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Die Stimme · 1934-08-31 · Heft 383 (31.8.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 383 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prell «Meter Nummer 20 V. b. b. 9 JÜDISCHE ZEITUNG Rosch-Haschanah- Festnummer der .Stimme* Freitag, den 7. September 1934, erscheint die Rosch-Haschanah Festnummer in besonders verstärktem Umfange mit Beiträgen aus ersten Federn Nr» 383 | Wien, 31» August 1934 T Redaktion und Administration) Wien, i. KäHntneratraSe 28. Tel. R 27-4-85. RedaktlonssohluS Montag und Mittwooh vorm. |(*o^Elu^5694^^J^^7^Jahrgang Weltkonferenz und Weltkongreß Die jüdische Weltkonferenz in Genf ist nach dreitägiger Dauer zu Ende gegangen Ihre Bedeutung liegt weniger in den Be Schlüssen, als in der Tatsache des Stattfin idens dieser Beratung. Sie sollte und wollte vor der ganzen Welt von einer sichtbaren [Tribüne aus das so schmerzlich gewordene!Judenproblem aufrollen. In dieser Situation in der sich — nebst gewissen „israelitischen“ Schichten — auch die politische Welt mit dem Schicksal der Juden Deutschlands ab zufinden beginnt, in der aber unter dem Ein fluß der deutschen Propaganda und des deutschen Geldes sich Exzeßbereit Schaft fast anf der ganzen Wel erhebt r— in dieser Situation hat die Konf e jenz gesprochen und sie ist nicht ungehört geblieben. Die Konferenz hat gezeigt, c die .Vorgänge im Dritten Reich die schwe ren und drückenden Sorgen der jüdischen Welt ins Tausendfache gesteigert haben. Sie bat vor aller Welt darauf hingewiesen, daß da« Judentum in Rußland kaum noch atmet, daß es in Polen verarmt und wirtschaftlich äußblutet, daß es in allen Staaten in ganz besonderem Maße von der Wirt schaftskrise zermalmt wird. Die Lage des Judentums wird von drei übermächtigen Feinden beherrscht: Vom 'J u d e n b a ß, von der Krise und vom Sozialismus, wobei eich das erstere Element mit den beiden anderen faet bis zur Unkenntlichkeit mengt. Das ist die Situation. Sie muß genau erkannt und genau umschrieben werden und das ist die Aufgabe einer jeden Konferenz, die sich mit der jüdischen Frage zu beschäftigen hat. Die Genfer Konferenz hat gezeigt, daß das Leid dieses Volkes unter allen Himmelsstrichen und in allen Ländern aus derselben Quelle fließt: 'Aus seiner Machtlosigkeit. In dieser Welt des Chauvinismus, in dieser von Mordinstinikten zitternden Umgebung nimmt man Berufungen auf Ergebnisse der Wissenschaft, auf ethische Grundsätze nur an Feiertagen zur Kenntnis. Im Lärm des Tages gilt einzig und allein die Frage, ob das jüdische Volk sich irgendwiewehren kann und ob es nicht vielmehr überall nur ein Objekt des Schutzes durch die Polizei ist und bleibt. Die Genfer Konferenz hat den Boykottbeschluß wiederholt und verschärft. Die Ablehnung deutscher Waren ist eine Selbstverständlichkeit und kein Deutscher würde In ähnlicher Lage anders verfahren. Der Boykott wird fortgesetzt und das an allen Punkten. Begrüßenswert ist die Klarheit, mit der die Weltkonferenz das volle Recht fordert: für die Judenschaften als Minderheit, für den jüdischen Staatsbürger als Angehörigen der staatlichen Gemeinschaft. Wir wollen unsere innerjüdischen Dinge selbst ordnen, wir wollen in allen Ländern eine von dem Willen der Judenschaft gestützte Vertretung nach außen und wir wollen alle Rechte und Pflichten des Bürgers und Steuerzahlers. Genau so wie die Deutschen in den Vereinigten Staaten in ihrer Steuben-Gesellschaft organisiert sind und unbeschadet dessen der demokratischen oder republikanischen Partei als vollgültige amerikanische Bürger angehören, genau so wünschen wir unser Verhältnis. Es ist bezeichnend, daß gerade diese Beschlüsse von deutscher Seite her angegriffen werden. Das Berliner Auswärtige Amt läßt durch die „Diplomatisch - politische Korrespondenz“ erklären, daß Deutschland seine Fragen nicht nach jüdischen Forderungen ordnen lasse; die jüdische Konferenz