Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 384 (4.9.1934)
- Date
- 1934-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 9 DIE STIMM m Nt. 384 —- 3. SepIttilBw 1P34 Ein Schweizer Theologe über die gefälschten „Protokolle" KINOPROGRAMME DER WOCHE LiopoMstBilter Volkskioo Vom Dienstag, 4., bi« Donnerstag, 9. September) Ramon Novarro in FLIRT Wochentags VA VA */,10 Uhr, Sonn* und feiertags J/,4 Uhr Wauchope keineswegs beabsichtigt, die Jewish Agency zu verdrängen, wohl aber werden nach Errichtung des Legislative Council mehr er e Palästina Agenden nicht mehr direkt zu dem Kreis der Jewish Agency gehören. Da jedoch — so erklärten die Autoritäten der Jewish Agency weiter — die Jewish Agency hauptsächlich an den Problemen der Einwanderung und der Bodentransaktionen interessiert ist, und diese beiden Hauptfragen der Ko mpentenz des Legislative Council entzogen sein werden, werden die Funktionen der Jewish Agency faktisch durch die Schaffung des Legislative Council nicht berührt werden; die Palästina-Regierung werde wie bisher die Jewish Agency in diesen beiden Fragen zu Rate ziehen. Selbstverwaltung bevorstehend? Die Jaffaer arabische Tageszeitung ,.Al Difa“ erklärt, sie habe Informationen aus autoritativen Quellen, daß die Vorbereitungen für die Schaffung des Legislative Council in kurzem beendet sein werden. Die Zeitung fügt hinzu, die Schaffung des Council werde die Beschwerde der Araber nicht zum Stillstand bringen, die Araber fordern nach wie vor Einstellung der Einwanderung und Verbot des Boden Verkaufs an Juden. Jeder andere Schritt wird zu Mißerfolg verurteilt sein. Die Zeitung erzählt, ein moslemitischer Führer von „hoher Autorittät“ sei informiert worden, ' daß die Bildung des Legislative Council nach der Rückkehr des High Commissioner Sir Arthur Wauchope aus London erfolgen wird. Diese „hohe Autorität“ habe erklärt, es ■würde die gesamte Regierungsform wesentlich geändert werden; die Bevölkerung Palästinas werde in kurzem eine Selbstverwaltung haben. ■* Die Besorgnisse, mit denen man dem Besuch Waucbopes in England enfcgegensah, haben sich also als berechtigt erwiesen. Es besteht also die Gefahr, daß das legislative Council, also das Parlament kommt, auch trotz allen Einspruches der zionistischen Organisation. Es ist ein schwacher Trost, daß Einwanderung und Bodenkauf der Kompetenz dieses Coimzil entzogen bleiben, und es ist eine falsche Auffassung, daß der Wirkungskreis der Jewish Agency durch die Neuordnungnicht berührt wird. Es handelt sich um die Fortführung der Bagatellisierungspolitik seitens Englands. Die Jewish Agency soll beiseite geschoben und in einer Lebensfrage des Jischuw, die eine Lebensfrage der jüdischen Gesamtheit ist, ausgeschaltet werden. Es wird ein Parlament geschaffen und das ist etwas anderes als ein arabisches Komitee. Ein Parlament in Palästina, in einem Land, auf das die Welt sipht, kann nicht so in die Ecke gestellt werden wie etwa in Persien. Und nebstbei würde ein Parlament die Institution von immunen Rednern bedeuten. Es wäre ein bedeutender politischer Erfolg der nationalistischen Araber und eine beleidigende Herabsetzung des jüdischen Elementes, das ja alles geschaffen hat, was heute Palästina« Bedeutung ausmacht. Wieder erhält die zionistische Organisation eine empfindliche Lehre. Die Organisation leidet unter dem Streit ira Jischuw und in der Galuth und die Friedensbeteuerungen von rechts und links sind wertlos, weil es an der Autorität fehlt, sie in praktisch greifbare Abmachungen umzuwandeln und deren Befolgung zu erzwingen. Ohne innere Einheitlichkeit ist der