Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 381 (24.8.1934)
- Date
- 1934-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3Pt — 24. August. 1934 DIE STIMME Seite 5 Der Zionismus von Heute Von Prof. S. BrodetzHy (London) (Übertragung aus dem Englischen von D. F. Pickholz) Wir bringen diese interessanten Ausführungen Professor Brodetzkya und behalten uns eine kritische Stellungnahme vor. Ich gelange immer mehr zur Überzeugung, (laß die von den verschiedenen politischen Parteien der Zionistischen Organisation derzeit angewendeten Methoden eine ernste, Gefahr fiir die Gesamtorganisation bedeuten, und daß es somit erste Pflicht der Zionistischen Organisation ist, ihre ganzen Kräfte auf das ungemein wichtige Problem der Eliminierung des Parteihaders zu konzentrieren. Die dringendste Aufgabe des Zionismus von heute ist der innere Friede. In vielen Ländern, insbesondere in Palästina, erweckt es den Anschein, als ob eine große Menge sich gegenseitig befehdender Parteien entstanden wäre. Es scheint, daß abnormale Zustände bei uns eingetreten seien und daß wir die Spaltung in verschiedene Parteien legitimieren. Ein Geist der inneren Feinseligkeiten hat sich unseres Volkes bemächtigt, der seit dem Parteiengetriebe vor der Zerstörung Jerusalems durch Titus bei uns nicht anzutreffen war. Von drei Seiten werden wir von der Gefahr eines inneren chaotischen Zustandes bedroht. Die erste Gefahr besteht infolge der äußeren politischen Lage. Es ist klar, daß unsere Feinde sich über den Parteienhaß im Jischuw und in der Diaspora lustig zu Villenpension Kreuzberg Breit enstein a. Semmering (1050 m) Telephons Breilenstein 11 Leitung: Frau Lola Schiff Herrliche Lage, erstklassige (streng rituelle) Verpflegung bei mäßigen Preisen. Geöffnet auch während der Feiertage (Gelegenheit zum Beten). Auf Wunsch Prospekt. machen beginnen und Anstalten treffen, diese traurige Tatsache gegen uns auszuschroten. Es gibt kein so wichtiges Problem, das wir der Frage der Einheitsfront, die ja Sine Voraussetzung für die Sicherheit und den Erfolg ist, entgegenstellen könnten. Wir sind bereits Zeugen eines Versuches, einen Teil des Jischuw gegen den anderen auszuspielen. Unsere nichtjüdischen Freunde, die uns geglaubt haben, als wir sagten, daß der Zionismus eine ideale, auf moralischen Prinzipien basierende Bewegung sei, und daß er einen Gerechtigkeitsakt gegenüber dem jüdischen Volke darstelle, sind jetzt verlegen und beunruhigt wegen des Schauspiels, das ihnen die Feindseligkeiten innerhalb der Organisation bieten. Die zweite Gefahr kommt von der Stellung des Zionismus im jüdischen Leben. Vor einer Generation mußte der Zionismus um seine Anerkennung kämpfen. Dann kam die Balfour- Deklaration, die den Zionismus zu einem Die Lage ln Danzig Danzig, 21. August. (Z. T. A.) Die gemeldete Ernennung eines jüdischen Mitgliedes in den staatlichen Wirtschaf t s r a t, die an sich natürlich keine Änderung der a n’t i e e ini tisch c n Einstellung der Regierung ■und vor allen Dingen der Judenhetze der nationalsozialistischen Partei bedeutet, hat sofort die Parteipresse auf den Plan gerufen, die jetzt mit besonderem Nachdruck fordert, daß in den neuen Selbstverwaltungskörpern der Wirtschaft nur nationalsozialistische Persönlichk eiten Platz finden dürfen. Sio dürfen nichts weiter sein — so erklärt das Danziger Regierungsorgan wörtlich — als Werkzeuge eines politischen Auftrages des Senats. Damit werden auch die Erwartungen zunichte gemacht, die von Seiten der Danziger Wirtschaftskreise der Neuregelung der Solbstverwaltungskörper entgegengebracht wurden. Was die Juden anbetrifft, die in die Selbstverwaltungskörper, sei es durch Wahl, sei es durch Nominierung, eintreten, so wird angenommen, daß sie, sobald sio sehen