Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 380 (21.8.1934)
- Date
- 1934-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 3 DIE STIMME Nr. 380 —?1. August 1034 Emlniers Gaststätten am Praterstern m (iii;iM!iiiiiiiiiiHii!ii!iiiii!;'!;i!iiniiiiiiiiniiii:iiiiiiiiiiiiiiH:iiiiiiiiiuiiiHiniiiiH:!:;:iiiiiHiiBHHiiiiiwiJuiifflinii!Hiiiiii;inni!iiiii!iiiii!iii!i!i!iiiiii!iiiiiiii!!iiiiii!iii!:!iii!i:!iMi!"iiiiiiini!Hiiiiiii!iiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiriiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiHn»iiiM Einige Pariser Zeitungen befassen sich in sensationeller Weise mit der Rollo d e u tscher Agenten bei den Pogromen in Constantine und in anderen Orten in Algier und wissen unter anderem zu berichten. daß man bei einem der verhafteten Pogrom.fii.hrer einen zwei Wochen vor dem Pogrom datierten Brief aus Berlin an de n „FührerderNationalaozi allsten in Algerien'1 gefunden hat. in dem über Erfölige der Nazipropaganda in der ganzen Welt berichtet und den Nationalsozialisten in Algerien der Vorwurf gemacht wird, daß man nichts über ihre „Tätigkeit“ erführt Eine eigentümliche Bekräftigung Anden diese Mitteilungen in einem von der Berliner „Deutschen Zeitung“ (Nr. 181, Abendausgabe vom 11. August 1934) veröffentlichten Bericht aus Algerien, der der Zeitung von einem „soeben aus Marokko nach Deutschland gekommenen Freunde“ zur Verfügung gestellt wird. Es ist bekannt, daß die nationalsozialistischen Auslandemissäre eine doppelte Aufgabe haben: einerseits für die Interessen des Nationalsozialismus zu wirken, anderseits über die Erfolge ihrer Propaganda nach Berlin zu berichten, welche Berichte dann der gleichgeschalteten Presse zur Veröffentlichung übergeben werden. Man geht wohl nicht fehl, wenn man unter dem „soeben aus Marokko nach Deutschland gekommenen Freunde“ einen solchen Emissär vermutet, der sich, bevor der Boden in Marokko zu heiß für ihn wurde, aus dem Staub gemacht hat. Dieser „Freund“ nennt die algerischen Juden „Schacherer, Spione und Verräter“ und bezeichnet die Pogrome als „unerwünschten Erfolg der G-reuelhetze gegen das Dritte Reich“. Er schreibt unter anderem: „Bekannt ist die verräterische Rolle, welche die Juden einst als Helfer der eindringenden Mauren im Westgotenreich in Spanien Und Gallien gespielt haben, und dafür hatten sie unter der neuen maurischen Herr schaft auch viele Vorteile eingehandelt. Aber die Araber haben dann die Erfahrung gemacht, wie leicht sich diese Verräterei auch gegen sie selbst wenden kann und bei ihrem Eindringen in Algerien ebenso wie später in Marokko haben sich die Franzosen gegen die freien arabischen Stämme immer auf die Juden gestützt und sie als Helfershelfer und namentlich als Spione verwendet. Zum Dank dafür hat der französische Jude C r k m i e u x, der Gründer der Alliance israölite, den Juden in Algier das französische Bürgerrecht verliehen, eine Maßnahme, die in der mohammedanischen Welt eine noch jetzt nachwirkende Entrüstung erregt hat, von der sich der Außenstehende keine Vorstellung machen kann. Kleinere Zusammenstöße kommen täglich vor, aber die Franzosen sorgen nach Kräften dafür, daß dabei ihren lieben Juden nach Möglichkeit wenig geschieht. Wenn es diesmal ernster geworden ist, so haben die Juden es sich ganz allein selbst zuzuschreiben, und die Geschichte ist für deutsche Leser recht wissenswert. Wie überall, so haben auch hier die Juden eine tolle Hetze gegen das Dritte Reich zu entfesseln versucht. Unter Benützung der Pariser Emigranten wurden die wildesten Greuelmärchen verbreitet. Da hörte man von großen Judenmassakera in allen möglichen denteehen Orten, sogar