Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 383 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054137--4450-3060073- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE STIMME Kr. 383 — 31. August 1934 Seite 2 ggJi'.ü» Besuchet Emlnsers Gaststatten am Praterstern! zweifle, stirb! Wir haben nicht verzweifelt und wir lohen heute, kräftiger denn je und stehen am Beginn einer mächtigen Entwicklung des Allgemeinen Zionismus. Er ist in Krakau durch den Feuerofen gegangen und verläßt ihn, geläutert von allen Schlacken dir Parteieintlüsse und des eigenen Minderwertigkeitsgefühles. Es ist kein Zufall, daß die Wiedergeburt dis Allgemeinen Zionismus gerade in eine Zeit fällt, in der die zionistische Weltorganisation in ihren Grundfesten durch Parteikämpfe erschüttert ist. deren Fortdauer die Organisation und damit die Hoffnung auf die Lösung der Judenfrage in Palästina vernichten könnte. Wer aber meint, daß der Allgemeine Zionismus nur die Feuerspritze int, die den Brand der Organisation zu löschen hat und dann wieder in die Garage gestelltwird. b:e es wieder einmal brennt, der irrt gewaltig. Es wird wohl seine erste Aufgabe sein, den raufenden Parteien ein donnerndes Halt zuzurufen und er wird auf Grund eines diesbezüglichen Beschlusses die Herbeiführung eines zionistischen Burgfriedens anbahnen. Das ist aber nicht alles. Der Allgemeine Zionismus wird von nun an die Politik der zionistischen Organisation und den Aufbau Palästinas entscheidend beeinflussen, ■nicht etwa deswegen, weil er Machtgelüste hat, sondern aus dem Grunde, weil nur seine Ideologie den Frieden in der Weltorganisation und den Aufbau Erez Israels fernab von jeder schädlichen politischen Assimilation gewährleisten kann. Bisher konnte der Allgemeine Zionismus aus zwei Gründen nicht jene Stellung erlangen, die ihm zukommt. Erstens ist der Allgemeine Zionismus ungleich jenem der Arbeiterpartei in einer Art Salonzionismus stecken geblieben. Er propagierte die Idee und brachte ihr enorme Geldopfer, er verwirklichte aber nicht selbst den Zionismus. Der zweite Grund war der, daß er durch die Ideologien der Flügelparteien infiziert wurde. Es drangen Krankheitskeime in seinen Organismus, die seine Kräfte lähmten. Es gab Allgemeine Zionisten, die glaubten, ihre Rolle bestehe in der ex offo Yerteidi- GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN l.t Kärlnerslra^e Nr 61 Besitzer Ollo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer gung linker oder rechter Ideen. Es gab Allgemeine Zionisten und dazu noch gut bürgerliche, die jedes Auftreten gegen die Arbeiter perhorreszierten und dem Sozialismus immer Schützenhilfe leisteten; und es gab andere Zionisten, die mit unendlicher Nachsicht den Mantel der Nächstenliebe über die verdamraenswerten revisionistischen Kampfmethoden bereiteten. Damit bat es nun sein Ende. Seit einigen Jahren strömen allgemein-zionistische Jugendliche und Erwachsene nach Palästina, um als Arbeiter und Handwerker am Aufbau des Landes mitzuarbeiten. Sie lehnen es ab in die rote oder in die braune Laube zu gehen. Sie lehnen den Klassenkampf ab. Der allgemein-zionistische Arbeiter schafft eine neue, d i e j U d i s c h e, von keiner Assimilation an marxistische oder faschistische Vorbilder beschwerte Weltanschauung. Im Verein mit den Arbeitgebern, die «ich wie er als Diener des ganzen Volkes fühlen, verharrt er unverbrüchlich auf dem Prinzip der hundertprozentigen Awodah iwrith. Dies wurde in Krakau neuerlich