Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 384 (4.9.1934)
- Date
- 1934-09-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMM! Nr. 884 — 4. September 1034 Das Organ der Ranziger Regierung Der „Danziger V o r p o s t e n“, daß Organ der Danziger Regierung, tiir dessen Haltung der Senat die Verantwortung trägt, hat sich einen geradezu unglaublichen Angriff geleistet, wie er nur noch mit den Ausführungen der Ritualmordnummer deß Stürmer" verglichen werden kann. In diesem Blatt wird zunächst an ein Schreiben erinnert, das der „Fürst der Juden von Konst-antinopel“ im Jahre 1-189 an die Juden in Frankreich gerichtet hat und in dem es heißen soll: „Macht eure Kinder zu Ärzten und Apothekern. damit 6 i e den Christen das Leben nehme n.“ In diesem Sinne sind dann auch die Ausführungen des Blattes, das gegen die prominentesten Persönlichkeiten der Medizin, gegen die „Juden Ehrlich. Behring, C a 1 m e 11 e, N e i ß s e r, Wassermann und wie sie alle heißen gerichtet ist. Es sei — so wird weiter ausg^führt — erbärmlich, daß auch heute im ■Dritten, judenfeindlichen Reich Adolf Hitlers die deutsche medizinische Wissenschaft noch keinen Abstand finden konnte von ihren jüdischen Lehrmeistern und Verführern. Die genannten Großen der Medizin hätten getreu nach dem Talmud gehandelt, der lehrt: „Dem Juden, welcher einen. Christen tötet, ist der höchste Sitz im Paradies auf bewahr t.“ Das Blatt verbindet seine Ausführungen mit den Angriffen gegen die Serumtherapie und das Salvarsan und stellt fest, daß die von der angeblichen Wissenschaft der Juden gebannten „Gojim“ heute noch die schlau zußammengebraute Wissenschaft des Impfe ns und Spritzern? in die Tat Vorbemerkungen Die geographische Eigenart Palästinas — eines kleinen Landes, das eigentlich nur einen langausgezogenen Küstenstrich darstellt — macht es erforderlich, daß das jüdische Volk in erhöhtem Maße dem Meer seine Aufmerksamkeit zuwendet. Wirtschaftliche, politische und kulturelle Gründe lassen sich für die Inangriffnahme der wichtigen Aufgabe anführen, von der hier die Rede sein soll. Wir wollen sie schlagwortraäßig Eroberung des Meeres (Kibbusch hajam) nennen. Kein Volk, das an der Küste eines Meeres seinen Wohnsitz hat, kann sich dieser Aufgabe entziehen, wenn es nicht außerordentlich wichtige Position' aufgeben oder vernachlässigen will. Fiim Ausfüllung des uns zugewiesenen Lebensisumes ist nur dann erst vollkommen möglich, wenn das Meer, die Seen und die Flüsse Palästinas in den Kreis unserer Aufbauarbeit einbezogen werden. Ansätze und schüchterne Versuche in dieser Richtung sind wohl in der letzten Zeit zu verzeichnen -gewesen, auch sind gelegentlich Hinweise in zionistischen Zeitschriften aufgetaucht. Im Hinblick auf die Größe der Aufgabe sind die bisherigen Versuche naturgemäß nur sehr unzureichend. Die Gründe biefür sind komplexer Natur: sie liegen einesteils in der mangelnden Erkenntnis der Wichtigkeit maritimer Aufumsetzen. „Es war kein glücklicher Stern, der mit Behring über Deutschland aufging, der fünfeckige Stern jüdischer Medizindiktatur mit ihren Höhepunkten im Impf- und Geschlechtskrankengesetz.“ Der „Vorposten“ schließt den Aufruf: „Deutscher Arzt, e r w ach e!