Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 382 (28.8.1934)
- Date
- 1934-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054136--4446-3060068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 382 — 28. August 1034 DIE STIMME Brite B Sammlung ancinandergcraten. Es gab ein Handgemenge, was Graz bei einer jüdischen .Versammlung noch nie erlebt hat. Statt «ich aber jetzt, zutsamuionzusctzcn und in zionistischer Verantwortlichkeit darüber zu beraten, wie solche Vorkommnisse in Hinkunft zu vermeiden sind, fanden cs einige unserer Freunde von „Rechts“ für gut, den längst angekündigten Austritt aus der Ortsgruppe zu vollziehen und eine eigene Ortsgruppe der „J ii d c n s t a a 11 e r und K e v i s i o n i « t, c n“ zu gründen. Der erste Versuch verlief allerdings kläglich. Auf die Aufforderung der Revisionisten hin, meldeten sage und schreibe zwölf Mitglieder ihren Austritt aus der Ortsgruppe an, wobei nur nebenbei erwähnt sei, daß von diesen zwölf Mitgliedern fünf Herren seit «laliren keinen Mitgiiedsboitrag mehr gezahlt haben. All dies wäre nicht so sehr in« Gewicht gefallen, und vielleicht hätte man sogar annehmen können, daß nunmehr zwei zionistische Gruppen um so bessere und intensivere zionistische Arbeit leisten werden, wenn die Tatsachen nicht bald das Gegenteil bestätigt hätten. Mit Befremden nehmen wir wahr, daß die Tätigkeit der Revisionisten auch in Graz eich scheinbar vor allem darauf zu beschränken scheint, uns in unserer praktischen' Arbeit, vor allem in der Arbeit für unsere Fonds zu stören, daß man darüber hinaus durch Zeitungsartikel usw. Verwirrung unter die Grazer Juden zu bringen bestrebt ist. In der Auswahl der dabei angewendeten Mittel scheint man nicht sehr wählerieoh zu sein, wie ein Artikel in der „Neuen Welt“ vom 7. d. bewert. In diesem Artikel heißt es, daß sich auch in Graz, wie überall, der gleiche Prozeß vollzogen habe, die Allgemeinen Zionisten seien nicht imstande gewesen, die Jugend zu halten. Die Jugend betrachte den Poale Zionismus nur als Durchgangsstalion zum reinen Marxismus usw. usw. Der Artikels ehreiber weiß noch weiterhin zu berichten, daß das Echo der Neugründung der revisionistischen Ortsgruppe ein gewaltiges Sei (wofür man nicht alles das Wort „gewaltig“ verwendet!), daß in den Reihen der Zionistischen Ortsgruppe Bestürzung herrsche, weil eine große Anzahl von Mitgliedern ausgetreten sei. Diesen Ausführungen gegenüber legen wir vor allem Wert darauf, festausteilen, :daß es gerade der Zionistischen Ortsgruppe Graz in gemeinsamer Zusammen-"beit mit den anderen zionistischen Gruppen gelungen war, die Grazer jüdische Jugend auch in Zeiten der roten Hochkonjunktur in jihrer überwiegenden Mehrheit im jüdischen Lager zu halten. Und was die Bestürzung innerhn” der Ortsgruppe anlangt: Man wird uns wohl glauben, daß der Austritt von :eben zahlenden Mitgliedern, auch wenn si t darunter zwei ehemalige Ausechußmitglieder befinden, die nunmehr die Leitung der „Re- .visionistengruppe“ bilden, nicht ins Gewicht fällt und kein Anlaß zur Bestürzung Ist. Bestürzt Bind wir aber über das mangelnde Verantwortungsgefühl, welches sich in diesem Schritte dokumentiert. Bestürzt sind wiir darüber, daß man sich in dieser ernsten und schweren Zeit mit nichts Wichtigerem zu beschäftigen weiß, alfl mit Politikasterei und kleinlichen Polemiken. Aus dieser Erwägung heraus wenden wir uns an alle Grazer Juden, die uns bei unserer Arbeit in den letzten Jahren gesehen haben und die diese zu würdigen wissen, mit der Bitte, der Zionistischen Ortsgruppe auch weiterhin die Treue zu wahren. Wir fordern alle gutgesinnten Grazer Juden, d|i sich zum Baseler Programm bekennen, auf, der Zionistischen Ortsgruppe beizutreten und so ihrer primitivsten zionistischen Pflicht Genüge zu leisten. Wir leben in einer historischen Zeit, in einer