feierlich festgelegt. Der Allgemeine Zionismus verlangt auch von seinen jugendlichen Einwanderern, daß sie ein ganzes Jahr als Landarbeiter in den Kolonien ihr Brot verdienen. Diese Änderung in der Struktur des Allgemeinen Zionismus ist leider bisher hei sjftjea Allgemeinen Zionisten nicht zum Anlaß genommen worden, sich politisch auf sie einzustellen. Sie schielten weiter nach links und rechts. Damit wird ee nun im einheitlichen Weltverband der Allgemeinen Zionisten, der keine Gruppen mehr kennt, sein Ende haben. In Krakau wurde der richtige Weg beschriften. Richtig nicht nur deswegen, weil er zwischen den von links und rechts drohenden Gefahren hindurchführt, sondern insbesondere deswegen, weil er das Abgleiten in unjtidische Methoden politischer Assimilation verhindert, die niemals ein friedliches auf jüdischer Selbstarbeit basierendes Palästina schaffen können. Wir müssen alle unsere Kräfte mobilisieren, um den einmal beschrittenen Weg zu Ende zu gehen. Für uns Allgemeine Zionisten kann es nie ausschlaggebend sein, ob wir ein Stück Weg mit der einen oder anderen Flügelpartei gehen. Es wird aus taktischen Gründen zeitweilig solche Kooperationen geben. Wir werden aber nie unseren Weg verlassen. Dazu ist aber etwas notwendig: Disziplin. Der Allgemeine Zionismus hat in den letzten Jahren die ihm gebührende Rolle nicht gespielt, weil seine Gruppen ihre eigenen Wege gingen. Damit wurde in Krakau Schluß gemacht. Es wurde ein Übergangsstadium geschaffen und auf dem 19. Kongreß wird das Werk vollendet werden. Es wird von nun an unmöglich sein, daß Allgemeine Zionistengegen den Willen des Weltverbandes Bei der Krakauer Tagung des Weltverbandes d8r Allgemeinen Zionisten wurde folgendes Programm beschlossen: I. Ziel des Zionismus. 1. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten erblickt das Ziel des Zionismus in dem Wiederaufbau des nationalen Heimes für das jüdische Volk in Erez Israel, in welchem es sein politisches, wirtschaftliches, kulturelles und sosiales Schicksal selbst bestimmen kann. 2. Die Erfüllung dieser Aufgabe soll durch Organisierung unserer, aber auch durch- Zusammenschluß aller anderen schaffenden Elemente der jüdischen Nation erfolgen. II. Politik. 1. Treu dem Basler Programm vom Jahre 1897 erstrebt und fordert unser Weltverband die Verwirklichung eines unbedingten und uneingeschränkten Zionismus, der die Wiederherstellung unserer historischen Heimat sichert. Eine realistische, zielbewußte und erzieherische Politik soll uns zur Verwirklichung unseres historischen Ideals führen. 2. Die Politik unserer Bewegung gegenüber der Mandatarmacht und dem Völkerbunde hat unsere Rechte aus der Balfour-Deklaration und dem Mandat würdig und entschieden zu vertreten und eine Kooperation mit der Mandatarmacht anzustreben, weiche die volle Verwirklichung dieser Rechte sichert. Die Verständigung mit den Arabern soll würdig und im Einklang mit den Lebensinteressen unserer Bewegung durchgeführt werden. III. Wirtschaft und Sozialpolitik. 1. Ohne Rücksicht auf Klasseninteressen soll der Aufbau Palästinas iin Geiste des sozialen Fortschritts und der sozialen Gerechtigkeit erfolgen. 2. Umschichtung unseres Volkes durch Hinüberleitung, Seßhaftmachung und Verwurzelung in Urproduktion und Produktion in Land und Stadt ist unsere oberste Aufgabe. Zu diesem Zweck fordern wir die Vereinigung und Aktivierung aller schöpferischen Kräfte der Arbeit und der Privatinitiative in der Weise, daß dem nationalen und privaten Kapital in gleicher Weise konstruktive Aufgaben in Palästina zugewiesen werden. 