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Die Stimme · 1934-08-28 · Heft 382 (28.8.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 382 (28.8.1934)
Date
1934-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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8eite 4 DIE STIMME Nr. 382 — 28. August 1934 KlNOPROCRAMMEDERWOCHE Leopoldstfldter Volhshino relephonSRr4l-0-23 Vom 28. bis .31 August: Die vertauschte Braut mit Anny Ondra Täglich VA 7»8, 7,11' Ch. Ermäßigte Sommerpreise hemden"-Be wogung loszusagen und anziikiimiigen. daß sein Blatt von nun an eine an d e rt> R i c h t u n g verfolgen werde. Auch der ursprünglich mitangeklagteu Alfred King hatte sich noch in einem früheren Stadium des Prozesses von der ..G r a u h e m d e n“-B e w e g u n g zurückgezogen und eine Erklärung in der Presse veröffentlicht, in der er sich für sein Verhalten gegenüber Rabbiner Levv entschuldigt. Pas Gericht bewilligte die Einstellung des weiteren Verfahrens gegen ihn, nachdem er sieh bereit erklärt hatte, einen Beitrag von 150 Pfund zu den Kosten des Prozesses zu leisten. Jüdische Protestversammtung in Paris sassBEBsaasxxsa ■ri n »in i’i Eine von mehr als 2000 Personen besuchte Versammlung der Liga zur B e k ä m pfung des Antisemitismus in Paris, in der Bernard L e c a c h e den Vorsitz führte und der sozialistische Deputierte P e r r i n der Hauptredner war, faßte eine Resolution, in der der Rücktritt des G o u v erneu e r s von Algerien. Garde, und des Bürgermeisters von C'onstantine. M o r inau, sowie die Abberufung und Bestrafung aller anderen für die antijüdischen Ausschreitungen in Constantine und in anderen algerischen Städten verantwortlichen Beamten gefordert wird. Gegen Morinau wurde eingewendet, daß er schon zur Zeit der Dreyfus-Affäre eine antisemitische Politik betrieb. Die französische Regierung wurde aufgefordert-, mitzuteilen, ob es wahr sei, daß die Garnison von Constantine während der Unruhen in den Kasernenkonsigniertblieb, weil das Constantiner Zua ven-Regiment den bedrängten Juden zu Hilfe kommen wollte. Ferner solle ’die Regierung bekanntgeben, warum die antisemitische Hetze zugelassen und militärische Hilfe nicht sofort in 'Anspruch genommen wurde. Schließlich wurde die Regierung gefragt, warum die Zensur die Nachrichten über die Ausschreitungen zurückgehalten hat. Der „Temps" entschuldigt die Mörder Die Zeitung „Temps“ berichtet aus Marokko, daß dort die Gefahr heftiger antisemitischer Ausbrüche akut ist. Die Zeitung führt dies auf die Wirtschaftskrise, die jüdischen Bereicherungsansprüche (?) und nicht zuletzt auf die Propaganda von deutschen Naziagenten zurück und meint, die Juden erleichtern insofern die Hitler-Propaganda, als sie mit sozialistischen und kommunistischen Tendenzen sympathisieren. Im allgemeinen aber, so meint die Zeitung, sind die jüdisch-arabischen Zwischenfälle in Marokko, die sich seit einem Jahre häufig ereignen, nicht allzu tragisch zu nehmen. RESTAURANT ROTH ll.y Pratersfraße 54 Tel. R 47-0-41 empfiehlt seinereichhaltigen Menüß: Suppe, Braten, Gemüse, Mehlspeise . . . S 1*30 Suppe, Braten oder 7» Huhn, Gemüse, Kompott, Mehlspeise . .S 1*60 Kalbs- und Rindsbraten ä la carte . . . S —*90 IO dkg gebratenes Gans!.S —*60 Wichtig ttir Polenreisende! Wer angenehme Feiertage in Polen verbringen will, der beteilige sich an der besonders billigen Polenreise, die anfangs von Wien abgeht. Der Name des Polnischen Reisebüros „Francopol“ garantiert für eine wirklich angennehme Fahrt und eine reibungslose Durchführung der Reise. Es ist ratsam, sich schon jetzt Plätze reservieren lassen zu wollen. Anmeldungen: Poln, Verkehrsbüro „Francopol“, Wien, HI., Rennweg 1, im Gebäude des polnischen Konsulates, Telephon tWßriUÄ Oer praktische Antisemitismus in Österreich Wenn auch im deklarativen Antisemitismus in den letzten