Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 380 (21.8.1934)
- Date
- 1934-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE STIMME Seite 8 Kr. 880 — 21. August 1984 BWBBWBBHPWWWBBIMII.Wnil Vcrhaftußgen Jüdischer Einwanderer in Palästina Jerusalem, 18. August. (Z. T. A.) Die arabische Presse bringt weitere Berichte über Verhaftungen illegaler jüdischer Einwanderer und erzithlt unter anderem, daß das Gericht in Gaza acht Juden wegen Übertretung der Einwanderungsvorschriftcn zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt hat und daß zehn Juden an der südlichen Libanongrenze beim Versuch, diese zu überschreiten und nach Palästina zu kommen, verhaftet wurden. Eine Gruppe m o e 1 e jn i t i s c h er Pfadfinder schlug ihr Lager am Strande in der Nähe von Nebi Rubin, südlich von Jaffa, auf, u in jüdische Reisegesellschaften an der Landung zu verhindern» In § a f e d wurden elf Juden, unter ihnen eine Frau und ein Kind, wegen illegaler Einwanderung vor Gericht gestellt. Zwischen Deir el Belah und Gaza versehen zwei arabische Reiter einen Wachdienst gegen jüdische Einwanderer. Eine Beiruter Zeitung meldet, daß die Grenzkontrolle im Libanon gegen Palästina verstärkt wurde und daß im Verlauf des Monats Juli 45 Juden beim Versuch, diese Grenze zu überschreiten, verhaftet wurden In Bei sau sollen Juden, die in Verkleidung von Hauran-tBewohnern ins Land kamen, verhaftet worden sein. Die arabische Presse berichtet mit Genugtuung, daß arabische Jugend nach wie vor den Wachdienst gegen illegale Grenzüberschreitung durch Juden versieht. In Rosch Pinah ereignete sich der folgende Vorfall; Drei Mitglieder eines jüdischen Arbeiter-Kihbutz wurden bei einem Spaziergang in der Nähe der Nordgrenze von einem Araber abgefordert, ihm zur Polizeietation zu folgen, um sich wegen illegaler Grenzüberschreitung zu verantwor ten. Die jüdischen Arbeiter erklärten, sie seien rechtmäßige Landeseinwohner. Auf einen Pfiff des Arabers erschienen nun zehn weitere Araber und zwangen die Juden, sich zur Polizeistation zu begeben. Dort verlangten die Araber vom Polizeikorporal die Auszahlung einer Fänger- Prämie von drei Schilling. Der Polizeibeamte stellte jedoch fest, daß die drei jüdischen Arbeiter rechtmäßige Einwohner seien und verweigerte die Prämie, $!e essen von 30Groichen aufwärts vorzüglich Im GRABEN-Kl Der Palästina-Beildit der Mandatskommission Verständigung zwischen Jewtsh Agency und Waad Leumi Jerusalem, 15. August. In einer von der Palästina-Exekutive gemeinsam mit dem Waad Leumi und der vom Aktionskomitee auf seiner März-Tagung eingesetzten politischen Studienkommission in Jerusalem abgehaltenen Beratung wurde eine V erständigung über die wichtigsten schwebenden politischein Fragen erzielt. An der Aussprache nahmen Prof. Mosslnsohn, Elijahu Berligne, Rabbi Oßtroweky, Richard Lichtbeim, A. Katzenelson, A. Eljnalah, Elieser Kaplan und Dt. Werner Senator teil. In seinem Schlußwort gab David Ben Gurion eine Darstellung der zionistischen Politik und Aufgaben gegenüber Palästina-Regierung und den Arabern. Die Jüdischen Stadträte von Haifa ohne Abstimmung wiedergewähit Haifa, 15. August. Die vier jüdischen Stadträte von Haifa wurden, da eine jüdische Einheitsliste vorgelegt worden war, ohne Abstimmung wiedergewählt. Am 1Ö. August fand die Wahl von vier mohammedanißchen und vier christlichen Stadtverordneten statt. Als einzige Stadt, in der durch Abstimmung über die in den Stadtrat zu entsendenden Personen entschieden weiden wird, bleilrt nur noch Jerusalem üibrig. Arabische Hoffnungen auf Mostey Jerusalem, 14. August. Berichte