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Die Stimme · 1934-09-04 · Heft 384 (4.9.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 384 (4.9.1934)
Date
1934-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. m —?. Sepfomlärr im He!f« 3 gesellscbaften (besonders solchen, die ans dem Palästina-Reiseverkehr jährlich Milliojjensummen ziehen) wohl dazu führen würden, je einigen Jungen die Ausbildung als Matrosen zu ermöglichen. Für den Anfang Würde es zweifellos genügen, wenn es etwa zehn junge Leute wären; nach einigen Jahren könnte man schon über einen Stamm .von jüdischen Seeleuten verfügen. Ähnlich verhält es sich mit der Fischerei. Auch hier müßten Verhandlungen mit Fischfanggosellschäften eino gute Ausbildung ermöglichen. Man könnte aber auch einige junge Leute privat bei Fischern in Italien, Jugoslawien, Frankreich, Spanien oder anderswo unterbringen, vorausgesetzt, daß man sich bereit erklärt, ein bestimmtes, sicher nicht allzu großes Lehrgeld zu bezahlen. Die dazu notwendigen Geldmittel müßten wenigstens zum Teil von der Organisation aufgebracht werden. 5. Ankauf und Betrieb eine Schulschiffes. Diese Aufgabe soll erst nach Ablauf einiger Jahre durchgeführt werden. Es müßte natürlich zuerst abgewartet werden, bis wir über die geeigneten Offiziere und Matrosen zur Bemannung dieses Schiffes verfügen (denn nur dann könnte es seine Rolle als Schulschiff erfüllen), außerdem gehören zum Ankauf und Betrieb eines Schiffes größere Geldmittel, die erst im Laufe der Zeit aufgebracht werden könnten. Der Rückgang der Welttonnage und die Stillegung zahlreicher Schiffe dürfte es möglich machen, schon für relativ geringe Summen ein für Schulzwecke geeignetes Segelschiff mit Hilfsmotor zu erwerben. Das Schiff hätte übrigens nicht nur die Ausbildung von Schiffsjungen zu übernehmen, sondern könnte auch sportlichen und wissenschaftlichen sowie propagandistischen Zwecken nutzbar gemacht werden. 6. Gründung eines See-Erholungsheimes für die jüdische Jugend. Dieses Heim-soll der Jugend der Binnenstädte und -dörfer, vielleicht auch der Jugend aus der Galuth Gelegenheit geben, die Ferien an der See zu verbringen und auf diese Weise helfen, Beziehungen zur See zu schaffen. ( 7. Forderung sämtlicher sportlicher Bestrebungen, die mit der See in Verbindung stehen. In diese Rubrik gehört die Propaganda für -den obligatorischen Schwimmunterricht an den Schulen, Gründung und Unterstützung von See-Pfadfinderabteilungen, Förderung von Segel- und Ruderklubs usw. 9. Propaganda für Seetouristik in Palästina und für Palästina-Touristik der Jugend in allen Ländern. Dazu gehört Organisierung v°u Seefahrten für Schulen und Jugendgruppen in Palästina sowie von besonderen Fahrten aus den Galuthländern, eventuell mit Hilfe bosonderer Unterstützungen, Prämien in Wettbewerben und ähnliches. Die Durchführung Mach einer kurzen Skizzieruug der Aufgaben, fühlt sich der Verfasser verpflichtet, auch einige Gedanken zur Durchführung des ganzen Planes anzudeuten. Es ist klar, daß die Durchführung der vorgeschlagenen Arbeiten an die Beschaffung ziemlich großer Geldmittel gebunden ist. Die benötigten Summen sind natürlich zunächst noch nicht exakt zu bestimmen; sie werden sich nach dem Umfang dor geplanten Gründungen richten müssen. Man kann sowohl ganz bescheiden anfangeu und den weiteren Ausbau der Institutionen der Entwicklung überlassen, wie auch von vornherein auf breitester Grundlage bauen. Beide Anschauungen haben ihr Für und Wider. Da jedoch die Aufgaben der geplanten Organisation in der Hauptsache in Anregung und Pioniertätigkeit bestehen sollen, dürfte sich der erste Weg empfohlen. Arbeiten in größerem Maßstabe werden vorbereitende Maßnahmen häufig sehr lange hinausgezögert, sie müssen auch nicht allzu selten im Laufe der Vorbereitungen wieder auf gegeben werden. Eine kleine Anlage kann fast immer