Zeit, in der Palästina, in der die zionistische Idee die einzige Rettung für die Judenhedt bedeutet. Nur eine einheitliche, starke und große zionistische Weltorganisation kann das Aufbauwerk durchführen. Helfet daher mit allen eurem Kräften mit, um diese Organisation zu stärken und tretet der „Zionistischen Ortsgruppe Graz“ bei, die ein Teil dieser Organisation ist! Schluß mit der Hetze! Schenket dem unfruchtbaren Gezänko der Störenfriede kein Gehör! Die Zeit ist zu ernst dazu. Leistet mit uns sachliche Arbeit innerhalb der Grazer Ortsgruppe. Nur durch unsere Arbeit können wir unsere Zukunft und die unserer Kinder sichern! essen von 30Grosdten aufwärts vorzüglich im GRABEN-KELLER Die Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten in Krakau (Von unserem Krakauer Berichterstatter.) Vorgestern begann in Krakau die 3. Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten, zu der Delegierte aus 17 Ländern, und zwar aus West- und Ostgalizien, Kongreßpolen, Altrumänien, Transylvanien, Bukowina, ßessarabien, Danzig, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Lettland, Litauen, Österreich, Deutschland, England, Erez Israel und Amerika erschienen sind. Als Vertreter der Exekutive ist Professor Brodetzky erschienen. Aus dem Auslande sind zahlreiche Begrüßungsschreiben eingelangt, darunter eines von P r o f. W e i z m a n n, der der Konferenz einen vollen Erfolg wünscht. Die Tagung begann mit einer Massenversammlung, die von dreitausend Personen besucht war. Lange vor Beginn der Versammlung mußte der Saal wegen Überfüllung polizeilich gesperrt werden. Die Versammlung wurde vom Vorsitzenden des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Dr. Ignaz Schwarzbart, in hebräischer, polnischer und jiddischer Sprache eröffnet. Dr. Schwarzbart erinnerte daran, daß in Krakau der Kongreß der polnischen Minoritäten des Auslandes stattgefunden habe, um die allen Polen gemeinsamen Fragen zu beraten. So seien auch die Allgemeinen Zionisten in Krakau zusammengetreten, um ihre eigenen Angelegenheiten zu beraten. Es gehe um das Wohl und Wehe der zionistischen Weltorganisation, die vom Kampf der Fliigelparteien bedroht sei. Nur der Allgemeine Zionismus könne die Gefahren bannen, aber nur dann, wenn er unbekümmert um rechts und links dem ganzen Volke diene. Der Allgemeine Zionismus könne aber dieser Aufgabe nur gerecht werden, wenn er seine inneren Differenzen bereinige und eine straffe Organisation bilde. Alle Delegierten mögen sich der Verantwortung, die auf ihnen lastet, bewußt sein. (Lebhafter Beifall.) Nun sprachen eine Reihe von Delegierten, unter anderem Rabbiner Goldbloom, Doktor Gottlieb, Dr. Lewite, Dr. Rufeisen, Dr. Löwenlierz (Danzig), Dr. Meyer Ebner, Doktor Mibasclian n. a. Stürmisch gefeiert wurde Oberrabbiner Dr. Thon, der ein feierliches Bekenntnis für den Allgemeinen Zionismus ablegte. Dr. Grünbaum (Wien) führte die Schwierigkeiten des Allgemeinen Zionismus und der Zionistischen Organisation auf die in zionistischen Kreisen eingerissene Assimilation an fremde politische Vorbilder zurück. Die Schwierigkeiten im Allgemeinen Zionismus beruhen vielfach darauf, daß eine Strukturänderung bei den Allgemeinen . Zionisten eingetreten sei. In Österreich wollen zum Beispiel heute durch die schwere Not der Zeit gerade allgemeine Zionisten und ihre Kinder den Zionismus in Ercz Israel verwirklichen. Die Zeit sei vorüber, wo die Allgemeinen Zionisten nur Geldsammelmaschincn gewesen seien. Die Allgemeinen Zionisten wollen ihren Platz an der Sonne Palästinas trotz aller Widerstände. Die Fliigelparteien müssen das cinsehen. Wir wollen den Frieden in der Weltorganisation, er hänge aber davon ab, ob die heutige Konferenz einen straff organisierten allgemeinen Zionismus schaffe. Nicht, nur der Bestand des Allgemeinen Zionismus, auch der der Weltorganisation