die berühmten abgehackten Kinderhände erlebten ihre Wiederkehr, und die einfache Bevölkerung war geneigt, diese Geschichten gutgläubig aufzunehmen. Aber der Erfolg war ganz anders, als die Juden ihn sich vorgestellt hatten. Wie? sagten sich die Araber. Es gibt also doch noch ein Volk auf der Welt, das sich dieser Pest zu erwehren versteht? Dann wollen wir doch einmal versuchen, ob wir dazu nicht auch Mannes genug sind. Es entstand eine ungeheure Gärung, bis sie jetzt losgebrochen ist und sich in der hier landesüblichen Art Ausdruck verschafft hat. Die Verblüffung über diesen unerwarteten Erfolg ihrer Greuelhetze war bei den Juden ungeheuer. ... Diesmal also haben sich dio Weisen von Zion mit aller ihrer berechnenden Schlauheit selbst in die Finger geschnitten. Es wäre nur zu hoben, daß der Greuelsohwindel auch ander wä r t s Lohn erhielte.“ Selbstverständlich ist Juden den Mauren im hülfen haben. Nirgends sehen dafür. seinen verdienten die es erlogen, daß Westgotenreioh gein der zeitgenössi- Geschichte befindet sieh ein Beweis Es ist auch unwahr, daß in Algerien von den abgehackten Kinderhänden zu hören ist. Es handelt sich.um den Bericht eines Provokateurs, dem in der deutschen Presse das Alibi hergestellt -wird. Sielt erheitsvorkehrungeii in Algerien Paris, 18. August. (Z. T. A.). Der Bürgermeister von Constantine, M a r i n a u d, hat der französischen Regierung die Forderungen vorgelegt, eine Reihe von Maßnahmen zu treffen, durch dio eine Wiederholung der antijüdischen Unruhen unmöglich gemacht werden soll..Ein militärisches Luftgeschwader von 500 Flugzeugen solle dauernd in Algerien stationiert werden. Die anläßlich der Unruhen vergrößerte Garnison von Constantine solle in ihrer jetzigen Stärke aufrechterhalten werden. Eine amtliche Kommission möge eingesetzt werden, die eine offizielle Schätzung der Verluste vorzunehmen und einen großen Hilfsfonds zu schaffen hätte. Den jüdischen Kaufleuten, deren Läden zerstört wurden, soll sofort ein Moratorium eingeräumt werden. Gcneralgouverneur' C a r d e und die Re gierung haben diese Forderungen gebilligt. Von den wegen Beteiligung an den anti jüdischen Unruhen in Constantine Verhaf toten stehen vier unter Mordan klage. Die Verhaftungen dauern an Mehr als 200 Versicherungsansprüche wur den von geschädigten Ladenbesitznrn er hoben. Zwischen jüdischen und arabischen Führern finden V e r 8 ö h n u n g s a k t i o neu und Austausch gegenseitiger Sympathieerklärungen statt. Sämtliche mohammedanischen Mitglieder des Gemeinderats von Oran haben die folgende Kundgebung erlassen: „Die moslemitisohen Vertreter im Gemeinderat von Oran bekräftigen nach den Ereignissen von Constantine noch einmal ihren Willen, daß Frieden zwischen den Rassen und Religionen herrsche. Sie erfahren mit Bedauern den Entschluß des Generalrats Ghighi, des einzigen jüdischen Stadtrats von Oran, bei den nächsten Wahlen nicht wieder zu kandidieren. Sie versichern ihn ihrer Dankbarkeit für die von ihm uneigennützig geleistete Arbeit und sprechen den Wunsch aus, daß ein jüdischer Kandidat mit echt menschlichem und französischem Geist für den frei werdenden Posten des Generalrats sich zur Verfügung stelle.