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Die Stimme · 1934-09-14 · Heft 386 (14.9.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 386 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FmI« dieser Nomouf 20 g V. b. b. Doppelnummer Mit Rücksicht auf das Versöhnungsfest erscheint die vorliegende Nummer der „Stimme“ als Doppelnummer in verstärktem Umfange. Die nächste Nummer der „Stimme“ erscheint wieder als Doppelnummer am Freitag, den 21. September. jüdische zeitung Nr. 14> September 1934 fattfende danken Qwf««sTin, MIKOiasch mikolasch U0 dieser Firma «eit <ten 32 fahren hure« Beslandee Hali« bei F « S- und Bruckleiden » Sie verdient euch Ikr Verlraucnl BHndPoen-tHgholasch Wien. TeberetraSe 22. Tel. R 42*1-35, R 41-0-30?®.d?.ktiSn und Administration Wien, .. Kärntnerstiafle 28. *eL R 27-4-85 Redaktionsgchluß Montag und Mittwoch vornt Toleranz und Gleichheit auch für die luden Dr. Schuschniggs Rede vor dem Völkerbund In seiner großangelegten Rede vor der Völkerbundversammlung in Genf führte der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg u. a. auch folgendes aus: Sehr zu Unrecht würde man die neue Verfassung reaktionärer Tendenzen zeihen; sie bekennt sich selbstverständlich zur Gleichheit aller vor dem Gesetz, und sie schützt die Freiheit aller in jeder Richtung, soweit nicht die Rücksichtnahme auf das bonuni commune Einschränkungen zwingend gebietet. Auch das Österreich der neuen Verfassung bekennt sich zum Grundsatz der Toleranz. Österreich ist ein überwiegend katholisches Land, es war darum naheliegend, daß der verewigte Kanzler und ich bekenne mich zu genau dem nämlichen, Programm — von dieser Stelle aus bereits einmal Seiner Heiligkeit des Papstes Pius XI. gedachte, dessen Enzyklika Quadragesimo anno in ihren leitenden Gedankengängen bei der Grundlage der neuen Verfassung mitbestimmend war. Dies bedeutet für uns jedoch keinen ausschließlich konfessionellen Gesichtspunkt, alle gesetzlich anerkannten Konfessionen erfreuen sich in Österreich nach wie vor des Schutzes und der Unterstützung des Staates, sondern es ist der Ausfluß einer soziologischen Grundauffässung und zugleich das Rechnungtragen einer politischen Notwendigkeit, die uns die eheste Erreichung einer ruhigen, befriedeten Fortentwicklung im Lande zu garantieren scheinen. Wir behalten uns vor, auf diese bedeutsamen Ausführungen des österreichischen Regierungschefs in unserer nächsten Nummer noch ausführlicher zurückzukommen. Minoritätenkongreß und Völkerbund Mussolini und Hitlers Rassenlehre Der Regierungschef Mussolini eröffnet« die Levante-Messe in Bari mit einer Rede vor mehr als 300.000 Menschen, in der er mit bezug auf die neudeutschen Lehren folgendes sagte: „Dreißig Jahrhunderte unserer Geschichte gestatten uns, mit souveränem Mitleid aut gewisse Lehren zu schauen, die jenseits der Alpen von den Nachkommen von Völkern gepflegt werden, denen die Schrift noch unbekannt war, so daß sie keine Urkunden über ihre Existenz zu einer Zeit zu erbringen vermögen, da Rom bereits einen Cäsar, einen Virgil, einen Augustus besaß,“ Wien, 12. September 1934. Die Zerstreuung des jüdischen Volkes über die ganze Erde bringt es mit sieh, daß alle Vorfälle im internationalen Leben zumindest Teile des jüdischen Volkes berühren und in Mitleidenschaft ziehen. Die eben abgelaufene Tagung des Minderheitenkongresses und die derzeitige Tagung des Völkerbundes in Genf sind hiefür der beste Beweis. Wir haben in unserer letzten Nummer darauf hingewiesen, daß die Juden den