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Die Stimme · 1934-09-07 · Heft 385 (7.9.1934) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 385 (7.9.1934)
Date
1934-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sette 8 DII STIMM! Nr. 385 —< 7. September 1934 Im Vereinsbethaus „LIVIAS CHEN“ II., Holiandstraße Nr. 2 wird ein hervorragender „Chasan“ zu den Feiertagen vorbeten. wir doch eigentlich mit aJledem bezwecken, an neuen Grundsätzen gewonnen und die früheren eine Ausbreitung und Verstärkung erfahren haben; wenn sie sich die Frage stellen, inwieferne diese von der Geschichte berufenen Grundsteraleger sich beim Prozeß des Bauens als Avantgarde und Schrittmacher für das übrige Volk, das nachkommen soll und muß, fühlen und der Tatsache Rechnung tragen, daß das Werk von Feinden, die ihm ans Leben wollen, von allen Seiten umringt ist. Bei der Stellung dieser Fragen fällt die Antwort sorgenvoll genug aus. Dann stellen sie fest, daß wir mit dem Zuwachs von hunderttausend Juden während dieser Blütezeit die Städte vergrößert, das Land aber, das Fundament jeder nationalen Eigenwirtschaft, eine kaum ins Gewicht fallende Verstärkung erfahren hat-. Wir erfahren, daß die Juden in diesem Jahre wohl neue 40.000 Dunam Citrusgärten gepflanzt, und damit ein gesamtjüdisches Pflanzungsareal von 160.000 Dunam gegen „nur“ 100.000 Dunam arabischen Besitz belegt haben werden. Nur? Das Bild stellt sich bedenklich andere, wenn man hinzufügt, daß die Hälfte der jüdischen Pardessim (bei den arabischen ist das selbstverständlich...) schon heute von Arabern bearbeitet werden! Nationalwirtschaftlieh steht eomit die Rechnung nicht 160 :100, sondern 80 :180. Denn wer bei einer solchen Entwicklung dem Lande seinen Charakter aufdrücken wird, die Masse der arbeitenden Bevölkerung, oder die paar im Lande selbst, oder in Warschau und New York ihre Einkünfte, die ihnen die Gärten bringen, verzehrenden Besitzer — darüber gibt es keine zwei Meinungen. Wir erfahren ferner, daß die Zahl der in der gemischten jüdischen Landwirtschaft beschäftigten erwachsenen Personen von 3600 im Jahre 1932 auf 5500 im Jahre 1934, das ist um 1900, gestiegen is, während in denselben Zweigen bei den Arabern in diesen letzten Jahren eine völlige Revolutionierimg vor sich gegangen ist. Es fand bei ihnen eine enorme Erweiterung der mit Gemüse, Fruchtbäumen und anderen Produkten ersten Lebensbedarfes bepflanzten Bodenstrecken statt, womit sie die Belieferung der wachsenden jüdischen Städte und n i ch t weniger Kolonien (1) besorgen. Wir überlassen die Grundproduktion und die Eigen Versorgung, unter Verleugnung der Prinzipien, die an der Wiege der jüdischen Erneuerungsbewegung standen, den Arabern und gestatten auf diese Weise, daß sie, mit unseren Kräften, zu unserem — Gastvolke, auch hier, in Erez Israel, nach dem Vorbild des Galuth, aufsteigen. Und was machen wir? Wir bauen Großstädte und lassen es zu, daß die Arbeiter das Dorf verlassen. Die Frage aller Fragen In welchem Grade der mächtige wirtschaftliche Aufschwung dieser Jahre zur Lösung der Frage aller Fragen, der Aufgabe der Bodenauslösung, ohne die das Ganze keinen Bestand und keine Zukunft haben kann, beigetragen hat, wird ein entscheidendes Kriterium bilden für die nationale Wertung dieser ganzen Konjunktur. Die Einsicht, daß die jüdische Heimstätte nur auf jüdischem Boden errichtet werden kann, hat wohl jeder Jude, er mag sonst welcher Parteirichtung immer angehören. Es gab eine Zeit, wo man iim Keren Kajemeth das Organ sah, dem die Hauptaufgabe bei der Lösung dieser Frage obliege, obwohl man niemals auf die Mithilfe aller anderen Kräfte bei dieser schweren Aufgabe verzichtet hat. Im Laufe von dreizehn Jahren, von 1920 bis 1933, brachten die .Juden im ganzen 550.000 Dunam Boden in ihren Besitz womit sie bewiesen