Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 386 (14.9.1934)
- Date
- 1934-09-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054141--4489-3060114- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. T 14. September 1934 Dil »TIMMI Seife? Ile essen von 30Groschen aufwärts vorzüglich im GRABEN-KEILER Die Vorgeschichte des Legislative Council Alle Anzeichen sprechen dafür, Frage des Legislative Council (Gesetzgebender Bat) für Palästina in ein akutes Stadium getreten ist. Die große Bedeutung dieser Institution für die Frage der Jüdischen Heimstätte (National home) in Palästina läßt es uns als notwendig erscheinen, unseren Lesern die Vorgeschichte in Erinnerung zu rufen. Am 3. Juni 1922 übermittelte das Colonial Office in London der Zionistischen Exekutive ein vom Staatssekretär Churchill gezeichnetes Statement. Am Schlüsse des Begleitschreibens hieß es: „Er (Churchill) würde sich sicher freuen, von Ihnen eine formelle Bestätigung zu erhalten, daß Ihre Organisation die Politik, welche in dem beigeschlossenen Statement dargelegt ist, annimmt und bereit ist, ihre eigene Tätigkeit in Übereinstimmung damit zu führen/ Die Zionistische Exekutive, der damals auch Jabotinsky angehörte, hat Statement angenommen. Es stellte zwar fest, daß „das jüdische Volk“ in Palästina „kraft des Rechtes und nicht aus Duldung11 sei und „daß die Existenz eines jüdischen Nationalheimes in Palästina international garantiert sei und daß anerkannt daß es auf alter historischer Verbindung daß die suche zur „Beruhigung der Araber“ wurden von den Arabern als Schwäche ausgelegt und steigerten ihren Widerstand, der bei den Konservativen in England Unterstützung fand. Am 21. Juni 1921 wurde im House of Lords ein Antrag Lord Beaverbrooks angenommen, der sich gegen die Balfour-Deklaration ausspraoh und am 1. September 1922 verkündete Herbert Samuel eine „Konstitution Palästina s“. Die an diesem Tage in der „Official Gazette of the Government of P a 1 e s t i n e“ enthaltene „Constitution“ statuierte den „Legislative Council“. Er sollte aus zwölf gewählten und elf vom Oberkommissär zu ernennenden Mitgliedern (hohen Beamten der Palästina- Regierung) bestehen. Es waren drei Kurien vorgesehen: eine mohammedanische, eine christlich« und eine jüdische. Die beiden letzteren bekamen je zwei Mandate zugesichert. Die Araber opponierten, beschlossen den Wahlboykott und ließen sich auch durch Strafandrohungen nicht eimschüchtem. England trat den Rückzug an und die Primärwahlen wurden annulliert. meisterwe \l^&SandJtocJ^ gU^ikiwo' ^TpiE^ieAT«11 beruhe“. Aber abgesehen von diesen Feststellungen, zerstörte das Statement Churchills viele zionistische Hoffnungen. Es erklärte die E n unz iati on Weizmanns, „daß Palästina so jüdisch werden solle wie England englisch“ als „widerrechtlich“ und sagt: „S. M. Regierung betrachtet derartige Erwartungen als unverwirklichbar und beabsichtigt nichts Derartiges“. Gleichzeitig mit der Zionistischen Exekutive erhielt auch die damals in London weilende arabische Delegation das Statement zugestellt, lehnte es aber ab und verlangte die Annullierung der Balfour-Deklaration, was wiederum England ablehnte. Die arabische Unnachgiebigkeit rettete so den Weiterbestand der Balfour-Deklaration. Auf Churchills Statement gehen so ziemlich alle heutigen politischen Schwierigkeiten der zionistischen Bewegung zurück, auch die Frage des Gesetzgebenden Rates. Es ist müßig, heute die Männer, darunter auch Jabotinsky, zu kritisieren, die Churchills Suitement unterschrieben haben. Man muß nur einen Unterschied aufzeigen: Weizmann hat weiter am Ausbau der zionistischen Organisation und des Jischuw gearbeitet. Jabotinsky hat durch seine kaleidoskopartig wechselnde Deklarationspolitik die Organisation schwer gefährdet und erschüttert. * Die Konferenz von San Remo (18. bis 26. April 1920) hatte England das Palästina- Mandat übertragen. Am 1. Juli 1920 landete der erste Oberkommissär, der Jude Herbert Samuel, in Palästina. Am 1. Mai 1921 brachen arabische Unruhen in Palästina aus. Herbert Samuel sperrte für kurze die Etaaaderuaig, Befoa Mar-, So wie in der Natur geht auch in der Politik nichts verloren. Die Idee des Legislative Council feierte ihre Auferstehung. Nach den Unruhen des Jahres 1929 saß an Churchills Stelle das Mitglied der Arbeiterpartei Lord Passfield, wohl