Minderheitenkongreß verlassen haben und auch die Gründe hiefür angegeben: Der Minderheitenkongreß kann nicht mehr als die Zentralorganisation zur Überwachung des Minderheitenschutzes angesehen werden. Er weist eine Majorität auf, von der man behaupten kann, daß sie das Werkzeug der deutschen Regierung ist. Wenn es noch eines diesbezüglichen Beweises bedurfte, so wurde er bei der eben abgeschlossenen Tagung in Bern erbracht. Der Präsident Dr. Wilfän bemühte sich über das Ausscheiden der jüdischen Vertreter hinwegzutäuschen. Er gab folgende Erklärung ab: „Von einem wirklichen Ausscheiden der jüdischen Gruppen kann nickt die Rede sein. Ich kann, im Gegenteil, konstatieren, daß ... wir von einer Fortsetzung der Verhandlungen sprechen können. Doktor Schiemann (deutsche Gruppen) und ich haben den Entwurf einer Deklaration verfaßt, in welcher der Inhalt der voriges Jahr verfaßten ,Dissimilationsresolution( explikativ dargelegt wird... Dieser Entwurf ist den Vertretern der jüdischen Gruppen zugekommen..die sich mit ihm nicht zufrieden erklärten und einen Gegenvorschlag unterbreiteten, der nicht mehr von uns die Stellungnahme zu Ereignissen in einem namentlich zu nennenden Staat verlangte, sondern eine prinzipielle Erklärung über die Lage der Juden in Deutschland, beziehungsweise ihre Qualifizierung als nationale Minderheit. In dieser Form ist ein solches Problem noch nie an unsere Kongreßgemeinschaft herangetreten. Wir haben uns bisher nur dann über die Qualität einer Volksgruppe als nationaler Minderheit auseinanderzusetzen und darüber zu entscheiden gehabt, wenn eine Gruppe sich um die Aufnahme in unsere Kongreßgemeinschaft bewarb... Es wird Aufgabe des künftigen Ausschusses sein, mit Ruhe und Überlegung sich mit diesem Problem zu befassen.. Herr Dr. Wilfan irrt sich. Die jüdischen Delegierten werden nicht zurückkehren, solange der Minderheitenkongreß von Berlin aus dirigiert wird. Die gewundene Erklärung Dr. Wiifans zeigt ungewollt des Pudels Kern: Der Minderheitenkongreß hat es abgelehnt, die barbarische Behandlung der Juden Deutschlands zu verurteilen und hat damit sein wahres Gesicht gezeigt. Er hat das moralische Recht verloren, die Interessen der jüdischen Minderheiten zu vertreten. Der Minderheitenkongreß hat ferner eine Entschließung genehmigt, in welcher der „Kongreß in den bilateralen Staateverträgen und sonstigen Übereinkommen dieser Art über Minderheitenrechte einen wichtigen Fortschritt gegenüber den materiellen Rechtsnormen der Minderheitemverträge“ Oskar Wassermann gestorben Aus Berlin erhalten wir die traurige Nachricht, daß dort am 1. Rosch Haschanah- Tage der bekannte jüdische Finanzmann und, Palästina-Freund, Oskar Wasserman n, im 65. Lefbensjahre, gestorben ist. Um den Schutz der Juden an der Saar Genf, 13. September. (2. T. A.) j bestimmungen für die jüdischen Minder« Während der Völkerbundstagungen! heiten in der Saar überreicht. Das erste dieses Monats weilt in Genf — neben dem ‘ Beobachter des Londoner Joint Foreign Committee Neviile L a s k i (Präsident des Jewlsh Board of Deputies) und Prof. Norman Bentwich — auch der Vorsitzende des Comitd des Döldgations Juives und des Exekutivausschusses für den Jüdischen Weltkongreß, Dr. Nahum G o 1 d m a n n. Die drei Herren arbeiten in vollem Einvernehmen miteinander. Im Namen des Comit6 des D616gatio»s Memorandum dieser Art wurde von Dr. Goldmann und vom Joint Foreign Committee dem Dreier-Ausschuß am 6. Februar 1934 vorgelegt. In dem jetzigen Memorandum ist die allgemeine Schutzforder ung