Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 386 (14.9.1934)
- Date
- 1934-09-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 Dil STIMM! Nr. T — U. September 1934 Besuchet Emlnsers Gaststatten am Praterstern! iimimiiimmimmmiimmmimimMimi führen ein erbärmliches Dasein. Tausende Synagogen wurden in Kinos und Leninklubs umgewan d e 11. In den Schulen ist der Unterricht in der hebräischen Sprache verboten. Zionistische G s i n n u n g bringt unweigerlich Verbannung nach Sibirien. Die zionistische Organisation führt in Rußland ein unterirdisches Dasein, wie die Bolschewiken zur Zeit des Zaren. Davon sehen die Touristen in Rußland nichts. Man zeigt ihnen Potemkinsche Dörfer und sie sind begeistert. Rußland ent-nationalisiert seine Minderheiten und zwingt sie auch kulturell unter das kommunistische Joch. Wird aiber dieses Rußland Mitglied des Völkerbundes, dann sollte ihm der Schutz der Minderheiten auferlegt werden, Kein Land hat so viele Minderheiten wie Rußland. Es bleibt abzuwarten, ob der Völkerbund die Minderheiten Rußlands schützen wird oder ob die Aufnahme Rußlands nur den Zweck hat, einen Sturmbock gegen die aus dem Völkerbund ausgetretenen Staaten Japan und Deutschland zu gewinnen, Es sei dem wie immer: Wird Rußland Mitglied de3 Völkerbundes, dann muß es auf alle Fälle den Völkerbundpakt anerkennen und damit auch den Mandatsvertrag bezüglich Palästinas, der auf Grund des Artikels 22 des Völkerbundpaktes geschlossen wurde. Bisher war Rußland ein deklarierter Feind der zionistischen Bewegung, die als eine imperialistische, im Dienste Englands stehende Bewegung bezeichnet wurde. Russisches Geld rollt in Palästina. Manche Anzeichen sprechen dafür, daß russische Agenten bei den Unruhen des Jahres 1929 die Hände im Spiele hatten. Der Eintritt Rußlands in den Völkerbund ist gegen solche Umtriebe kein Schutz. Rußland gerät aber durch seinen Eintritt in ein Netz von Beziehungen, die eine Auseinandersetzung in der Frage der Minderheiten auf einer neuen Basis ermöglichen. Amerika hat bekanntlich kürzlich die offiziellen Beziehungen zu Sowjetrußland aufgenommen und die zionistische Organisation Nordamerika« hat dem ersten amerikanischen Botschafter, der nach Moskau ging, ihre Wünsche bezüglich der Juden Rußlands Iiiiiiiiimiiiiillliiiiiillitlinilililiiiiiii heit von größter Wichtigkeit. Gewiß, er hat oft versagt und der derzeitige Präsident der Tagung in Genf. Benes, hat dies ausftir- Iich dargelegt.. Der Völkerbund hat einmal den Juden geholfen, als er Deutschland zwang, die Rechte der Juden in Oberschlesien wieder herzustellen. Er hat wiederholt Österreich geholfen und auch diesmal appelliert Österreich an den Völkerbund. Wenn es keinen Völkerbund gäbe, müßte man ihn schaffen, heute moh denn je. Er ist noch weit von dem Rh entfernt, das sein Schöpfer, Wilson, in ihm sah. Wilson wollte den Völkerbund zum Garanten für G c r e c h t, i g k eit und V ö 1kerfrieden machen und Gerechtigkeit iidn Völkerfrieden waren bekanntlich auchdas Ideal unserer Propheten. Kein Wunder also, daß das nationalsozialistische Deutsch land dom Völkerbund den Rücken gekehrt hat Zum Tode Oskar Wassermann QK GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN 1.. Kärtnerstrofce Nr 6! Besitzer Otto Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen lokallläfen Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Olto Kaserer vorgetragen. Aus prinzipiellen Gründen hätte das die Exekutive der Jewish Agency tun sollen. Sie allein ist dem Völkerbund gegenüber als Vertretung des jüdischen Volkes legitimiert. Sie wäre auch dazu berufen, eich jetzt in Genf vernehmlich zu machen, wo die Frage der Aufnahme Rußlands zur Debatte steht. Wir wissen nicht, ob das geschehen ist und würden eine etwa geschehene Unterlassung bedauern. Der vorliegende Fall zeigt aber, wie sehr gerade wir Juden an allen internationalen Ereignissen den Welt interessiert sind. Deswegen sind der Minderheitenkongreß und der Völkerbund für uns Juden von vitalster Bedeutung. Wir müssen es bedauern, daß sie so schwach und der Spielball von impe rialistischen Tendenzen der Mächte sind. Es ist aber unsinnig, über den Völkerbund zu spotten, wie dies oft auch von Juden geschieht.. Vergessen wir doch nicht: Daß wir heute, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, Palästina aufbaucn können, verdanken wir nicht zum geringsten dor Existenz des