der wütendste Gegner der zionistischen Bewegung. Er gab sein berüchtigtes Weißbuch heraus und er machte auch die Idee des Legisltive Council wieder lebendig. Mit einer Beharrlichkeit, die einer besseren Sache würdig wäre, drängt seither England auf die Konstituierung des Gesetzgebenden Raites. Mit seltener Einmütigkeit opponieren alle Zionisten. Wohl hat die englische Regierung erklärt, daß der Gesetzgebende Rat nur eine repräsentative Körperschaft zur Beratung des Oberkommiesäre sein solle. Kein Zionist traut aber dieser Erklärung. Aber selbst dann, wenn sie loyal wäre, kann uns niemand dafür garantieren, daß sich die arabische Majorität bei einer für sie günstigen politischen Konstellation, deren Eintritt jederzeit erfolgen kann, das Recht der Gesetzgebung erkämpft. Der Gesetzgebende Rat widerspricht der Balfour-Deklaration. Er wäre das Mittel zur Schaffung eines arabischen National heims und nicht eines jüdischen, das uns international garantiert wurde. Es geht um Sein oder Nichtsein der zionistischen Bewegung als Faktor der Weltpolitik und es geht um die Zukunft des jüdischen Volkes. Wir werden geschlossen für diese Zukunft kämpfen. — SCHENKET BÜCHER!- Hugo Herrmann: Palästina/ wie es wirklich ist Pafästinakunde/in 4 Lieferungen Generalkarte von Palästina Jesaias Press: Neues Palästinahandbuch Wir bauen Palästina Josef Fränkel: Theodor Herzl/ Des Schöpfers erstes Wollen Protokoll des XVIII. Zionistenkongresses i alten Buchhandlungen direkt durch die oder FIBA Versandbuchhandlung Wien. 1H..GDmpendoi1erstraBe 10 Neuerkenntnis alter Wahrheiten II Von Prof. Arthur Freud Eine geraume Zeit herrschte in weiten zionistischen Kreisen — in der Ga-luth sowie in Palästina — eine ungesunde Prosperitystimmung. Wiederum hat man beobachten können, wie sehr da« nervöse und schon darum unpolitische Judenvolk Eindrücken i und Stimmungen erliegt, ohne in genügendem Maße der kritischen Vernunft Raum zu geben. Die Fortschritte der letzten Zeit in Palästina sind sicherlich sehr erfreulich und dieser Antrieb kann, wieder rationell ausgenützt, zu einer stärkeren und breiteren Fundierung des werdenden jüdischen Nationalheims dienen. Aber es war kein Anlaß zu einer unsere Sache geradezu gefährdenden Exaltation, welche jedes richtige Augenmaß verlieren läßt und alle Perspektiven verzerrt. Sich Wunschträume als Realität vorzugaukeln, ist geradezu Antipolitik und es kann nicht wundernehmen, wenn falsche Urteile immer weiter um sich greifen. Weil in den letzten zwei Jahren bedeutende Privatkapitalien nach Palästina geströmt sind, eine Fülle neuer prosperierender Unternehmungen entstanden ist, eine starke Bautätigkeit wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge hat und Tausende von Neueingewanderten guten Verdienst gefunden haben und noch finden, konnte zum Beispiel die geradezu fatale Fehlmeinung entstehen, daß dasnationaleElement im Rahmen des Aufbauwerks naturgemäß seine Bedeutung verloren habe, daß in Hinkunft das private Kapital die Errichtung des jüdischen Nationalheims automatisch besorgen werde und daß der Typus des C h a 1 u z, des nationalen Pioniers, der Vergangenheit anzugehören habe. Es scheint nun — wie ein Blick in die zionistische Öffentlichkeit und Presse belehrt —, daß langsam kritisches Urteil und richtigere Erkenntnis wieder Platz zu greifen beginnen. Man erkennt, daß der Aufschwung der Wirtschaft in Palästina auch seine Kehrseiten hat, daß der einseitige Ausbau yon Städten ohne gleichzeitige entsprechende Vergrößerung der Urproduktion geradezu eine Gefahrenquelle für die künftige Entwicklung bildet und man beginnt langsam zu der Erkenntnis der fundamentalen zionistischen Selbstverständlichkeit zurückzufinden, daß bei voller Anerkennung der Wichtigkeit der privatkapitalistischen Betätigung in Palästina unser Aufbauwerk nur unter nationalen Antrieben gedeihen kann. Die privatkapitalistische Entwicklung der letzten Zeiten hat gut entlohnte Arbeiter benötigt und absorbiert, der Arbeiter hat gewissermaßen den Chaluz verdrängt und dieser letzte schien bereits einer überwundenen Epoche anzugehören. Es ist nun nicht uninteressant, in diesem Zusammenhang aus einem Artikel Meir Großmanns, des Führers der von den Revisionisten abgesprengten Judenstaatspartei, zu zitieren, welcher während seiner Zugehörigkeit zum Revisionismus genügend