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Die Stimme · 1934-08-21 · Heft 380 (21.8.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 380 (21.8.1934)
Date
1934-08-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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r Tt. 33Ö — ft. August 1934 OH! STIMME Seite S 1 Italien und Palästina Rom, 18. August. (2. T. A.) Im offiziellen Organ des italienischen Außenministeriums „G i o r n a 1 e d'I t a 1 i a“ veröffentlicht der bekannte italienische Flieger Guido Stelling\verf, der im Auftrag der Stadt Bari dom Bürgermeister von Tel-Aviv Meir D i z e n g o f E ein herzliches Begrüßungsschreiben und die offizielle Einladung zur Teilnahme an der bevorstehenden Messe von Bari llbcrbracht hat, einen 'begeisterten Artikel über die erstaunliche Entwicklung der Stadt Tel-Aviv. Tel-Aviv, erklärt Stellingwerf, ist eine vollkommen europäische Stadt, die in unglaublich schneller Zeit an einer 'Stelle aufgebaut wurde, wo es noch vor nicht allzu langer Zeit nichts als sandige Wüstenei gab. Die Stadt zeige eine mustorlu f t e 0 r g a n isation, die höchste Bewunderung verdiene. Zum Schluß weist der Verfasser darauf hin, daß unter der jüdischen Bevölkerung Erez Israels lebhafte Sympathien für Italien vorhanden sind. Dieser Stimmung müsse von italienischer Seite entep'Gehend Rechnung getragen werden. MrasoBtaS auf dem altern «IssdessMsidSaeS ist Hörn Rom, 18. August. (2. T. A.) In Begleitung des Gouverneurs der Stadt Rom, Prinz Buoncompagni Lu cl o v i s i, hat der Regierungschef 3VI u s s o 1 i n i den alten Judenfriedhof auf dem Aventin zu Rom besucht. Der Friedhof wird zwecks Durchführung des neuen Stadtreguliemngsplanes aufgelassen, die Gräber und Grabdenkmäler werden nach dem jüdischen Friedhof Verano verlegt. Der Friedhof auf dem Aventin besteht seit 300 Jahren. Auf ihm sind zahlreiche hervorragende Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Rom begraben, unter ihnen auch Felicc Venezian, der in der italienischen Freiheitsbewegung eine bedeutende Rolle gespielt hat. Ministerpräsident Mussolini wurde bei seinean Besuch auf dem Friedhof von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Rom Enrico Cohen und von dem * Gemeinde-Sekretär Dr. Umberto Scazzocchio J empfangen. Mussolini ließ sich geschichtliche I Einzelheiten über den alten Friedhof erj läutern und erkundigte sich mit großem Interesse nach dem Stand der Verlegungsarbeiton, die auf Kosten der Stadtverwaltung von Rom durohgeführt werden. Sefcalom Amfa gegen „Gott der Rache“ In Budapest Schal am A s c h hat zu einer Aufführung seines Dramas „Gott, der Rache“ im Biulapester Theater am Betblen- Platz seine Zustimmung verweigert mit der folgenden Begründung: „In der heutigen Welt, da es iu konfessionellen Dingen eo viele Reibungsflächen gibt, will ich nicht, daß mein Stück mißverstanden werde. Die Aufführung des Stückes könnte eventuell zu Gehässigkeiten Anlaß bieten. Als ich das Stück schrieb, war ich bemüht, objektiv zu sein. Seither haben sich die Zeiten geändert. Dinge, die damals harmlos waren, erhielten seither eine ganz andere Bedeutung. Ich muß daher meine materiellen Interessen zurückßtellen und die Aufführung* des Stückes untersagen.“ Herzl-Feler ln Sauerbrunn Am 4. d. M. fand in Sauerbrunn eine von der Misrachi-Jugend Wiens gemeinsam mit der „Wizo“-Prater veranstaltete Ilerzl- Feier statt, die als überaus gelungen bezeichnet worden kann. Nach den ErölTnungs- und Begrfißungsworten der Frau Naehama Windschauer hielt Herr Kopol Blum die Festrede, in welcher er oin Bild des großen Führers entwarf und mit der Aufforderung schloß, das von Horzl begonnene Work mit allou Kräften fortzuführon und den Judenslaatsgedankqn in die breiten Massen des Volkes zu tragen. Gesangsvorträgo des Herrn Oberkantor Postolow fanden, begeisterte Aufnahme. Nach