“ Da Ghighi bei seiner Weigerung verblieb, wurde der jüdische Advokat Kars e n t y zum Mitglied des Stadtrats nominiert. Der Senat der Freien Stadt Danzig hat mit Beschluß vom 9. August das vom Polizeipräsidenten verfügte Verbot der „Stimme“ bestätigt. Der Beschluß hat den folgenden Wortlaut: Senatsbeschluß Nr. 1125 vom 9. August 1934. Die Beschwerde des Herausgebers der Zeitung „Die Stimme“ gegen die Verfügung des Polizeipräsidenten in Danzig vom 5. Juli 1934 wird zurückgewiesen. Gründe. Die in Wien erscheinende Zeitung „Die Stimme“ bringt in ihrer Ausgabe vom 3. Juli 1934 mehrere Artikel, welche ge eignet sind, die Empfindungen der in ihrer überwiegenden Mehrheit nationalsozialistisch eingestellten Danziger Bevölkerung zu ver letzen und in ihr eine Erregung zu ver Ursachen, welche geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden In dem Artikel „Hitlers Grabreden für Roehm und Genossen“ werden in verleum derischer Weise die Ereignisse des 30. Juni 1934 in Deutschland behandelt. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei wird unter anderen als Partei des Schmutzes und der Verlodderung bezeichnet. Der Artikel „Keine Halbheiten, keine Unklar heiten“ enthält die Behauptung, daß die österreichischen Bombenwerfer und Mörder sich ihre Attentate aus dem Reiche bezahlen ließen. Der Artikel „Die Folter in den Konzentrationslagern“ bringt wüste GrQuelnachrichten über angebliche Mißhandlungen und Tötungen in den deutschen Konzentrationslagern. Mit Recht hat der Polizeipräsident in Danzig auf Grund der Rechtsverordnung vom 30. Juni 1938 die Einfuhr und Ver breitung der Druckschrift „Die Stimme“ verboten. Das Verbot iöt nicht nur wegen KINOPROGRAMME DER WOCHE II. Rnten»terngas88 7s Telephon R 40-0*23 LeopolilstOdter Volkskino Vom 21. bis 23. August; „Und der Mooid schaut zu Eine Mllllenen-Ausstattungsrevue I« m m Tflgllch V»0, VÄ 7*10 Uhl ErmHBIgto Sommerprela® Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung gerechtfertigt, sondern auch deshalb, weil in der in Frage kommenden Ausgabe leitende Staatsmänner des Deutschen Reiches in solcher Weise beschimpft und böswillig verächtlich gemacht werden, daß dadurch die Beziehungen der Freien Stadt Danzig zum Deutschen Reich beeinträchtigt werden können. Die Beschwerde des Herausgebers der Zeitung war danach als unbegründet zurückzuweisen. Danzig, den 9. August 1934. Der Senat der Freien Stadt Danzig, gez.: Dr. Rau6ohning. Greiser. A. HI. 35, 45. Danzig, den 13. August 1934. Ausgefertigt: Unles. Unterschr. Regierungssekretär. Stampiglie. Der Senat hat, so scheint es, die Artikel der „Stimme“ herausgegriffen, um an ihrer Hand seinem Unmut darüber Luft zu machen, daß durch das in Deutschland herrschende System der gute Name Deutschlands in aller Welt besudelt worden ist „Die Stimme“ hat nicht in verleumderischer Weise die Ereignisse des 30. Juni behandelt, sondern sie hat sich genau an den Erlaß Hitlers an den Stabschef der S. A. gehalten. Und was Hitler in diesem Erlaß aussetzt, das hat er in seiner Reichstagsrede wieder holt. Die Finanzierung des nationalsozialistischen Terrors in Österreich durch reichsdeutsches Geld ist gorichtsbekannt. In unzähligen Zeugen- und Angeklagtenaussagen Ist hervorgekommen, daß Bomben- und Böllerwerfer durch Agenten aus Deutschland Beträge von 10 bis 20 S erhalten haben. Der von den Terroristen ermordete Bundeskanzler Dr. Dollfuß, sein Nachfolger Dr. Schuschnigg als Justizminister, der Vizekanzler Starhemberg haben öffentlich über das „schmutzige ausländische Geld“ Beschwerde geführt. Was in den Konzentrationslagern geschehen Ist und noch geschieht, ist zu gut bekannt und läßt sich nicht mit der Bezeichnung „angeblich“ abtun. Es ist ein starkes Stück, das sich der Danziger Senat hier leistet, indem er von sich aus ein Werturteil abgibt, ohne dio von uns und von Tausenden von Zeitungen erhobenen Anklagen zu widerlegen. Aber alle diese Dinge und die Vorgänge vom 30. Juni haben in? 1 der ganzen Welt die gleiche Beurteilung gefunden. General Johnson hat von Erscheinungen gesprochen, die er sonst nur! in Mexiko bei Halbwilden gefunden hat; Baldwin