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Die Stimme · 1934-09-07 · Heft 385 (7.9.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 385 (7.9.1934)
Date
1934-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit* 4 DIE STIMME Nr. 385 — 7. September 1934 RISSFREIE WÄNDE DURCH JUWAN PrSp. Spezialjutegewebe. Verwendung Als Ersatz für Mörtelverputz, zur Instand Setzung von gerissenen Verputzflächen. Prospekte durch Hanf*, Jute* und Textilit Industrie A. G. Abteilung für Spezialfabrikate, Wien, I., Börsegasse 18 Telephon A 19-5-65 Serie. Köpfen aller Einwanderer geschwungen wird. Unsere Chain zim, die nicht klassenkärapferisch eingestellt sind, dürfen keinem Gewissenszwang ausgesetzt sein. Wir grenzen uns von den Revisionisten ab und wol len die Histadruth nicht „zerbrechen“, wie es Jabotinsky will. Wir wollen sie erhalten. Sie darf aber nicht weiter das machtpolitische Instrument der Arbeiterpartei sejn. Sie muß eine neue, paritätische Leitung erhalten, sie muß entpolitisiert werden und ein Werkzeug der ganzen Arbeiterschaft und der nationalen Interessen sein. Das Hauptproblem des kommenden Kongresses muß neben der Reform der Organisation (Statut. Schekelwahlrecht usw.) die Histadruth Haowdim sein. Wir möchten hoffen und wünschen, daß dieser Kampf friedlich und im Geiste der Versöhnlichkeit vor sich gehen möge. Die Entpolitisierung und Neutralisierung der Histadruth Haowdim wird jene bürgerlichen Elemente zur nationalen Front zurückführen, die heute aus Erbitterung gegen den Druck der Histadrutk arabische Arbeiter b e s c h ä ft i g e n. Diejenigen bürgerlichen Elemente aber, denen die heutigen Verhältnisse nur ein Vorwand für die Beschäftigung billiger arabischer Arbeiter sind, werden d e m a sk i e r t werden, sobald die Neutralisierung der Histadruth durchgeführt sein wird. Sie müssen dann aus der nationalen Gemeinschaft ausgeschlossen wer den. Der Prozeß der hier verlangt wird, kann möglicherweise zu Erschütterungen im Ji schuw führen. Er wird um so eher beendet werden, was Theodor Herzl in den letzten Worten seines „Judenstaates“ sagte: ..Die Welt wird durch unsere Freiheit befreit, durch unseren Reichtum bereichert und vergrößert durch unsere Größe. Und was wir dort nur für unser eigenes Gedeihen versuchen, wirkt, machtvoll und beglückend hinaus zum Wohle aller Menschen.“ Politischer Spaziergang durch ein KKL-Markenalbum Sternsche Schulu. Erziehungsanstalt Schuldirektions Malvine Friedmann Wien, I. Bezirk, Werdertorgaise 12 foule llehkeitßrecht B ’ Haoptsthole mit Franz., Engl., Latein (nach Wahl) forMtongsklaise % di. Mittelschnle Msclie Sprach!» Miimwkurs Allgemeinbildung flrtaDsbililußg: gewerbe Einjähriger flaushalinngskars Tagesheim~ °ä 1".'?”- Internat Prospekte •Telephon Nr. U28-1-97 sein, je Btärker der Weltverband der Allgemeinen Zionisten wird und je eher die Arbeiterschaft begreift, daß unser Weg der richtige ist. Wir Allgemeinen Zionisten haben uns ein weites Ziel gesteckt. Wir wollen, daß der Jischuw fern von jeder Assimilation an die Methoden des Marxismus und des Kapitalismus neue Formen des sozialen Lebens sucht, die gerecht gegenüber Arbeitern und Kapitalisten sind und von beiden gleichmäßige Opfer für den Aufbau Erez Israels verlangen. Wir glauben, daß der Zionismus mehr ist als ein Kolonisations- Unternehmen und daß Palästina mehr sein muß als ein Zufluchtshafen. Wir