Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 384 (4.9.1934)
- Date
- 1934-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054138--4460-3060084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
Dlt STIMME mu i Vor Rußlands Eintritt in den Völkerbund Die russische Sowjetunion soll ln Völkerbund aufgenomnien werden. den Der Plan geht von Frankreich aus und wird von England und Italien unterstützt. Die drei Großmächte wollen wohl zunächst den durch den Aufttritt »Japan« und Deutschland« entstandenen Ausfall an politischem und Wirt sctoafMichern Prestige dös Völkerbundes ersetzen, anderseits aber Rußland in das eich neubildende Kontinentalsystem einbeziehen, das sich gegen die deutschen Attentate auf die Weltwirtschaft zur Wehr setzt. Unzweifel haft ist Rußlands Fehlen ein schwerer Seha' den gewesen und es könnte nur gut sein, . wenn ein so großer Staat den Ihm zuatehen den Platz wieder einnimmt. Aber es ist trotzdem eine «ehr zweideutige Angelegenheit Der russische Kommunismus hat nur unter dem Zwang der Verhältnisse seine auf die Weltrevolution eingestellte Offensivtaktik aufgegoben, und er kann sie jederzeit wieder hervorholen. Im Augenblick allerdings scheint für die drei Großmächte die deutsche Gefahr als das kleinere übel und auch der Sowjetstaat nimmt gern die Gelegenheit zür Anlehnung wahr, um sieh davor zu schützen, ln die deutsch-japanische Zange zu geraten. Die Aufnahme Rußlands in den Völkerbund schafft auch dem Judentum wieder die Möglichkeit, mit den Juden Rußlands in politische Verbindung zu kommen. Das Judentums Rußlands ist fast vollständig aus dem Leben der Nation ausgeschieden. Es ist zur Gänze prolebarisiert und atomisiert worden. Unter dem Druck der Staatsmaschine hat es den geistigen Besitz der jüdischen Nation, Sprache, Tradition, Hoffnungen eingebüßt. Dazu kommt noch, daß «e sioh von den blutigen Verfolgungen aus der Bürgerkriegszeit nicht erholt hat und daß es aufgeteilt worden ist. Das Mißtrauen der Herren im Kreml, wachgehalten durch die von hysterischen Renegaten gebildete Jewsekzia, hat jede Regung nationaler Art, auch wenn sie nur in der Befolgung der religiösen Gebräuche sich äußerte, mit aller Kraft unterdrückt. Die Synagogen wurden zumeist geschlossen und profaniert, die Schulen ausgerottet. Wer des Zionismus, der ale Konterrevolution gilt, sich verdächtig gemacht, wandert in die sibirischen Sümpfe. Da aber selbst hinter diesen russischen Konvoi die Kunde von Palästinas Aufblühen gedrungen ist, hat die Jewsakzia die Konkurrenz von Birbirschan ausgeheckt, freilich mit keinem positiven Erfolg. Ein Rußland aber, das in den Völkerbund eintritt, kann in der jüdischen Frage nicht mehr so starr bleiben. Es muß, so wie es den Wolga-Deutschen national-kulturelle Zu geständniase gemacht hat, auch den Juden gegenüber seine Haltung ändern und auch die Frage des Zionismus von einem anderen Gesichtspunkt betrachten. Für die zionistische Führung ergeben sich neue Möglichkeiten und vielleicht wird man dazu gelangen, das russische Judentum wieder in das jüdische Leben einzuschalten. Sic asten «an 30Groschen aufwürti vorzüglich Im GRABEN-KELLER Die Krakauer Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten Zu unserem letzten Berichte Weltkonferenz der Allgemeinen tragen wir nach, daß unter dem über die Zionisten Eindrücke derselben der viele Tausende Mitglieder zählende Jugendbund Hanoar Z i o n i zunächst mit allen polnischen Gruppen dem Weltverbande beitrat. Die Konferenz proklamierte, wie