in ihren Einzelheiten ausgearbeitet, wobei in großen Zügen die in Deutsch-Oberschlesien herrschenden Bestimmungen — auf Grund der unter Völkerbundschutz stehenden deutsch-polnischen Konvention — als Vor- Juives hat Dr. Nahum Gold mann dem bild gedient haben. Vorsitzenden des Dreier-Ausschus-| Wie berichtet, hat die französische s e s des Völkerbundrates für die Saar« R e g i er u n g in ihrem dem Rat vorgelegten Vü.f KAISERSTRASSE 123 *IX.ALSERSTRASSE6 i ^raSen> Bai‘on Aloisi (Italien) ein zweites Aide Memoire ähnliche F order un- 1 Aide-Memoire in der Frage der Schutz-[gen aufgestellt. sieht. Obwohl der Kongreß in der gleichen; Entschließung die Forderung erhebt, daß „eine solche Regelung zukeinerleiDis« krimination in der Behandlung verschiedener nationaler Minderheiten im gleichen Staate führen darf“, so ist in dieser, wie in den meisten anderen Entschließungen des Kongresses der Wille, den neuen, in Hitler deutschland geprägten „Volkstumstheorien“ gefällig zu sein, nicht zu verkennen. Die Juden sind aber nicht dazu da, Hitler gefällig zu sein. Deswegen haben sie in diesem Minderheitenkongreß nichts zu suchen. Der Minderheitenkongreß hat schließlich die Beschränkung des von Polen beim Völkerbund eingebrachten Antrages auf Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes auf Europa beantragt. Der polnische Antrag beschäftigt bekanntlich derzeit die Tagung des Völkerbundes. Man kann als sicher annehmen, daß der polnische Antrag in seiner derzeitigen Fassung keine Aussicht hat, vom Völkerbund angenommen zu werden. Es bleibt nun aibzuwarten, wie sich Polen nach der Ablehnung seines Antrages verhalten wird. Modifiziert es ihn nicht, dann handelt es sich nur um ein Scheingefecht, dessen Gründe durchsichtig sind. Aus einer Äußerung des offiziösen polnischen Blattes „I11 u s t r awany Kurjert Godzienny“ geht hervor, daß es sich um einen Versuch Polens handelte, den Minderheitenschutz, der nicht allen Staaten auferlegt. ist, durch einen weiteren Antrag auf Aufhebung des Minderheitenschutzes überhaupt zum Fall zu bringen. Daß damit eine der wenigen Errungenschaften des Weltkrieges vernichtet würde, bedarf keiner Erläuterungen. Der Fall des Minderheitenschutzes würde alle Minderheiten und damit auch die jüdischen Minderheiten schwer treffen und ein neuer Zündstoff in der ohnehin bis aufs äußerste gespannten internationalen Situation sein. Vielleicht wird sich dann das groteske Spiel ergeben, daß Deutschland als Verfechter des Minderheitenschutzes auftreten wird. Lebt doch ungefähr ein Drittel des deutschen Volkes außerhalb Deutschlands. Ein weiterer Antrag, der die Genfer Tagung des Völkerbundes beschäftigen wird, ist vom Standpunkte des Schutzes der Minderheiten von größter Bedeutung. Die Aufnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund. Die Sowjets behaupten bekanntlich, bei ihnen seien alle Minderheiten gleichberechtigt. Welche Bewandtnis es damit hat, zeigt am besten die Behandlung der religiösen Minderheiten und der Juden in Rußland. Gegen alle Religionen wird von den Gottlosen, welche von der russischen Regierung gefördert werden, ein erbitterter Kampf geführt. Ein Jude, der den Gottesdienst besucht, wird gegeim.v«riutionÜrer Gesinnung verdächtigt. Das gleiche gilt für die Angehörigen der christlichen Bekenntnisse. Die frommen Eltern führen eine Art Ma* rannendasein und worden von ihren in den Schulen atheistisch TzogmifU) Kin'-’ü verhöhnt. Die Geistlichen aller Konfessionen

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