glauben, daß die hebräische Sprache und das Fluidum des heiligen Bodens allein uns von den Schlacken der Galuth nicht befreien können. Wir wollen aber frei werden und in Erez Israel ein neues Leben führen, das auf der Liebe aller Volksgenossen zueinander und auf der Gerechtigkeit beruht, die das Ideal unserer Propheten war. Wir wollen der Welt ein Beispiel geben. Von Jerusalem soll die Lehre ausgehen. Es soll zur Tat I. Neulich am Schabbat besuchte mich ein Freund. Natürlich sprachen wir vom Zionis mus und was drum und dran hängt. So kam von meinen Schätzen auch die KKL- Markensammlung hervor, welche ich vor Jahren angelegt und seither sorgsam fortgesetzt hatte. Da lachte mein Freund: „Wie kann man nur soviel Mühe an dies Kinder spiel vergeuden, da doch jeder Tag Neues bringt, das uns aufruft, die volle Kraft unserem politischen Ziel zuzuwenden!“ „Gemach“, warf ich ein, „alle Wege führen nach Jerusalem, und der durch diese bunten Bildchen vielleicht nicht zuletzt.“ „Ach, du meinst wegen der Groschen, die das dem KKL einbringt?“ „Nun, es waren schließlich bisher, während 22 Jahren, rund 100.000 Pfund; aber darin erschöpft sich der Wert der KKL-Marke keineswegs. Sie ist Mahner und Werber, ist Künder und Chaluz unserer Sache, kurz, ein Symbol des werdenden Judenstaates.“ „Schon gut“, brummte jener, „so allgemein und ungefähr; jedes hat ja mit jedem irgendwie Zusammenhang.“ .Wir -wollen sehen.“ Unbeirrt schlug ich das Album auf und dozierte: „Gestatte, daß ich chronologisch vorgehe; das ist meist auch die beste Systematik. 1902 gab Kreme n e z k y als Leiter der KKL-Zentrale beim Wiener Zionistischen Aktionskomitee die erste Serie KKL- Marken aus, diese schlichten blauen Vierecke mit dem strahlenden Zionsstern. Der Kongreß hatte alle Zionisten verpflichtet, diese Marke, welche in jedem Land der kleinsten Währungseinheit entspricht und zunächst als Spendenquittung gedacht war, auch bei der Korrespondenz zu benützen. Und damals hielt man bei uns noch strenge Zucht. So konnte ich es wagen, als mir eine Zusehrift Herzls ohne solche Marke zuging, ihm das vorzuwerfen. Man klebte die Marke auf den Brief selbst oder noch lieber demonstrativ aufs Kuvert, am besten neben die staatliche Freimarke, damit der Poststempel beide treffe, als wären sie gleichbedeutsam, gleichberechtigt. In Rußland war mit dem ganzen KKL die KKL -Marke illegal, was unseren wackeren Tschlenow nicht hinderte, sie massenhaft zu verschleißen. Anderwärts, wie in Österreich, verbot die Postverwaltung — wohl mehr aus technischen als aus politischen Gründen — das Bekleben von Briefkuverts imd Postkarten mit der KKL-Marke. Nur eine Ausnahme erlaubte die österreichische Post — in Palästina. Wie das? Noch hielt die Türkei das Heilige Land umkrallt, doch nur mehr matt konnte sie cs gegen die Begehrlichkeit der europäischen Großmächte halten. Die hatten dort als politisches Machtmittel eigene Postämter aufgetan, die eifrig um Klienten warben und um die Juden voran, denn diese waren schon damals im Meer der Analphabeten die regsten Briefschreiber. Da führte die türkische Post in Jerusalem eine Stampiglie ein, welche den Ortsnamen auch her ä i s c h wiedergab. Und das Zarenreich, das daheim Pogrome arrangierte, hielt sich hier einen jüdischen Postm e i s t e r. Den Vogel aber schossen die Österreicher ab; ihre Postverwaltung, die schon bisher hebräische Drucksachen auflegte, schloß mit den jüdischen Kolonien einen Pakt, wonach sie für die Korrespondenz ins Ausland nur österrei c bische Lev ante marken verwenden sollten, während die Inlandkorrespondenz gratis befördert wurde, vorausgesetzt, daß sie ordnungsgemäß mit einer KKL-Marke beklebt war. Diese galt daher hier als vollwertiges österreichisches Postwertzeichen. So geschehen anno 1904.