Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 379 (17.8.1934)
- Date
- 1934-08-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 370 — 17. August 10:34 DIE STIMME Seite 7 Ehrung für Dr. Josef Ifüwenherz anläßlich seines SO. Geburtstages Unser Gg. Dr. Josef L ö w e n li e r z hat «im 0. August sei mm .00. Geburtstag gefeiert. Die Ehrungen dieses um den Zionismus so verdienten Gg. wurden von einem Komitee vorbereitet, dem u. a. angeboren: Kommerzialrat Artur A 1 b e r s; Markus B a r t f e 1 d; Adolf Böhm, Präs. des Keren Knjemeth; Dr. Jakob Ehrlich, Rat der Stadt, Wien; Oberrabbiner Dr. David F cuchtwan g; Dr. Z. F. F i n k e 1 s t e i n; Dr. Desider F r i e d m a, n n, Präs, der israelitischen Kultusgemeinde: Dr. Oskar G r (ln b a u m, Präs, des Zionistischen Landeskomitees; Dr. J. II. K o r n e r; Dr. Leo L a n d a u; Isidor Leitensohn; Dr. Gyula M'iklos, Präs, der ungarischen Organisation; Israel M ü 1 I e r; Frau Sabine P a s s w e g; Sejmdeputierter Dr. Henryk R o s m a r i n, Lemberg; Dr. Abraham S e h m e r l e r; Leo S c h r a. g e; Direktor Gerson W i 111 i n; Herr und Frau Dr. Gliaim T a r t a k o w c r. Der Keren Kajcineth hat aus diesem Anlasse ein besonderes, mit der Photographie Dr. L ö w e n h e r z’ versehenes Telegramm-ßlankett herausgegoben, welches 1. von Gruppen (Zionistische Sektionen, Vereine und Verbindungen, Wizo-Gruppen, Bethäuser u. dgl.), 2. von Einzelpersonen ausgefüllt wird. Alle Telegramme werden beim Keren K a.j c in c t h g e s a m m e 11 und in künstleriscli ausgeführter Buchform dem Jubilar nach seiner Rückkehr aus Amerika, wo er derzeit weilt, überreicht werden. Die Telegramm-Blaukette sind im Keren Kajemeth-Büro erhältlich. Preis für Gruppenformulare S 10.—, für Einzelpersonen S 1.—. Der Erlös wird zu einer Ehrung des Herrn Dr. Josef Löwenherz im Rahmen der Keren Kajemeth-Aufbauarbeit in Erez Israel verwendet werden. Pension Eckstein - Imm Jüdische Tageszeitungen in Palästina Die in Rio de Janeiro seit Jahren erscheinende jiddische Zeitung „Jiddisches .Volksblatt“, die zuerst eine Wochenschrift war und seit einigen Jahren zweimal, zuletzt dreimal wöchentlich herauskam, ist nunmehr Tageszeitung geworden. Die jüdische Gemeinschaft Brasiliens zählt zwar nur zirka 50.000 Seelen, aber das inner jüdische Leben ist ein so positives und lebendiges, daß es eben möglich ist, eine eigene Presse und jetzt sogar Tagespresse zu unterhalten. Aus der jüdischen Presse Wir sind keine Fremden Im „Davar“ (Tel-Aviv) schreibt M. D.: Wenn eine jüdische Familie in Palästina wohnt und sich durch ihrer Hände Arbeit selbst erhält, hat sie schon dadurch da-s Recht erworben, in Palästina ständig zu wohnen. Wie kann man behaupten, daß die Kinder einer solchen Familie, die jahrelang in Palästina wohnt, ein Verbrechen begangen haben? Man möge gerechte Strafen wegen Verletzung der Einwauderungsgesofze verhängan, nie aber die Deportation, die in einem gewissen Sinne die Juden außerhalb des Gesetzes stellt. Dichtung und Wahrheit in der englischen Politik in Palästina In der „Ghwila,“ schreibt Dr. J. Wurzel: Hunderttausende von Juden gravitieren nach Palästina, aber nur ein kleiner Prozentsatz wird hereingelassen, denn Palästina luit einen Beschützer — das britische Imperium —, der scharfe Acht übt, daß die Krise nicht nach Palästina kommt und daß keine Arbeitslosigkeit entsteht... Dieses Argumentes bedient sich die englische Regierung zur Aufklärung ihrer Immigrationepolitik... Wenn wir dies akzeptieren, da müßten wir England noch sehr dankbar sein, daß es die Juden