weiter ausgebaut werden; Fohlgründungen sind außerdem nicht yon so schwerwiegender Matur. Doch dies ist natürlich im Augenblick eine sekundäre Frage, Zwischen den Anlagekosten und den Brtriebskegien, ständigen Ausgaben muß ein Trennungsstrich gezogen werden. Während die ersteren in Tausenden von Pfund kalkuliert werden müssen, verlangen die anderen nur Hunderte. So sind für Propagandazwecke, Unterstützung von Sportvereinen, Beihilfe zur Ausbildung als Fischer usw. nur relativ geringe jährliche Summen notwendig. Höchstwahrscheinlich werden doch einige Tausend Pfund jährlich aufgebracht werden müssen, die in den ersten Jahren in die Gründungen investiert, in den folgenden für den Betrieb zu verwenden wären. Diese Summen, mögen sie 3000 oder 5000 Pfund jährlich ausmachen, hätte die zu gründende Organisation — wir wollen sie „Jüdische Seeliga“ nennen — zu beschaffen. Wir wissen, mit welchen Schwierigkeiten die Geldaufbringung in Zeiten wirtschaftlicher Not verbunden ist. Insbesondere wird man den Jugendlichen nur eine sehr geringe materielle Belastung zumuten dürfen, zumal die hündische oder anders organisierte Jugend ohnehin recht erhebliche Beiträge zu zahlen hat. Die Schlußfolgerung aus diesen Tatsachen ist einfach: die. Aufbringung größerer Summen bei geringen Einzelleitungen ist nur dann möglich, wenn es gelingt, eine sehr große Zahl von Menschen zu erfassen. Das letztere ist erreichbar, wenn die geplante Seeliga als Dachverband ins Leben gerufen wird, dem die zionistischen Jugendbünde, Sportvereine, Schulen usw; geschlossen beitreten. Gelingt es, einen solchen Verband zu schaffen, so iet die Zahl von 100.000 Mitgliedern keine Utopie; die Zahl der organisierten jüdischen Jugend in der Welt dürfte ein Mehrfaches davon betragen. Bei 100.000 Mitgliedern, von denen jedes einen Jahresbeitrag von höchstens einem englischen Schilling (oder beispielsweise 50 Pfennig in Deutschland, 1 Schilling in Österreich, 1 Zloty in Polen usw.) leistet, lassen sich in einigen Jahren recht erhebliche Summen aufbringen, mit deren Hilfe auch ein relativ großes Programm durchgeführt werden kann. Selbstverständlich kann die Höhe des Beitrages nur nach Kenntnis der wirtschaftlichen Lage der einzelnen Länder und nach vorheriger Besprechung mit den beteiligten Bünden festgesetzt werden. In manchen Ländern ließen sieh unter Umständen höhere Beiträge erzielen, in anderen müßte der Jahresbeitrag vielleicht noch niedriger sein. Die Ausarbeitung der organisatorischen Formen wie allen sonstigen organisatorischen Arbeiten müßten einem vorbereitenden oder Gründungskomitee überlassen werden, das die entsprechenden Vorschläge den einzuladenden Organisationen vorzulegen hätte. Wie die Gründung der „Seeliga“ in dept einzelnen Ländern sowie ihr späterer Zusammenschluß vor sich gehen soll, muß natürlich der Zukunft vorbehalton bleiben. Als nächster Vorschlag wäre die Gründung vorbereitender Organisationskomitees in Palästina und in den Galuthländern zu erwägen. Diese hätten die Aufgabe, den Zusammenschluß zu Landesorganisationen durchzuführen, Statuten auszuarbeiten und Verwaltung’skörper zu wählen. Als Prinzip müßte gelten, daß die Arbeiten der Liga keinerlei parteipolitische Tendenz zeigen dürften lind daß der Zugang zu ihr sämtlichen Vereinigungen und Einzelpersonen, die auf dem Boden des Basler Programms stehen, offenbleiben würde. Auf diese Weise könnte sich die „Jtidisehe Seeliga“ vielleicht zu einem bedeutsame» Instrument gemeinsamer zionistischer Arbeit entwickeln und die auseinander strebenden Energien der jüdischen Jugend zur Schaffung eines wichtigen nationalen Werkes sammeln. Minjan der hebräischen Schule Praters trafle Nr. 13- Wie alljährlich, veranstaltet die hebräische Schule in ihre» Räumen, n., Praterstraße 13, Tür 2, zu den hohen Feiertagen einen feierlichen Gottesdienst. Das Bethans, Obere Landstraße, HI., Steingasse 18, wurde aufs prächtigste renoviert und erweitert. Der Kartenverkauf für die hohen Feiertage findot täglich von 7 bis 9 Uhr abends statt. Minian der Zionistischen Bezlrksiektion Leopoldstadt Wl« alljährlich veranstaltet die Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt in den Räumen des Zentrallokals zu den hohsn Feiertsüen einen feierlichen Gottesdienst. Sitjgyormerkungen werden täglich ab 11 Uhr vormittags im be- L saatsn Lokal entgejengenrn-.