vier Wochen ein gewisser Stillstand cingetreteu war, der praktische Antisemitismus wird unentwegt fortgesetzt. Die Wirtschaftspositionen der Juden sind schwer bedroht. Die Verarmung nimmt in erschreckendem Maße zu. Die Bemühungen der jüdischen Repräsentanten gehen dahin, den von der neuen Verwaltung der Gemeinde Wien eingeleiteten Abbau der jüdischen Angestellten, vor allem der Ärzte und Ingenieure, aufzuhalten, bzw. rückgängig zu machen. In ganz vereinzelten krassen Fällen wurde ein gewisser Erfolg erzielt. Das Gros der jüdischen Ärzte ist weiterhin vom Abbau bedroht, der planmäßig in dem Maße erfolgt, als sich ein Ersatz an christlichen Ärzten findet. Ähnlich ist die Situation in den staatlichen Heilanstalten und in allen Institutionen, an denen jüdisches medizinisches Personal beschäftigt ist. Die Gemeinde Wien baut sogar jüdische Kindergärtnerinn e n ab. Der Staat entledigt sich mit Vorliebe aller jüdischen Funktionäre und Angestellten in den sozialpolitischen Institutionen und Krankenversicherungsanstalten. Mit der angekündigten Reform der sozialen Versicherung sind wiederum zahlreiche jüdische Ärzte und Büroangestellte in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Die Situation der j ü d isehen Ärzteschaft in Wien ist kritisch. Die Verhandlungen dauern jedoch fort. bie Lage der jüdischen Bank-, Industrie- und II a n d e 1 e a n g e s t e 1 1t e n ist aber schon als hoffnungslos zu bezeichnen. Die jüdischen Bankbeamten werden im Zuge der Bankensanierung bis auf ein Minimum aus dem Apparat der einzig noch bestehenden Großbank entfernt. Bei dem im Vormonat durchgeführten Abbau im Bankverein wurden zirka 50% der noch aktiv gewesenen jüdischen Beamten entlassen, während bei den nicht-jüdischen Beamten der Abbau bloß 12% betrug. Da die verstaatlichten Großbanken die gesamte Industrie beherrschen, sind auch die Industrieangestellte-n dieser Personalpolitik unterworfen. Darum ist die Situation für die jüdischen Industrieangestellten alles andere als hoffnungsvoll. Das Gleiche gilt für die Angestellten des Großhandels, der ja gleichfalls von dem Wohlwollen der einzigen österreichischen Großbank abhängig ist. Ganz besonders bedroht sind die zahlreichen jüdischen Angestellten der großen WarenHäus e r, gegen deren Bestand und Umfang eine demagogische Hetze von allen Seiten betrieben wird. Die tristen Wirtschaftsverfiältnisse, verschärft durch die besonders traurige Lage der jüdischen Konsumenten, haben in Kreisen der jüdischen Geschäftsleute einen Pauperisierungsprozeß ausgelöst, der wahrhaft erschreckend ist. Dadurch ist die finanzielle Leistungsfähigkeit der jüdischen Gemeinde empfindlich geschwächt. Von allen Seiten wird jetzt die Gemeinde um Hilfe angegangen. Seitdem der „Parteienstaat“ abgesohafft wurde, wenden sich auch solche Kreise mit ihren Sorgen an die Kultusgemeinde, die bisher für die Notwendigkeit und die Bedeutung einer jüdischen Gemeindeorganisation kaum Verständnis aufgebracht haben. Die allgemeine Lage der Juden in Österreich ist bei der Vorherrschaft des praktischen Antisemitismus eine äußerst prekäre; eine Wendung zum bessern ist vorderhand leider nicht zu erwarten. Drohung und Verhetzung Im „Sturm über Österreich“, dem Blatt der ostmärkischen Sturmscharen, findet sich ein Angriff auf einen jüdischen Arzt, der angeblich einem Erkrankten die Hilfeleistung verweigert hat. Es wird intoressanterweise nicht der Ort genannt, in dem dies passiert sein soll, und so wird die ganze Geschichte wohl erlogen sein, zumal es einen Gemeinde- und Kassenarzt des dort angegebenen NamenB nicht gibt. Von besonderem Wert aber ist es, daß am Schlüsse mit Brachialgewalt „des Volkes“ gedroht wird. Hat der Arzt sich etwas zuschulden kommen lassen, so hat das Gericht zu entscheiden. Wir leben ja in einem Göbbels Spitzelpolitik Der Berliner „Angriff“, Organ des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels, bringt unter der Überschrift „K1 u b der N e i n s a g c r“ sensationell aufgemachte Mitteilungen über eine angeblich bestehende jüdische oppositionelle Gruppe, die angeblich ihr Hauptquartier in einem Lesesaal am Kurfürstendamrn haben soll. Das Blatt bringt auf der ersten Seite eine Beschreibung des L e s e s a a 1 s, in dem eine große Anzahl ausländischer Zeitungen an fliegt, und veröffentlicht auch Bilder lebender Besucher, die, wie der „Angriff“ erklärt, nicht Gespenster, sondern Jude n darstellen. Zum Schluß erklärt der „Angriff“, gegen den Lesesaal selbst sei nichts einzuwenden, wohl aber gegen seine regelmäßigen Besucher; diese Stammkunden seien ausschließlich intellektuelle Juden, denen man heimleuchten muß, damit sie sich nicht „behaglich fühlen“. Es handelt sich um einen öffentlich, gegen eine Gebühr von 20 Pfennig allgemein zugänglichen Lescsaal, der im Hochparterre eines Hauses am Kurfürstendamrn eipgeriejitet ißt. Schilder und Aufschriften weisen die Vorübergehenden auf ihn hin. Ein unternehmender Mann hatte den Einfall, den Wunsch der Berliner Bevölkerung, ihren Wissensdurst auch aus ausländischen Zeitungen zu befriedigen, geschäftlich auszuniitzen. Natürlich liegen nur die in Deutschland zugelassenen ausländischen Zeitungen auf. Naumann macht sich wichtig Das Berliner „8-Uhr-Abencliblatt“ macht unter der mit auffallenden Lettern gedruckten Schlagzeile „Deutsche Juden protestieren gegen Kampfansage des Weltjudentums“ Mitteilung von folgendem Telegramm, daß der „V e r b a n d n a t, i o n a 1 d e u t. ß c h e r J u d e n“ an H i tl e r gerichtet hat. „An den Führer und Reichskana- 1 e r, Oberealzberg. Der vor 14 Jahren gegründete Verband nationaldeutscher Juden legt schärfste Verwahrung gegen die deutschfeindliche und erpresserische Entschließung der sogenannten Jüdischen Weltkonferenz ein. — Die wurzelloeenZionißtenundAlljuden, die sich in Genf zusammengefunden haben, sind nicht berechtigt, für die in Deutschland alteingesessenen und nationalbewährten Juden zu sprechen. — Die deutschfü'i'riiden Juden lehnen jede ausländische Einmischung in deutsche Angelegenheiten ab und hoffen auf eine baldige Lösung der Judenfrage unter den Gesichtspunkten der nationalen Bewährung. — Dr. Naumann, Hauptonann der Landwehr a. D„ Verbandsführer.“ Die Karäer in Polen verschwinden In Lemberg traf eine italienischschweizerisohe wissenschaftliche Expedition zur anthropologisch-demographisehen Erforschung der einst vom Judentum abgesplitterten K a r a i t e n (Karäer) in Polen, die im Verschwinden begriffen sind, ein. Die Expedition setzt sich aus dem Präsidenten des italienischen Komitees für Nationalitätenforschung und Chef des Statistischen Instituts in Rom, Dr. Corrado Gigli, Dr. del Bowe, Dr. Friedrich und dem Genfer Professor ^für Statistik und Demographie, Dr. Hesch, zusammen. Die Expedition wird Ostgalizien, Wolhynien und Podolien bereisen und die ehemaligen Zentren der Karäer, Halicz, Luck, Troki und Wilna, wo noch Reste dieser Sekte leben, besuchen. Antireligiöse Kampagne In Sowjet• rußland Moskau, 23. August. (2. T. A.) Anläßlich der bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage hat in der Presse die Übliche antireligiöse Kampagne eingesetzt. Bemerkenswert ist diesmal die Forderung, daß in dem „autonomen jüdischen Gebiet“ niemals eine Synagoge, ein Beth Hamidrasch oder Cheder errichtet werden dürfe. In der Sowjetunion müßten die Wurzeln der Religion zum Verdorren gebracht werden. Billigste Sonderfahrt nach Polen. Auch diesmal findet unter bewährter Leitung eine besonders billige Sonderfahrt nach Polen statt, Krakau, Lemberg usw. Reservierte Plätze, mäßige Preise. Nähere Auskünfte erteilt bereitwilligst: Büro E. Ferstel, 1., Kärntnerring 12, Telephon HdfrÄU. Die Softtftierkolonie der „Judäa“ in Novi Die Sonnnerkolonie der „Judäa“ befindet sich in diesem Sommer in Novi (Jugoslawien) an der Adria. Sie umfaßt. 120 jüdische Hochsehüler und Hochschülerinnen am® Wien, in zwei Turnussen, als Teilnehmer. Alle sind in Einzelwohnungen bequem und gut untergebracht. Novi, nahe des bekannten Kurortes C r k v e n i c a, hat wie dieses einen angenehmen Strand. Zwischen beiden sowie zwischen Crkvcnica und Susak besteht, ein reger Dampferverkehr. Wegen der direkten Lage am Meere, des vorherrschend milden Klimas, des stark salzhaltigen Wassers und der Meeresluft entspricht dieser Landstrich allen Anforderungen klimatischer Kurorte. Die Teilnehmer der Kolonie unternehmen oft gemeinsame Ausflüge im Boot in die nahegelegenen Ortschaften des Strandes. Mit dem Dampfer erreicht man Abazzia in zwei Stunden. Die Leitung des Lagers liegt in den bewährten Händen der Herren med. Fritz Kessle r und Josef Haber. In einzelnen Fällen wurden auch armen jüdischen Hochschülern Freiplätze gewährt. Der Kolonie standen bewährte Sportler aus den Meisterringern und der Wasserballmannschaft der „Hakoah“ zur Verfügung. Unter, ihrer Führung fanden gemeinsames Turnen auf der Terrasse sowie gemeinsames Bad und Bootfahrten in das schöne Fisohergorf S t. M a r i n o statt. Das reiche gesellige Leben trug auch viel dazu bei. daß der Zweck der Kolonie erfüllt werden konnte: Fünf Wochen körperlicher und geistiger Erholung nach einem Jahr des ■Studiums und der Arbeit in der ungesunden Luft, und im Getriebe der Großstadt. G. B o g e r. Eine Linzerin Jahrgangsbeste in Nahalat Bei der a.m 29. und 30. Juli 1934 in der Mädchenschule in Nahalal stattgefundenen Jahres.-,chlußprüfung in Zoologie, Botanik und Milchwirtschaft (in hebräischer Sprache) ging Klara- E i s e n b e r g aus Linz als Beste hervor. Es ist dies um so höher einzuschätzen, als sie die hebräische Sprache während des Uiitermchtsja-hres lernen mußte. Paiästinavortrag M i 11 w o'c h, den 29. August, YQ Uhr abends, sprechen Ing. Walter Licht und Dr. Leopold PLaschkes im Verbände radikaler Zionisten, separater Garten dee I. Kaffeehauses, Prater-Hauptallee, über: „Aktuelle Balästiinafragen“. Gäste willkommen. Minjan der hebräischen Schule Pratersfrafie Nr. 13. Wie alljährlich veranstaltete die hebräische Schule in ihren Räumen, II., Praterstraße Nr. 13, Tür 2, zu den hohen Feiertagen eineu feierlichen Gottesdienst. Minjan der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt. Wie alljährlich veranstaltet die Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt in1 den Räumen des Zentrallokals zu den hohen Feiertagen einen feierlichen Gottesdienst. Sitzvormerkungen werden täglich aib 11 Uhr vormittags im besagten Lokal ent* gegengenoanmen. Urania. Die Adaptierungsarbeiton in der Urania machen es notwendig, den ursprünglich für Dienstag, 28. d., festgesetzten Beginn des neuen Vortragsjahres auf Freitag, 31. d., zu Verleger’ Jüdischer Kindergarten mit öffentlichkoitsrecht, Wien, XV., Herklotzgasse 21. Einschreibungen werktags von 9 bis 12 Uhr und joden Mittwoch von 20 bis 21 Uhr. Geringer Regiebeitrag. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, viei tcljührlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich Kd 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50. „Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien viertel- (ährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck-Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.199. Tschechoslowakei Nr. 500.230. Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer. Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, I., Kärntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glücklich. Wien, Kärntnerstraße 28. — Druck: Vernay A-G., Wien, EL, panlsiusgeeee 8—10.

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