haben, daß sie die ungeheure Tragweite dieser Frage im Gegensatz zu den übrigen Zweigen des Aufbaues, in deinen enorme Summen investiert wurden, nicht erfaßt haben. Von diesen 550.000 Dunam aber entfallen auf dea Köißß K.a4emöfch Öl&öQß Dunam, das Ist 58 Prozent, und die übrigen 42 Prozent mit 235.000 Dunam auf die anderen Kräfte des ganzen jüdischen Volkes. Trotzdem konnte während der letzten Jahre die Meinung, daß im jetzigen Stadium des Aufbaues dem Keren Kajemeth die frühere Bedeutung bei der Bodenauslösung nicht mehr zukomme, und daß diese nunmehr der Privatinitiative vollständig überlassen werden könne, eine starke Verbreitung finden. Nun kann wohl die seit bald drei Jahren andauernde Periode des Aufschwunges mit ihrer enormen privatwirtschaftlichen Expansion und Initiative und dem mächtigen Zufluß an Kapital wie keine andere zur Prüfung jener Anschauungen herangezogen werden. Das Ergebnis dieser Prüfung aber ist wert, daß es im jüdischen Volke die weiteste Verbreitung findet, damit es aus ihm noch rechtzeitig die Folgerungen zieht. Eine Zusammenstellung sämtlicher jüdischen Bodenkäufe In den letzten vier Jahren ergibt die Fläche von 245.000 Dunam Boden, aber bei 151.700 Dunam waren auch die Verkäufer Juden. Von den 93.300 Dunam wirklichen Bodenkaufes aus nichtjtidisoher Hand während dieser glänzenden Prosperity ent fallen allein auf den Keren Kajemeth 50.600 Dunam und auf dieprivaten Bodenkäufer 43.700 Dunam (!), das sind 46 Prozent der ganzen' Besitzzunahme. Das in einer Zeit der stärksten Wirtschaft liehen Aktivität, die da® Land bisher ge sehen hat. Die private Initiative hat wohl während dieser Zeit ganze Städte erbaut und viele Millionen in die Industrie, in Pflanzungen, in die Zweige des Vergnügens und die sonstigen Lebenssphären Ln ve,stiert, für die Auslösung des Bodens aber sich so gut wie gar nicht interessiert. Das private Kapital, auf da® jene Kreise, in diesem Punkte von fundamentalster Bedeutung, der je unseren Sinn und unsere Sorge beschäftigen kann, ihre Hoffnungen setzten, verfügt wohl in diesem Augenblick über enorme Depots in den palästinensischen Banke n, die acht oder zehn oder auch mehr Millionen Hartha Hofmann: „T)as blaue Zelt” Gedidite Im Saturn-Verlag erschien kürzlich ein Gedichtband Martha Hofmanns, der bekannten Zionistin, unter dem Titel: „Das blaue Zelt“. In unserer materialistischen, auf nüchterne Sachlichkeit eingestellten Zeit gehört schon ein besonderer Mut dazu, mit Lyrik, noch dazu mit einer Lyrik, die nieder politisch noch ökonomisch irgendwie festgelegt ist, vor die Öffentlichkeit zu treten. Martha Hof mann hat es gewagt und man kann vorweg sagen, daß „Das blaue Zelt“ eine dankenswerte Tat ist. Franz Werfel sagt über dieses Buch, es sei außerordentlich schön im Bildhaften. Man muß hinzufügen, daß Martha Hofmanns Sprache ungekünstelt ist, dabei dichterisch verklärt, fern vom Gestammel der Neutöner und leicht beschwingt. So singt sie in dem Liede „Blaues Gezelt“: O meine Seele, geboren unter blauem, blauem Gezelt — ganz, meine Seele, verloren warst du und irr in der Welt! Heim, meine Seele, zu finden, werde nicht bang und nicht müd! Nimmer entschweben, entschwinden will dir dein Wiegenlied... Das Buch enthält 58 Gedichte in den Abteilungen: Magische Nächte, Liebesgedichte, Buch der Tage, Landschaft und Gefährten und Palästinensische Romanzen. Martha Ilofmanns Buch „Das blaue Zelt“ ist eine Bereicherung der deutschen Lyrik, uns Zionisten durch die Palästinensischen Romanzen besonders wertvoll. Wir hoffen, bei kommenden künstlerischen Veranstaltungen oft Proben daraus zu hören. „Das blaue Zelt“ ist ein großer Erfolg Martha Hofmanns. Intelligenter junger Hann Vorzugsmaturant, Handelsakademiker, arbeitsfreudig, strebsam und pflichttreu, sucht Betätigung oder Stelle im In- und Ausland, bei