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Die Stimme · 1934-09-04 · Heft 384 (4.9.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 384 (4.9.1934)
Date
1934-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Frei* dfeser Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG Nj*. 384 | Wien, 4. September 1934 I Redaktion und Administration: Wien, i. KlrntnerstraBe 28, Tel. R 27-4-85. RedaktlonssohluB Montag und Mittwooh vorm. I Rosch-Haschanah- Festnummer der stimme* Freitag, den 7. Stptambtr 1934, erscheint die Rosch-Haschanah Festnummer in besonders verstärktem Umfange mit Beiträgen ans ersten Federn (24- Elul $694) I wmmmmmmnmmmma 7« Jahrgang Krieg gegen Europa und Judentum Es liegen jetzt genaue Nachrichten über die Pogrome in Algerien vor. Die Hintergründe dieser blutigen Ausschreitungen sind aufgehellt und es zeigt sich, daß es zwei Komponenten waren, die die. Vorbedingungen der tragischen Geschehnisse geschaffen haben: Die Saumseligkeit der französischen Militär- 'und Zivilbehörden einerseits und die aus Deutschland zu unterirdischen Zwecke in die islamische Masse getragene antijiidisch-antifranzösisch - antieuropäische Propaganda. Zunächst hat sich erwiesen, daß die offizielle Version über den Ausbruch der Unruhen auf einer Lüge beruhte. Es ist unwahr, daß ein betrunkener jüdischer Soldat den Gottesdienst in einer Moschee gestört hat. Diese sehr bequeme Lesart ist durch das Deutsche Nachrichtenbüro verbreitet worden und selbst die jüdische Öffentlichkeit, die an solche Praktiken gewöhnt sein sollte, hat sich eine Zeitlang irreführen lassen und glaubte an einen hemmungslosen Ausbruch des mohammedanischen Fanatismus, Wobei es nur auffallend war, daß der Volkszom an zehn Orten zugleich ausbraoh und daß er Benzinkannen zur Brandstiftung sofort zur Hand hatte. Die französischen Behörden ließen sich überraschen und ehe sie mit ihrer Militärmacht einsetzten, war das Unglück bereits vollendet. Es trat auch zutage, daß die Aufbietung der Fremdenlegion, 'die zu einem Großteil aus Deutschen besteht, wegen Meutereitendenzen unterbleiben mußte; die Zuaven, bei denen viele Juden dienen, hat man in Kasernbereitschaft gehalten, aber nicht ausrücken lassen; die Herstellung der Ruhe wurde mohammedanischen Truppen anvertraut... Es war ein Meisterstück der Militärpolitik und es ist denn auch begreiflich, daß das jüdische Konsistorium in seinem tapferen Memorandum den Rücktritt dos Generalgouverneurs und des Bürgermeisters fordert. Ebenso begreiflich, wenn auch nicht gutzuheißen ist es, daß der jüdische Deputierte im Stadtrat von Constantine sein Mandat hingeworfen hat in dem Unmut darüber, daß nichts vorgekelirt worden war gegen die Agitation von außen, die eino sehr sorgfältig durchgeführte Untersuchung dieser Tage biosgelegt hat. Aus den Aussagen von Verhafteten, aus aufgefundenen Briefen konnte ein Beweis an den anderen gefügt worden, bis inan die Hakenkreuzverscbwöriing in ihrem ganzen Umfang erkannte. In dem gesamten Gebiet des französischen Nordafrika und weiter in Syrien wurde die deutsche Arbeit sichtbar, deren Ziel es ist, den Islam gegen Frankreich in Bewegung zu bringen. Diese Aufgabe besorgt das Auße npolitische Amt der nationalsozialistischen Partei in Borlin, das von Alfred R o s e n b o r g, dem bekannten baltischen Emigranten, geleitet wird. Dieser Mann verfolgt zwei Ziele; er rechnet mit dem Krieg gegen Frankreich und will für diesen Fall französische Militärkräfte in den Kolonien binden, damit sie in Europa nicht eingesetzt werden können. Anderseits aber handelt es sich diesem tiefsten Hasser der abendländischen und katholischen Zivilisation wirklich um die E n t f e 1 n n g des Orients gegen Europa. Der deutsche Nationalsozialismus stellt sich immer deutlicher als eine breitangelegte Konspiration gegen den europäischen Geist dar. Sie ist ein Sprung über die mühsamen Jahrhunderte der Entwicklung