über den bevorstehenden Besuch von Sir Oswald M o s I e y in Palästina haben arabische Zeitungen veranlaßt, zu arabischer Annäherung an den britischen Faschistenführer auf zufordern. „Er ist ein bekannter Antisemit und kann unserer Sache von großem Wert sein“ — schreibt „Al Jamea al Islamla“; die Zeitung fordert arabische Politiker auf, sich mit Sir Oswald anläßlich seines Besuches in Verbindung zu setzen. Genf, 17. August. (Z. T. A.) Der Bericht der Mandatskommission an den Völkerbundrat und dio Protokolle ihrer vom 30. Mai bis zum 12. Juni 1034 abgehaltenen XXV. Session sind allen Mitgliedstaaten des Völkerbundes zugestellt worden. Der das Palästina-Mandat betreffende Teil des Berichtes stellt zunächst fest, daß In Palästina weiterhin eine günstige wirtschaftliche und finanzielle Lage herrscht. Die Kommission ist bemüht, die Lage jenes Teiles der Landbevölkerung zu bessern, die durch dio schlechten Ernten gelitten haben. Die Kommission dankt der Mandatarmacht für ihre Auskünfte über die in Palästina im Oktober 1933 stattgefundenen Unruhen, über ihre Ursachen und über die getroffenen Maßnahmen. Sie würde es begrüßen, im nächsten Jahresbericht ausführliche Mitteilungen über die infolge dieser Vorfälle endgültig getroffenen Entscheidungen vorfinden zu können. Sie hat anderseits die Erklärung des beglaubigten Vertreters der Mandatarmacht zur Kenntnis genommen, wonach der Effektivstand der Truppen und der Polizeikräfte genügend ist, um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung garantieren zu können. Die Kommission verlangt ein Exposö über die sich auf die Grenze zwischen Transjordanien und dem saoudischen Arabien beziehenden Fragern. Bei dieser Gelegenheit möchte sie erfahren, wo Zeit der ottomanischen Grenze zwischen Hedschas und Syrien lief. Die Kommission wünscht auch Aufschluß über die Methode, die die Mandatarmacbt anzuwenden beabsichtigt, um eine engere Abhängigkeit zwischen der Zahl der neuen Einwanderer und der wirklichen, auf lange Dauer berechneten wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes zu schaffen. Der öffentliche Unterricht soll, insbesondere auf diie arabischen Kinder, weiter ausgedehnt werden. Unter Bezugnahme auf frühere Bemerkungen stellt die Kommission mit Genugtuung fest, daß das Min de st alter für heiratsfähige Mädchen auf vierzehn Jahre erhöht und daß diese Entscheidung von den Häuptern der verschiedenen religiösen Gemeinden genehmigt wurde. Die Kommission würde weitere Mitteilungen über die Verwendung der von der Mandatarmacht garantierten 2-Mi 11 i o n e n- Pfund-Anleihe begrüßen. Außer dem Jahresbericht der Mandatarmacht hat die Kommission während ihrer XXV. Session bekanntlich auch eine Reihe von jüdischen und arabischen zur Verwaltung, die dem Vi 1 a j e t dem Vilajet Petitionen aus Palästina geprüft. Ihr Bericht an den Rat enthält darüber die nachstehenden Bemerkungen: 1. Memoranda des Waad Leumi (vom Mai 1033), des Oberrabbinats von Palästina (vom 9. April 1933) und der „Central Agudath Israel“ (vom 11. Mai 1933) betreffend zwei Fragenkomplexe; a) die ungleiche Behandlung der Rabbinatsgerichte im Vergleich zu den mohammedanischen Rellglonsgerichten; b) die Forderung der „Agudath Israel“, als besondere Religionsgemeinde anerkannt zu werden. Zur Frage a) stellt die Kommission fest, daß die mohammedanischen Gerichte auf Grund von aus der Zeit der ottomanischen Herrschaft übernommenen Rechtsbestiminungen gegenüber den religiösen Gerichten anderer Konfessionen tatsächlich eine Sonderstellung genießen und daß dadurch, wenn auch nicht eine ausdrückliche Verletzung der