Zionismus, und so ist sein politisches Instrument, die Jewlaeh Agency schwach. England tut, was die Araber wollen; ein einheitlicher Wille der Juden bezieht nicht. Die Gefahr ist aufs höchste gestiegen. Es müssen die Kräfte dos ganzen jüdischen Volkes Zusammenwirken, um den Anschlag Englands abzuwobren. Im Oktober wird vor dem Basler Strafgericht ein Prozeß stattfinden, bei dem es sich um die „Protokolle der Weisen von Zion“ handeln wird. Trotz der von den „Times“ im Jahre 1921 veröffentlichten Nachweisungen der Fälschungen sind immer wieder Neuauflagen erschienen, zuletzt im Vorjahre, und zwar in Form von zwei Büchern; im Eher-Verlag zu München (an dem Hitler beteiligt ist) ist das Buch von Gottfried zur Beek unter dem Titel „Die Geheimnisse der Weisen von Zion“ und im Hammer-Verlag zu Leipzig das Buch von Theodor F r i t s ch „Die Zionistischen Protokolle“ neu verlegt wurden. Am 9. Juni iet dann im „Eisernen Besen“ ein Artikel erschienen „Und trotzdem ech t“, in welchem behauptet wird, die „Protokolle“ seien „entgegen den krampfhaften Versuchen der Juden, sie als Schwindel zu entlarven“, echt. Gleichzeitig wird jedem „Kämpfer“ die Lektüre dieser Bücher empfohlen, die man bei der Buchabteilung der Nationalen Front in der Schweiz beziehen könne. Das sind die Grundlagen des Prozesses, den das Basler Strafgericht zu beurteilen hben wird. Kläger sind: Herr J. Dreyfus- B r o d s k y als Präsident de« Schweizer Israelitischen Gemeindebundes und Doktor Marcus Cohn als Präsident des Schweizer Zionistenverbandes. Die Klage richtet sich gegen die beiden Verfasser und die beiden Verleger jener Bücher, sowie gegen Dr. A. Zande r, den ehemaligen Redaktor des ehemaligen „Eisernen Besen“. Auf Verfügung des Strafgerichtspräsidenten sind in der Buchabteilung der „Nationalen Front“ 780 Exemplare der beiden Bücher beschlagnahmt worden. Die Angeklagten ausländischen Verfasser und Verleger können nicht gezwungen werden, vor dem Basler Gericht zu erscheinen, es bleibt darum nur Dr. Zander übrig. In einer Vor Verhandlung vom 8. Juni 1934 hatte der Strafgerichtspräsident den beiden Parteien einen Vergleich vorgeschlagen, wonach Dr. Zander anerkennen sollte, daß er die. Echtheit der „Protokolle“ nicht beweisen könne. Dr. Zander hat die Annahme dieses Vergleiches abgelehnt, das Gericht wird den Prozeß also materiell beurteilen müssen. Die Erklärungen des Professors Köhler. Inzwischen ist der Prozeß in ein neues Stadium eingetreteu. Schon ini Jahre 1924 hatte Dr. Ludwig- Köhler, Professor der Theologie an der Universität Zürich, in öffentlichen Vorträgen und in Zeitungsartikeln erklärt, daß nach seiner Auffassung diese „Protokolle“ glatte Fälsch un- Dr. Otto Strasser veröffentlicht in der von ihm in Prag berau*gegobenen Wochenschrift „Die Deutsche Revolution“ noch nicht bekannte Einzelheiten aus deutschen Konzentrationslagern; Für die Zustände in den Lagern Oranienburg und Brandenburg nennt er heute schon einen Gewährsmann: den englischen Staatsangehörigen John S t o u e, der vom 14. Juli 1933 bis zum 13. Juli 1934 in Schutzhaft war und für die Echtheit der von ihm bezeugten Zustände mit seinem Eirl cinsteht. Bei Stone, der nie politisch tätig, war und sich seit ungefähr 35 Jahren in Deutschland aufhielt, brauchte es ein Jahr für die Gestapo, um festzustellen, daß seine Verhaftung und Schutzhaft ein „Irrtum“ war. Stone gibt erschütternde Einzelheiten über die Ermordung Erich Mühsams im Lager Oranienburg. Mühsam, dem vom SS.