-run. Wie es zu den Exzessen in Constantine kam Paris, 30. August. (2. T. A.) j Die Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung in Constantine werden in einem MemorandumdesVor sitze nclen des jüdischen Konsistoriums von Constantine und Mitglieds des dortigen Stadtrat« Henri Lellon.che eingehend geschildert. Aus dem . Bericht geht hervor, daß die offizielle.Meldung von einer Profanierung der. Constantiner Moschee durch einen jüdischen Soldaten falsch war. Am Freitag, den 3. August, 8 Uhr 30 abends, so wird in dem Memorandum ausgeführt, kam der jüdische Soldat und Inhaber der Militärmedaille Elijahu Kali f a, Vater von fünf Kindern, in seine in der Rue Combes gelegene Wohnung. Um in diese zu gelangen, muß er einen Korridor passieren, der zwei Fenster gegen die für die Vornahme der religiösen Waschungen bestimmte Halle der Sidi-Lakhdar-Moschee besitzt. Kalifa verlangte, daß die offenstehenden Fenster geschlossen werden, damit er die Waschungen nicht mit ansehen müsse.. Als die Mohammedaner dies ablehnten, soll Kalifa beleidigende Äußerungen gegen die mohammedanische Religion getan haben. So wird die Sache von dem Muezzin dargestellt, der noch in derselben Nacht von den Behörden vernommen wurde. Inzwischen wurde das Gerücht ausgesprengt, ein betrunkener Jude sei in die Moschee eingedrungen und habe die Beter beschimpft. Diese Version gelangte auch in den offiziellen Bericht. Aber nicht einmal die wesentlich andere Darstellung des Muezzins ist auf ihre Richtigkeit geprüft worden und der Jude Kalifa wurde nicht vorgeladen und befragt. An der Grenze des jüdischen und des mohammedanischen Viertels, wo sich das Polizeikommissariat des 2. Bezirkes befindet, sammelten sich Hunderte von Mohammedanern an. Der Mob versuchte, in die jüdischen Häuser einzudringen. Die Juden verbarrikadierten sich und versuchten, die Angreifer abzuwehren, indem sie aus den .Fenstern Gegenstände auf sie herabwarfen. Herr Lellouche kam zum Poldzeikonimissariat, wo sich inzwischen etwa 2000 Mohammedaner angesammelt hatte». Zwei Polizisten waren bereits verwundet. Dann kamen auch der Mufti, der Generalsekretär der Präfektur, der Staatsanwalt, der Untersuchungsrichter, der Befehlshaber der Gar* nison und mehrere andere Beamte. Def Mufti und Herr Lellouche versuchten, dfe Menge durch Ansprachen zu beruhigen* Einige Hetzredner aber fanatisierten die Menge, indem sie sie aufforderten, i h r B1 tt t für ihren Glauben zu opfern. In diesem Augenblick traf die Meldung ein, daß ein Jude, namens Leonce Bensimon, in der Nähe des Polizeikommissariats des 1. Bezirkes mit einem Rasiermesser schwer verwundet worden war. Der Attentäter war verhaftet worden, doch hatte derarabische S.tadtrafc des Bezirkes seine Freilassung verlangt. So-* fort nach diesem Vorfall wurden die Läden von sechs jüdischen Juwelieren in der Rue; Combes gestürmt. Es wird berichtet, daß diese Geschäfte schon früher durch Zeichen kenntlich gemacht worden waren. Daß es sich um einen vorbereiteten Angriff gehandelt hat, sei daraus zu ersehen, daß die in dem jüdischen Viertel gelegenen Geschäfte von Mohammedanern einen Tag vorher geräumt worden waren. Zum Schluß erklärt Herr Lellouche, zwL sehen Juden und Mohammedanern in Com*, stantine hätten im allgemeinen herzliche Beziehungen geherrscht; er glaube, daß es sich bei den jüngsten Ereignissen nur um eine vorübergehende, bedauerliche