“ Eß scheint, daß diese Ausführungen selbst den nationalsozialistischen Ärzten in Danzig über die Hutschnur ging, denn der „Vorposten“ hat einen Rückzug angetreten, der aber nur um so schärfer den moralischen Tiefstand des (Organs der Danziger Regierung kennzeichnet. Das Blatt erklärt nämlioh, daß Behring kein Jude gewesen ß e i, vielmehr stamme er a.ius einer rein arischen Lehrerfamilie, deren Glieder noch heute in Westpreußen und Danzig ansässig seien. Diese Verwandten Behrings haben es offenbar mit ihrer Würde vereinbaren können, dem „Danziger Vorposten“ Unterlagen dafür m geben, die, wie das Blatt selbst erklärt, einwandfrei erweisen, daß an der rein arischen Abstammung Behrings kein Zweifel. I gaben, andernteils in der Unzulänglichkeit der materiellen Mittel. Das jüdische Volk bat keine traditionelle Beziehung zur See wie andere küstenbewohnende Völker und daraus folgend auch keinerlei' Erfahrung in seemännischen Dingen. Unsere nationalen Instanzen haben sich in Anbetracht der weit dringenderen Probleme des Aufbaues mit der von uns behandelten Frage nicht befassen können, unsere großen Fonds besaßen dafür keine Mittel. Die Privatinitiative schließlich hat wohl wenig Spielraum in einem Arbeitsgebiet, welches zuächsfc nur auf Versuchen und Studien basiert und in welchem investiertes Kapital weder jetzt noch in der nächsten Zukunft Rentabilität verspricht. Es gibt aber dennoch Möglichkeiten, um auch diesen Teil des Aufbauprogramms durchzuführen; von diesen Möglichkeiten soll hier gesprochen werden. Die „Eroberung des Meeres“ kann nur von einer großen und sehr tatkräftigen Organisation vorbereitet werden, die nicht nur Palästina, sondern auch alle Länder Galuth Aufs Meer! Von Dr. phll. et med. Jakob Seide (Haifa). umfaßt. Diese Organisation muß geschaffen werden. Die Aufgaben (In der nachfolgenden Aufzählung mag manchem einiges unvollständig, einiges überflüssig erscheinen; da die vorliegenden Zeilen nur eine Anregung und Diskussionsgrundlage darstellen sollen, eo kann der Verfasser es wagen, auch Unvollständiges und Strittiges zur Diskussion zu bringen.) Die Aufgaben ergeben eine Vielfalt, die den Kreis der A: beiten der zu schaffenden Organisation sehr weit erscheinen läßt. Darin liegt ein Vorteil und eine Gefahr zugleich: durch die Mannigfaltigkeit der zu bewältigenden Arbeiten lassen sich Menschen mit verschiedenen Interessengebieten für die Ziele der Organisation gewinnen und entsprechende Energiemengen a.uslösen, es kann aber auch Überdehnung und damit Schwächung oder gar Zersplitterung der Kräfte erfolgen. Da sich dieses Projekt in erster Linie an die Jugend wendet, so darf man das erwähnte Gefahrenmoment außer acht lassen. Denn wo wäre eine Jugend, der nicht größere und weiter ausgreifende Ziele mehr Verlockung wären als engere und vorsichtigere? Die einzelnen Punkte dem Arbeitsprogramms sollen nun einzeln aufgezählt und kurz erörtert werden. Als erste Aufgabe muß die Vermittlung der Kenntnis der See angesehen werden; dies soll in der Forschung seinen vornehmsten Ausdruck finden. Daher steht am Anfang des Programms: 1. Förderung, beziehungsweise Gründung eines Forschungsinstituts für Meereskunde mit marinem Museum und Schauaquarium. Die Idee der Gründung eines Meeresforschungsinstitutes, wenn auch in engerem Rahmen (zoologische Meeresstation), ist nicht neu. Vor einer Reihe von Jahren hat Dr. Walter Steinitz diese Idee zu popularisieren versucht. An der Ungunst der Verhältnisse ißt die Gründung bis jetzt gescheitert. Gewissen Nachrichten zufolge soll jedoch ein Institut dieser Art in Palästina nunmehr vor der Gründung stehen. In diesem Falle würde die Unterstützung dieses Instituts in den Rahmen der Organisation fallen. Sollte die Gründung eines Instituts für Meereskunde die Aufgabe der Organisation werden, so wäre natürlich an eine spätere Übergabe an die Hebräische Universität zu denken. Es hätte sich nach Maßgabe seiner Kräfte der Erforschung der physikalischen, chemischen, meteorologischen und biologischen Faktoren des östlichen Mittelmeeres zu widmen, jüdischen und fremden Forschern Arbeitsgelegenheiten zu geben, Studenten ale Unterrichtsstätte zu dienen. Durch Museum, Schauaquarium, Führungen und Vorträge soll aber auch den breitesten Volksschichten eine Kenntnis des Meeres vermittelt werden. 