hänge vom Ergebnis der Krakauer Konferenz ab, der die österreichische Landesorganisation den besten Erfolg wünsche. (Lebhafter Beifall.) Den Beginn der Versammlung bildete eine Trauerkundgebung Dr. M o s s i ns o n s für die Opfer von Constantinc, Bialik und Dr. Jacobson. Gegen Schluß der Versammlung traf Dr. Brodetzky aus Warschau ein. Er führte unter anderem aus: Ich fürchte nicht unsere Differenzen mit den Engländern und Arabern. Ich fürchte nur den Kampf der Zionisten untereinander. Die ganze zionistische Welt blickt auf Krakau. Von dieser Konferenz möge der Segen ausgehen für das jüdische Volk. (Großer Beifall.) * Sonntag nachmittags' begannen in den Räumen der Bene Brith-Loge die Beratungen mit einem Referate Dr. Schwär zb a r t s über die bisherige Tätigkeit und die weiteren Aufgaben des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, das Koreferat erstattete Dr. R u f e i s e n. Weiters sprachen in der Generaldebatte Dr. Mossinson, Dr. Schmorak und Prof. Brodetzki. Am Abend fand ein feierlicher Appell der Jugendorganisation Akiba zu Ehren der Delegierten der Konferenz statt; im Anschluß daran ein von der Exekutive der Westgalizischen Organisation gegebenes Abendessen. Die Aussichten der Konferenz werden als gut bezeichnet, da in programmatischer Hinsicht Differenzen nicht b e s t,e h e n. Die weiteren Beratungen beziehen sich auf die Frage der Taktik und der Disziplin. Minjan der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt Wie alljährlich veranstaltet die Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt in den Räumen des Zentrallokals zu den hohen Feiertagen einen feierlichen Gottesdienst. Sitzvormerkungen werden täglich ab 11 Uhr vormittags im besagten Lokal entgegengenommen. Gegen die Hitler- Propaganda in Palästina Jerusalem, 24. August. In jüdischen Kreisen wird auf die immer enger sich knüpfenden Verbindungen zwischen a r a b i s c h e n n a t i o n a 1 i s tisch e n Kreisen in P a 1 ä s tina un d deutschen Kreisen hingewiesen und erklärt, daß in Palästina eine geheime P r o p a g a n d a z e n t r a 1 e besteht, die die Araber gegen die jüdische Bevölkerung aufhetzt. Das Anbringen von Hakenkreuzplakaten, in denen zum Boykott der Juden aufgefordert wird, wird auf die Tätigkeit dieser Zentrale zurückgeführt. Die englischen Regierungskreise sind schon vor Monaten von W i e n aus auf diese Umtriebe aufmerksam gemacht worden. Das Kriminaluntersuchungsdepartement der Palästinapolizei ist beauftragt. Verdächtige zu beobachten. Dr. Walter G r o ß, Direktor des Instituts für Rassenforsohung in Berlin, versucht in einem Brief an die Jaffaor arabische Tageszeitung „A 1 D i f a“ die von der Hitler-Ren i g u n g dev deutschen Rass e“ zu rechtfertigen und kündigt an, daß das englische Volk und die Völker des Orients, wie Inder, Chinesen und Japaner, dem deutschen Beispiel folgen und. an die Reinigung ihres Volkskörpers schreiten werden. Das Organ des Großmufti von Jerusalem verboten Die Tageszeitung „El Dschamea el Arabia“, das Organ des Groß m u f t i, ist verboten worden, weil sie einen Aufruf des bekannten Araberführers D s e h em a 1 II u s s e i n i veröffentlicht hat, in dem die arabische Jugend aufgefordert wurde, trotz des Verbotes des High Commissioner die Bewachung der Küste zur V e rh i nd e r u ng i 11e ga1er jüdisch er E i n w a n d e r u n g fortzusetzen. Es wird erwartet, daß Dschemal Hussein!, der im Zusammenhang mit den Araberunruhen im Oktober vergangenen Jahres einen Revers über sein künftiges Wohlverhalten unterzeichnen mußte, nunmehr wegen Bruch dieses Versprechens neuerlich zur V e r a n t w o r t u n g g o z o g e n werden Dr, Adolf Lichteae.jtu igiemsg ergriffenen Maßnahmen, zur aRei-wird. Erklärung der Histadruth Die Arbeiterpartei Palästinas richtet an alle Kreise des Jisckuw und dgv zionistischen Bewegung