wir bereits berichteten, die vollkommene Unabhängigkeit gegenüber recht« und link« und die völlige Selbständigkeit des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten. Die Konferenz faßte eine Reihe Beschlüsse zur allgemeinen zionistischen Politik, lohnte in besonders scharfer Form den Plan eines Legislative Council in Palästina ab und forderte dio zionistische Exekutive auf, unter Mitbetoiligung des Aktionskomitees eino interfraktionelle Konferenz der Führer aller zionistischen Parteien zur Pazifizierung der zionistischen Weltbewegung einzuberufen, Wir werden den Wortlaut dieser Resolutionen in unserer nächsten Nummer veröffentlichen. Die Konferenz Behuf zwei Zentralen, eine für Palästina mit dem Sitz in Tel-Aviv, eine zweite für die Diaspora mit dem Sitz ln Krakau. Der europäischen Zentrale gehören an: Dr. Schwarzbart (Krakau) als Präsident, ferner als Mitglieder: Dr. Ettingen (Riga), Dr. Feldblum (Krakau), Abg. Dr, Angelo Goldstein (Prag), Dr. Oscar Grünbaum (Wien), Dr. Grinstein (Bielsko), Leon Levite (Warschau), Dr. Martin Rosenblüth (London), Abg. Dr. Rothenstreieh (Lemberg), Dr. J. Rufeisen (Mährisch-Ostrau), Leo Salpeter (Krakau) und Dr. Emil Szmorak (Lemberg). Zum Präsidenten der' Palästina-Zentrale wurde Dr. Benzion Mossinsohn, als Mitglieder derselben wurden Elias Berlin, Dr. Bogdaczow, Dr. Slup, J. Supraski und Adv. Usslschkln (Sohn von M. M. Usslschkln) gewählt. Vier Plätze ln dieser Zentrale wurden Vertretern der früheren Gruppe A, ein Sitz dem Führer der „Akiba“, Dr. ömstein, der von Krakau nach Palästina Ubersiedelt, und ein Sitz dem „Hanoat Hazioni“, der dem Weltverband demnächst formell beitreten wird, reserviert. Der Zentrale in Palästina obliegt die Vertretung gegenüber der Jerusalemer Exekutive, der Zentrale in Krakau die Vertretung gegenüber der Londoner Exekutive und alle Angelegenheiten der Organisation und Propaganda. Es wurde auch ein Zentralrat des Verbandes geschaffen, dem die allgemein-zionistischen Mitglieder der Zionistischen Weltexekutive und des A. C., sowie je ein Vertreter der Landesorganisation des Woltverbandes angehören. Die amerikanischen und englischen Zionisten waren durch Margööohe« und Gold* bloöm als Beobachter vertreten. Der Anschluß Englands und Amerikas an den Weltverband wird mit Sicherheit erwartet. Dl« Not der Judanhelt ln Polen Warschau, 30. August, (t. T. Ä.J Der Präsident des Anglo-Jowish Board of Depittles (Vcrtreterschait. der cnglisch-jüdischeu Gemeinden), Nevitle Laeki, besuchte die gegenwärtig in Warschau tagende elfte Landeskonferenz der Zionisten Kongreßpolens. Er wurde von Dr. Szyper in einer Ansprache warm begrüßt und von den Delegierten lebhaft akklamiert. Die allgemeine Aussprache auf der Konferenz galt der Schaffung eines einheitlichenLandesverbandesderZio-« nisten Kongreßpolens. Eine Erklärung des ehemaligen Sejmdeputierten H a r t g 1 a ß auf der Konferenz über die katastrophale Lage der Juden in Polen, hat in Londoner jüdischen Kreisen außerordentliches Aufsehen erregt. Dr. Hartglaß hatte unter anderm erklärt, daß, wenn Jizchak Grünbaum vor einigen Jahren feBtstellen konnte, daß es in Polen, ökonomisch gesehen, eine Million Juden zuviel gebe, man heute sagen könne, OB gäbe in Polen 2,999.999 Juden zuviel. Denn die ökonomische Existenz der gesamten polnischen Judenheifc sei unterhöhlt. Der Jewish Board of DeputieB wird sich in seiner nächsten Sitzung eingehend mit der jüdischen Lage in Polen befassen. Budapester jüdischer Ingenieur wird Herzog