2. Förderung, beziehungsweise Gründung einer Versuchsanstalt für Hochsee- und Küstenfischerei. Die Fischerei in Palästina steckt in den ersten Anfängen. Der Fischreiehtum des östlichen Mittelmeeres steht noch nicht fest. Art und Menge der in ihm vorkommenden Fische, Laichplätze, Fang- und Konservierungsmethoden bedürfen einer langjährigen Untersuchung. Ein, wenn auch mit bescheidenen Mitteln gegründetes Versuchs- und Forschungsinstitut, vielleicht mit Lehrkursen verbunden, dürfte von größter Bedeutung sein. 3. Förderung, beziehungsweise Gründung einer Versuchsanstalt für Hydrobiologie und Fischerei am Kinereth-See. Diese Anstalt, die auch zunächst in bescheidensten Maßen angelegt werden kann, soll sowohl wissenschaftlichen wie praktischen Zwecken dienen. Die Erforschung der Kleinfauna des Kinereth-Sees hat nicht nur rein wissenschaftliches Interesße; sie ist auch die notwendige Grundlage für plans mäßigen Fischfang mit rationellen Fang-1 methoden. 4. Förderung der Ausbildung junger Juden zu Seeleuten und Fischern. Dies ist für den Augenblick eine der wichtigsten praktischen Aufgaben. Es dürften in den beiden Berufen zur Zeit nur sehr wenige Juden tätig sein. Wohl gibt es in einigen Ländern jüdische Offiziere der Kriegs- und Handelsmarine, aber diese sind viel weniger wichtig als praktisch ausge-: bildete Seeleute, die auf Fracht,- und Fischdampfern oder Segelschiffen fahren können, Es befinden sich nach zuverlässigen Infor-i mationen einige junge Leute bei einer clcufc-» sehen Reederei in Ausbildung, doch dürfte ihre Zahl nur klein sein. Es ist kaum zweifelhaft, daß Verhandlungen mit einigen Schiffs- Jüdisch-ehristlich-brasilianische Grotesken Von Siegfried Weber (Sao Paulo). Mögen David und Hakenkreuz Wer nach Sao Paulo kommt, wird entzückt sein. Jude und Christ gleichermaßen. Der nationale Jude und auch der Anhänger des „Dritten Reiches“. Wohin das Auge blickt, stößt es auf Magen David oder auf das Hakenkreuz. Die zwei entgegengesetzten Symbole semitischer und antisemitischer Tendenz. Aber man wird gewaltig enttäuscht. Nur zu bald bemerkt man, daß es zwei falsche Symbole sind. Der Magen David ist kein richtiger Davids-Stern und die Swastika auch kein richtiges Hakenkreuz. Der (zwar blauweiße) „Magen-David“ ist das Fabrikszeiohen der Antarctia-Brauerei und das Hakenkreuz ist verkehrt und das Fabrikszeiehen einer amerikanischen Gasolinfirma. Nordaii als Vorname In unserem Lande kann man die groteskeren Vornamen antreffen. Oft werden neben den biblischen Namen, die bekanntlich in ganz Amerika sehr gebräuchlich sind, auch die Zunamen berühmter Männer der Vergangenheit, oder populäre der Gegenwart häufig als Vornamen verwendet. Wenn z. B. ein Jude der politische Anhänger de« Finanzministers Oswaldo Aranha ißt, so nennt er seinen Jüngstgeborenen sofort Oswaldo Aranha-David usw. Einem brasilianischen Verehrer Max Nor laus gefielen c' sen „Konventionelle Lügen der Kult/ur-Menscheit“ und er nannte. seinen Sohn „Nordau Jose de Firmin-ho“ (Geographieprofeeßor). Brasilianer mit dem urjüdiischen Vornamen Moys6s (Menses) gibt es unzählige. Villa „Israel“ Villa heißt hier eine „Villa“ (Landhaus) oder eine Gruppe von Häusern, dio einem Besitzer gehören, oder auch ein ganzer Bairros (Bezirk). In unserem Falle bedeutet es Bezirk. Ein «oloher Bezirk kann au« tausenden oder nur aus hunderten Gründen bestehen. Es gibt eine „Villa Israel“, eine „Villa Juda“, eine „Villa Esther“, eine „Villa Zion“ usw„ welche aber nicht« mit dem Judenbezirk gemeinsam haben und in ganz anderen Richtungen liegen. Ihre Besitzer sind ausschließlich Nichtjuden. Die gleichgeschaltete „Bordadelra“ Die gleichgeschaltetc urdeutsche Stickerin Martha aus Humpoletz betreibt im Fabriksvierte! Braz eine Stickerei. Die Kenntnis hat sie einer Jüdin zu verdanken. Sie be«ehäftigt drei Schwestern, deren Mutter jüdischer Abstammung i.st. Die Arbeitgeber sind ausschließlich Ostjuden, welche daneben ihre Betriebe haben. Die Mädchen erzählen, daß sich Frau Martha, eine waschechte Antisemitin, über die jüdischen Fabrikanten lustig macht und, sobald diese ihr Lokal verlassen, in urgermaniseher Weise über jene, von denen ßie gut lebt, wie ein Rohrspatz schimpft. Das jüdische Geld stinkt nicht. Man weiß wahrhaftig nicht, worüber man sich mehr wundern soll, über die Dona Martha oder über die Würdelosigkeit der jüdischen Fabrikanten, zumal es jüdische Sticker in Sao Paulo in Hülle und Fülle gibt. Padaria „Zion“ So nennt der christliche Inhaber einer Bäckerei sein Unternehmen. Das Geschäft, nebstbei bemerkt eine Goldgrube, liegt im Herzen des Judenviertels „Bom Retiro“. Seine Kundschaft besteht zu 90 Prozent aus Juden, die dort ihro Sabbatbrote ein kaufen. Dieser germanische Bäckermeister aus Stuttgart, der da»s St nicht wie Seht aussprioht, ist merkwürdigerweise ein strammes Mitglied der NSDAP, und fährt am Sonntag mit seinem Auto aus, das er den Juden verdankt — „Geschäft i«t Geschäft!“ Kein Religionsunterricht Sao Paulo dürfte etwa 10 bi« 15.000 Juden beherbergen. Es besteht auch eino jüdische Schule. Aber bis mm heutigen Tage hat man es nicht für nötig befunden, den jüdischen Kindern, ohno Ausnahme, jüdischen Religionsunterricht zu erteilen. Die jüdische Jugend wächst ohne Kenntnis der jüdischen Religion heran! Dabei sind 90 Prozent der Juden Ostjudon! Die jüdischen Kinder gehen vielfach in die brasilianischen Staatsschuld!, manche in dio deutsche Schule und in Privatschulen. Eine jüdische Mutter findet es für richtig, ihren Jungen ausgerechnet in eine italienische Schule (mit italienischer Unterrichtssprache) zu schicken. Man findet jüdische Schüler auch in der Schule des „Christüchsn Vereines junger Männer“, der in der ganzen Welt verbreitetist. Aber alle Judenkinder bleiben ohne Religionsunterricht. Hier riecht es nach Zwiebel. Ein Automobil windet sich durch den Trubel einer Hauptstraße im jüdischen Fabriksviertel Bom Retiro. Im Wagen ein Funktionär des „Linhat Hatzedek“ und ein großer jüdischer Arzt. An einer Straßenecke. — Was ist hier? Der polnische jüdische Verband. — Und links? Der Linhat Hatzedek. — Sagt der Funktionär. Der Arzt beugt sich zum brasilianischen Chauffeur vor: „Dann fahren wir rascher, es riecht mir hier zu stark nach Zwiebeln.“ Sein geflügeltes Wort ißt aber „jüdische Chuzpe“, das er bei jeder unpassenden Gelegenheit anwendet. Selbst wenn er im christlichen Spital der Benodiktinerinnen (Santa Oatharina) jüdische Pa<- tienten behandelt. Vor der „Congregacas Israellta“ So nennt, sich die neue Synagoge, die eino Ilalbtagksreiso weit entfeint vom Judenviertel erbaut wurde. Sie ist. gedacht alß „Tem-ivel der oberen Fünfhundert“. Vierzehn Tago lang zierte die Kuppel ein „Mögen David“. Dann ist er auf einmal verschwunden. Warum, das wird wohl 'nur der jüdische Herrgott wissen, Heute herrscht dort großer Betrieb. Vor der „Kongregation Israelita“ parkt eino lange Reihe eleganter Autos, weloho fortwährend Zufluß bekommen. Von Anrainern erfahren wir, daß der größte jüdische Feiertag gefeiert wir'. Es ißt Jom Kippur — t