3. Die Durchführung des P r i n z i p s d e r jüdischenArbeitin Erez Israel (Awodah iwrith) ist absolute Pflicht eines .jeden Mitgliedes des Verbandes und soll überall und auf allen Gebieten des jüdischen .Wktgch&ftftlpbßng in Er.es Israel durchgs-, in die Exekutive eintreten. Dio Flügelparteien werden nun wissen, daß sie ung nicht, mehr gegeneinander ausspielen können. Viel wäre und und der ganzen zionistischen Bewegung erspart, geblieben, wären die Krakauer Beschlüsse schon vor Jahren gefaßt worden. Diese Krakauer Beschlüsse, über die wir noch manches zu berichten haben, sind das wichtigste Ereignis in der zionistischen Geschichte der Nachkriegszeit. Den Männern, die sie faßten, gebührt der Dank der ganzen Bewegung.' Inebesonders aber ist. es das unvergängliche Verdienet unseres Freundes Dr. Schwarzbart, daß in Krakau ein so schöner Erfolg erreicht wurde. Man muß die aufreibende, zähe und ehrliche Arbeit Dr. Schwarzbarts seit 1931 miterlebt haben, um seine Verdienste voll zu würdigen. Wir wollen ihm und — um nur einige Namen zu nennen — unseren Freunden Dr. R u feisen und Dr. Schmorak für die weise Mäßigung danken, durch die sie das große Werk ermöglicht haben. Wir in Österreich freuen uns besonders über die Erfolge in Krakau, weil sie eine Politik bestätigen, die von une längst als die allein richtige erkannt und befolgt wurde. Restaurant Rillet Best renommierte Küche "UW' Reichhaltige ManUs JS 1*99 v. 8*60 SdiwediaterBrtu ll„ Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Telephon A 41-0-15 führt werden. Niemand darf Mitglied des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten sein, der nichtdieForderungvonAwodah iwrith in seiner eigenen Privatwirtschaft in Erez Israel verwirklicht. Zionistische Wirtschafts- und Finanzinstitute sollen nur jene jüdischen Privatwirtschaften stützen (Anleihe, Subventionen usw.), welche Forderungen der Awodah iwrith verwirklichen. 4. Die nationalen Fonds sollen mit größtem Nachdruck gestärkt und gefestigt werden. Aus dieser Quelle soll sowohl die Arbeit der Chaluzim, als auch die Privatinitiative in Landwirtschaft und Industrie, soweit sie dem nationalen Interesse dient, organisiert und gefördert werden. 5. Die Schaffung einer Bodenreserve für weitere ländliche und städtische Kolonisationen des Keren Kajemeth oder Privatkolonisation soll als zentrales Problem des Wiederaufbaues mit aller Energie und im Bewußtsein des großen Zieles betrieben werden. Gegen Bodenspekulation sollen zweckmäßige Maßnahmen ergriffen werden. Zu diesem Zwecke soll der Ausbau einer zentralen Bodeneinkaufs- und Parzellierungsstelle gefördert werden. IV. Arbeit und Kapital. 1. Arbeit und Kapital sollen dem Primat der gesamtnationalen Interessen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens in Erez Israel unterworfen sein. Von beiden sollen gleichmäßige Opfer im Dienste der Nation verlangt werden, beido sollen unter der Kontrolle der nationalen Instanzen stehen und von ihnen geregelt werden. Für den Arbeitgeber muß die Sicherung eines menschlichen, würdigen Daseins des Arbeiters, für den Arbeiter die Produktionsbedingungen des Landes mitbcstimmend, für beide stets die Stärkung der nationalen Wirtschaft maßgebend sein. 2. Die Erziehung und Organisierung des Arbeiters und Arbeitgebers und die Schaffung einer öffentlichen Meinung im Lande im Sinne und im Geiste dieser zionistischen Lösungen betrachtet der Weltverbänd der Allgemeinen Zionisten als eine Lebensnotwendigkeit für den harmonischen Aufbau und für die Erschließung des Landes. 