Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 383 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME 31. August 1934 Nr. 333 Die »Kosdier-Einriditung« auf den Amerika-Dampfern der »Cunard Line« Eine jüdische Rundreise In die Neue Welf Wir haben gerade einen interessanten Bericht über eine Reise nach Amerika von einem Vertreter des „Jewish Chronicle“ erhalten, der mit den Cimard-Dampfem ..Berengaria“. und „Aquitania“ gefahren ist und sein spezielles Augenmerk auf die Durchführung des Kaechrut an Bord dieser Dampfer richtete. Er schreibt folgendes: Bei meiner Ankunft in Southampton (dem englischen Einsohiffungshafen) wurde ich von dem Rev. M. L. Gordon, dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Southampton, erwartet, dem Vorkämpfer für die | in einer Weise getötet und zubereitet wird, die die anspruchsvollsten Anhänger der | Tradition vollkommen zufriedenst-eUen muß. Ich sah eine Wagenladung koscheres Fleisch zur „Berengaria“ transportieren und Mr. Gordon war dabei, es dem jüdischen Küchenchef aus zufolgen, fertig hergerichtet zur Bereitung der Mahlzeit. An Bord hatte ich eine Unterredung mit dem Kapitän der „Berengaria“, Captain Sir Edgar Britten, R. D. R. N. R., über die ewige Judenfrage. Ob Sir Edgar Antisemitismus bemerkte? Er hörte niemals etwas Die Überwachung des Ka,schrat auf den ExpreßschifTen der Cunard Line liegt ausschließlich in den Händen der Londoner Ecclesiastical Authorities (Kultusgemeinde) B eth Din, die von Dr. I. H. Hertz geleitet wird, die treibende Kraft jedoch ist in all diesen Belangen Dr. Asher F e 1 d m a n n, sein Stellvertreter. Um allen Wünschen Dr. Feldmanns vollkommen zu entsprechen, hat die Cunard Line auf eigene Kosten auf ihren Schiffen eine jüdische Aufsichtsperson angestellt, einen Schomer, der vom „Beth Din“ ernannt ziert jede Spciseplatte, die in den Speisesaail getragen wird. Keine Mahlzeiten werden am Sabbat gekocht, die Speisen werden warm erhalten mittels aller wohlbekannten jüdischen Methoden. Ich fand es selbst möglich, daß volle koschere Mahlzeiten auch in den Speisesaal der ersten Klasse serviert werden. Als ich in der „Aquitania“ die Rückreise antrat, fand ich dort dieselbe sorgfältige Vorsorge in bezug auf koschere Kost. Ihre koschere Küche ist in ihrer Art ein Modell# Der Leiter ist der jüdische Küchenchef Max Gottesdienst in der Synagoge an Bord des Dampfers „Berengaria'* WM3 1 * : * v-f mm Durchführung des Kaechrut an Bord der Ozeandampfer. Da die „Berengaria“ am Samstag auslaufen sollte, wurde mir von der Cunard Line gestattet, mich schon am Freitag an Bord zu begeben, und dort fand ich bereits einige Juden vor, von denen mehrere das rituelle Bad nahmen. Bevor ich mich zum Freitags-Gottesdienst in die Southamptoner Synagoge begab, besuchte ich das Schlachthaus und die jüdischen Nahrungsmittellager des Herrn G r e y, dessen Unternehmen alles koschere Fleisch für die Cunard-Expreßdampfer liefert. Bloß untadeliges Fleisch darf verwendet werden. Dann ging ich in den Raum, in welchem alles Fleisch koscher eingesalzen und gewaschen wird. Mr. Gordon ist während all dieser Vorgänge anwesend und seine beständige Überwachung sichert die Vorsorge in vollkommener Übereinstimmung mit unserem alten Gesetz. Ich war sofort überzeugt, daß das Fleisch und Geflügel von bester Qualität, ‘ davon! Es gehört dieses Wort nicht in den Sprachschatz des Seemanns. Meiner Meinung nach ist