Mandatsbestimmungen, so jedenfalls eine faktische Ungleichheit in der Behandlung vorliegt. Die Kommission hält es jedoch nicht für möglich, von sich aus präzise Vorschläge zu machen, die dieser Ungleichheit ein Ende setzen würden, sie hofft aber, daß die Mandatarmacht entsprechende Maßnahmen wird treffen können, um, wenn nicht eine formelle, so doch wenigstens eine Gleichheit auf dem Gebiete des finanziellen Gebarens zu schaffen. Zur Frage der Agudath enthält sich die Kommission jeder Bemerkung und nimmt mit Genugtuung die Erklärungen des Vertreters der Mandatarmacht zur Kenntnis, wonach diese Frage sich auf gutem Wege zu einer gütlichen Lösung befindet. 2. Petitionen des „Waad Adath Aschkenasim (vom 12, Juni und vom 28. August 1933), die unter anderen für den „Waac Aschkenasim“ die Anerkennung als Sondergemeinde und die Zuteilung von besonderen 50 Einwandererzertifikaten jährlich forderten. Die Kommission hat diese Petitionen in allen Teilen abschlägig beantwortet. 3. Sieben verschiedene arabische Petl tionen. In ihren dem Völkerbundrat unter breiteten Schlußfolgerungen bemerkt die Kommission zu allen diesen sieben Peti tionen, daß „ihnen keinerlei Folge zu geben ist“. Die arabischen illegalen Die billigste Sonderfahrt zu den Feiertagen nach O L Abreise 6. September, Rückfahrt 4. Oktober Nähere Auskünfte: E. FERSTEL, Wien, Kärntnerring 12. Tel. U 40-301 Exzeß kurdischer Juden im Hauptbüro des K. K. L Am 2. August spielten sich im Zionistischen Amtshaus in Jerusalem stürmische Szenen ab. Ein Irgun kurdischer Juden, die seit vielen Jahren in Erez leben und zur Zeit in Haifa als Lastträger arbeiten, waren schon vor langem als Mitglieder der HiBtadruth durch deren Organe mit dem K. K. L. Hauptbüro in Verhandlung getreten, dieses solle ihnen Boden zur gemeinsamen landwirtschaftlichen Ansiedlung im Emok Sebulun oder in dessen Nähe verpachten. Leider waren alle von dem Irgun verlangten Ländereien schon von anderen Gruppen besetzt oder diesen doch fest zugesagt. Als mm eino Deputation des Irgun beim Referenten W e i t z des Hauptbüros vorsprach, stellte er ihnen eine Bodenfläche in Aussicht, welche im Prozeß gegen Beduinen vom K. K. L. eben ersiegt, worden war. Anscheinend zufrieden zog die Deputation ab, um ihren vor dem Haus wartenden Landsleuten zu berichten. Dort trat angeblich durch Verhetzung von auswärts (? Die Red.) ein Stimmungsumschwung ein; eilende Beamte befreit wurde, die Fenster und andere Einrichtungsstücke zu zertrüm mern, bis die Polizei herbeikara und 17 Exzedenten in Haft nahm. Schon Tage darauf fand die Verhandlung vor dem Jerusalemer Friedensrichter C r e s t a 11, einem Engländer, statt. Die Angeklagten bekannten sich, von dem ständigen Vertreter des K. K. L. verteidigt, schuldig, und baten K. K. L„ Gericht und Polizei um Verzeihung. Der Richter sagte ihnen: „Schämt euch! Ihr habt euch benommen wie Schulbuben? Glaubt ihr denn, der K. K. L. sei ein Weihnachtsmann, der Geschenke austeilt? Wieviel habt ihr denn dem K. K. L. schon an Spenden abgeführt?“ Schließlich wurden die Angeklagten mit Rücksicht auf ihre Reue zu Geldstrafen von zusammen 16 und 31 Pfund solidarischen Schadenersatzes verurteilt. Der Vorfall ist in zweifacher Hinsicht interessant. Er zeigt, wie schwer es dem K. K. L. fällt, bei dem großen Landhunger der Juden allen Ansprüchen zu entsprechen; dann aber auch, wie die Tendenz zu Gewalttätigkeit im Lande, nicht zuletzt durch den denn plötzlich stürmten 30 Männer schreiend ( Fraktionszwist, ständig wächst, um schließins Haus, umstellten und schlugen Herrn lieh nicht einmal vor den nationalen