zurück in die Zeiten der Völkerwanderung; die aus dem Inneren Asiens hervorquellenden Horden geschichts- und kulturloser Männer sind für die Menschheit erst dann von Wert geworden, als sie von der überlegenen Macht Roms gezähmt wurden. Es scheint aber, daß zutiefst in ihrer Seele der asiatische Haß und die Rachgier gegen ihre Bezwinger lebendig geblieben sind und wir erleben sowohl im System als in seinen Methoden diesen Ausbruch atawistisoher Wildheit, diesen Abscheu vor Recht, Gesetz, Sitte und Menschlichkeit und diese im Kleid eines fanatischen Glaubens auftretende Verherrlichung der Gewalt und des FaustrechteDer Nationalsozialismus ist mit seinem Führerprinzip, mit seiner Ausschaltung des Volkes, das zu einer stumpfen Sklavenmasse degradiert wird, nichts anderes als die direkte Fortsetzung der Steppeümentalität. Er haßt das dem asiatischen Heidentum gegenüber überwertige Christentum und er haßt es ganz besonders, weil es aus dem Judentum hervorgegangen ist und von diesem die zehn Gebote, die Grundlage aller Gesellschaftsordnung, übernommen hat. Gegegen Christentum und Judentum hat er den Kampf begonnen und er führt ihn mit der Bedenkenlosigkeit und Brutalität von Zeiten, an die nur mehr Sagen und Märchen erinnerten. Die Gepiden und Langobarden und Vandalen sind wieder da und mit ihnen die Sitten, die in den Nibelungendramen auf die Bühne gebracht worden sind. Die Juden haben als der schwächste Teil zuerst die Faust zu spüren bekommen. Dann wurde der Luther sehe Protestantismus zersprengt und schließlich dem römischen Katholizismus der Krieg angesagt. Aber Rosenbergs rastloser Geist greift weiter. Er sieht, wie die europäischen Völker den Nationalsozialismus umstellen, wie sich langsam die Kräfte des Widerstandes zu sammeln beginnen. Ein Netz von Verträgen und Allianzen schließt sich um die Grenzen Deutschlands zusammen. Das Werk der Verteidigung kommt nur langsam vorwärts, weil man das unglückliche deutsche Volk nicht in die letzte Katastrophe stürzen will, dieses Volk, das schon im Humgerdelirium liegt und sich gegen seine Peiniger nicht wehren kann. Aber da die Entscheidung sich nicht mehr lange .bimauszögern lassen wird, spielt der Nationalsozialismus das Prävenire. Er hat .durch Schacht die Forderung nach einem V o 11 m o r a to r i ü m und Streichung der privaten Schulden erhöben. Die Entrüstung und Empörung der Welt beweist, daß die Gefährlichkeit der Forderung erkannt worden ist; es ist nicht ein Bankerott, sondern ein Attentat, das Millionen von Existenzen in allen Staaten zu vemichen geeignet Ist; und der zweite Schlag ist die Aufbietung des Orients. Im Augenblick ist die Aktion gegen Frankreich sichtbar geworden. Aber das deutsche Geld arbeitet auch in Tripolis, in In dien und in Zentrala. frika, es ist in Syrien, in Transjordanie.n und in Palästina zu verspüren. Frankreich, England und Italien sind heute noch kräftig genug, um die Agitation nicht ausreifen zu lassen. Die Mordpropaganda ist — gegen Rosenbergis Plan, wie versichert wird —, in Algerien zu früh zur Aktion geschritten. Dort sind jüdische Opfer Polens Minderheitenantrag Auf dem Programm der am 10. September in Genf beginnenden Vollversammlung des Völkerbundes steht unter andern auch der von der polnischen Regierung gemachte Vorschlag auf V e r a 11 g e m e i n erung des Traktats über Schutz der Minderheiten in der Weise, daß er für alle Staaten Gültigkeit hat. Für die Juden ist' dieser Antrag insofern von großer Wichtigkeit, als bei seiner Annahme auch Deutschland zu einem besonderen Minderheitenschutz verpflichtet werden würde, falls es wieder in den Völkerbund zurückkehrt. Die polnische Regierung hat den Text ihres Antrages veröffentlicht, der im wesentlichen lautet: 1. In Anbetracht dessen, daß die bestehenden Traktate über Minderheitenschutz nur einen Teil der Mitglieder des Völkerbundes verpflichtet, während die Mehrheit der