Gelegenheit hatte, die einseitige Betonung des privatkapitalistischen Faktors mitzumachen. Großmann erklärt nun, „daß es ein Irrtum war zu glauben, daß man bereits ohne wirkliche Pioniere das Auslangen finden könne, ohne Stoßtruppen von Chaluzim, die wirklich zu allen Opfern bereit siud. Im Gegenteil, ihre Rolle hat erst begonnen“. Er stellt fest, daß der alte Typus des Chaluz verschwunden ist, woran vielleicht jene selbst schuld seien, welche frühzeitig zu glauben begannen, daß sich alles „von sich selbst einordnen werde“. Palästina werde noch lange Jahre den Chaluz benötigen, ohne den man die Hindernisse nicht überwinden könne. „Das Land ruft nach einem neuen Chaluz, der den Bedingungen eines sich bauenden und kämpfenden Landes angepaßt ist, wo man noch jahrelang auf der Wache stehen und fiebernd in Zelten schlafen muß.“ In diesem Zusammenhang sei auf den Aufsatz von Oh. Haller, Tel-Aviv, hinge¬ Schulbücher für alle Lehranstalten in den vorgeschriebenen Auflagen, auch antiquarisch, zu wirklich billigsten Preisen liefert die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner, (Dien II., ECKE Taborstraße Nr. 52 Verzeichnisse umsonst. Spesenfreie Zustellung überallhin Für Auskünfte Telephon R 41-4-20. wiesen, der in der Nummer dieses Blatte« vom 7. September erschienen ist („Zwischenbilanz der Konjunktur“) und dessen Hinweise jedem aufmerksamen Leser zu denken geben müssen. Man muß Hallers Beurteilung der britischen Palästina-Politik nicht unbedingt in allem beipflichten, aber die von ihm angeführten Ziffern verdienen alle Beachtung! Während die Konjunktur in Palästina mit ihrem Aufschwung der Baubewegung, dem Wachstum von Handel und Industrie unvermindert anhält und in diese Zweige der Arbeit Millionen investiert wurden, während gegenwärtig das private Kapital in den palästinensischen Banken über enorme Depots verfügt, die sichere Anlage suchen, hat die nationale Eigenwirtschaft auf dem Lande „eine kaum ins Gewicht fallende Verstärkung“ erfahren. Die Zahl der in der g e m i s c h t e n jüdischen Landwirtschaft beschäftigten erwachsenen Personen sei in den letzten Zeiten nur um 1900 gestiegen und von den im ganzen 245.000 Dunam betragenden jüdischen Bodenkäufen der letzten vier Jahre seien bei 151.700 Dunam die Verkäufer — Juden gewesen, von den 93.300 Dunam wirklichen Bodenkaufes aus nichtjüdisohen Händen entfallen nur 46 Prozent auf private Käufer, der Rest auf den Keren Kajemeth. Man sieht also, daß das private Kapital allein keineswegs imstande ist, die Grundlage zum jüdischen Nationalheim zu legen und daß es verfehlt, ja gefährlich ist, sich auf die bloße „Mechanik der. Dinge“ zu verlassen. Wenn Palästina heute schon zu gutem Grade nicht nur Land; der jüdischen Volkszukunft, sondern schon auch jüdisches Zufluchtsland geworden ist, so verdankt es dieses bereits erreichte Ent-: Wicklungsstadium natürlich auch nur der nationalen Idee, dem Zionismus, und ebenso muß der zionistische Gedanke dafür Sorge tragen, daß die gegenwärtige Konjunktur in eine verbreiterte und solide, natürliche Basis des jüdischen Nationallleims ausmünde. Ist es nötig, zionistische. Gemeinplätze breitzutreten und darzulegen, daß unter „natürlicher“ Basis unseres künftigen Gemeinwesens in Palästina jüdisches Land mit landwirtschaftlichen Urproduktion zu verstehen ist? Zurück zum Chaluzwesen, planvolle Erweiterung des ländlichen Faktors bedeutet nichts anderes als stärkste Entfaltung des nationalen Gedankens im Aufbauwerk, als Erkenntnis von der unverminderten, entscheidenden Bedeutung des nationalen Kapitals. Die Legende, daß das private Kapital alles allein besorgen könne, beginnt zu verfliegen und wer diese Gedanken propagiert oder gar gegen das nationale Kapital ausspie.lt, erweist der politischen zionistischen Sache den allerschlechtesten Dienst. Es gilt zu erkennen, daß das nationale Werk unbedingt nationaler Mittel bedarf. Ohne Keren Hajessod und Keren Kajemeth wird es auch in Hinkunft keine wirkliche nationale Aufbauarbeit in Palästina geben und es tut not, die nationalen Finanzen, welche fmam—mm' .. ||» Besonders billige Fahrt nach KraKau «x Lemberg Abfahrt: 26. September. Rückkunft: 4. und 24. Oktober 1934. Auskünfte und Anmeldungen: Politisches Reisebüro ,Ox BIS* Ullen, I. KMnmlr.il Tel. R 26-1-4S und Reisebüro E. Ferstel Kärntnerring 12. Tel. U 40-801.