen. Um wie vieles interessanter beim Güteraustausch könnte das neue Palästina werden, wenn eß die seltenen und hochwertigen immateriellen Güter jüdischen Erfindergeistes anzubieton hätte. Der Export von erfinderischen Ideen unterliegt außerdem keinerlei Schranken von Zöllen; Einfuhrdevisen und sonstigen Schwierigkeiten. j Hier.ist gleich ein Einwand’ zu beantworten, der sicher gemacht werden wird. Sind nacht alle vorhandenen Mittel für den Rohaufbau des Landes einzusetzen, ehe man solche Aufgaben erfüllen kann wie die Schaffung eines Institutes für jüdische Erfinderarbeit? Die Mittel, die heute in Palästina eingesetzt werden, schaffen eindeutige Werte. Für so und soviel Geld kann man so und soviel Boden erwerben, Häuser bauen. Inventar amsohaffen u. a. Die Phantasie erhält dabei nicht, viel Nahrung. Die Konzentration jüdischer Erfinderarbeit kann vorerst ohne jeden wirtschaftlichen Erfolg bleiben, sie kann aber auch Werte schaffen, welche jene der Kolonisation im Sturmschritt überholen. Es sollte auf den jüdischen Erfinder etwa wie auf eine gute Karte um so eher gesetzt werden, als seine Förderung im Verhältnis zur Kolonisation nur bescheidene Mittel erfordert. Es scheint uns auch, daß diese Mittel unschwer aufzubringen wären. Die Juden haben überall ein so eindringliches Verständnis für Forschung und Fortschritt, für Gelehrsamkeit, auch ohne praktischen Erfolg, daß eine nur einigermaßen intensive Spezialsammlung für den jüdischen Forscher und Erfinder restlosen Erfolg haben müßte. Die praktische Ausführung unseres Vorschlages bedeutet dio Schaffung einer Zentralstelle in Palästina, welche die jüdischen Forscher und Erfinder auf der ganzen Welt zu befürsorgen hätte. In welcher Reihenfolge diese Fürsorge sich entwickeln würde, käun nicht vorausgesagt werden. Sie wird wahrscheinlich mit der dringlicheren Hilf® bei praktischer Erprobung einer theoretischen Idee erst später einsetzen können und sich vorerst mit der Hilfstätigkeit der Prüfung auf Neuheit, der Patentierung und der wirtschaftlichen Verwertung begnügen müssen« Die Förderung wissenschaftlicher Arbeit endlich ohne Rücksicht auf praktisch® Ziele hätte das Werk zu krönen. Der Verkehr mit den über die ganze Welt verstreuten Schützlingen des neuen Institutes könnte vorteilhaft durch ein weitverzweigtes Netz von wissenschaftlichen, technischen und juristischen Korrespondenten erfolgen. Verfügt das Institut erst über eigene Versuchsanstalten, so werden in wichtigen Fällen Reisestipendien dem Erfinder den Weg zur Zentrale erleichtern. Daß Institut wird natürlich ganz klein anfangen müssen. Findet es die richtigen Leute für seine Erstlingsarbeit, eo werden wohl die Erfolge nicht ausbleiben, mit denen es selbst mitwachsen soll. Der Vorschlag zur Organisation jüdischer Erfinderarbeit für Zwecke der gesamten Judenheit fällt leider gerade in eine Zeit der Not und der Knappheit aller Mittel. Vielleicht hat er gerade deshalb Aussicht auf Verwirklichung. Es sind ja nicht immer die Satten, die sich für einen Fortschritt einsetzen. Jeder Jude, mag er nun religiös oder freidenkerisch, mag er kapitalistisch oder sozialistisch eingestellt sein, wird sicherlich gerne eine Sache fördern, die jedem Juden nützen kann, auf die aber jedenfalls, wenn sie gelingt, jeder mithelfende Jude wird etolz sein können! Dr, Max Setömann. 01232348232353485353532323534848235348535353535348235323535353010102020202000200000000000001000102000000020201000100000001020102000100020000010002060603000002000102020100