Staaten dieser Pflicht entzogen ist; 2. daß der jetzige Zustand nur einem Teil der nationalen Minderheiten einen Schutz garantiert, während die übrigen Minderheiten diesen Schutz nicht genießen und sich nicht einmal seinetwegen an d-ii Völkerbund wenden können; 3. daß eine solche Unterscheidung zwischen schützten und nicht geschützten Minderheiten die Prinzipien von Gerechtigkeit und Billigkeit verletzt; 4. daß die rassischen, sprachlichen und religiösen Minderheiten, die noch nicht den Minderheitenschutz genießen, das moralische Recht haben, vom Völkerbund diesen Schutz zu verlangen; •stellt der Völkerbund fest, daß die gegenwärtig bestehenden Verpflichtungen über internationalen Schutz der Minderheiten den elementaren Prinzipien internationaler Gerechtigkeit nicht entsprechen; um dieses Unrecht wieder gutzumachen, wird beschlossen, eine allgemeine Konvention betreffend Minderheitenschutz zu schaffen, die sämtliche Mitglieder des Völkerbundes verpflichtet, allen rassischen, sprachlichen und religiösen Minderheiten Schutz zu garantieren. Zu diesem Zweck beschließt der Völkerbund, eine internationale Konferenz einzuberufen, an der sich alle Mitglieder des Völkerbundes beteiligen sollen. Aufgabe dieser Konferenz wird es sein, eine allgemeine Konvention über Minderheitenschutz auszuarbeiten. Pie Konferenz muß in spätestens sechs Monaten stattj finden. V»., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 gefallen umd wir wissen, daß derselbe Satanismus auch in Palästina am Werk ist. Gegen das Galuthjudentum führt der Nationalsozialismus seinen Krieg; es zeigt sich, daß er auch die noch kaum im Werden begriffene Position in Erez Israel in die Front einbezieht. Hakenkreuzplakate tauchen in Palästina auf, arabische 'SA. mit deutscher Ausbildung kontrollieren die „illegale Einwanderung der Juden“ — mit hoher Erlaubnis der englischen Mandatsbehörde natürlich —, arabische Burschen werden in Berlin mit deutschen Stipendiengeldem erzogen, arabische Flugschriften aus dem Berlinen Orientalischen Institut sind auf einmal in Massen im Land, freilich unter Leuten, die nicht lesen und schreiben könneu... Es wird Zeit, daß das Judentum sich rallüert, daß der Zionismus sich zusammenschließt und daß in Palästina die Parteien verschwinden. Es darf, wenigstens dort, kein Rechts und kein Links geben, nur ein einziges jüdisches Volk, das mit Zähnen und Klauen sein Letztes und Höchstes verteidigt und schützt. Wenn diese Einigkeit zustande kommt, wird Rosenberg den Kampf verlieren. Verdrängung der Jewish Agency? Die Londoner „Times“ teilt das' fogende mit: Es wird angenommen, daß hinsichtlich der Errichtung eines Palestine Legislative Council jetzt Arrangements zwischen der Regierung in London und dem High Commissioner für Palästina General Sir Arthur Wauc hop e getroffen werden würden. Sir Arthur Wauchope befindet sich gegenwärtig auf dem. Wege nach London, wo er zwei Monate zubringen wird. Die Juden lehnen ein Arrangement ab, durch welches die gegenwärtige jüdische Vertretung gegenüber der Regierung, nämlich die Jewish Agency, die sich auf die gesamte Judenheit stützt, zugunsten eines halben Dutzend, lokaler palästinensischer Juden, die im Legislative Council sitzen werden, verdrängt werden soll. Hingegen hat diese jüdische Opposition die natürliche Reaktion gehabt, daß die Araber dem Legislative Comic.il zustimmen; dies, obwohl sie wissen, daß die die Araber hauptsächlich interessierenden Fragen, nämlich jüdische Ein wandern n g und jüdischer Bq den kauf, der Einßuß- Sphäre des Council entzogen werden würden, was ja die meisten Araber von der Nichtigkeit des Council überzeugen könnte. Jewish Agency bestätigt,,. Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen- Agentur, erklärten a u, t o r i t ä r e Ii rcisederJe w is h Agency der JTA., daß der High Commissioner Sir Arthur

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