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Die Stimme · 1934-09-07 · Heft 385 (7.9.1934) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 385 (7.9.1934)
Date
1934-09-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
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m -i 7. Stpiomßor 1934 DIB STIMM! Sette 1! ' * : vVw 4>»*' ' f * Arabische Juden an der Tempelmauer (Photo Keystone) in hilfloses Wimmern... in ein erlösendes Weinen. Nein, es gibt keine Rettung aus dem Ghetto, wenn Gott kein Wunder tut... aber Gott wird schon helfen... das ist das Gefühl, das in allen lebt. Der frommen Mutter fallen schwere, schnelle Tropfen — wie Regen nacih einer Sonatherschwüle — aus den sanften, treuen, stets betrübten Augen. Es ist schon mächtig dunkel geworden und immer stiller und stiller... Die Herzen singen innerlich.-.. Plötzlich ruft die Kuckucksuhr die fünfte Stunde... Jäh fährt alles bang erschreckt empor... man streckt und reckt sich und räuspert sich und wischt die Augen aus... als soi man aus einem herrlichen Traum, aus dem Reiche der Poesie zur alltäglichen Prosa zurückgekehrt. Die Zeit ist herangerückt... man muß!n die Synagoge eilen, um das Naohtgebet zu verrichten, um dem Sabbath das Abschiedslied zu singen... Traurig wird es in der finsteren Stube... der Abschied naht... Still ziehen der Vater und die Söhne die Überröcke an; ein Schauer durchhaßtet die Juden. Kaum hörbar wünschen sie „guten Sabbath!“ und still gehen sie hinaus auf die beschneite Straße... Der Weg zur Synagoge ist weit; aber jeder verkürzt ihn sich durch seine eigenen Gedanken... Zu Hause sitzt das Mütterchen mit seinen beiden Töchtern eine Weile schweigsam da. Man erkennt vor Finsternis keinen Gegenstand mehr im Zimmer... aber wie draußen der wirbelnde Schnee hernieder flockt, sieht man deutlich. Und dann beginnt auch die Mutter dem heiligen Sabbath das Abschiedslied zu singen ... leise ... leise... „Gott von Abraham... Gott von Isaak... Gott von Jakob und von Deinem ganzen Volk... Dein heiliger Sabbath geht dahin... dahin... dahin ... Die neue Woche, sie möge uns bringen Glück und Segen... Gesundheit und Ehre und tägliches Brot... die neue Woche komme endlich und allen zum Guten — Amen — Amen... Auch, dann wird erlöst sein Dein armes Volk durch Deine Gnade von der tausendjährigen ewigen Pein... der heilige Sabbath, geht dahin... dahin ... dahin...“ Und noch im Singen entgaukelt ihr der Sabbath wie ein vielfarbiger Schmetterling, und gleich einem süßen Hinunelskuß umschmeichelt es ihre Stimme... Ahnungsvoll starren die Töchter in das Dunkel... Und dieser Zauber durohechwebt das kleine, müde Häuschen, das da draußen in der Vorstadt, in irgend einem verborgenen Winkel steht. zeichnete der Bocher das Leben Hanneles ’ mal jedoch erscholl wieder schöner, jubelnein. Zur selben Stunde genas der Rabbi, der Gesang, und der Rabbi wußte: „Jetzt Am anderen Tage begrub man eine junge'macht ihr erstes Kind Bar-Mizweh, ich hab’ Leiche auf dem „guten Ort“ — nun, es war j sie darum gebracht.“ des Schulklopfers Tochter. i Wieder ward es still, bis nach Jahren ein- Aber so hastig das Mädchen unter die mal neuer, schöner Gesang ertönte, und der Toten gegangen war, so schwer fiel es nun > Ra-bbi wußte: „Jetzt führt sie ihre Tochter dein Rabbi, seinen Namen aus dem Buche unter die Chuppe (Trauungshimmel), ach der Lebenden auszulöschen. Es war merk- und weh, ich hab’ ihr das genommen.