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Die Stimme · 1934-08-31 · Heft 383 (31.8.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 383 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3S3 — 31. August. 193-1 DIE STIMME Seite 3 PALÄSTINA - TRANSPORTE * *?>nw m»6 D'nsDjna BRODER & FENYO Wien, I , Franz-Josefs-Kai 7-9, Telephon R 26-0-67 und R 26-1-67, übernehmen zu kulantesten Be dingungen Übersledlungen, Warentransporte via Galats, Triest und Constansa nach Palästina. Auskünfte : Ernst ULLMANN, Leiter der Palü stina-Abteilung Wieder Snannuna in PaWsiina Jerusalem, 29. August. (2. T. A.) Nachdem iin Zusammenhang mit der kürzlich erlassenen Order des High Commissioner betreffend Nichteinmischung privater Kreise in die Obliegenheiten der Polizei die arabischen Jugendlichen sich in der Jagd auf jüdische Einwanderer einige Reserve auferlegt hatten, haben nunmehr arabische Trupps die Unterstützung der Polizei bei der Absuchung der Küste nach illegal Eingewanderten in vollem Umfange wieder aufgenommen. In Haifa und in Tulkarem hat die Polizei arabische Jugendliche für den Küstendienst angeworben und sie damit in den Rang einer offiziellen Hilfspolizei erhoben. Längs der Käste von Nathania und anderwärts suchen mit Scheinwerfern ausgcstattete Aeroplanc die Gegend ab. Infolge dieser verstärkten Jagd auf Einwanderer und der offiziellen Inanspruchnahme jugendlicher Araber ist die S p a nn u n g in Palästina gewachsen. Die hebräische Tageszeitung „Haaretz“ erklärt im Leitartikel, der Palästina-Judenheit habe sich infolge dieser Machinationen Nervosität bemächtigt; man habe das Gefühl, daß sich etwas Schlimmes hinter den Kulissen vorbereitet. Die Zeitung fragt, ob man etwa die Unruhen von 1929 wiederholen will, um jüdische Leistung und Prosperität im Lande zu zerstören. Die ökonomische Lage des jüdischen Volkes Im Verlaufe seines umfassenden Referats auf der III. Jüdischen Weltkonferenz in Genf über „Die ökonomische Lage des jüdischen Volkes“ führte der Wirtschaftsstatistiker Jakob Lests c h i n s k y ungefähr aus: So wie zur Blütezeit des Kapitalismus die objektiven Bedingungen und die subjektiven Eigenschaften der Juden für die Judenheit günstig waren, so hat sich zu unserer Zeit alles gegen das Judentum gewendet. Die europäischen Agrarvölker, vor allem Deutschland, benötigten zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Element-Ferment, um die veralteten patriarchalischen Lebensformen zu überwinden, internationale Beziehungen anzuknüpfen, die Bedürfnisse der breiten Konsumentenmassen zu wecken, in schnellem Tempo die Knotenorgane, wie Banken und Eisenbahnen zu schaffen, weiche die naturale Dorfwirtschaft in eine nationale Wirtschaft verwandeln sollen. Aus verschiedenen historischen Ursachen waven die Juden die Berufensten, diese „Antreiber“ der kapitalistischen Entwicklung zu werden. Sie haben diese Mission, hauptsächlich in Deutschland, sehr gut erfüllt. Jetzt aber haben sich die gebundene Wirtschaft, alle Formen der Zwangswirtschaft, die Verstaatlichung ganzer Wirtschafts zweige, das Aufleben der mittelalterlichen Zünfte, der ökonomische Nationalismus für die Juden als katastrophal herausgestellt. Der ökonomische Nationalismus trägt in den Nationalstaaten einen Charaktei der Autarkie und in den Nationalitätenstaaten hat er eine Tendenz von ökonomischer Expansion der nationalen Mehrheit auf Kosten der nationalen Minderheiten. In allen neu entstandenen Staaten war die nationale Mehrheit sozial rückständig gegenüber den nationalen Minderheiten. Als herrschende Mehrheiten nützen sie jetzt den Staatskapitalismus und die Zwangswirtschaft aus, um den Kreditapparat für ihre eigenen nationalen Interessen zu gebrauchen. Der Klassenkampf hat vorläufig kapituliert vor dem nationalen Kampf. Die Mittelstandsideologie von nationaler Klassenharmonie bei Interessenantagonismen hat nun über die internationale Klassensolidarität gesiegt. In dem Knäuel von sozialen und nationalen Kämpfen, hat sich die jüdische landlose und staatenlose Minderheit als die schwächste, un widerstandsfähigste und tragischeste erwiesen. Alle organischen Prozesse des 19. Jahrhunderts, das Hineinwachsen in das ökonomische Leben, die Produktivierung der Massen, das Zunehmen des Bauernstandes und der Industriearbeiter — als das wurde unterbrochen und machte einem organisierten Verdrängen der Juden aus allen Wirtschaftszweigen Platz. Die