Allgemeines Aufsehen erregt ln Budapest die märchenhafte Karriere, die ein junger .jüdischer Ingenieur machte, der vor sechs 'Jahren infolge des Numerus clausus seine 'Aufnahme an der Budapester Universität toioht erwirken konnte, ins Ausland gehen mußte und dort sein Glück machte. Tibor Farkas ging vor sechs Jahren nach Berlin, wo er das Ingenieurdiplom erlangte. Der Wechsel der politischen Verhältnisse zwang ihn dann, aus Deutschland nach Paris zu übersiedeln, wo er aber lange vergeblich einen Ingenieurposten suchte. Schließlich bewarb er sich um eine Chauffeurstello bei dom belgischen Großindustriellen. Duc de Looz et Coswarem. Nach wenigen Tagen erkannte der Herzog die hervorragenden Fähigkeiten des jungen Ingenieurs. Er betraute ihn bald mit der Verwaltung seiner Besitzungen und Industrieunternohmungen. Farkas begleitete den Herzog auf allon seinen Reisen und der Horzog, ein alleinstehender Junggeselle, gewann den jungen Menschen so lieb, daß er beschloß, ihn zu adoptieren. Der Herzog kam mit Farkas nach Budapest, wo dor Adoptionsvertrag abgeschlossen wurde, der nunmehr nur noch der Bestätigung der zuständigen belgischen Behörde bedarf. Tibor Farkas wird »Jen fita Duo de htm fet Doaaaim in der bezaubernden Luxus-Operette VENUS SCHWEDEN - KINO Jl,, Taborstraße 1 *■ Tel. A 49-0-60 - Vorstellungen: yt4, */36, ytB, */, 10 Palästina meldet: 3693 Juden im Juli nach Palästina Jerusalem, 2. September (Z. T. A.). Im Monat Juli kamen 3053 Juden nach Palästina, unter ihnen 626 der sogenannten Kapitalistenkategorie Angehörenide, von denen jeder einen Kaptialsbesitz von mindestens 1000 Pfund naohwedsen muß. Somit, wurde im Juli ein Kapitalbesitz von mindestens 526.000 Pfund ins Land gebracht. In dem gleichen Monat kamen 140 Christen und 25 Moslems nach Palästina. Im Juni wunderten 2519 Juden, davon 355 „Kapitalisten“, in Palästina ein. Arabische Strandwachen In Palästina Jerusalem, 30. August. (Z. T. A.) Wie Falestdn berichtet, tagten ln Jaffa am 29. und 30. August die arabischen Komitees zur Bewachung der palästinensischen Küste gegen illegale jüdische Einwanderung. Es wurde eine weitere Mobilisierung von Patrouillen jugendlicher Araber an der Küste, besonders in der Gegend von Nathania, beschlossen. Inschriften aus der Hasmonäerzelt aufgefunden Bei archäologischen Ausgrabungsarbeiten in der Nähe von Kfar Siiöah an der Straße zum Toten Moer sind ih e b r ä ischelnschriftenausderHasmon ä e r z e i t von besonderem historischen Wert aufgefunden worden. Die Ausgra biiügsarbeiten stehen unter der Leitung de« Archäologen der Hebräischen Universität Jerusalem Dr. Suken ik. Ehetrennungen in Palästina In der „Stimme“ wurde kürzlich dargelcgt., daß die palästinensischen Gerichte nur zur Ehetrennung palästinensischer Staatsbürger, nicht aber von Ausländern zuständig sind. Durch mehrere Anfragen aus unserem Leserkreis sehen wir nun, daß dio Meinung verbreitet ist, daß österreichische Staatsbürger die Trennung ihror Ehe in Palästina nicht durchführen können. Diese Meinung ist unrichtig. Zunächst können Einwanderer nach zweijährigem Aufenthalt in Palästina dio palästinensische Staatsbürgerschaft erwerben und dann die Ehetrennung (nach der reiehsdeutschen Terminologie Ehescheidung) von dem zuständigen palästinensischen Gerichte durchführen lassen. Aber auch schon vorher ist, und zwar jederzeit, oino oinverständliche Ehetrennung österreichischer Ehegatten, dio nach Palästina ausgewandert sind, möglich. Die Ehetrennung wird obon von einem östor- Cfih&isoiiea