könne doch nicht im Ernst annehmen, daß sich Deutschland vom jüdischen Interesse beeinflussen lassen könne, daß die Juden dem deutschen Volk literarische oder künstlerische Ratschläge geben können. Das ist ein dummes Spiel mit Worten. Deutschland hat den Juden ihr erworbenes Recht genommen, es hat sie nicht nur geschädigt, sondern es beleidigt und degradiert sie. Deutschland erklärt alle Tage, die Juden seien nicht Menschen, sondern Untermenschen. In Deutschland ist durch das Schächtverbot ein feindlicher Akt gegen die jüdische Religion gesetzt worden; der deutsche Reichsb i s c h o f M ü 11 e r hat am Tage nach der Volksabstimmung in einer Berliner Versammlung wörtlich gesagt: „Hitlers Kampf ist ein Kampf gegen die Juden, die brutalsten Feinde desChristentums. Das Deutsche Volk mag Prüfungen erdulden, doch wird es den Sieg für das Christentum erringen, selbst wenn die Juden die Vernichtung der deutschen Nation beschließen sollten.“? Auch in Österreich hat der Minoritätsbeschluß die gewöhnlichen absichtlichen Verdrehungen gezeitigt. Alle Antisemiten sind wild. Das christlichsoziale „Wiener Montagsblatt“ verliert die Haltung und übersprudelt vor Gift und Galle: „Perfide Verdächtigung, aufreizende Anpöbelung, echt jüdische Überheblichkeit, semitische Anmaßung“ usw. Weil in der Konferenz von den antisemitischen Tendenzen in der städtischen Verwaltung gesprochen worden ist. Das „Montagsblatt“ ist jenes Blatt, das in dem Geschrei wider die jüdischen Ärzte und Rechtsanwälte am lautesten zu vernehmen ist... Die „Wiener N. N.“ das getarnte Organ der Getarnten, übersetzt sich den Genfer Beschluß: „Mit anderen Worten: Die Juden wollen ihren Staat Palästina, in der übrigen Welt die volle Gleichberechtigung und überdies auf alle Fälle noch den Minoritätenschutz . genießen.“ Nun haben die Deutschen ihren Staat, besitzen den Minoritätenschutz — dank dem jüdischen Komitee der Delegationen — und sie verlangen auch dort, wo sie Minderheit sind, ihre volle Geltung in Staat und Gesellschaft. Aber was bei den Deutschen eine Selbstverständlichkeit ist, wird bei den Juden strafbar... In diesem Punkte sind alle Deutschen eines Sinnes. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, daß sich die jüdischen Vertreter von dem Minorität enkongreß zurückziehen und ihm so lange fernbleiben, als nicht eine eindeutige Stellungnahme der Nichtjuden zu der Barbarei in Deutschland erfolgt ist. Die Beschlüsse der Genfer Konferenz sind von einer Versammlung gefaßt worden, deren Mitglieder — der Kürze der Zeit entsprechend — nicht gewählt werden konnten. Sollen die Erklärungen vollwichtig sein, so müssen sie von einem Kongreß, ausgehen, der von den jüdischen Massen ge* wählt ist und dessen Enunziationen sich ala Kundgebungen der Nation darstellen. Die Konferenz hat dies erkannt und die Einberufung des Kongresses für das nächste Jahr beschlossen. Es wird also Aufgabe der einzelnen Komitees sein, die jüdische Bevölkerung in allen Ländern mit der Idee de3 Weltkongresses vertraut zu machen. Die Judenschaften der einzelnen Länder müssen durch Personen vertreten werden, die tatsächlich das durch Wahl bestätigte Recht besitzen, für sie zu sprechen und zu beschließen. Dann wird die Tagung das Organ des demokratischen, selbstbewußten Volkes sein und dann wer* den ihre Resolutionen volle Resonanz finden. Jüdische Bevölkerung und jüdische Wähler in Palästina London, 28. August. (2. T. A.) Der Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister hat dem Mitglied des Unterhauses Colonel Josiah W edgwood Informationen in bezug auf die Bevölkerungszahl und die Zahl der Stimmberechtigten unter Arabern und Juden in Jerusalem und in den anderen Städten Palästinas schriftlich zugehen lassen. In dem Begleitschreiben teilt der Kolonienminister mit, die Zahlen basieren auf Mitteilungen des High Commissioner für Palästina Sir Arthur Wauchope, der ihnen das auf Grund der