“ Von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem „Wirklich merkwürdig!“ gestand mein Freund. „Palästinas Beispiel wirkte auf mich, damals Leiter der KKL-Landesstelle Österreich, stark anregend. Angesichts des Problems, daß die Landesstelle in Verwendung der KKL-Marke vorangehen sollte während diese ja ein streng verrechenbarer Verschleißartikel war, setzte ich beim KKL Hauptbüro, das inzwischen nach Köln übersiedelt war, durch, daß cs eine Anzahl Markenbogen durch den Aufdruck „Dienstsache“ entwerten ließ und den KKL-Landesstellen so gratis zum Amtsgebrauch beistellte. Die folgenden Ausgaben tragen den Aufdruck „Dienstmarke“ und ab 1914 das hebräische Synonym „Taw 0 j M i s r a d“, bis das alles später wieder in Abusus kam.“ „Jedenfalls ein Analogon zu den Dienstmarken so vieler, fast hätte ich gesagt, anderer Staaten!“ konkludierte der Freund. „Unsere Brüder in Erez übertrumpften uns Galuthjuden aber wieder. Wahrscheinlich trug dazu der politische Instinkt bei, den die C h 0 w e w e Zion ins Land gebracht. Schau nur!“ Hier tippte ich auf eine stolze Marke, welche unter fruchtchwerem Orangenbaum den Pflug und darüber die hebräische Inschrift Petach Tikwali zeigte sowie als Wert die Ziffer 14 (Para). „Hiemit hat die österreichische Post um 1909 den Briefverkehr zwischen unseren Kolonien besorgt. Wie, unmöglich? Bitte, rings um die jüdische Marke eine Umrahmung in S c h w a r z g e 1 b, den kaiserlich österreichischen Farben. Und Dr. S c h a c h t e I in Haifa, der Stetsgetreue, hütet das Gegenstück, die Rischon-le- Zion -Marke, glaublich aus dem Jahre 1905, die ausdrücklich mit der Firma KKL beschriftet ist, der von den 10 Prutoth Verschleißpreis „C h e z i hahachnassa“ — die Hälfte — abzuführen sei.“ „Interessant“, rief nun mein Besuch, „daß sich der Jischuw schon damals als Keim politischer Macht bewährte! Je nun, es waren idyllische Zeiten.“ „Du hast recht“, nahm ich den Faden wieder auf! „denn nun brach 1914 der Weltkrieg aus. Überall und schon gar bei uns Juden wurdo vom Staatspatriotismus jedes Sonderstreben überschwemmt und von der Regierung überdies verpönt. Die KKL- Landesstclle Österreich mußte fürchten, daß man ihr das Weitersammeln verbiete. Da ließ ich über Nacht eine „H i 1 f s m a r k e“ drucken, die zwar den und Juden gleich scharf und war für rasches Henken. Wieder und wieder ließ Djemal Ruppins Haus durchsuchen, und als man bei ihm ein paar Bogen KKL-Marken fand —■ war es die Herzl- oder Landschaftsserie? —• schien sein „Hochverrat“ erhärtet. Nur. grriirmrrrrriirrrrrrrrrminmiiiiiimirrmtimmmmimrrHrimmmniiimnrirrrimiimTrtmiimmirmii^! U N A h » I S T whITE 3 nach Amerika und Caoada. 1 zwar Namen des KKL und einen großen David- Schild trug, aber den Erlös ausdrücklich dem Roten Kreuz der Armee weihte. Da so unsere Loyalität erwiesen war, konnten wir für unseren Bodenfonds — mit der „K r i e g s 1 a n d s p e n d e“, später dem „F r i e d e n s s c h e c k“ usf. — ruhig Weiterarbeiten und nicht nur in Österreich selbst, sondern bald auch im besetzten Teil Polens, bis in die vordersten Schützengräben hinein. Die Berliner Landesstelle folgte unserem Beispiel mit eigener Hilfsmarke, doch gleichora Erfolg.