ein Manifest, in welchem die Wiederherstellung des inneren Frieden« gefordert wird. Die Erklärung stellt diie folgenden Grundsätze als „Fundament für angemessene Beziehungen“ auf: A. Die Beziehungen zwischen den Arbeitern untereinander werden geordnet xuif Grund eines allgemeinen Anerkenntnisses dreier Prinzipien: 1. J ü d Ische Arbeit. Entschiedene Solidarität in der Verteidigung des jüdischen Arbeiters gegenüber jenen, die ihn vertreiben oder boykottieren: 2. V o 11 e s und g 1 e ic he« R c c h t. j e d e s Arbeiters auf A rbeit; gerechte Verteilung der Arbeit unter allen Arbeitern ohne jeden Unters e hi e rl n a c h Partei oder S t r ö m u n g oder Gemeinde in einem allgemeinen Arbeitsamt: 3. Schutz ordentlicher Arbeitsbedingungen und geordneter Beziehungen zu den Arbeitgebern durch entsprechende Organ is a t. i o n. Alle ArbeiterintGrossen werden d ti r c h eine allgemeine Arbeiterorganisation wahrgenommen; solange nicht eine einheitliche Arbeiterorganisation besteht — auf Grund von Abkommen zwischen den verschied e ne n Arbe iterargan isati o ne n (na ch Art des Abkommens zwischen der Histadruth und dem Hapoel Hauxisrachi). B. Die Beziehungen zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern werden geordnet auf Grund von Arbeiteabkommen, die auf folgenden Prinzipien basieren: 1. Organisierte Arbeit; 2. Angemessene Arbeitsbedingungen: 3. Sehiedsgeriehtsbarkei t bei Arbeits- Streitigkeiten. C. Die Beziehungen innerhalb des Jis c h u w sind gegründet auf: 1. Einheit der Kn esse th Israel; 2. Gleichberechtigung aller Mitglieder der Knesð Israel; 3. Gewissenhafte Erfüllung aller Verpflichtungen, die durch die Kuesseth Israel auferlegt werden. D. Die Mitgliedschaft in der Zionistischen Organisation ist bedingt durch die Anerkennung folgender Grundsätze: 1. Integrität der Zionistischen'Organisation und ihre Oberhoheit über aIle Teile der Bewegung in allen zionistischen Fragen; 2. Gleiche Rechte und gleiche Pflichten für jedes Mitglied der Zionistischen Organisation; 3. Freiheit der Diskussion, der Propaganda und der Kritik für alle Fraktionen und Parteien; 4. Disziplin und Befolgung aller Beschlüsse der autorisierten Institutionen der Organisation; 5. Gewissenhafte Pflichterfüllung gegenüber den zionistischen Fonds. Südafrikanische „Grauhemden Führer verurteilt Johannesburg, 24. August. (2. T. A.) In dem Grahamstowner Prozeß gegen die Führer der antisemitischen „Grauhemden“- Organisatdon Südafrikas, Harry Victor Inch, Johannes von Moltke und David Hermanns Olivier, ist das Urteil gesprochen worden. Dem Kläger, Rev. a. Levy von der Western Road Synagogue in Port Elizabeth, wurde ein Schadenersatzanspruch von 1000 Pfund gegen Inch, von 750 Pfund gegen von Moltke und von 25 Pfund gegen Olivier zugesprochcn; außerdem wurden den Angeklagten die Kosten des Verfahrens auf erlegt. Die außerordentlich umfangreiche Begründung des Urteils stellt ein 130 Seiten starkes Dokument dar. Rev. A. Levy hatte auf Entschädigung’ für die von den Angeklagten begangene Diffamierung geklagt. Diese veröffentlichten ein angeblich aus der Synagoge, an der er Prediger ist, gestohlenes Doku m ent, von dem sie behaupteten, das aus ihm das Vorhandensein einer jüdischen W e 11 v e r s c h w ö r u n g hervorgehe. Im Prozeß stellte «ich heraus, daß das „Dokument“ eine plumpe Fälschung ist. Es wurden Behauptungen aus den „Protokollen der Weisen von Zion“ wiederholt, Der Inhalt dieser Protokolle war Gegenstand eines großen Teiles der Erörterungen in dem Beweisverfahren, in dem u. a, auch der Präsident der Jewisli Agency, Dr. Na- Uum S o k o 1 o w, als Sachverständiger vernommen wurde. Der Verlauf des Verfahrens hat einen der Angeklagten, David Hermanns O 1 i v i e r, Schriftleiter des „Grauhemden“-Organs „Rapport”, veranlaßt, «ich .öffentlich von det antißemjitiischen „Gratb