werden, daß ihr Einfluß gleich Null bleibt, von selbst auf die Ämter verzichten werden. der wichtigsten Faktören im jüdischen Leben emporhob. Wir mußten noch unter dem Geiste der Assimilation leiden. Aber die deutsche Katastrophe vom Jahre 1933 demaskierte die ganze Hohlheit der Assimilationspolitik, so daß sich den Zionisten keine günstigere Gelegenheit darbieten konnte, die Führung im Judentum an sieh zu ziehen und den Aufbau des Nationalheimes als unsere höchste Aufgabe zu deklarieren. Erst vor nicht langer Zeit konnten wir uns überzeugen, daß der Plan der Ansiedlung von Juden in anderen großen Gebieten sieh als undurchführbar erwiesen hat und daß Palästina das einzige Land ist, das wesentlich zur Linderung der Judennot in der Galuth beitragen kann. 'Nichtsdestoweniger ist das Ansehen des Zionismus im Judentum heute mehr denn je bedroht. Der gewöhnliche Jude gerät nur in Verwirrung und Bestürzung, wenn er bemerkt, daß die Anzahl der zionistischen Parteien und Unterparteien stets zunimmt. Manche Parteien haben sieh eine Sprache und eine Taktik zurechtgelegt, die nur mit besonders unglückseligen Manifestationen des Parteigeistes bei den anderen Völkern verglichen werden kann. Drittens birgt die zionistische Organisation in sich selbst eine innere Gefahr. Bereits vor Jahren sind geistreiche Beobachter der Zionistischen Organisation zur Überzeugung gelangt, daß diese keine einheitliche Organisation sei mit Sektionen, die verschiedene Meinungen und Interessen vertreten, sondern daß sie vielmehr aus einer Reihe von abgesonderten und unabhängigen Organisationen besteht, die nur Zusammenkommen, um sich gegenseitig anzugreifen. Der Kongreß, der eine Demonstration für nationale Konzentration und Einigkeit zu sein pflege, läuft Gefahr, ein Symbol für nationale Uneinigkeit darzustellen. In den letzten Jahren hat sich die Lage merklich verschlechtert, und zur Zeit gibt es viele Zionisten, die die Meinung vertreten, daß die Zionistische Organisation einem Zusammenbruch entgegengeht. Diese Gefahren müssen beseitigt werden, bevor es zu spät ist. Friede und innere Konzentration Für jeden unparteiischen Beobachter ist es klar, daß eine gewisse Partei unserer Der wichtigste Gedanke, der uns alle einigt oder praktisch einigt, ist das Baseler Programm, das Alpha und Omega des Zionismus. Vor einigen Jahren waren verschiedene Parteien unserer Bewegung uneinig in Bezug auf die Außenpolitik des Zionismus. Ich glaube, daß zur Zeit eine bemerkenswerte Einmütigkeit bezüglich der außcnpolitschen Probleme vorherscht. Mit Ausnahme der Revisionisten stimmen allö zionistischen Parteien prinzipiell in Bezug auf die Politik gegenüber der Mandatarmacht und den Arabern überein. Manche Parteien unterscheiden sieh in dieser Hinsicht nur in der Art der Betonung der Forderungen und der Annäherung an Mandatarmacht lind Araber. Dieser Unterschied tritt deshalb zu Tage, weil manche Parteien ihre Wünsche der Wirklichkeit anpassen können, und manche nicht. In Bezug auf die Außenpolitik kann eine Einheitsfront geschaffen werden, angefangen von der Arbeiterpartei bis zur Misrachi, einschließlich aller Fraktionen der Allgemeinen, sogar mit den Revisionisten, wenn sio mit realen Tatsachen rechnen würden. Wir alle verlangen die größtmöglichste Immigration, die Palästina absorbieren kann, mit Rücksicht auf die Not und die Schwierigkeit der Juden in vielen Ländern und mit Rücksicht auf die besonders günstige Entwicklungsmöglichkeit Palästinas als Verbindungspunkt dreier Weltteile. Wir alle verlangen eine Einwanderung, die uns ermöglichen wird, ein Nationalheim aufzubauen, das sich auf eine Bauernschaft stützt, die fest mit dem Boden vorwachsen ist. Wir alle wünschen eine nationale Einigkeit, welcho die wichtigste