“ Nie würdig; in der ersten Zeit nach seiner Genesung war der Rabbi fröhlich und guter Dinge; er blühte in wunderbarer Kraft wieder auf. Dann aber ward er schwermütig und bleich; die Leute wußten nicht, woher das kam. Die Leute wußten nicht, daß, wenn der Rabbi in später Nacht über dem Talmud saß und lernte, unten im Hofe ein leiser Gesang ertönte, und daß, wenn er das Fenster öffnete, ein schönes Mädchen unten stand, dessen Todeslächeln er durch den Schleier der Finsternis hinaufleuchten sah. „Sie könnte jetzt singen und frei sein wie der Vogel in der Luft“, dachte dann der Rabbi, und in stiller Nacht weinte er über den dumpfen Blättern seiner Bücher. Einmal um Mitternacht erschollen bange Wehklagen um das Haus, sonderbare Töne, wie sie der Schmerz erpreßt. Gleich darauf hörte er die Stimme eines neugeborenen Kindes. „Weh geschrien!“ rief der Rabbi, „um das hab’ ich sie gebracht.“ In jeder Nacht vernahm er nun dies Kinderwimmern, dazwischen aber auch so himmlische Wiegenlieder, daß er aus tiefem Herzensgrund weinen mußte. Sechsmal im Laufe der Jahre wiederholten sich die Schmerzensklagen jener Nacht, dann kam das ..Neugeborene, dann die wunderbaren Wiegenlieder. •Dann ward es eine lange Zeit still... Einkam nun die Stimme klagend oder weinend; immer war es herrlicher, unausprechlich süßer Gesang, und der Rabbi ward inne: „Eine glückliche Mutter wär’ sie geworden, ich hab’ ihr das vernichtet.“ So lebte der Rabbi das ganze Dasein des Mädchens durch, ja schon gelüstete es ihn einmal, die schönen Melodien verstummen und Wehklagen dafür zu hören, damit er doch wüßte, sie hätte auf Erden auch gelitten. Aber das kam nicht, und der Rabbi weinte über dem Talmud: „So glücklich wäre sie geworden!“ Nun wollte er sterben, vergehen; der Gesang ermüdete sein Leben; dennoch konnte er nicht sterben. So war er alt und greisenschwach geworden; die Leute in der Gemeinde sanken vor ihm ins Grab, ja selbst die Kinder, die er einmal gebenscht, schlichen nun als finstere, hinfällige Alte herum. Sie starben; er aber konnte es nicht. „Wann ist es an der Zeit, du Mädchen?“ fragte er oft, „wie lange willst du denn leben?“ Da ertönte einmal um Mitternacht ein banger Wehruf, wie der eines Sterbenden, vom Hofe herauf. „Jetzt ist sie tot“, sagte der Rabbi, „Gott sei ewig Dank!“ Frühmorgens fanden ihn die Bachurim entseelt vor seinen Büchern liegen. Die Makkabibewegung ir Erez Israel Wenngleich die sommerliche Hitze den palästinensischen Sport zur Ruhe zwingt, hat sich der Makkabi in Erez Israel im Angesicht der zweiten Makkabiah entschlossen, diesmal nicht nur keine Sommerpause in seiner Aktivität eintreten zu lassen, sondern im Gegenteil mit noch viel größerem Fleiß an seine Aufgaben heranzugehen. Wenn man von der laufenden Arbeit in den Vereinen und in den verschiedenen Makkabiahbüros absieht, gibt es momentan drei große „Puloth“ (Veranstaltungen) des palästinensischen Kreises. Die erste „Pulah“ ist die Entsendung des Frauenteams nach Europa. Es war ja vorauszusehen, daß wir in London mit dieser jungen Mannschaft als Ergebnis unseres noch allzu jungen Frauensports keine Höchstleistungen und keine Placierungen erzielen werden, aber dennoch wurde der Pessimismus überwunden und 25 Mädchen mit zirka 30 weiteren Reisegästen fuhren unter der Fahne des Makkabi Erez Israel über Marseille, Paris — nach London — Manchester — Liverpool usw., und sorgen natürlich recht ausgiebig für intensive Makkabiahpropaganda. Wir Makkabim in Erez Israel, die vergangenen Sommer mit mehr als 100 Chawerim in Prag die Makkabi-Kampfspiele und den Makkabi-Weltkongreß besuchten, die auch in diesem Jahre mit mehr als 100 Menschen in andere Länder reisen, verstehen das in erster Linie als eine einfache Geste der Einladung zur Makkabiah. „So wie es euch in der Golah schwer fallen wird, im Frühjahr 1935 alle finanziellen und sonstigen Schwierigkeiten zu überwinden und zu uns zu kommen, so fiel es uns noch viel, viel schwerer — bedenkt die3 gut und handelt danach!