ausgesprochenste Form dieses organisierten Verdrängens zeigt uns das heutige Deutschland. Mit einem Federzug wurde zirka 25.000 jüdischen Intellektuellen das Brot weggenommen (Professoren,. Richtern, Notaren, Rechtsanwälten, Schauspielern, Journalisten usw.). Mit den Familienmitgliedern wurden zirka 60.000 b i s 70.000 Menschen z u jn Hunger, zur Emigration, zur Suche nach neuen E x i s t e n z möglich k e i t e n i n fr e m den Ländern verurteilt: so mancher mußte im Alter den Universitätslehrstuhl gegen eine Schusterwerkstatt oder den Kleinhandel vertauschen. Schreckliche Formen hat der Boykott besonders in der Provinz angenommen, wo fast alle Juden auswandern müssen. Man hat große jüdische Firmen, wie zum Beispiel Tietz (Warenhäuser), Salamander und Leiser (Schuhfabriken usw.) gezwungen. ihre Geschäfte Nationalsozialisten zu übergeben. Ungefähr 20.000 jüdische Angestellte in Deutschland sind allein im letzten Jahr entlassen worden. Den Versuchen, sich der landwirtschaftlichen Wie bereits kurz gemeldet, hat der Wiener Rassenforscher Dr. Ignaz Z o 11 s e h a n auf der Genfer Konferenz ein Referat erstattet. Er führte u. a. aus: Heute gelten im offiziellen Deutschland Rassenphilosophie, Rasseuforsehung und Anthropologie als identische Begriffe. Der Inhalt dieser Lehre ißt folgender: Immer und überall war und ist es nur die einzige Menschenart, auf welche alle großen Leistungen, die die Geschichte der Menschheit verzeichnet, zurückgehen. Alles Schöpferische, alle Gestaltungskraft stamme aus dieser oinen einzigen Wurzel. Auch die heutige Machtverteilung und zivilisatorische Expansion habe ihren Ursprung in jenem Urphänomon der einen einzigen rassengebimdenen Kulturproduktivität. Sie allein habe sich von Urzeiten her bewährt, jede große historische Epoche wäre immer mit ihrem Auftauchen identisch. Ihre Wanderung und ihr Blutzuschuß bedeuten Aufstieg der Völker. Die Abnahmo ihres Blutein flusses erkläre das Stc-rihverden von Völkern und den Verfall alter. Kulturen. Lobensgebot dieser nordischen Rasse sei daher die Schonung ihrer Potenzen und Bewahrung vor einer blnimbehung. Arbeit anzupassen, hat din Hitler-Partei entgegengewirkt. Wenn die politische Lage in den ne« entstandenen Staaten Osteuropas auch besser als in Deutschland ist. ist die ökonomische Lage schlimmer. Der Staatskapitalismus, der in diesen Ländern am stärksten entwickelt ist, hat bis zu 20 bis 30% des Handels- und Industrieumsatzes der Privatwirtschaft abgenommen. Da 80% der jüdischen Bevölkerung dort in Handel und Industrie tätig sind, und da die Juden weder als Beamte noch Angestellte oder Arbeiter in den staatlichen und kommunalen Unternehmungen beschäftigt werden, bedeutet dies ein absolutes Verdrängen der Juden aus den verstaatlichten Wirtschaftszweigen. Auch die Genossenschaften, die von den Regierungen subsidiert und gestützt werden, haben zirka 10 bis 15% des Privathandels abgenommen. Die Regierungen all dieser Länder, welche direkt an der Verdrängung der jüdischen Händler teilnehmen, halten sich von jeder Pflicht frei, für diese deklassierten Elemente zu sorgen. Die in den freien Berufen beschäftigten Juden sind konzentriert in der Medizin und der Advokatur. Kein jüdischer Ingenieur, kein jüdischer Chemiker, kein jüdischer Architekt bekommt Arbeit, weder beim Staat noch an der Stadt und auch nicht in der vertrusteten Großindustrie. Aber auch gegen die genannten zwei „jüdischen“ Zweige wird eine Attacke geführt. In den Universitäten wird faktisch der Numerus clausus angewendet. Der Prozentsatz der jüdischen Studenten sank in Ungarn und Lettland auf mehr als die Hälfte, in Polen auf ein Drittel gegen früher. Die Pauperisierung der Massen hat einen katastrophalen Umfang angenommen. 55% der jüdischen Bevölkerung in Warschau, Wilna, Lemberg usw. sind nicht imstande, 5 Zloti jährlich Steuer zu leisten. Da es außer Palästina keine Auswanderungsländer gibt, ist auch die Möglichkeit einer Rettung durch Emigration nicht vorhanden. Schulbücher fiir a'lo Lehranstalten in d<*n votgeschrieber.en Auflagen, auch antiquarisch, zu wirklich billigsten Pre sen liefett die Jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner, dien II., ECKE TaborstraSe Nr. 52 Verzeichnisae umsonst. Spesci fruie Zustellung überallhin Für Auskünfte Telephon R 41-4-20. Zuständigkeit und Objektivität zusammengesetzt sein soll. Der Referent hat in einer vor einigen Monaten