Voraussetzung für unser neues Leben bietet und wir alle wollen unsere politische Lage in Palästina festigen. Bewegung es sehr stark an zionistischer Disziplin und Loyalität fehlen ließ und Kampfmethoden in Anwendung brachte, die mit der Würde unserer Bewegung unvereinbar sind, und oft in persönliche Verunglimpfung ausarten. Es ist ungemein schwer, ruhig zu bleiben, wenn man auf solche Art angegriffen wird. Das aktuelle Problem ist aber nicht, Tadel auszusprechen, sondern das der Rettung vor dem inneren Zusammenbruch, vor dem Verlust unseres Prestige« im Judentum und vor der Niederlage unserer außenpolitischen Position. Deshalb ist es die dringendste Aufgabe, die Mittel zur Befriedung zu finden. Unsere jetzige Politik wie auch die der nächsten Zukunft muß lauten: Friede und innere Konzentration. Meine Auffassung über den Allgemeinen Zionismus ist, daß er nicht eine Partei ist: auch beabsichtige ich nicht, die bereits existierenden Parteien unserer Bewegung zu bekämpfen. Ich betracht«? den Allgemeinen Zionismus als etwas über den Parteien stehendes, bereit, alle richtigen Maßregeln anzunehmen, die irgend eine Partei vorschlägt. Der Allgemeine Zionismus nimmt die Mittelstellung in der Bewegung ein, als ein einigendes Element und ein Vermittlungsorgan zwischen allen Gruppen. In der Formulierung der Politik einer jeden Gruppe gibt es gewöhnlich drei Abteilungen: Die erste enthält Programmpunkte, die allen oder beinahe allen Parteien in der Politik eigen sind; die zweite besteht aus gewissen prinzipiellen Ansichten, die diese Partei kennzeichnen und in der dritten Abteilung sind Programmpunkte über die unmittelbar zu ergreifenden Schritte enthalten, bei deren Unterlassung — nach Meinung dieser Gruppe — unglückliche Folgen entstehen würden. Ich werde nun die allgemein-zionistische Politik, nach der erwähnten Art von Unterabteilungen behandeln. Hotel Smetana Bad Luhafovice vechoslovakei bleibt über Neujahr und Versöhnungstag geöffnet Minjan im Hause Billige Pauschalkuren Wir alle verlangen unser Recht auf Niederlassung, nicht nur im Gebiete, das „technisch“ Palästina heißt, sondern auch auf dem Gebiete östlich des Jordans, das nach uns schreit, zum Wohle sowohl der Juden als auch der Araber. Wir alle wollen im Frieden und Einverständnis mit unseren arabischen Nachbarn leben, um unsere Lage in Palästina zu festigen, wie es in der Balfour-Deklaration und in dem Mandat vorgesehen wurde. Wir alle verlangen das Recht auf nationale Entwicklung, als einheitliches Volk, mit den daraus erwachsenden Rechten zur gemeinsamen hebräischen Sprache, zum gemeinsamen Sabbath und zu den anderen nationalen Besonderheiten des jüdischen Lebens. Wir alle wünschen, daß die Mandatarmacht eine solche Politik zur Anwendung bringt, die auf eine günstige Entwicklung der jüdischen Niederlassung hinzielt. Insbesondere verlangen wir alle, daß die Finanzpolitik der Mandatarmacht derart gestaltet sei, daß sie unsere Lage und unsere Rechte gerecht berücksichtigt und die finanziellen und wirtschaftlichen Lasten entsprechend aufteilt. Wie alle verlangen, um ein großes Nationalheim aufzubauen, daß die jüdische Entwicklung sich nicht auf die billige Arbeit der Araber stützt, sondern daß diese auf jüdischer Arbeit basiert, von der ein großes Reservoir in Osteuropa und in anderen Ländern vorhanden ist. Wir alle bekämpfen die künstlichen Einschränkungen bei den Bodentransaktionen Palästinas und verlangen dio Aufhebung solcher Verordnungen, die unserem Aufbau Hindernisse in den Weg legen und die Interessen der arabischen Fellachen praktisch in keiner Weise schützen. In diesen und anderen Ansichten gibt es keine wesentlichen Unterschiede bei den HEUrE MOUMN * ,io Premiere ROUGE Uhr (Bus wöre, wenn..? Ein lustiger musikalischer