“ Die zweite „Pulah“ des Makkabi ist das große Sommerlager des Makkabi-Hazair, das gegen 200 Makkabim aus allen Teilen des Landes in der herrlichen Umgebung des Karmelberges bei Haifa für einige Zeit vereinigt. In Zelten wohnen die Makkabim und Makkabioth und bereiten sich unter der Führung von Bundesleiter Chaim Wein physisch und geistig für die Makkabiah vor. Dr. Biram, der Leiter der Realschule von Haifa, Chaviv Jekutieli (der Bruder von Josef Jekutieli, der mit der Mannschaft nach London fuhr), Zwi Nischri — und andere im Lande äußerst bekannte Jugendführer und Pädagogen haben das Lagerprogramm ausgearbeitet. Der Makkabi Hazair, der in Erez Israel erst verhältnismäßig ganz kurze Zeit besteht, hat in dem letzten Monat einen ungeahnten, ganz gewaltigen Aufschwung genommen. So zählt der Makkabi Hazair zum Beispiel ln Tel-Aviv allein gegen 700 Chawerim, die alle straff organisiert sind, ihren eigenen Turn- und Sportbetrieb, Chor und ein dramatisches Studio sowie eine eigene Zeitung besitzen. Die dritte „Pulah“, die der Makkabi Erez Israel zu gleicher Zeit zur Durchführung bringt, ist der „Vorturner-und Sportinstruktorenkurs“. In den Gebäuden der Ausstellung von Tel- Aviv herrscht regstes Leben von 5 Uhr früh bis 9 Uhr abends. 60 Makkabim aus dem ganzen Lande vom nördlichsten Galil bis zum Toten Meer wohnen und essen in Gemeinschaft mit den besten Makkabiinstruktoren, und werden vier Wochen lang vom Morgen bis zum Abend in allen sportlichen und turnerischen Fächern unterrichtet. Diesem Kurs fällt eine ganz große Aufgabe zu: Vorbereitung derjenigen Makkabim, die dann in einigen Wochen selbst in allen Teilen des Landes die Massen zur Makkabiah schulen werden.' Jeder Verein hat seine besten verfügbaren Kräfte zu unserer „Hochschule für Leibesübungen“ nach Tel-Aviv geschickt, und es ist zu erwarten, daß die Bemühungen jedes einzelnen nicht vergebens waren. Die Leiter des Kurses und der einzelnen Fächer sind folgende: Oberste Kursleitung, Turngeschiohte, Körperlehre — Jehoschuah Aluf, Lagerleiter, Ordnungsübungen, nordisches Turnen (nach Niels Bugkh) — Josef Bar-Nun, Geschichte des allgemeinen Sports, Geschichte des jüdischen Sports, Sportstatistik, Wettkampfbestimmungen, Gerätekunde, Sportorganisation und Langstreckenlauf — Walter Frankl, Kurzstreckenlauf und Staffeltraining — Sigmund Klein, technische Disziplinen der Leichtathletik, praktisch und theoretisch — Theo Levy. Außerdem werden für spezielles Wettkampftraining noch Oschi Kurz und Phillip Weiner zugezogen. Rhythmisches Turnen für Frauen und Kinder — Frl. Kürschner, dänische Gymnastik, Matte, Tisch und Sprossenwand für Frauen — Jehudith Frieden, Geräteturnen (Reck, Barren, Pferd) — Oh. Scharf, Handball — Felix Fried, Fußball — G. Pollak* Schwimmen für Nichtschwimmer — A. Sklouthu Stilarten im Schwimmen und Wasserball —* J. Goddard, Bodengymnastik und Kondition«* training — Ch. Ti oh au er, Hygiene — Doktor E. Simon, Erste Hilfe, Anatomie, Physiologie und Sportmassage — Dr. Viktor Kornmehl. Das Kursleben ist ungemein anregend, aber streng diszipliniert. Niemand darf sich ohne Erlaubnis entfernen oder eine Stunde fernbleiben. Die Befehle zum Aufstehen, Früh* appell, Mittagspause und Schlafengehen, wer* den durch Trompetensignal bekanntgegeben. Jeder Kursteilnehmer hat sich schriftlich verpflichtet. zwei Jahre lang aktiv als Riegenleiter im Makkabi zu arbeiten. Um den für Erez Israel spezifischen Geist etwas zu illustrieren, diene