Insti- .Weitz und begannen, als er durch herbei- * tutionen haltzumachen. Jerusalem, 19. August. Die Bildung illegaler Trupps aus jungen Arabern, die sich die Machtbefugnis von Gendarmen anmaßen und jüdische Palästina-Wanderer am Betreten palästinensischen Bodens hindern, hat ihre ersten blutigen Früchte getragen. In der Nähe der jüdischen Kolonie Nathan i a und in C h e d e r a h kam es zu sehr ernsten Zusammenstößen zwischen solchen arabischen Trupps und jungen Juden. Am 14. August abends versuchten in der Nähe von Nathanla freiwillige arabische Grenzwachen jüdische Einwanderer, die angeblich ohne gesetzliche Er-i laii'bmis in das Land kommen wollten, am Betreten palästinensischen B oden« zu verhindern. Dabei entwickelte! sich ein ernster Kampf zwischen arabischen und jüdischen Jugendlichen. Noch ernster scheinen Zusammenstöße, in Chederah gewesen m sein. Wie es heißt, sollen dort zwei junge Araiber, die sich unter dem angreifenden Trupp befanden, ernstlich verletzt worden und einer soll am 17. August den Verletzungen erlegen sein. Polizeiverstärkungen gingen nach Ober derah ab. Ben Gurion, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, hatte bereits am 14. August abends eine lange Unterredung mit dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope über die Angelegenheit der illegar len arabischen Grenzwachen, in deren Ver-i lauf er auf die Möglichkeit von Zusammen-! Stößen aufmerksam machte. Es wird ange-! nommen, daß die Regierung nunmehr der Einmischung unbefugter Personen in die: offiziellen Handlungen der Behörden Einhalt gebieten und daß es zur Verhaftung erwandernder Juden seitens arabischer Jugend* lieber, die sich Polizeibefugnisse anmaßen, nicht mehr kommen wird. Im Verlauf der Unterhaltung mit dem High Commisßioner berührte Ben Gurion auch andere politische Fragen des Jischuw und des Zionismus. Unterstützt der Mufti die inofft* zielten arabischen Grenzwachen? Jerusalem, 18. August. (Z. T. A.) „Palastine Post“ teilt mR, daß der Mufti von Jerusalem die Bildung der inoffiziellen arabischen Grenzwachen, die Juden am Betreten palästinensischen Bodens hindern sollen, unterstützt und diese Wachen unter seinen Schutz genommen hat. Die Zeitung fragt, wie man es unter solchen Umständen der jüdischen Jugend verwehren könne, sich zu organisieren, um Ausschreitungen seitens dieser arabischen Trupps begegnen zu können. Jeder, der Palästina liebt, wird eolche Zustände, die ernste Gefahren in sioh bergen, bedauern. Es ist absurd, wenn der Mufti eine Bewegung unterstützt, die einige Dutzend jüdische Flüchtlinge am Betreten des Landes hindern soll, während die syrische Behörde selbst die Zahl der Hauran-Einwohner, die sich illegal in Palästina niedergelassen haben, auf mehr als 30.000 angibt. Wir erwarten, schließt die Zeitung, daß die Regierung gegen diese Spielerei arabischer Jugendlicher einschreitet, bevor sich gefährliche Konsequenzen ergeben. Wirtschaftliches aus Palästina In Jerusalem hat sich eine Gesellschaft unter dem Titel „Jerusalem Development Company Ltd.“ gegründet, welche die Aufgabe hat, größere Landstrecken zwischen Jerusalem und einigen weiter auswärts gelegenen jüdischen vorstädtischen Siedlungen zu erwerben, nach einem aufgelegten Plan zu parzellieren und zum Verkaufe zu bringen, um hiedurch die Entstehung eines neuen Stadtteiles zu ermöglichen.* Die Gesellschaft soll ein Kapital von LP. 100.000 aufbringen, von denen LP. 20.000 bereits eingezahlt und in Bodeu investiert sind. Mit der Aufbringung der weiteren Beträge ist die P a i o s t i n e Trust Company Ltd. in Te 1 Aviv betraut worden. i