bescheidensten Ansprüchen und besten Leistungen. Kenntnisse: Kaufmännische Fächer, Maschinschreiben. Stenographie; Anfänger im Tarifrechnen, englische und französische Sprache. Zuschriften unter „F. Sch. 20“ ’an die Administration des Blattes. * > 'i Pfund betragen und nach sicherer Anlage suchen, das enorme Gewinne aus ertragreichen Pflanzungen und aus dem ansohwellendem Handel und Wandel zieht — es denkt, bei alldem an nichts weniger als an die Erfüllung jener Hoffnungen. Es ist wohl anzunehmen uncl zu hoffen, daß das Volk aus diesen Erfahrungen endlich die Lehre ziehen wird, daß es sich in dieser grundlegenden Frage auf die private Initiative nicht verlassen kann. Die Bodenerlösung kann nur durch das Volk selbst, durch weitgehendes Opfern geschehen. Im Lichte dieser Tatsachen ist auch zu erkennen, welches heute unsere Lage wäre, wenn es der Keren Kajemeth im Laufe von wenigen Jabren nicht fertig gebracht 'hätte, die vom Gesichtspunkte unseres nationalen Bestandes im Lande so ungeheuer wichtigen Bodenkomplexe, wie den Emek Jesreel, den Emek Sebulun (Haifa-Akko- Bucht.) und Emek-Chefer (Wadi - Chaveret, neben den anderen Badenstrecken in jüdischen Besitz zu bringen, und wenn er nicht, trotz aller Widerstände, die ihm in der letzten Zeit, neben den verschärften politischen Bedingungen, in unseren eigenen Reihen entstanden sind und die keine geringe Mitschuld tragen an seiner verminderten Aktionskraft während der letzten Jahre, fast allein auf der Wacht des nationalen Interesses stände und zu retten suchte, was in seiner Kraft liegt. Der äußere Angriff und der Innere Widerstand Mit der fortschreitenden Entwicklung unseres Werkes wächst auch das Angriffsfeld gegen uns, wächst auch die Zahl der Feinde. Der gegen uns jetzt geführte Schlag durch die Überschwemmung mit außerpalästinensischen Arabern ist erst durch die erhöhte wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit möglich geworden. Wir beklagen uns gegen’ die Beeinträchtigung der jüdischen Einwanderung; durch jene Maßnahme wird uns jetzt die Rolle zugeschoben, vor der Welt gegen die Zuwanderung armer Araber nach dem prosperierenden Palästina aufzutreten. Kein schlechter politisch-strategischer Zug! Die Engländer sehen, daß die Juden jetzt mit ihrer palästinensischen Konjunktur, an welcher man vor allem der eigenen weisen Verwaltung das Verdienst zumißt, vollauf beschäftigt sind und es erscheint möglich, sie vor der Welt halb und halb als politisch saturiert hinaus teilen. Und das' wird weitgehend für die eigene Araberpolitik aiusgenützt. Wir können die Tragweite der neuen Wendung auch an der Haltung der Araber erkennen. Sie sind mit dem Oberkomm’issär jetzt zufrieden. Sie sehen gegen das Wachsen der Juden die Gegenkraft eingeschaltet. Und doch liegt der kritische Punkt unserer zweifellos sehr schweren Lage nicht draußen, sondern in unserer eigenen Mitte. Es kommt auf den Umfang und die konzentrierte Kraft unserer Positionen und auf die nationale Solidität der — geistigen wie materiellen — Bollwerke an, die wir im eigenen Wirkungsfolde errichten. Wir müssen uns vor der Gefahr hüten, die in der gedankenlosen Übertragung unserer Galuthpraktik auf da® von Grund aus anders geartete Lebensfeid in Palästina gelegen ist, denn hier werden Fehler in Generationen kaum gutzumachen sein. Nur wenn wir dieses starke Verantwortungsbowußtsein im Gewirr des Tages und der Konjunkturen nicht vergossen, werden wir gegen alle Feinde bestehen. WIENER (Photo Keystons) Dü tfcteeiMii MB0 Iftffiftifei oft Om wmÜm Xbou {in eramäischer Sprach«} Tel. II. Jahrgang Nr. 11 Septemberhelt soeben erschienen, 44 Selten, reich Illustriert, S1 —. Bel den Kolporteuren erhältlich oder direkt zu beziehen vom Verlag, Wien, I., Petersplatz Nr. 7 U 21-0-1?

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