“ „Und was ging in Palästina vor?“ „Schade, daß die Kunde von unserem Mimikry nicht bis dorthin drang; sonst hätten sie mit der ICKL-Marke für den Roten Halbmond gesammelt. Dr. Artur R u p p i n, seit sechs Jahren Leiter des Zionistischen Palätina-Amtes in Jaffa, machte die ganze Kolonisation und hatte nebstbei die allgemeine Organisation und Propaganda auf sich, mitsamt dem Vertrieb der KKL-Marken. Das sollte ihm zum Verhängnis werden. Denn mit der türkischen Gemütlichkeit war cs nun aus, seit der Gewaltmensch Djemal asclia in Syrien und Palästina gebot und seine Arrnoo gegen die vom Suczkanal drohenden Briten einsetzte. Er hatte es auf KOSCHERE KÖCHE 1 i unter Aufsicht cles Beth Din (London) i REPRÄSENTANZ: 1 VKÄHNTNEKKING4 § der deutschen Staatsbürgerschaft — so kraus sind die Pfade der Geschichte — hatte er seine Rettung zu danken. Im Dezember .1917 folgte der Balfour-Deklaration alsbald der Einmarsch AL lenbys mit seiner Egyptiani Expedition Force in Palästina. Da picken die vom Militärregime ausgegebenen Postwertzeichen. Du hast doch schon erkannt, lieber Freund, daß die Grenzen zwischen den staatlichen und den privaten Marken oft nur schwimmende sind.“ „Hier leider nicht, denn diö Initialen E. E. F. sowie die bloß englische» und arabische Inschrift darauf läßt nicht erkennen, daß drei jüdische Batailone um die Befreiung des Landes mitgekämpft .. II. „Kommt Zeit, kommt Rat!“ tröstete ich. „Der Weltkrieg war zu Ende, und gestützt auf die Verheißungen der Mächte, reckte sich der Zionismus wieder auf. In Wien entstand noch 1918 das erste Palästina-Amt in Europa, um den Weg nach Erez freizulegen. Dieses Amt, dem ich als Sekretär diente, verstand es, inmitten Frauen- und KinderärzUn Dr. CSara Kohn ist von ihrem Urlaub zurückgekehrt und ordiniert Marlahllferstraße 154 von %5—6 Uhr. des Chaos, da noch niemand wußte, wie der; Judenstaat aussehen werde, sich allmählich konsulare Rechte beizulegcn und sie bei den Behörden der betreffenden Staaten, einschließlich der englischen Botschaft, vielfach durchzusetzen. So ließ die Wiener Tt eg i e r u n g keinen „Palästina-Fahrer“ in ihr, Land, der nicht unsere B e g 1 a u b ig u n g hatte, und auch die Italiener öffneten ihre Grenze einem Juden nur dann, wenn er den von unserem Amt gestempelten Paß vorlegte. Damals griff ich den Rat Willy G o 1 d s c h m i e d s, jetzt in Haifa, anif und ließ jedem Paß, der uns unterkam, eine blaue H e r z l - M a r k e beildeben und sie mit der deutsch-hebräischen Stampiglie des Palästina-Amtes vorsehen. Die österreichischen und italienischen Behörden schluckten das nicht nur glatt, sondern gewöhnten sich so daran, daß sie anders adjustierte Pässe als verdächtig zurückwiesen. Gewiß hielt man Horzl für clon König des mystischen Judenstaatos oder doch für einen Washington und Bolivar. Es brauchte ein volles Jahr, bis dio Wiener Polizoi- 'lif »Sclhständigkcilstendcnzen von Arabern d i r e k ti o n sich ermannte, jene quasi Juden! Die Judenheit schreit nach Boden in Erez Israel. Gedenket daher des Keren Kajemeth beim Thoraaufruf am Rosdt Hasdianah!

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