der Jude gerade so viel wert wie sein Nachbar, was sein Bürgertum undseinen unleugbaren Patriotismus anlangt. Dieselbe Meinung fand ich bei allen Schiffsoffiz-ieren, und es brauchte nicht lange, um herauszufinden, daß auch die Mannschaft den jüdischen Passagieren freundlich gesinnt ist. Am Sonntag ging ich, begleitet von dem jüdischen Aufsichtsorgan, dem Sohn eines wohlbekannten Rabbi, die koschere Küche besichtigen, wo der jüdische Koch, Charles Levy, seines Amtes waltet. Ich beobachtete die gewissenhafte Art, in der das Fleisch vollkommen von der Milch ferngehalten wird — getrennte Abteile für die Küchenwäsebe, die Tischwäsche, Tönwaren, Bestecke, für alles, was mit dem Servieren der Mahlzeiten in Zusammenhänge steht —, so daß keine Vermischung mit unreinen Dingen stattfinden kann. wird. Der Schomer hat vollkommene Macht über alle Angestellten, die mit der jüdischen Verpflegung zu tun haben. Laßt uns den Schomer bei seiner Arbeit betrachten: Der Chefkoch reicht ihm die vorgeschlagene Menükarte für das Mittagmahl, um zu konstatieren, daß keine ungeeignete Nahrung serviert würde. Der jüdische Koch bereitet darauf die Mahlzeit, wobei der Schomer zusieht. Jüdische Kellner decken die Tische. Der Schomer ist dabei, um zu sehen, daß, wenn es sich um eine Fleischmahlzeit handelt, auf jedem Messer, jeder Gabel, jedem Löffel, auf den Schüsseln, Tellern und Tassen sich der Aufdruck: „Koscher für Fleischspeisen“ befindet. Alle Geräte, die an der jüdischen Tafel verwendet werden, gelangen zu keiner anderen Bestimmung, und, wenn unbenutzt, werden sie unter Verschluß gehalten. Wenn die Mahlzeit serviert werden soll, begibt sich der Schomer in die koschere Küche und inspi- F r e e m a n, der alles (weiß, was Über Jüdin sehe Küche zu wissen m%. DeT Schomer ®n| Bord ist ein gewiegter Talmiidist, namens. Max Erblick. Er ist das, was ein jttdi-t scher Kontrollor sein muß: er äst sehir streng und genau in seinen Forderungen und daher ist Kaechrut ein hundertprozentiger Erfolg. Am Sonntag, dem ersten Tag Sohabuot, feierten wir Juden einen Gottesdienst in der improvisierten Synagoge, der eine große Gemeinde fand und großen Erfolg hatte. Rabbi Erblick leitete den Gottesdienst. Danach gaben die Schiffsoffiziere den jüdischen Passagieren ein Festdiner, und das Sohiffsorchester spielte speziell für diese Gelegenheit ein Programm mit jüdischer Musik. Ich möchte schließen, indem ich saget Wenn du ein strenggläubiger Jude bist, dann wird dich Kaschrat an Bord der Cunard-Expreßdampfer vollauf befriedigen. Ich nenne es das vollkommenste System des Kaschrut, das es jemals auf hoher See gab! ■ Oer Zionismus in SowjetruAland (Aus einem Gespräch mit einem soeben nach Palästina gekommenen führenden russischen Zionisten.) In den letzten Tagen sind in Palästina einige der führenden Zionisten Sowjetrußlands, welche unter großen Anstrengungen aus den Orten, in die sie zur Strafe für ihre zionistische Tätigkeit durch die Sowjetregierung verschickt worden waren, befreit und nach Palästina gebracht werden konnten, im Lande eingetroffen. Einer dieser Flüchtlinge teilte eine Reihe sehr interessanter Einzelheiten mit. Trotz der schweren Verfolgungen seitens der Sowjetregierung, die im Zionismus immer noch eine konterrevolutionäre Bewegung sieht, wird in der ganzen Zeit durch die „Dr. Krüger-Heim“ gemeinnützige Zentralanstalt für Hfldcbenerzielinng und Fortbildung Wien, II., Malzgasse 