hat im Unterhaus ausdrücklich das Wort. „Barbarei“ gebraucht und liinzugefilgt, daß Englands Grenze am Rhein liegt. Man könnte einige Dutzend solcher Äußerungen hochstehender und einwandfreier Persönlichkeiten anführen; sie alle stimmen überein und sind in einer überraschenden Gleichartigkeit in das Gewissen der Kulturweit. übergegangen, die eines Sinnes, zum Beispiel mit Barthon, ist, der festgestellt hat, daß Versprechungen des Dritten Reiches nicht genügen. Es ist bedauerlich, daß solche Meinungen das deutsche Volk mit seinen Beherrschern identifizieren. Das ist, aus dein von clcu Nationalsozialisten verbreiteten Axiom herzuleiten, daß das deutsche Volk nationalistisch ist. Das ist unwahr. Die Nationalsozialisten sind in Peutschland eine Minderheit. so wie fde in Österreich eine Minderheit sind. Und wenn der Danziger Senat behauptet, daß die Danziger Bevölkerung in ihrer überwiegenden Mehrheit nationalsozialistisch eingestellt ist, so entspricht das nicht der Wahrheit. Auch in Danzig1 sind die Nationalsozialisten nur eine Minderheit. Daß sie als Mehrheit erscheinen, verdanken sie nur den aus Deutschland her bekannten nationalsozialistischen Methoden und Umgangsformen. In der gleichen Ausgabe der „Stimme“, in der die dem Danziger Senat gefährlich erscheinenden Artikel enthalten sind, wird über eine Rede des Ministerpräsidenten G o e r i n g berichtet, der an der Seite Streichers in Franken gesprochen hat. Er erklärt: „Die jüdische Frage muß ohne Mitleid zu Ende gebracht werden.“ Der Sinn dieser Worte ist klar, zumal Goering vorher dem Streicher für seine „beste Arbeit“ den Dank ausgesprochen hat. Wäre der Danziger Senat darauf aus, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu schützen, dann müßte er gegen solche Reden eines Ministerpräsidenten Stellung nehmen, die, wie dio Ereignisse bewiesen haben, aufreizend wirken. Die Ermordung von vier Juden in Hirschberg war die unmittelbarste Folge dieser Rede. Von einem Protest des Danziger Senats ist aber ebensowenig etwas ■okannt geworden wie etwa von einem Verbot der Verbreitung der Zeitungen, die diese Rede abgedruckt haben. Wir werden uns natürlich durch dieses Verbot und seine merkwürdige Begründung' nicht abhalten lassen, für das jüdische Recht zu kämpfen und an der Seite der überwiegenden Mehrheit der Kulturraenschheit zu bleiben, die ihren Abscheu gegen das in Deutschland herrschende Systom laut und oft ausgesprochen hat. Die widerwillige Anerkennung, daß durch die Stellungnahme der „Stimme“ die Beziehungen der Freien Stadt Danzig zum Deutschen Reich beeinträchtigt werden können, bezweifeln wir. Aber wir stellen auch fest, daß der Senat der Freien Stadt Danzig in seiner Beziehung zum Deutschen Reich nicht frei ist, sondern diesem System hörig' geworden ist. Wenn man von der einen Stelle des Bescheides absieht, daß unsere Artikel die Beziehungen Danzigs zu Deutschland gefährden, so könnte man meinen, der ganze Bescheid sei von einer reichsdGutschen Behörde verfaßt worden. Der Nationalsozialist Rauschning kann für diesen so wunderbar begründeten Bescheid der Anerkennung seiner Parteigenossen in Deutschland sicher sein. Wir aber werden weiter an der Seite von Millionen, Juden und Christen, frei unsere Meinung über ein System sagen, das die Kultur der Menschheit gefährdet. Neue Rifualsnortfhcftte Streichers Berlin, 19. August. Die von Julius Streicher, dem Gauleiter von Franken, horausgegebene Zeitschrift „Der Stürmer“ eröffnet in ihrer neuesten Nummer nach der letzten Beschlagnahme wiederum die R i tu a 1 m o r dhotze. Im Mai war eine sogenannte Ritualmordnummer des „Stürmer“ angeblich beschlagnahmt worden.