Municipal Corporations Ordinance von 1933 hergestellte Register zu gründe gelegt hat. In zionistischen Kreisen erfährt man mit Überraschung, wie wenig die Zahl der stimmberechtigten Juden dem wirklichen Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur Gesamt bevölkerung entspricht. Sollte die Verteilung der Sitze in dem zukünftigen Legislative Council auf Grund der Zahl der Stimmberechtigten unter Arabern und Juden erfolgen, so würden die Juden außerordentlichungünstig abschneiden, und damit wäre der gesamten Entwicklung dieses Problems eine sehr ungünstige Prognose gestellt. Aber auch bei den kommenden Munizipalwahlen würden die Juden, was die Zahl ihrer Stimmberechtigten betrifft, in einer Weise in den Hintergrund gedrängt werden, die nicht ihrer wirkichen Bevölkerungsstärke und noch weniger ihrer Bedeutung als aufbaundes Element im Lande entspricht. Den Mitteilungen des Kolonienministere ist zu entnehmen: In Jerusalem leben 51.222 Juden und 39229 Araber; stimmberechtigt aber sind 4362 Araber und 4235 Juden. In J a f f e gibt es unter 47.168 Arabern 4345 Stimmberechtigte, unter 7209 Juden nur 514 Stimmberechtigte. Von den in Haifa lebenden 34.148 Arabern sind 5186 stimmberechtigt, von den 15.923 Haifaer Juden sind 3010 stimmberechtigt. In S a f e d leben 6891 Araber, davon sind 249 stimmberechtigt. Von den 2547 Safeder Juden sind 561 stimmberechtigt. In Tiberias leben 3210 Araber (275 Stimmberechtigte) und 3181 Juden (525 Stimmberechtigte). In diesen beiden Städten, in denen eine autochthone jüdische und eine zu einem Teil fluktuierende arabische Masse lebt, ist das Verhältnis der Juden nicht ungünstig. In den meisten anderen Städten Palästinas ist die Zahl der jüdischen Stimmberechtigten entweder ganz bedeutungslos oder es gibt überhaupt nicht jüdische Stimmberechtigte. In Akko zum Beispiel sind von 237 Juden nur 12, in B e iw s a n von 88 Juden nur 14, in H e b r o n von 135 Juden nur 2 stimmberechtigt. Von den 79 Juden in Nazareth ist keiner stimmberechtigt. In Nablus leben 167 Samaritaner und 6 Juden, aber nur 10 „Juden“ (in der Wählerliste werden die Samaritaner zu den Juden gerechnet) sind stimmberechtigt. In Bethlehem leben 2 Juden, in Gaza lebt 1, in R a m 1 e h 1 Jude; nur der Jude in Ramleh ist stimmberechtigt. Tel- A v i v ist in der Liste nicht enthalten, weil dort nicht vor dem 10. Jänner 1935 gewählt wird. Mit Ausnahme von Tel-Aviv gibt es in den Städten 20.325 arabische und 8583 jüdi* sehe Stimmberechtigte. Die arabische Bevölkerung in den Städten beträgt 257.500, die jüdische (Tel-Aviv ausgenommen) 82.865. Das Einigungswerk in Krakau vollendet Die dritte Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten, die in Krakau am 26. und 27. August tagte, endigte mit einem eensationellen Erfolge. Die GruppenA und B, die Gruppe der sogenannten Progressiven Allgemeinen Zionisten und die Gruppe Eth Liwnoth in Kongreßpolen gehören der Vergangenheit an. In ihre Stelle tritt der Weltverband der Allgemeinen Zionisten mit einem einheitlichen Programm und der Verpflichtung aller seiner Mitglieder zur Disziplin gegenüber der Lei-! tung des Verbandes und dessen Organen. I Als am 28. August um sechs Uhr früh j nach einer Sitzung, die ununterbrochen sechzehn Stunden gedauert hatte, das vollzählig versammelte Plenum der Konferenz einstimmig das Pro- ■ gramm des Weltverbandes annahm und I ebenso einmütig die Organe des Verbandes wählte, da hatten alle Delegierte das Gefühl Zeugen einer historischen Stunde des Zionismus und der Wiedergeburt des Allgemeinen Zionismus zu sein, der wie ein Phönix aus der Achse stieg. Wie oft wurde der Allgemeine Zionismus totgesagt? Wie oft rief man ihm zu: Ver- Für unsere Leser nur: gger Fahrschulen Wien, Will., Neudeggcrg. 18 Tel. B 46 5-7 und Inzendorf (Nieder-Österreich) Prüfungserleichterung durch:.!! Laufendes Auto im Lehrsaal!

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