7 Tel. A 48-0-77 Internat Halbinternat Externat Frauenberufsschulen Nau g Klndergärfnerlnnenblldungaanetalt mit Staatsprüfung Portblldungsachula i Kochen, Nähen Gartenbau, allgemeine Bildung Prospekt« aiaff Wunsch zionistischen-sozialistischen Organisationen eine mehr oder weniger lebhafte Tätigkeit entfaltet. Sie wird unter außerordentlich schweren Bedingungen geführt. Bei dem geringsten Verdacht der Zugehörigkeit zu einer zionistischen Gruppe wird man verhaftet und verschickt. Augenblicklich befinden sich etwa tausend Zionisten in Verbannung, in Ko nzentrationslagern und in den sogenannten „Politisolatoren“. Die Lage der verhafteten und verbannten Zionisten ist ungeheuer schwer. Selten gelingt es einem, aus dem Verbannungsort wegzukommen. Selbst wenn man die Strafe abgebtißt hat, ist es infolge der neu eingeführten „Paßportisation“ (der Pflicht, sich neue Pässe ausstellen zu lassen), die es unmöglich macht, Bich im Lande frei zu bewegen, schwer, den Verbannungsort zu verlassen. Man muß also auch nach der Freilassung am gleichen Platze bleiben und ist ständig Schikanen, Revisionen usw. ausgesetzt. Im allgemeinen kommt es überhaupt sehr selten vor, daß ein politisch Verbannter daB Glück hat, an den Endtermin seiner Strafe zu gelangen, weil man gewöhnlich jedesmal, wenn die Strafzeit sich ihrem Ende nähert, die VeTbannungsstrafe auf weitere Jahre verlängert. Es gibt Verbannte, bei denen sich dieso Praxis bereits zum dritten Male wiederholt. Die wenigen, denen es gelingt, ihre Strafe abzubüßea und, formal freigelossen zu werden, erlangen dadurch keine Besserung ihrer Lage; in vielen Fällen sogar eine Verschlimmerung, weil sie rechtlos bleiben Minfan der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt Wie alljährlich veranstaltet die Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt in den Räumen des Zentrallokals zu den hohen Feiertagen einen feierlichen Gottesdienst. Sitzvormerkungen werden täglich ab 11 Uhr vormittags im besagten Lokal entgegengenommen. und nicht einmal die Eßmarken erhalten, die sie als Verbannte zu erhalten pflegten. Die Arbeit für den Zionismus ist in Sowjetrußland trotz allem während der ganzen Zeit auch nicht einen einzigen Tag unterbrochen worden. Es existiert ein Zentralkomitee der zionistischsozialistischen Bewegung, das ein periodisch erscheinendes Bulletin herausgibt, das sich vor allem damit befaßt, über die laufenden Vorkommnisse in der zionistischen Welt und in Palästina zu informieren. Noch niemals — bo betont nachdrücklich unser Gewährsmann — war im russischen Judentum die zionistibche. Stimmung so stark wie heute; noch niemals, selbst in der Zeit des größten Aufschwungs des Zionismus in Rußland, nach der ersten Kerensky-Revolution, war die zionistische Idee in den russisch-jüdischen Massen so lebendig, wie sie heute unter dem Joch der Sowjetdiktatur ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn sich heute dem russischen Judentum irgendwelche Möglichkeiten der Auswanderung böte, der Drang nach Palästina so groß wäre, wie er noch niemals in irgend einer jüdischen Gruppe der Welt gewesen ist. DEN PRIVATANGESTELLTEN DIE VORSORGE-VERSICHERUNG MON ATLICHI PRXMIK SCHILLING' 3-60 STERBEGELD : RENTE.;VL!: ÜnEALLITOD INVAjLl.DjiT^f, Beiträge!.;'op|ER'ÄT^fci‘ ■ ‘ "■',1 V,y ,?V’. Oll LKISTUNO S 300*— S 15*—* S 300'— S 300‘— S 5 — S 100 — LEBENSVERS.-GES. PHÖNIX w 1 E N, I., HIE ME R G A S IE t