-Sturmführer Eekarü gesagt wurde: „Wenn Sie sich nicht b i n n e n i w e i Stun d c n erhäng o n, Mühsam, werden wir Sie aufknüpfeu“, sah gefaßt seinem Tode entgegen und verteilte seine letzten Habseligkeiten unter seine Mitgefangenen, denen er wörtlich sagte: „Den Gefallen tue ich Ihnen aber doch nicht.“ Um 9 Uhr abends wurde er plötzlich herausgerufen, alle Mitgefangene» wußten^ dag sein letztes, gen darstellten. Im letzten Jahr hatte Prof. Köhler in zwei Briefen, die an das Sekretariat des Jüdischen Gemeindebundee und an den Anwalt der Kläger, Dr. Oscar Meyer, gerichtet waren, seine Auffassung bestätigt. Er bezciehnetc die „Protokolle“ als antisemitische Hetzschriften, als „einfältige, aber uch böwillige Fälschungen“. Den Verfassern könne nicht entgangen sein, daß sich gegen dieses Machwerk ernstliche und erhebliche "Widersprüche erhoben hätten. Und er erkläre, daß er im Interesse der Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit bereit sei, dieses Gutachten vor den Behörden zu bestätigen. Auf Ersuchen des Basier Strafgerichts ist nun Prof. Köhler kürzlich vom Züricher Richter als Z e u ge und Sachverständiger einvemommen worden. Auf die Frage des Richters erklärte er, die beiden Briefe geschrieben zu haben, deren Inhalt er vollkommen bestätige. Er erblickt die Fälschung darin, daß versucht werde, diese „Protokolle“ als von einem Juden verfaßt darzustellen, um auf diese Art die Juden als Schädlinge hinzustellen. Das Judentum — es erklärte Professor Köhler — sei nicht unmoralisch, es stehe im Gegenteil auf höchster ethischer Stufe. Bei den „Protokollen“ handle es sich um ein Elaborat, das aus russischer Quelle stamme. Sensationell wirkt die Erklärung Professor Köhlers, er habe vor dieser Züricher Verhandlung von Dr. Zander einen Chargöbrief erhalten, dessen Inhalt er jedoch dem Richter nicht bekannt geben könne! Bei diesem komplizierten und folgenschweren Prozeß zeigt es sich immer deutlicher, daß Dr. Zander eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Das Hauptgewicht liegt vielmehr im Begehren gegen die „Nationale Front“: die Kläger verlangen, daß die beschlagnahmten Bücher konfisziert lind vernichtet werden. Zum ersten Male wird also ein Gericht in einem Urteil zu entscheiden haben, ob diese „Protokolle“ eine Fälschung darstellen oder nicht. Dieser Prozeß wird am 22. und 23. Oktober in Basel stattfinden. Weil Dr. Zunder jenen Vergleichs Vorschlagabgelehnt hat, hat auch sein zweiter Anwalt sein Mandat niedergolegt. Ein zweiter Prozeß in gleicher Sache ist übrigens auch vor den Berner Gerichten anhängig: die Kläger verlangen, daß die beiden Bücher als Schmutz- und Schundliteratur bezeichnet und infolgedessen in der Schweiz ve r b o t en werden. Sobald die vom Berner Gericht verfügten Expertisen eingegangen sind, wird auch dieser Prozeß beurteilt. Ständlein geschlagen hat, und konnten vor Aufregaing die ganze Nacht nicht schlafen. Als sie morgens auf die Toilette gingen, hing Erich Mühsam dort. Der „Selbstmord“ wurde in einer sehr dilettantischen Weise vorgetäuscht. Eine ärztliche Untersuchung hat nicht stattgofunden. Mühsam, der wie kein anderer gequält worden war, war von seinem Leidon erlöst. Über seine Erlebnisse ira Lager Brandenburg erzählt John Stone: „Im Konzentrationslager Brandenburg wurdo natürlich auch viel goschlagon. Dort bekamen auch die russischen Schutzhäftlinge Nikolai Dimitreff und der bekannte faschistische ukrainische Oberst Poltawetz («oit 1920 ein engerer Mitarbeiter Alfred Roscnbcrgs) von dom SS.