Bezirksgericht Jurohgcführt. Die in Palästina weilenden Ehegatten müssen hiezu auch nicht nach Österreich zuriiekkotnmen, sondern können die Ehetrennung durch Bevollmächtigte vornehmen lassen, denen sie beglaubigte Spezialvollmachten zur Durchführung der Ehetrennung erteilen. Dem Rabbinate der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien sind dann diese Vollmachten, der Trauungsschein und der Nachweis vorzulegen, daß drei vergebliche Versöhnungsversuche vom zuständigen Rabbinate in Palästina vorgenommen wurden. Es wird dann die Übergabo und Übernahme des Scheidebriefes seitena der Spezialbovollmächtigton vor dem Wiener Bezirksgerichte vorgenommen, das Uber Antrag der in Palästina lobenden Ehegatten vom Obersten Gerichtshof in Wien delegiert wurde. Damit ist dann die Ehe sowohl nach den Vorschriften dor österreichischen, als auch der palästinensischen Gesetze getrennt und es steht einer anfälligen Wiedcrvereholicliiing nichts im Wege. Einigung unter den Zionisten Kongreßpotens Warschau, 31. August. (2. T. A.) Auf der in Warschau abgehaltenen elften Landeskonferenz der Zionisten Kon* greßpolens wurde die erstrebte Einigung der einzelnen zionistischen Gruppierungen erreicht. Der Zionistischen Exekutive wurde uneingeschränktes Vertrauen' ausgedrüekt. Aus den angenommenen Entschließungen sind hervorzuheben: Die Konferenz fordert die Exekutive der Jewish Agency auf, den Kampf um dis jüdischen Rechte in und auf Palästina fortzusetzen, den Legislative Council abzulehnen und eine freie" jüdische Einwanderung, sowie Öffnung der Tore Transjördaniens für jüdische Kolonisation unentwegt zu erstreben. Der Exekutive wird für ihre bisherige Arbeit der Dank ausgedriiokt; dieser Dank gilt insbesondere dem Vertreter der polnischen Zionisten in der Exekutive, Sejmdeputierten Jizchak Grünbaum. Weitere Entschließungen betreffen den Kampf gegen destruktive Elemente im Zionismus, gegen Nazi-Terror, für Boykott deutscher Waren und Dienste, für den Jüdischen Weltkongreß, für Schaffung eines hebräischen Kulturfonds und einer hebräischen „Bialik-Mittelschule“ in Warschau. In einer weiteren Resolution wird der Zusammenschluß der allgemein-zionistischen Gruppen sanktioniert. In der neuen Leitung sind alle diese Gruppen vertreten. In einer längeren Resolution wurden die programmatischen Grundlagen der Zionistischen Organisation Polens festgelegt. Darin wird unter andern gefordert: Einheit der Knesseth Jisrael auf der Basis einer demokratischen Konstitution; Einheit der Histad* ruth- Haowdim, die Abkommen schließen soll mit allen autonomen Arbeitergruppen nach dem Muster des Abkommens mit Hapoel Hamisrachi. Die Konferenz erklärte die Bereitschaft der Zionistischen Organisation Polens, in den Weltverband der Allgemeinen Zionisten einzu treten. In das Zentralkomitee wurden gewählt: Advokat A. Hartglaß, Sejmdeputierter Dr. A. Rosenblatt, Dr. J. Szyper. Dr. M. Hindes, Redakteur M. Kleinbaum, A. Leder, M. Kirsohenbaum, Dr. A. L. Bloch, Ing. J. Landstock, Advokat M. Poliakewioz, M. Limon, S. Rosenock, Frau Dobazynska, Advokat Stuczynski, Dr. Fuchs, Ing. Tenenbaum, L. Winikow, O. Staszynski, Advokat W. Rothfeld, J. Fränkel, Dr. Lemberg, L. Haipern. Alleinstehende infolge ihrer langen, schweren Krankheit in größter Not und Verzweiflung, aller Mittel entblößt, bittet alle guten Menschen, ihr in ihrer furchtbaren Lage hilfreich beizustehen. Größte Dnnkbarkeit und letzte Rettung. Die Reduktion ist bereit, Spenden entgegenzunehmen und auszuweisen.