Fragekasten in 25 Problemen Buch, Texte, Inszenierung: _KARL FARKAS_ SISTERS G ... von den Zlegfeld Folihs New York und Palladium, London KARL FARKAS Mile SONJA ASAKOWA Sylvia da Bett’nl, Polly MOlIor, Ruth Oswald, Anny von Tubay, Herma Thun Frans Rott, Fritz Sirohlen. Didier As an, Egon Waldmann, Herbert Scherror Choreographie und Tänze : Franz Rott / Ausstattung : Alfred Kunz / Musikalische Leitung: Ludo Philipp Vorverkauf: Wien, I., Liliengasse 3 — Telephon R-20-2-31 Parteien innerhalb der Organisation, außer in der Art der Betonung derselben und der politischen Methoden. Auch was Methoden betrifft, hat die letzte Erfahrung uns gezeigt, daß es keinen diesbezüglichen beträchtlichen Unterschied gibt. Manche möchten größeres Gewicht auf die internationale Meinung legen, in Genf und in den Hauptstädten verschiedener Länder, wo Juden leben. Andere wieder glauben an die Wirksamkeit der Methode * der öffentlichen' Demonstrationen. Manche beklagen sich, daß wir dem arabischen Problem zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Diese Verschiedenartigkeit der Ansichten, wie sie auch wichtig sein mögen, hat wenig mit Parteiansichten zu tun. Arbeit für jüdische Arbeiter Im zweiten Prograramteil gibt es gründe sätzliche Prinzipien, die ich für richtig halte. .Das erste ist das Prinzip der praktischen Arbeit in Palästina. Wir glauben, daß die Schaffung des jüdischen Nationalheims nicht ausschließlich von den diplomatischen Aktionen, sei es in Großbritannien, sei es bei den Arabern oder bei den großen internationalen Mächten abhängig ist, sondern letzten Endes von der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina. Wir müssen über eine große Masse jüdischer Arbeiter verfügen; Gentleman - Farmers und Fabrikbesitzer allein werden kein jüdisches Nationalheim aufbauen. Diese können vielleicht den Aufbau verhindern, außer wenn die Unternehmen viele jüdische Arbeiter, gelernte und ungelernte, beschäftigen. Die gegenwärtige Gefahr in Palästina ist der Scharon, wo Mangel an jüdischen Arbeitern herrscht, — möglich auch andere Gebiete der jüdischen Siedlung — und tausende von arabischen Arbeitern aus Palästina und anderen auswärtigen Gebieten beschäftigt werden. Wir glauben deshalb, daß der Schutz der jüdischen Arbeit eine der wichtigsten Fragen ist. Der jüdische Arbeiter muß nicht nur beschäftigt werden, sondern seine ständige Beschäftigung muß auch gewährleistet werden, damit er ein dauernder und wichtiger Faktor des nationalen Lebens werde. In dieser Hinsicht sind wir die Verbündeten der Arbeiterparteien und des Jischuw. Das sind die Männer und die Frauen, die durch viele Jahre das Werk ausgebaut haben, das die Grundlage des heutigen Palästina bildet, und diese Män- Naumann*Juden drohen mit Mord Berlin, 22. August, Die „Jüdische Rundschau“ veröffentlicht — zum Teil faksimiliert — eine Postkarte, die der bekannte Berliner Rabbiner unfd Vorkämpfer der zionistischen Bewegung Dr. Joachim Prinz am 13. August erhalten hat. In dem Schreiben, das „K ampfk r e i s j it d i s c h e r Deutscher“ unterschrieben ist, heißt es: „Es ist mein tägliches Gebet, daß einmal der Moment kommt, wo unsere Helden, die sich vom Haß des Antisemitismus und vom Gekeife des Zionismus unbeeinflußt die Liebe zu unserem ewigen Deutschland bewahrt haben, mit ihren Schaftstiteln Ihre widerliche Schnauze samt umliegender Visage vertrampeln. Noch ein Wort gegen N... (gemeint ist der Führer der nationaldeutschen Juden, Dr. Max Naumann, d. Red.), noch ein Wort gegen das Assimilantentum, dann wird mitten in Ihrem Gesabber am Freitag abend dio Kugel Sie finden. Ich stelle Ihnen dieses Ultimatum: Sie gehen innerhalb 14 Tagen nach Palästina oder am 25. d. Mts. finden Sie das verdiente Ende.“ .L-.V ..........