der tönenden Wochenschau folgto die Aufführung des Palästinafilms „Frühling in Palästina“, welcher auf das zahlreich erschienene Publikum nachhaltigen Eindruck übte. Nie Initiative ging von Herrn Kopel Blum und Frau N. Windscliauor aus, welche auch das Arrangement und die ni"'gen Vnrhorcitung ii für die Feier getroffen liatleu. Zur Tagung der Ausland-Polen Von Rosa Mälzer Die in Warschau abgehaltene Tagung der Ausland polen brachte auch die tausendfach aufgeworfene, so bitter falsch gegen uns Juden stets wieder beantwortete Frage des „doppelten Patriotismus“ zur Sprache, indem diesmal ausdrücklich festgestellt wurde, daß die historische Zugehörigkeit zu einem anderen Volk die patriotische Anhänglichkeit und Treue der Adqptivheimat gegenüber nicht tangiert. Die einzig richtige Definition und damit zugleich die friedlichste und beste Entscheidung über Fragen des politischen Verhältnisses voji Wirtsvolk zu Gastvolk hat das Judentum längst gegeben. Der Satz, den die jüdischen Weisen ihrem unglücklichen Volk an der Schwelle zur Fremde mitgegeben, lautet bekanntlich: Ehre den Frieden des Landes, in das dich der Ewige — dein Gott — vertrieben. Die ganze Welt weiß genau, wie sehr das jüdische Volk nach Buchstabe und Geist dieser Weisung folgt — seit Jahrtausenden. Man weiß, wie hartnäckig sämtliche Kulturvölker der Erde die Möglichkeit der zwiefachen Staatstreue negierten. Es kam die Zeit der großen verkehrsteehnischen Erfindungen und damit eines großartig ausgebauten Kommunikationssystems, welches den inzwischen stark übervölkerten Staaten Europas einen leichten und schnellen Abfluß ihres Menschenüberschusses ermöglichte, sofern kein Krieg ihn fraß. Ansehnliche Bruchteile selbst großer Völker, die auf gewaltigen Territorien, in machtvolle Staaten konsolidiert, lebten, verließen freiwillig ihre Vaterländer, um in „fremdem“ Gebieten, respektive Weltteilen, unter „fremden“ Menschen sich dauernd anzusiedeln. Was erweist sich nun? Daß die „spezifisch jüdische“ Psychik auf diesem wichtigsten Gebiete des Massenempfindens dem allgemein menschlichen Gefühl entspricht. Jeder Angehörige eines lebenden •Volkes kann, in politischem und sozialem Sinne, sein und bleiben: ein Bürger zweier Zu dem unter diesem Titel in der „Stimme“ am 17. d. erschienenen Artikel sind uns aus Leserkreisen zahlreiche zustimmende Äußerungen zugekommen. Wir veröffentlichen eine dieser Einsendungen, die wegen ihres Inhaltes besonders interessant ist: „Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihr Artikel „Berufswahl“ hat das Richtige getroffen. Ich gehöre der zionistischen Organisation nicht an, muß aber anerkennen, daß einzig und allein die Zionisten politische Voraussicht besessen und der Jugend den richtigen Weg zur sozialen Umschichtung gewiesen haben. In Ihrem Artikel verweisen Sie auf die geistig hochstehenden Arbeiter in Palästina. Es wäre aber gut gewesen, darauf hinzuwelsen, daß es auch im Mittelalter zahlreiche jüdische Handwerker gegeben hat, zum Beispiel die berühmten Seidenfärber in Italien. Insbesondere muß aber darauf verwiesen werden, daß Adele unserer berühmten Gelehrten Handwerker waren. Rabbi Jochanaan zum Beispiel war ein Schuhmacher und der große Hillel war Holzschläger. Es wird Ihre Leser sicher interessieren, welche Stellung der Talmud gegenüber der Ausübung manueller Arbeit gehabt hat: „Groß ist das UandAverk“, heißt es bei den Talmudisten (Nedarim 49 b), „es ehrt seinen Meister.“ „Sieben Jahre war Hungersnot, doch bei der Türe des Handworks ging sio nicht vorüber.“ (Sanhedrin 29 a.) Ls wird im Talmud häufig selbst die niedrigste Arbeit und die größte Genügsamkeit empfohlen, um nur der Hilfe anderer nicht zu bedürfen. So das bekannte (Possachim 112 a): „Macho deinen Sabbath zum Werktag, und bedürfe nur der Leute nicht.“ Ferner (Pessachim .1.13 a: Bawa batna ‘i<);A; ..Decke tote.