3. Wir fordern deshalb: a) eine Neuordnung des Gewerk* s c h a f t s w e s e n s, um dieses zu entpolitisieren; b) daß die Leitung derArbeitskjix.01 für alle Arbaitazweige nach neutralen Gesichtspunkten eingesetzt und einer nationalen Instanz verantwortlich ist; c) Einsetzung von Landes- und lokalen Zwangs a rbitr a gein s t, anzen auf allen Gebieten des Aufbaues durch eine nationale Institution, welcher diese Zwangsarbitrageinstanzen verantwortlich sind und die sowohl alle Streitigkeiten zwischen Arbeit und Kapital als auch der Arbeitsorganisationen untereinander endgültig entscheiden. Streiks oder Lockouts sind vor der Entscheidung dieser Zwangsarbitrageinstanz verboten. 4. Wir fordern Einführung sozialer G esetze zum Schutze der Arbeit, insbesondere für den Fall der Krankheit, Unfall, Invalidität, Alter und Arbeitslosigkeit. V. Immigration und Kolonisation. 1. Der Allgemeine Zionismus vertritt Ge- '-aintintcressen und nicht die irgend einer Klasse. Er fordert daher Gleichberechtigung sämtlicher Schichtendes V 0 1 k e s i n d e r I m m i g r a t i 0 n, sofern sie sich den nationalen Interessen unterwerfen und dem zionistischen Gebote des Aufbaues von Land und Volk dienen. Dio chaluzieche Arbeiterorganisation und dio Immigration des Mittelstandes dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. 2. Der Keren Kajemeth soll auf seinem Boden und auf dom etwa von der Regierung zugewiesenen Boden eine Volkskolonisation von Familien, welche kleine Mittel besitzen, sowie von Arbeitern durchführen und Hilfswirtschaften für Lohnarbeiter ins Leben rufen. 3. Für Tausende von Juden, die aus Handel, Handwerk und Gewerbe verdrängt wurden, sollen Bedingungen einer produktiven Seßhaftmachung in Erez Israel geschaffen werden. 4. Die Hachecharah soll nach nationalen Gesichtspunkten zweckmäßig durchgeführt und den Bedürfnissen des Landes angepaßt werden. Bei der Auswahl der Olim soll auch dio individuelle Hachscharah Palästlnaabtellung nrro'pnö Josef Popper illllllllllllllilllllllllli Internationale Transporte Wien, II., Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, R 40-5-70 Serie Spezial-Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. außerhalb der Chaluz-Organisation berücksichtigt werden. VI. Finanzen. 1. Sämtliche Finanzinstitutc und Finanzaktionen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency haben nur dem Aufbau des Laudes zu dienen und Bollen ausschließlich der Exekutive der Jewish Agency untergeordnet sein und von ihr kontrolliert werden. 2. Sämtliche Kollektivsammlungen, Finanzaktionen von Gruppen und einzelnen Personen sollen lediglich nach vorheriger Zustimmung der legitimen Instanzen der Organisation erfolgen dürfen und ipiter deren Kontrolle stehen. VII. Organisation. 1. Die Zionistische Organisation ist die von historischer Verantwortung getragene organisierte Nation. Sie kann nur dann ihre Aufgaben der Erneuerung des jüdischen Volkes erfüllen, wenn alle Teile dieser Volksbewegung diese Mission der Zionistischen Organisation vor Augen haben. 2. Dio legitimen Behörden der Zionistischen Organisation sind dio verantwortlichen Träger dieser Idee. Dor Weltverband der Allgemeinen Zionisten vertritt deshalb, den Standpunkt der unbedingten und vorbehaltlosen Disziplin Programm des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten