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Die Stimme · 1934-08-28 · Heft 382 (28.8.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 382 (28.8.1934)
Date
1934-08-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 382 ~ 28. 'August 1084 In memoriam Dr. Viktor Jacobson .Wieder einmal hat uns der Tod einen unserer besten Männer geraubt. So wie uns Leo Motzkin plötzlich in seinem besten Schaffen dahingerafft wurde, so erging es uns auch mit Victor Jacobson. Sein unvermutetes Hinseheideu wird bei allen Zionisten, welcher Partei sie immer angehören mögen, aufrichtige Trauer auslösen. Dieser, kleine, bescheidene Mann, der kaum jemals vor die breitete Öffentlichkeit trat, leistete eine enorme diplomatische Arbeit im Dienste des Zionismus. Die eigenartige Struktur des Mandatevertrages und Sder Mandatskommission brachte es mit sich, Sdaß Jacobson gleichsam nur hinter den Kulissen agieren konnte. Seine Tätigkeit war aber trotzdem eine ersprießliche, da er sich fln den diplomatischen Kreisen großer Wertschätzung erfreute. Ihm ist es in mancher gefährlicher Situation gelungen, maßgebende Diplomaten für unsere gerechten Forderungen zu gewinnen. Jacobson, ein guter Kenner des Orients, wendete in den letzten Jahren der arabischen Frage seine besondere Aufmerksamkeit zu und bereiste auch im abgelaufenen Jahre den nahen Orient, wo er mit führenden Kreisen Fühlung nahm. Im innerzionistischen Leben war Jacobson, der allgemeiner Zionist war, immer ein Mann des Friedens. Beim Prager Kongreß im Jahre 1933 war er — leider ohne Erfolg — bemüht, eine breitere Koalition zustande zu bringen. Er wurde damals in die Exekutive gewählt. Als bei der Jerusalemer Tagung des Aktionskomitees im heurigen Frühjahr die Frage der Erweiterung der Exekutive zur Debatte stand, war es Jacobson, der sich bereit erklärte, sofort zurückzutreten, um die Erweiterung der Exekutive zu erleichtern. Mit Jacobson ist uns ein treu ergebener und verdienstoller Mitkämpfer entrissen worden, einer aus den schon stark gelichteten Reihen russischer Juden, die zu den Säulen unserer Bewegung zu zählen sind. An seiner Bahre steht die ganze zionistische Organisation in tiefer Trauer und dankt ihm für seine treue Mitarbeit. Wir werden sein Andenken hoch in Ehren halten. Trauerkundgebungen in Österreich Anläßlich des plötzlichen Hinscheidens des Mitgliedes der Exekutive Dr. Viktor J acobsohn hat das Zionistische Landeskomitee für Österreich an die Exekutive ein Beileidschreiben gerichtet. Gleichzeitig wurden die Sektionen und Ortsgruppen des Landesverbandes für Österreich angewiesen, bei der ersten Zusammenkunft eine Trauerkundgebung zu veranstalten. Die Traueransage der zionistischen Exekutive Zum Ableben Dr. Jacobsons erläßt die Exekutive der zionistischen Organisation die folgende Traueranzeige: In tiefer Trauer teilen wir mit, daß unser teurer Kollege, Dr. Victor Jacobson, Mitglied der Exekutive der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency und akkreditierter Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Mittwoch nachts in Bern einem Herzschlag erlegen ist. In Dr. Jacobson verliert die zionistische Bewegung einen ihrer ältesten und bedeutendsten Führer. Tiefes vielseitiges Wissen, hervorragende Fähigkeiten und persönliche Liebenswürdigkeit haben ihn im Laufe von drei Jahrzehnten an die verantwortungsvollsten Stellen zionistischer Arbeit gebracht, und er hat seine Aufgabe unter den schwierigsten Bedingungen mit großer Sachkenntnis, außerordentlichem Takt und bewundernswerter Ausdauer erfüllt. Als hervorragender Kenner der Probleme des Nahen Ostens und der jüdischarabischen Beziehungen und als glänzender Vertreter unserer Bewegung auf dem Forum der inte rnationalen Politik hat er der Sache de« jüdischen Volkes unvergängliche Dienste geleistet. Sein hohes Ansehen in weiten internationalen Kreisen war für die Bewegung von höchstem politischen Wert. Jacobson wurde nm midien in «sfr n e r u n e r m ii d 1 ic h c n A r beit o n trissen. Ungeachtet seines besorgniserregenden Gesundheitszustandes hat er seine Arbeit bis zum letzten A u g c nblick fortgesetzt. Erst vor wenigen Tagen nahm er an den Beratungen der Exekutive in Zürich teil und sollte unmittelbar Genf, 24. August. (2. T. A.) Die Dritte Jüdische Weltkonferenz in Genf hat ihre Arbeiten programmgemäß am 23. d. M., abends, beendet, nachdem sie beschlossen hatte, den Ersten Jüdischöl Weltkongreß für August 1935, unbeschadet der noch immer gegen die Kongreßidee sich geltend machenden Opposition seitens jüdischer Organisationen in den einzelnen Staaten, einzuberufen. Dabei wurde festgestellt, daß der Kongreß sich nicht mit Fragen religiöser Natur befassen wird. Zu der Lage der Juden in Deutschland faßte die Konferenz eine Entschließung, in der festgestellt wird, daß das nationalsozialistische Deutschand die Vernichtungspolitik gegen die Juden fortsetzt und daß infolgedessen die Situation der Juden in Deutschland sich zunehmend verschlechtert. Das Dritte Reich, heißt es in der Resolution weiter, hat durch seine brutalen legislativen und administrativen Maßnahmen gegen die jüdischen Bürger die geheiligten Menschenrechte vergewaltigt. Die Juden in der ganzen Welt werden in ihrem Kampfe gegen das nationalsozialistische Deutschland nicht nachlassen, so lange nicht dem deutschen Judentum die Rechtsgleichheit zurückgegeben worden ist und so lange die Juden nicht als eine Minderheit gemäß den in den Friedens Verträgen angeführten Grundsätzen über die Rechte der Minderheiten anerkannt werden. Die Konferenz nahm auch eine Resolution über die Minderheitenrechte im allgemeinen an, in welcher der Schutz der Rechte der Minderheiten durch den Völkerbund als ein historischer Sieg der sittlichen Rechtsgrundsätze proklamiert wird. In einer Resolution erklärt die Konferenz, daß sie die Beschlüsse der Zweiten Jüdischen Weltkonferenz aus dem Jahre 1933, welche den Boykott des nationalsozialistischen Deutschland proklamierte, feierlich bekräftigt. Die Gründe für die Verhängung des Boykotts dauern noch an. Die Konferenz bestätigte den Beschluß ihrer Boykottkommission, daß am 6. Oktober in London eine jüdische Welt-Boykott- In Kurschany (Litauen) kam es zu schweren antijüdischcn Ausschreitungen. Am 23. August, nachts ging ein Trupp jugendlicher Litauer gegen das Gemeinsc haftshaus der Zionisten vor und warf mit Steinen die Fenster des Gebäudes ein. Die örtlichen Behörden forderten polizeiliche Hilfe aus dem über 20 Kilometer entfernten Schaulen. Der litauische Innenminister hat angeordnet, daß gegen alle Ruhestörer, welcher Seite sie auch angehören mögen, auf das strengste vorgegangen wird. Bei dieser Gelegenheit unterläßt cs die litauische T e 1 e g r a p li e n - A g e nt u r nicht, nochmals auf die Vorgänge in Sehaulen hinzuweisen und festzusteilen, daß die Feindschaft gegen die. Juden zum Teil auf das herausfordernde Verhalten einer jüdischen Jugendorganisation zurückzufiihren sei. Die jüdischen Zeitungen in Kaunas haben wiederholt erklärt, daß diese Behauptung sich auf keinerlei Tatsachen stützen könne. ¥ Die von mit. Messern und Steinen bewaffneten Gruppen junger Litauer wiederholt fjurebgeführten Angriffe auf die Lokale der darauf nach G e n f zur Vorbereitung seiner Arbeit im Zusammenhang mit den bevorstehenden Sitzungen des Völkerbundsrates gelien. Sein Tod reißteine mmisfüllbare Lücke in unseren Reihen. Exekutive der Zionistischen Organisation. konferenz stattzufinden habe. Samuel U ntermyer, der Leiter der Jewish World Economic Federation zur Führung des antideutschen Boykotts, wird an dieser Konferenz führend teilnehmen. Der Führer, der Liga gegen Antisemitismus in Kairo, Rechtsanwalt Castro, forderte die Konferenz auf, an die christliche Welt zu appellieren, durch Boykottierung deutscher Waren und Dienste den jüdischen Verteidigungskampf zu unterstützen. Cyril Q. Henriques vom Jewish Representative Council for the Boycott of German Goods and Services in England, sowie Repräsentanten des französischen und des polnischen Boykottkomitees regten die Schaffung eines internationalen Zentrums mit Sektionen in allen Ländern zur Bekämpfung der nationalsozialistischen Propaganda an. Gegen Palästina-Transfer Die Konferenz stellte in einer Entschließung fest, daß unbeschadet der Verhängung des Boykotts gegen Deutschland die Einfuhr deutscher Waren nach Palästina während des vergangenen Jahres sogar noch gestiegen sei; deshalb fordert der Exekutivausschuß der Jüdischen Weltkonferenz die zuständigen zionistischen Organe in Palästina auf, dagegen einzuschreiten. Das mit Deutschland geschlossene Transfer-Abkommen müsse nach der Richtung streng überwacht werden, daß es die Boykottgrundsätze nicht überschreitet. Die Entschließung betreffend Palästina- Transfer wurde nicht als eine der Gesamtkonferenz, sondern als eine des Boykottausschusses erklärt. Forderung an die französische Regierung Es wurde auch eine Entschließung über die Ereignisse in Constantine (Algerien) angenommen, in welcher die Konferenz den Wunsch ausspricht, daß so rasch wie möglich die wirklichen Gründe der antijüdischen Unruhen enthüllt werden mögen. Die französische Delegation auf der Konferenz wurde aufgefordert, die französische Regierung zu ersuchen, eine umfassende Untersuchung durchzuführen und alle Schuldigen zu bestrafen; in diesem Sinne vertraue die Konferenz auf den französischen Gerechtigkeitssinn. Chaluz-Gruppen in Schaulen, bei welchen eine Anzahl Chaluzim erhebliche Verletzungen davontrug, haben durch den folgenden Spruch des Militärkommandanten von Schaulen ihre Erledigung gefunden: Verurteilt wurden für „F enst e r-Einschmeißen" die jungen Litauer Juosas Wirilis, Nikodem Barkelis, Kostas Powilitis und Koczmarin Antanas zu je 150 Lit oder je einem Monat Gefängnis. Wegen Tragens „unerlaubter Waffen“ wurden die jungen Juden Izik Praß, Hirsch Reis, Reuben Genz, Abraham Nadel, Hennech Kagan, Bezalei Muniz, Abraham Bloch und Jerachmiel Kirkel zu je 50 Lit oder je zehn Tagen Gefängnis, ferner Reuben Waldberg und Buruch Blocker zu jo 100 Lit oder je. 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Die zwei in Kaunas erscheinenden jiddischen Tageszeitungen „Dos Vort.“ und „Moment;1 wurden im Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung über die Ereignisse in Schaulen k o n f i s z i o r t. „Dos Vort“ hatte erklärt, daß dio Behörden wegen ihres laxen Verhaltens die V er antwortung für die Ausschreitungen t r ag e n und daß die offizielle litauische Telegraplienageritur die Vorkommnisse tend e ri z i ö s dargestellt hatte, indem sie den Juden die Schuld an den Zusammenstößen zuschob. Die Beschlüsse der jüdischen Weltkonferenz Neue Ausschreitungen in Litauen ■IIIIIIIIM Kaunas, 24. August. (2. T. A.) ▲ Die billigste Sonderfahrt xu den Feiertagen nach POLE N Abreise 6. September, Rückfahrt 4. Oktober Nähere Auskünfte s E. FERSTEL, Wien, I., Karntnerring 12. Tel. U 40-301 Zionismus in Grase Alle prominenten zionistischen Führer der verschiedensten zionistischen Gruppen stellten immer wieder, wenn sic nach Graz kamen, mit Befriedigung fest, daß es in Graz wohl Zionisten aller Schattierungen gebe, daß sie aber erfreulicherweise alle einträchtig innerhalb der zionistischen Ortsgruppe Zusammenarbeiten. Die Erfolge dieser einheitlichen zionistischen Arbeit waren auch nicht unerheblich: seitdem die Wahlen des Jahres 1926 einen überwältigenden zionistischen Sieg gebracht hatteu, behielten die Zionisten, die unter der bewährten Führung des Präsidenten Dr. Sonnenwald und des Vizepräsidenten Karl Schwarz standen, die Mehrheit in der Gemeinde. Unsere Gesinnungsgenossen erwarben sich durch ihre streng sachliche Führung der Gemeinde allgemeine Anerkennung und verstanden es, wirkliche nationale Arbeit in der Kultusstube zu leisten. Die neugegründete Kultureektion* der bald eine Palästinasektion folgte, war bestrebt, die Grazer Juden, die ja doch an der Peripherie des jüdischen Geschehens leben, mit der geistigen Entwicklung unseres Volkes vertraut zu machen. Die Gemeinde leistete namhafte Beträge für Keren H a j e s s o d und K eren Kajemeth, unterstützte die Jugendorganisation, engagierte Hebräischlehrer nsw. uew., kurz, sie war bestrebt, ganze Arbeit au leisten und eine Volksgemeinde zu werden. Diese Tätigkeit der Kultusgemeinde, die in allen ihren Details hier zu schildern natürlich unmöglich ist, ist aber unvorstellbar, ohne die Arbeit der Zionistischen Ortsgruppe. Der Ausschuß der Ortsgruppe,, in weichem allerdings stets die Allgemeinen Zionisten in der Majorität waren, in dem aber auch die übrigen zionistischen Gruppen vertreten waren, sah seine vornehmste Aufgabe darin, die Grazer Juden zionistisch zu organisieren, ihnen objektive zionistische Werte zu vermitteln, im engsten Kontakt mit den bestehenden Jugendorganisationen zu bleiben und vor allem praktische Arbeit zu leisten. So veranstaltete die Ortsgruppe im letzten Jahre eine Reihe von glänzend besuchten Versammlungen mit Mossinson, Bro« detzky, Stricker, Baratz u. v. a. als Rednern und hielt einen Vortragszyklus über jüdische und zionistische Geschichte ab. Die Ortsgruppe nahm führenden Anteil an der Hilfsaktion für die deutschen Juden, sie erwirkte die Schaffung eines Keren A1 i j a h, der in den letzten anderthalb Jahren allein einer ganzen Reihe von Grazer Juden (seit Mai 1933 sind insgesamt zirka 70 Juden aus Graz nach Palästina übersiedelt) die Mittel für die Alijah zur Verfügung gestellt hatte. Die Ortsgruppe war es auch, die immer und immer wieder die Forderung nach Berufsumschichtung aufstellte, die bestrebt war, Lehr- und Arbeitsstellen für unsere Jungen au verschaffen, die diese Leute finanziell unterstützte und die schließlich die Gründung des Stadtkibbuz ermöglichte. Immer wieder, bei praktischer und theoretischer Arbeit, bei großen Versammlungen ebenso wie bei Sitzungen im engeren Kreise, wurde darauf hingewiesen, daß wir hier in Graz, in einer kleinen jüdischen Gemeinde an der Peripherie jüdischen Lebens, keine Ursache hatten, weltanschauliche Gegensätze zu betonen und vielmehr unserer gemeinsamen Idee weit bosser und nützlicher dienen, wenn wir über alle scheinbaren und konstruierten Gegensätze hinweg, sachliche Arbeit leisten. Es ist wieder einmal anders gekommen. Jene Herren von linkß und rechte, die geglaubt haben, auch Graz mit der hohen Politik (von der sie nicht immer viel verstehen) beglücken zu müssen, sind bei einer von „Betar“ veranstalteten, mit der Arosoloffaffäre im Zusammenhang stehenden Ver.-

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