Störung dieser sonst guten Beziehungen gehandelt hat. Die tage in Constantine Paris, 2, September (Z. T. A.), Der Stad trat von L a M a r s a in Tunesien hat auf Vorschlag des Moslem« S aou* c h e 500 Francs für Hilfe an die Opfer der antijüdiechen Unruhen in Constantine bewilligt. Der Präfekt von C ons tantine erklärt in einem Schreiben an die jüdischen Zeitungen Algeriens, er habe zur Zeit des Ausbruches des Pogroms auf Urlaub in Frankreich geweilt und sei, als er vom Ausbrach erfuhr, sofort mit Aeroplan mach Algerien zurlicikgeeilt. Zwei A r a b e r in Constantine haben gestanden, die jüdische Familie Hali mi umgebracht zu haben. Der eine, hatte Frau Halimi und ihren Sohn erstochen, der andere die übrigen Familienmitglieder erschossen. Die Mbrder sehen ihrer Aburteilung entgegen.!E^.2s2S£JSL£l&!SS London, 29. August. (2. T. A.) Wie ans Cypern mitgeteilt wird, haben die dortigen englischen Verwaltungsbehörden sehr günstige Bedingungen für eine jüdische Einwanderung festgesetzt, Von jeder Einwandererfamilie wird ein Vorzeigegeld vo» nur 50 Pfund verlangt. An Stelle dieses Vprzeigegeldes wird aber auch eine Garantie dieses Betrages seitens einer in Cypern ansässigen Person als ausreichend anerkannt. Mach zweijährigem Aufenthalt im Lande können die Einwanderer die britische Staatsangehörigkeit erwerben. Die Ansiedlung von Juden in Cypern, darunter auch aus Deutschland geflüchteter Juden, geht bereits seit einiger Zeit vor sich. Es wurden hierzu zwei Kolonisation«- und Pflanzungsgesellschaften, die „Cypm-Palestine Plantation Company Ltd.“ und die „Cyprus Farming Company“ gebildet, die 70,000 Dunaon Land zur Anlage von Pflanzungen, hauptsächlich von OrangeupÜamziiügen, erworben haben. Zwei Siedlungen deutscher Juden wurden geschaffen. Die eine Kolonie, die bei Daana-Augusta gelegen ist, zählt 200 Einwohner;1 die andere, kleinere, liegt bei Larnaca und zählt 50 Siedler, Eine Anzahl weiterer jüdischer Familien hat sich in verschiedenen Dörfern und Städten der Insel verstreut niedergelassen. Die griechischen und türkischen Einwohner begegnen den neuen Ansiedlern mit Freundlichkeit und Wohlwollen. Die Juden in Charbin Dem Generalsekretär der Wiener israelitische» Allianz, Rabbiner Dr. A, K a m i» k a, sind über die gegenwärtige Lage der jüdischen Gemeinde in C h a r b i n folgende Informationen zugegangen: Die Gemeinde zählt jetzt zirka 10,000, hauptsächlich ans Rußland stammende Juden (es waren früher 13,000, es sind jedoch 1932 infolge einer großen Überschwemmung viele verarmte Juden weggezogen), Viele von ihnen sind Hausbesitzer und nehmen in Handel und Industrie eine hervorragende Stellung ein, viele sind in freien Berufen tätig. Unter den russischen Beamten der ostphiuesischen Eisenbahn, ddo jetzt Gegenstand eines Konflikts mit Japan geworden ist, befinden sich auch Juden auf bedeutenden Posten, ebenso in Spitälern und Schulen, die mit der über äW Kilometer sich .erstreckenden Bubi’ verbunden sind. Charbiner Juden haben in den letzten Jahren sich auch in S c li a n gh a i, in Tientsin, in M u k d e n »u«d in der Hafenstadt D a i r e n niedergelassen. Charbin hat zwei große Synagogen und einige kleine Bethäuser, eine jüdische Volksküche, ein Altenheim, ein Spital, eine jüdische Volksbank, eine Talmud Thora, einen jüdischen Frauenverein, eine Vertretung des Emigrantenbüros „Hicem“ und zwei russisch-jüdische Wochenschriften, vondenen eine allgemein zionistisch und die andere revisionistisch ist. Einer von drei europäischen Sfcadtr.äten ist ein Jude, ebenso ein Vizepräsident der Charbiner Handel.slcajn-. rner und ein Vorsitzender des HandelskJubs. In der letzten £eit hat die ökonomische Lago der Juden sich verschlechtert, was aber nichts mit Antisemitismus zu tun hat. sondern'eine Folge der Zurltekdrättgung des

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