erschienenen Broschüre den Vorschlag gemacht, die führenden Universitäten und Akademien mögen in einer Enquete die wissenschaftliche Klarstellung der dieser Frage zugrundeliegenden Problematik in Angriff nehmen. In drei für diese Fragen zuständigen Sektionen des vor zwei Wochen abgeschlossenen internationalen Anthropologe n-K o n g r e s s e s in London wurde eine Resolution von dem führenden englischen Anthropologen uncl Vorsitzenden der Sektion A des Kongresses, Sir G. Elliot Smith, eingebracht, es sollen in den verschiedenen Staaten eingehende Untersuchungen über die Grundbegriffe der Rassenlehre in Angriff genommen werden, am besten unter Führung des „Institutes für intellektuelle Zusammenarbeit“. Der Referent empfahl der Konferenz, sich diese Resolutionen zu eigen zu machen und sich für das Zustandekommen einer solchen Enquete mit aller Kraft einzusetzen, damit auch Deutschland an diesen Untersuchungen mitbeteiligt sei. Er schloß: „Es geht nicht um unsere Würde allein, sondern um die Würde der Menschheit überhaupt.“ Die Einfuhr deutscher Waren in Palästina Berlin, 28. August. (2. T. A.) Maada Schneider in der Millionen-Lustspieloperette Ein Müdel uns (Oien mit Grete Natzler und dem berühmten Komiker Arthur Riscoe. Regie Carmine Gallone, der Meisterregisseur der Kiepura-Filme Elite. I. LustspieMer, II. Opera, I. Flotten, VI. Ichottenrlnp, I. Luxus-Film, VII. Der offiziöse „E i 1 dienst für Außenh a nde 1“ verbreitet die folgende Meldung aus Jerusalem: Nach amtlicher Aufstellung ist die Einfuhr deutscher Waren nach Palästina in den ersten drei Monaten 1934 auf 408.000 Pfund (gegen 251.000 Pfund in der gleichen Zeit des Vorjahres) gestiegen. Die Steigerung beträgt 156.000 Pfund oder 60 Prozent. Die neuen Investitionen deutscher Juden in Palästina Die Transfer-Körperschaft „H a a w ar a h“, die das Transferabkommen mit der deutschen Regierung geschlossen hat, teilt mit: Die deutsche Regierung hat aufs neue den Juden in Deutschland die Investierung von Kapitalien in Palästina in Höhe von 385.000 in Genf Der Selbstvergottung der eigenen Rasse wurde der Jude als das Prinzip des Bösen schlechthin entgegengestellt; als wert-widrig und vernich bungsw irkend. Denn die Juden sind nach dieser Beurteilung nicht einmal als minderwertige Rasse, sondern als Gemisch h e t e r o g cner Rassen elemente zu bezeichnen. Bastardiert schon am Anfang ihrer Geschichte, könne sieh die Heterogenität ihrer Konstitution nicht anders als zersetzend aus wirken. Diese Lehre wird innerhalb eines großen Volkes zur Leitidee, wird von den Gebildeten als der Wissenschaft letzter Schluß hingenommen, von der Masse mit der Kraft religiöser Verpflichtung erlebt. Uns Juden aber ist mit dieser Lehre eine Schändung angetan, die uns noch weit mehr trifft, als die grausame Entrechtung in Deutschland. Es geht um die Ehre unseres Blutes, um die Ehre unserer Lehre und unserer Geschichte. Um unserer Freiheit und Menschenwürde willen müssen wir die Rassenverleumder vor ein Forum stellen, das nach strengstem Anspruch auf wissenschaftliche UUUIU1U Mlix.1 legt erstens in H ä u s e r b a tite n, zweitens in Citrus-Plantagen und I n d ustrieunternehmungen, drittens in W e r t p a p i e r e n, viertens in H y p ot h e k e n, kommerziellen Gesellschaften usw. Die allgemeinen kolonisatorischen Anstalten des Gesamt-Jischinv erhalten von diesen deutschen Juden Kredite. Der K er e n Kajemet h zum Beispiel erhält eine Anleihe von einer Million Mark, Anleihen erhalten ferner die neue Gesellschaft für Kolonisation bei der Jewish Agency, die Gesellschaft fiir Dorf- und Stadtsiedlungen, die Messe in Tel-Aviv und verschiedene kolonisatorische Gesellschaften, wie „Hanot-e“, „Nir“ u. a. m. Unter der Aufsicht eines Komitees, in dem die wichtigsten ökonomischen Anstalten des Jischuw vertreten sind, werden die Verrechnungsgelder für die deutschen Waren eingezahlt und auf Konto der deutschen Juden gebucht. Es sind Garantien geschaffen worden, daß dieses Geld in Palästina bleibt und keinesfalls in andere Länder überführt werden dar f. Die deutsche Regierung hat den deutschen Juden die Erlaubnis zur Investierung dieser 385.000 Pfund nur unter der Bedingung gewährt, daß die zuständigen jüdischen Institutionen dafür sorgen, daß das Geld in Palästina bleibt. Judenl Beteiligt Euch an der Telesrammaktion zu Ehren Dr. Josef Löwen herz!

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