-Mann Achim PersHon die Erlaubnis, ihre jüdischen Mitgefangenen zu ,dressieren4. Bet dieser ,Dressur' geschahen -Dinge, die einfach unglaublich klingen. Dimitreff spuckte zum Beispiel auf den Boden und zwang die jüdiscliori ßchutzhäft- 11 n g o, seinen Speichel aufzdecken, sie wurden gezwungen, schmutziges Waschwasser auszutrinken. Die Juden wurden auf den Lazarotthof geführt, wo sie sich ausziehen mußten und von Dimitreff mit alten Besenstielen, von einigen SS.-Leuten unter Führung Porssons mit Seitengewehren folujyg geschlagen wurde», Bei de» Quäk)- Mitteilungen Otto Strassers über die Konzentrationslager FRÄULEIN FRAU Ein Fox-Film nach dem gleichnamigen Lustspiel von Ludwig Fulda mit JENNY JUGO, PAUL HÖRBIGER Regie: KARL BOESE Ab heute: Elite-, f., Opern-, I., Schottenring-, I., Lustspieltheater-, II., Flotten-Kino, VI. reien seiner jüdischen Mitgefangenen tat sich besonders auch ein Berliner Z uh älter, Alexander Stark, genannt Tarzan, hervor.“ Das Programm des Minder fteiteftkongresses Das WienerGeneralsekrctariat der europäischen Nationalitätenkongresse (Minderheitenkongresse) teilt mit, daß der X. Europäische Nationalitätenkongreß vom 4. bis zum 6. September in Bern stattfinden wird. Der Kongreß soll unter anderrn zu dem polnischen Antrag auf Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes Stellung nehmen. Eine solche Verallgemeinerung — heißt es in dieser Mitteilung — ist auch vom Nationalitätenkongreß verlangt worden. Es ist jedoch zu befürchten, daß in Verbindung mit dem Antrag — besonders wenn er, was anzunchmen ist, in dieser oder jener Form abgelehnt wird Versuche unternommen werden, die Geltung der bestehenden Minderheitenrechte und die sich daraus ergebenden Ve r p f licht u n gen der Staaten in Frage zu stellen. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung soll die Frage der Übernahme von Minder h e i t s - Schutzverpflichtungen durch die Sowjetunion als einen eventuell neu in den Völkerbund eintretenden Staat bilden. Es wird i» der Mitteilung darauf hingewiesen, daß Estland, Lettland, Litauen und andere später dem Völkerbund beigetretene Staaten bei diesem Anlasse besondere Erklärungen über ihre Minderheitenschutzverpflichtungen abgeben mußten. Ein dritter Punkt der Tagesordnung wird in der Mitteilung durch die nachstehenden Ausführungen angekündigt: „Ferner wird der diesjährige Kongreß... zu der Entwicklung in der Nationalitätenfrage auf dem Kontinent Stellung nehmen. Es ist heute unzweifelhafter denn je, daß die vom Kongreß seit seinem ersten Zusammentritt vertretenen Grundsätze der Anerkennung der nationalkulturellen Entwicklungsfreiheit für jede Volksgruppe in jedem Staate die einzige Grundlage sind, auf welcher Völker gedeihlich Zusammenleben können.“ I Der ehemalige slowenische Abgeordnete im italienischen Parlament, Dr. Josjp Wilf a n, wird den Kongreß eröffnen. Dio Mitteilung enthält keine Angaben darüber, welche Minoritätengruppen sich an dem Kongreß beteiligen worden. Die jüdischen Minoritäten nehmen -n wie bereits berichtet — an diesem Kongreß nicht teiL Tüchtige Köchin für Alles und perfektes Stubenmädchen,. das gut nahen kann und bei der Wäsdie mithelfen muß, per sofort zu größerer Familie gesucht. Vorzustellen Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 1 Uhr. |.f Helferstorferstcaße Nr. 1 Der panarlsche Weltkongreß verschoben Win der „Völkische Beobachter“ lmttefit, ist der für September in Aussicht genommene „Antisemitische und panarisebo Weltkongreß“ vcrschobon worden. Man verhandelt mit einer Gruppe, dio in B r ü ss e 1 einen ähnlichen Kongroß vorbereitet hatte, zwecks Zusammenlegung beider Veranstaltungen. Anroger des „Panariscbsn Weltkongresses“ ist Julius Streicher. Das Programm, das „streng vertraulich“ verschickt worden Ißt, hat „Dio Stlmmo“ bereits .ver&fg&fltjicht-