- Vieh alt eu' offener i Straße und nimm deinen Lohn dafür' Welten, ein Patriot zweier Staaten, ein treuer, opfervoller Sohn und Freund zweier Völker. Das hat auch die Eminziation der Auslandpolentagung laut und offen bekannt. Die Polen gehen noch einen Schritt weiter als die Juden: sie schaffen eine Weltorganisation der Auslandpolen. Unsere Galuthgeschiehte beweist klar und unzweideutig die volle Möglichkeit des in Rede stehenden Dualismus. Die Einsicht der Notwendigkeit seiner Anerkennung, laut und offenherzig, erwacht erst heute im Herzen und Hirn der wandernden Völkerschaften, von denen beispielsweise in Amerika 12,000.000 Deutsche, 4,000.000 Polen, soundsoviele Russen, Italiener, Spanier, Franzosen, Engländer usw., usw. leben, die alle zusammen in fast allen Staaten der Welt Millionen und Hunderttausende ihrer Volksgenossen zählen. Haben doch allein die Polen außerhalb Polens und Amerikas 4,000.000 ihrer Angehörigen in allen Gebieten der Welt. Auch die Juden (warum auch nicht) besitzen in Amerika und sonstwo große und kleinere Splitter ihrer Nation. Alle fünf Weltteile beherbergen ein Sammelsurium verschiedener Nationen und jede derselben steht mit ihren Gefühlen und Interessen „auf der Scheide zweier Staaten“, zwischen dem historischen Vaterland und der Adoptivheimat. Gleich dem jüdischen Volk ist auch ihnen der Dualismus zur Einheit verschmolzen. * Ein polnischer Jugendgiihrer im Konzentrationslager Warschau, 16. August. Der Führer der Jugendsektion der nationaldemokratischen Partei in der Lodzer Vorstadt Balut, Felix C i e s z 1 i n s k i, ist in ein Konzentrationslager eingeliefert worden. Cieszlinski wurde dieser Tage mit seinen engsten Mitarbeitern unter der Beschuldigung verhaftet, die j u d e nfeind lieh e n Unruhen in Lö d z ber-- vorgerufen zu haben. und sage nicht: ich bin ein Priester, bin ein vornehmer Mann und das Geschäft ist. für mich gehässig.“ So sagte auch R. Meir: „Daß der Mensch vor dem Tiefe auf die Arbeit angewiesen ist, ist ein Vorzug desselben.“ (Vergleiche Midrasch Gadol ca.p. 14.) „Arbeit ist bei Gott beliebter als das Verdienst der Väter“ (sechut awot — Jalkut Wajjeze 130). „Meloche is Broche“, sagt ein anderes Volkswort, „Arbeit (m ela oha) ist Segen (beracha)“. Sehr schön heißt es auch Pessachim, 118 a: Als Gott zu dem ersten Menschen sagte: „Und Dornen und Disteln soll sie dir tragen“, da flössen seine Augen von Tränen über. „Herr der Welt!“ rief er, „soll ich und der Esel aus einer Krippe essen?“ Als aber Gott zu ihm sagte: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen11, da beruhigte sich sein Gemüt sogleich.“ Noch ein Ausspruch des R. Meir möge hier Platz .finden. Derselbe sagte (Kidduschm 82 b): „Der Mensch lasse seinen Sohn ein reinliches und seinen Kräften gemäßes Handwerk erlernen und seko dabei nicht auf das, was besonders Gewinn verspricht, sondern blicke zu dem auf, in dessen Hand aller Reichtum und alle Güter stehen. Es gibt kein Handwerk, mit welchem nicht Armut und Reichtum sich verbinden könnte; denn Armut kommt nicht vom Handwerk, sondern alles kommt auf das Verdienst des Menschen an.“ Zum Schluß noch eine Stelle aus Berachot (43 b): „Jedem Handwerker gefällt sein Handwerk; also hat es Gott gewollt, damit kein Handwerk sich verlieren möchte.“ Ein rabbinisches Sprichwort sagt (Boreschit rabba 59, 8; Jalkut 107, mit Bezug auf 1. B. M. 24, 4): „Vom Weizen deiner Stadt nimm deine Aussaat!“ „Ein Mäßlein aus dem Lande, besser als ein Scheffel aus der Ferne.“ (Pessachim 113;!.' M'U'M"-. -ir w auch die TaliuudHctt, in Folge der Unsicherheit ihrer Zeit, dem Handel vor dem Ackerbau den Vorzug geben, und zum Beispiel sagen (Jewamot 63a): „Hundert Gulden auf Handel verwendet, (erlaubt) täglich Fleisch und Wein; hundert Gulden auf den Ackerbau, nur Salz und Gemüse“, so heißt es doch ebendaselbst anderseits: „Säe selbst und kaufe nicht; und sei der Weizen noch so wohlfeil und dein Acker nicht der beste, auf dem Selbst - gesäten nur ruht der Segen.