dem Leser die Tatsache, daß der „Lektor“ Klein unserer „Hochschule“ nach seinen praktischen Athletikdemonstrationen jeweils nach Petach Tikwah fährt, um dort mit seinem Bruder im Akkord Betonziegel zu stampfen. Das Problem der praktischen Arbeit hat übrigens im Makkabi Erez Israel schon einen wichtigen Platz eingenommen. Die Alijah* kommission, die ihren Sitz im Beth Hammakabi zu Tel-Aviv hat und. vor der jeder ein* wandernde Makkabi zu erscheinen hat, hat in der letzten Zeit eine ganze Reihe von landwirtschaftlichen Makkabi-Arbeitsgruppen, söge* nannten Gdudim (Legionen) im Schomron (Na* thania) und im Schairon (Bananah) geschaffen, die zwar kolossale Schwierigkeiten haben, mit Malaria, Typhus, Gelbsucht usw. an exponierten, teilweise sehr gefährlichen Stellen des Landes kämpfen und dennoch erfreuliche Fortschritte machen. Es gibt heute im Lande zwei rumänische, eine deutsche, eine tschecboslowa* Irische und eine türkische Gruppe. Eine bul* garische und eine zweite deutsche Gruppe sind im Entstehen begriffen. Am weitesten in wirtschaftlicher Hinsicht ist die tschechoslowakische Gruppe, die auch über einen Meinen Viehstand und Gemüsegarten verfügt. Sportlich und tur* nerisch stehen diese Gruppen in regem Kon* takt mit der Landesorganisatiom, beteiligen sich an allen Sportveranstaltungen und haben auch ihre besten Kräfte zum Instrxktorerukurs nach Tel-Aviv entsandt. Das Alijahkomitee besteht aus folgenden Chawerim: Leitung: Uri Nadav, Mitglieder des Ausschusses: Dobrzinisky, Dr. Freudeuthal, I. Rotter, Dr. Eckstein, Aknaliach, Redlich, Bernstein (Kassier), M. Jemini, A. Korn, W. Frankl (Sekretär). Das Alijahkomitee hat auch in Tel-Aviv ein© eigene Unterkunftsstelle für neueinwandemda Makkabim geschaffen, in der jeweils 10 Cha* wer im oder Cha weroth wohnen können. Diese Einrichtung soll mit der Zeit erweitert werden. Jeden Montag abends werden vom Alijah* komitee in Tel-Aviv die sogenannten „Klinov* abende“ veranstaltet, die immer sehr gut von mehreren hundert Olim des Makkabi besucht werden. Herr Redakteur Klinov von der Tages* zeitung „Haarez“ hält ein ausführliches Re* ferat über die Geschehnisse der Woche und Walter Frankl hält ein Korreferat über die Sportgeschehnisse der Woche. Auch ein Anfänger-Hebräischkurs wurde vom Alijahkomitee eingerichtet, der unter der Leitung von Doktor Sally Lewin steht. Neben der Veranstaltung von eigenen Vortrags- und Unterhaltungsaben* den schritt das Alijahkomitee jetzt zur Grün* düng einer Altherrenabteilung. Eine Zweigw stelle des Komitees besteht in Haifa, wo sich die Chawerim Jakobson, Oschi Kurz und Weig* ler sowie der Rechtsanwalt Het-h mit den neuen Makkabim befassen. Dies alles geschieht und gedeiht trotz tropi* scher Sommerhitze. Die umfangreiche Arbeit gestattet keine Ruhe- und Erholungspausen —i das Werk will getan sein —, die Zeit eilt. Erst vor einigen Tagen erlebte die Einwohnerschaft Tel-Avivs den dritten traditionellen Staffellauf quer durch die Stadt — den sogenannten Kupfersteinlauf. Die Beteiligung war diesmal fast doppelt so stark wie im Vorjahr. 15 Mannschaften beteiligten sich an diesem Rennen. 10.000 Zuschauer füllten die Straßen und Plätze. Der Vizebürgermeister Rokeach verteilte die Pokale — die Makkabi-Kapelle konzertierte als Platzmusik während des Rennens —, es gab keinen einzigen Unfall, keinen Zusammenstoß, in jeder Hinsicht ein voller Erfolg! Es siegte die erste Remnmannsebaft des Makknbi-Tel-Aviv in folgender Aufstellung: Feiwi, Bakschi. Chanen, Frankl, Weiucr, Sam, Salva, Maranz. Zweiter wurde der Be tur Tel-

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