Völkerbundes. Ohne Völkerbund wäre Paßsfields Weißbuch die Verfa-ssungsurkunde des Jischuw. Der Traum vom jüdischen Palästina wäre ausgeträuint. Tr Völkerbund ist. aber nicht nur für die Juden, er ist auch für die getarnte Mensch* Wien, 13. September 1934. Der Tod hält in den Reihen der Palästinakämpfer furchtbare Ernte. Wieder — in kurzer Zeitfolge nach dem Tode von Jacobsohn Berkelhammer — müssen wir ein trauriges Ereignis verzeichnen: Den Tod Oskar Wassermanns. Mit Wassermann, der in Bamberg geboren, einer der führenden deutschen Bankiers war — er nahm jahrelang eine führende Stellung als Direktor der Deutschen Bank, des größten Bankunternehmens Deutschlands, ein — scheidet eine zentrale Führerfigur des deutschen Judentums aus dem Leben. Wassermann war einer der ersten deutschen Nichtzionisten, die sich tatkräftige Förderung des Aufbaues des jüdischen Nationalhehns in Palästina angelegen sein ließ. Oskar Wassermann widmete alle seine freie Zeit, seinen Einfluß und seine Begabung öffentlichen jüdischen Interessen. In einer Reihe jüdischer Organisationen nahm er eine führende Stellung ein. So war er stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsvorstandes der Akademie für die Wissenschaft de« Judentum«, Mitglied des Kuratoriums der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Präsident des Keren Hajes-, sod für Deutschland usw. 1929 wurde er auch in das Direktorium de« allweltlichen Keren Hajeesod gewählt. Er war der Führer der am jüdischen Palästina-Werk mitarbeitenden Nichtzionisten in Deutschland, Unterzeichnete als solcher den Gründungspakt der Erweiterten Jewish Agency in Zürich am 14. August 1929 und war seitdem Mitglied des Administrative Committee der Jewish Agency und Mitglied dos Präsidiums des Council der Jewish Agency. Um das Zustandekommen der Erweiterten Jewish Agency hat er sich große Verdienste erworben, indem er 1927/28 als eines der vier Mitglieder der Joint Palestine Survey Commission fungierte. Oskar Wassermann bat in allen jüdischen Versammlungen, in denen er als Vorsitzender | verfocht den Gedanken, daß Palästina und dessen Wiederaufbau im Zentrum des jüdischen religiösen Leben« stehen müsse. Für den Palästina-Aufbau hat er, der nie zu den ganz Reichen gezählt und in den letzten Jahren Jahren erhebliche finanzielle Einbußen erlitten hat, große finanzielle Opfer gebracht. Ende 1933 schied er im Zuge der neuen Entwicklun: Deutschland aus der Leitung der DD-Banken am. * Es sind jetzt gerade fünf Jahre, seit die unvergeßliche historische Konstituierung der Jewish Agency in der Züricher Tonhalle vor sich ging. Direktor Oskar Wassermann ergriff in dieser geradezu Monstreversammlung der bedeutendsten Köpfe des zeitgenössischen Judentums da« Wort zu einer flammenden zionistischen Ansprache. Wir hören noch seine Worte, die er damals sprach: „daß die Nicbtzionisten viel mehr mitbringen als Geld, nämlich ihr moralisches Gewicht, Verständnis für die Bedürfnisse Palästinas und vor allem die jüdische Einheit und Einigkeit, daß die Nichtzionisten wissen, daß Fortschritte nur erzielt werden können, wenn die Jugend mit uns ist und sie werden nicht zulassen, was denEnthuBiasmus der jüdischen Jugend lähmt. Der Jischuw in Erez Israel darf nicht als Objekt, sondern muß das Subjekt unserer Tätigkeit sein, wie ja die Juden überhaupt durch den Palästina- Aufbau zum erstenmal wieder Subjekt ihrer eigenen Geschichte werden.“ Das waren die Worte des „Nichtzionisten“ Oskar Wassermann. Der Keren Hajessod und die Jewish Agency verlieren in Oskar Wassermann einen tatkräftigen stets aktionsbereiten Förderer. Familie Rapaport Vegetarische Kaffee-Restaurants II., Obere Donaustr. 89a - IX.,Währingerstr. 21 wünscht “1Ö3 rölkerung alle Ursache, den Blick hoffnungsvoll und vertrauensvoll in die Zukunft und mit Stolz auf die Fortschritte zu richten, die mr durch ihre Pflichttreue, ihren Mut und ihre Geduld ermöglicht worden sind. Ich bin sicher, daß alle Pennsylvanler mit mir den Juden der Welt ein glückliches und gedeihliches Neues Jahr wünschen.