“ So wird auch ebendaselbst, und zwar charakteristisch genug, als plästinensischer Spruch angeführt: „Gott hat mich hingegeben“, heißt es im Klagelied (1, 14), „so daß kein Aufkommen ist!“ Das gilt besonders von dem, dessen Nahrung von seinem Gelde abhängt“, der, wie der Kommentar erklärt, keinen eigeneu Feldbau hat. „Wer“, sagen die Pirke de R. Natan 31, „wer die Frucht vom Markte kaufen muß, der gleicht einem Kinde, dessen Mutter gestorben, und das man vor den Türen der Ammen bettelnd umherträgt; es wird nicht satt.“ Dr. P. Dt*. Hugo Spitzer, gestorben Belgrad, 18. August. (2. T. A.) Dr. Hugo Spitzer, Ehrenpräsident des Verbandes der jüdischen Gemeinden und Ehrenpräsident des Zionistenverbandes in Jugoslawien, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. In ihm verliert die jugoslawische Judenkeit eine ihrer markantesten Persönlichkeiten. Nach dem Weltkriege gab er die Initiative zur Gründung des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Jugoslawien. Der zionistischen Bewegung trat er sofort bei deren Entstehen bei. Er war seif. 1897 mit dem späteren Präsidenten der zionistischen Weltorganisation David Wolfe ohn befreundet. Er war 1898 bis 1899 Mitglied des Großen Aktionskomitees. In Jugoslawien wurde er für seine Tätigkeit mehreremal vom König ausgezeichnet, er besaß den Weißen Adler-Orden und den Orden des heiligen Sava. Im Vorjahre gründete Ger Gemeindeverband auf den Namen Dr. Spitzer -einen Fon d s z u r An s ie dlung jugoslawischer Juden in Pa 1 äetina. Auch in nichtjüdischen Kreisen genoß Dr. Spitzer große Achtung. Er war Präsident des Roten Kreuzes. In der jugoslawischen Judenheit hat sein Ableben große Trauer. hervorgeraferi. Doktor Spitzer wurde Donnerstag in Zagreb bestattet, wo die Chewra Kadischa ihm ein Ehrengrab widmete. Des* Fall Taubes Frau Bertha Taubes, die sich mit dem Arrangement von Paläs tinare-isan beschäftigte, hat vor einigen Tagen infolge. finanzieller Schwierigkeiten Selbstmord begangen. Mit Rücksicht auf die besonderen Umstände dieses traurigen Falles wollen wir die Ursache des Selbstmordes der Frau Taubes nicht weiter erörtern. * Ganz im allgemeinen und unabhängig vom Falle Taubes möchten wir aber neuerlich auf die Gefahren einer illegalen Einwanderung aufmerksam machen. Es haben sich wiederholt Fälle ereignet, daß gewissenlose Auswanderungsagenten illegale Einwanderer im Orient hilflos und aller Barmittel beraubt aurückgelassen haben. Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt und sind verschwunden. Die palästinensischen Zeitungen stellen fest, daß die Gefängnisse in Palästina voll sind von Juden, die unter der Beschuldigung, illegal in das Land gekomn^n zu sein, verhaftet worden sind. Das Gericht in Haifa verurteilte wegen ungesetzlicher Einwanderung . 23, meist syrische, Juden und drei christliche Russen zu je zwei Monaten Gefängnis und zur Landesverweisung nach Verbüßung der Strafe. Lucie Englisch — jung verheiratet! Lucie Englisch wurde kürzlich glückliche Mama. In ihrem neuen Lustspiel „Meine Frau — die Sehiitzenkönigin“ spielt sie eine jung verheiratete Frau, die unfreiwillig gleichzeitig mit zwei Männern verheiratet erscheint: mit dem schüchternen Ralph Arthur Roberts und dem vor Eifersucht tobenden Oskar Sima. Endlich wieder einmal Jan Kiepura! Der neue Jan-Kiepura-Film „Mein Herz ruft nach dir“ spielt in einem bunten, wechsolvollen Rahmen, in Monte-Carlo und seiner große Oper, in den Spielsälen des Kasinos, an Bord eines groß.ui P"'rpM".s, rr." en-rr 7.nn, wTii-’ in Süd- 'inerika u;(l zuieUi sogar in eh m (<i/u„..gnis. Seine Partnerin ist Martha Eggcrth. ln wei- Zum Thema Berufswahl

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