“ Der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten, William Stanley, veröffentlicht folgende Botschaft: „Das jüdische Neujahr erinnert uns daran, daß die monotheistischen Religionen durch die Juden in die Welt gekommen sind. Das Gesetz Moses war eine der frühesten Verkündigungen der Grundsätze von Moral und rechtem Leben; viele Übel der Welt stammen daher, daß diese Lehren nicht beobachtet wurden“ Cafe National II., Taborsiraße IS Täglich ab 10 Uhr abends: Kantorale Musik. Oberkantor Basser, Rosenblatt, Kwartin u. a. Interessante Radioübertragungen fungierte oder als Redner auftrat, das jlidi- «ebe Ethos und die Forderung, dieses Ethos im Leben zu verwirklichen, verfochten. Wassermann war ein religiös fühlender Jude; er Die Beisetzung Oskar Wassermanns erfolgte Mittwoch, den 12. September, auf dem jüdischen Friedhof in Borlin-Weißensee. Unter den Trauergästen befanden sich zahlreiche führende Persönlichkeiten der Bankvmd WirtBchaftswelt sowie Abordnungen aller jüdischen Verbände. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Leo Bock. General Smuts: Das Judenvolk leistete den höchsten Beitrag zur Wohlfahrt Johannisburg, 12. September. (2.T. A.) Der Justizminister und ehemalige Ministerpräsident der südafrikanischen Union, General Smats, erläßt aus Anlaß des jüdischen Neujahrsrestes einen flammenden Aufruf an die n i c h tjüdische Welt, dessen eingedenk zu sein, daß die Juden der Welt die Bibel geschenkt haben. „Wir wollen nicht vergessen“, schreibt General Smuts, „daß dieses außergewöhnlich begabte kleine Volk den höchsten BeitragzurWo hl fahrt der Welt geliefert hat. Die Bibel ist das bedeutendste Buch der Welt und das höchste Geschenk auf dem Gebiet der Kultur, des Denkens und der Religion der Menschheit. Kein anderes Werk der Weltliteratur kann mit ihr verglichen werden.“ Palästinaabtellung Bosdi Hasdianah-Gliickwiinsdie des Präsidenten Roosevelt I 3f2iS®|£ira2i2|BjiBiiSiE New York, 7. September. (Z. T. A.) Einem althergebrachten Branche folgend haben auch in diesem Jahre der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Franklin D. Roosevelt, und eine Reihe anderer amerikanischer und auswärtiger Staatsmänner anläßlich des Rosch Haecbanah-Festes Glückwünsche und Grußbotschaften an die jüdische Bevölkerung gerichtet. Präsident Roosevelt schreibt: „Ich freue mich, anläßlich des diesjährigen Rosch Haschanah-Festes meine besten Wünsche für meine Mitbürger jüdischen Glaube?is zu erneuern. Es ist dies ein geeigneter Anlaß, innezuhalten und, indem wir uns von neuem den Verpflichtungen des Tages widmen, das Werk fortzusetzen, das wir gemeinsam mit allen Amerikanern zur Verwirklichung der Verheißungen des Jahres unternommen haben, das vor uns liegt.“ Der Gouverneur von Illinois, Henry Horner, schreibt: „Beim Eintritt in das neue Jahr freue ich mich, meine herzlichsten Festtagsgrüße und Glückwünsche meinen Glaubensgenossen, wo immer sie leben, zu, entbieten, Das jetzt zu Ende gehende I Jahr war gekennzeichnet durch bedeu- I tende Beiträge, die Juden auf vielen Ge- I bieten zur allgemeinen Wohlfahrt geleistet haben, und zwar in einer Reihe von Ländern von einem tragischen Schatten umdüstert. Durch die Jahrhunderte hindurch hat Rosch Ilaschanah immer die Melodie ewiger Hoffnung erklingen lassen. Aus dieser Hoffnung schöpfen wir den Mut, vreiterzuschreiten und unserem Lande und der Welt das Beste, was in uns liegt, zur Erhöhung der Wohlfahrt der Allgemeinheit zu geben,“ Der Glückwunsch des Gouverneurs von Virginia, George C. Porry, lautet: „An diesem 10. September — nach dem jüdischen Kalender im Jahre 5695 —, dem Tage, der von den Juden in der ganzen Welt als ihr Neujahrsfest gefeiert wird, bringt der Staat Virginia dem jüdischen Volk an allen seinen Wohnsitzen seine hohe Wertschätzung und seine innisten Glückwünsche zum Ausdruck,“ Gouverneur Gifford Pichot von Pennsylvania schreibt unter anderem: „7,u Rosch Haschanah, mit dem das 5695. Jahr beginnt, hat die jüdische Befnternatlonale Transporte Wien, II., Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, R 40-5-70 Serio Spezial - Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport* und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Maxim dorkl ehrt das Andenken Biaiiks auf dem Kongreß der Sowjet-Schriftsteller Moskau, 7. September. In dor Schlußsitzung des Kongresses der Schriftsteller der Sowjetunion gedachte der Präsident des Kongresses, dor berühmte Schriftsteller Maxim Gorki, des verstorbenen hebräischen Dichter« C h a i m Nachnun B i a 1 i k, dessen Genius or hohen Tribut zollte. Er sagto dabei, oin Volk miiase nicht zahlenmäßig groß sein, um dor Welt große Schriftsteller zu geben. So sei Bialik dor großo Dichter eines zahlenmäßig nicht sehr großen Volkes.