so einen großen Dienst durch die Eindämmung der jüdischen Einwanderung zwecks Verhinderung einer Krise erweist... Es könnte zwar jemand behaupten, daß dies auch im Interesse der Araber geschehe, dies wäre jedoch ganz unrichtig, denn es ist klar, daß die Araber durch jüdische Immigration nur gewinnen können und im Falle einer Krise nur die Juden davon betroffen würden; die große Besorgnis Englands gilt also nur dem Wohle des jüdischen Volkes in Palästina... Warum aber erstreckt England nicht auch ein bißchen seiner Fürsorge auf Tausende von Juden, die in Europa schrecklich leiden und für welche Palästina die einzige Rettung bildet?... Diese Fürsorge und ihre Aufrichtigkeit kommen' uns sehr verdächtig vor. Die Juden sind sich dessen bewußt, daß in Palästina eine Krise entstehen kann, sind aber bereit, das Risiko auf sieh zu nehmen. Es ist klar, daß die Sorge um das wirtschaftliche Wohl des Landes nur eine Ausrede seitens Englands ist und daß ganz andere Motive hinter seiner Politik stecken, die es aber zu verschweigen vorzieht ... Wir müssen daher immer wieder lauter erklären, daß wir die Krise nicht fürchten und daß die Juden in Palästina gerne auf die Sicherung ihres materiellen Wohles, die ihnen die Mandatannacht aufwirft, verzichten... Das jüdische Volk will nicht in einer besseren Lago als die anderen Völker der Welt sein, es will aber auch nicht, mehr leiden als andere... Die Juden wollen Palästina, um mit den anderen auf gleicher Stufe zu sein, und daher verzichten sie auf eine Fürsorge, die in einem Meere der Krise Palästina zu einer Insel der Prosperität machen will... Die Mängel der Einwanderung Im „ßotil’nai“ (Tel-Aviv) schreibt M. ,S m i 1 a n s k y: Von tausenden Einwanderern, die in der Oahith alle Stadien der Haehscharah miitgeniaeht haben, bleiben nur wenige in den Kolonien, in der Landwirtschaft. Von den wenigen hundert Jemeniten aber, die keine Hachscharali mitgemaoht haben, bleiben die meisten in der Landwirtschaft. Tausende neue jüdische Arbeiter müssen in die Kolonien gebracht werden, um die vakanten Arbeitsplätze zu besetzen, aber auch das wird erfolglos sein. Die Farmer würden derartige Arbeiter des „Ilachseharah-Typus“ ablchnen. Wenn man wirklich die jüdische Landwirtschaft stärken will, dann müssen die Methoden der H a c h s c h ar a li r a d i k a 1 g e ä n d e r t, w e r d e n. Es können nur solche jüdische Arbeiter in den Kolonien beschäftigt werden, die von den Arbeitgebern ausgewählt werden. Jizeltak Grünbaum in Wien Das Mitglied der Jerusalemer Exekutive, Jizehak Grünbaum, Chef des Einwanderungsdepartements, weilte Montag und Dienstag auf der Durchreise in Wien. Er inspizierte das Palästina-Anit, und hatte Konferenzen mit dem Leiter des Palästinaamtes. Dr. Rothenberg, mit den Führern verschiedener zionistischer Gruppen. Der Präsident des Zionistischen Landesamtes intervenierte bei Herrn Grünbaum wegen einer vergrößerten Zertifikatzuteilung für Wien und erhielt die Zusage einer tunlichsten Berücksichtigung Wiens. Prof. $. Brodetsky auf der Wett• honferenz der Allgemeinen Zionisten tn Krahau Das Büro des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten teilt mit: Au der Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten in. Krakau werden auch Delegierte aus Lettland, Litauen und Danzig teilnehmen. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation in London hat mitgetei.lt, daß im Namen der Exekutive Prof. S. Brodetsky teilnehmen w'ertle. Aus Palästina wurden delegiert: Dr. Mossinson, Supraski, Dr. Bograczow, Eljahu Bern, Dr. S. Ussischkin, Adler aus Reehowoth, Zerabawel aus Rischon Ie Zion und zwei Vertreter der Jugendorganisation „Ilanoar Hazioni“. RüdkführungjcumJ^ Die in Porto erscheinende jüdische j wird, und die andere für Knaben, die von Zeitschrift „Halapid“ (Die Fackel) bringt, jeweilig die Tätigkeitsberichte der jüdischen „Missionäre“, die seit einiger Zeit zu den in den schwer zugänglichen Gebirgsgegenden, in kleinen Ortschaften und Dörfern wohnenden Marrannen kommen, um sie, auf ihren Wunsch, wieder ins .Judentum zurilckzufüliren. Ein solcher Bericht lautet; Am 18. Oktober des Vorjahres reiste als Missionär zur Rückführung in die jüdische leicli vielen Schülern frequentiert wird. Bei den Vorträgen, die teils behräisch, teils portugiesisch gehalten wurden, waren durchschnittlich 80 Personen anwesend. Den Abschluß der Vorträge bildeten stets Vorlesungen aus der Bibel und es wurde eine Art Gottesdienst abgehalten. Rabbi Abrantes besuchte iü seiner Eigenschaft als jüdischer Inspektor die Schluß- Gemeinschaft der Lehrer Moises. Brito Prüfungenin den jüdischen Schulen vonr- Abrantes nach Traz-os-Montes. In Lago- Vilar do Rei, Villa d’AIä, Mogadouro undaca erwarteten ihn zahlreiche Marrannen! Fornos, bei welcher Gelegenheit er auch mit trotz des Arbeitstages, und unter ihnen die Angehörigen von „Talmidim“, die die Ankunft avisiert erhalten hatten. Rabbi Abrantes hielt in vielen Häusern Vorträge und Bibelvorlesungen ab, durch die er sich mit Erfolg bemühte, den schon abgestorbenen Glauben an unsere Vorfahren wiederzuerwecken. Es wurde dann eine jüdische Gemeinde geschaffen. Hierauf reiste er nach Vilarinho ab, wo zwei Schulen gegründet wurden, die eine für Mädchen, die von ungefähr 20 Schülerinnen besucht vielen Marrannen sprechen konnte. _Polen-Sonderfahrt. 27. August bis 6. September oder 27. September Wien-Krakau-Wien.S 50.- Wien—Lemberg—Wien . . . . .. S 78.— Franf AVtAlff Wien, III., Rennweg Nr. 1 ff■ rancopoi Telephon Nr. U16 - 4 - »0 mit Oel, clim bildete. — Vergl. auch „ein dochtenloser Menschein Mensch, in dem weder Kraft noch Leben ist (Stadler bei Eiselein). — „Zooche“, Zocht, Docht, oberdeutsch Tocht (von ziehen, nieders. tehen, tcen, engl, to tow), das mit Fett oder Oel getränkte Seilchen in einem Licht oder einer Lampe. Schwenk: Wörterb. der deutschen Sprache s. v. findet zwar Anstoss an dem D oder T in Docht, Tocht; aber nicht nur das jüdisch-deutsche „Zöche“ erweist die Ableitung von ziehen als richtig, wir finden Aehnliches auch in anderen Wörtern, z. B. „Anzucht“ (Kanal s. Adelung). Volkssprache: Anlauch, Andaucht, ivas manche als verdorben aus aquaeductus nehmen. Sc ha d’ u m d e’ gute’ W ein Im bös e’ F a s s! Wenn jemand von seinen Kenntnissen, besonders in Bibel und Talmud, den rechten Gebrauch nicht macht, nicht nach ihnen handelt. — Mit Bezug auf unsere Redensart erzählt man eine hübsche Anekdote von dem als Possenmacher bekannten Löwle Fürth. Ein Rabbiner, der nicht in dem besten Rufe stand, sagte einmal, nachdem alle Welt und er selbst mit an LÖwles Possen sich ergötzt hatten: „Sehgd’ um den guten Wein im bösen Fass!“ „Der Wein ist gut", antioortcte Löwle, und das fass is auch gut; aber der Raf (Reif, aber auch: Raw — Rabbiner) is nix nutz.“ Die braucht kaan Stiel mehr a u s zu b e i s s e‘ — so alt ist sie schon. — Nach einer mystisch - kabbalistischen Vorschrift sollen Frauen, die guter Hoffnung sind, den Stiel des am Laubhüttenfest zum Feststrauss gebrauchten Esrog (etrog, die bekannte zitronenartige Frucht des Paradiesbaumes, pomum Ädami Linn.) ausbeissen, um dadurch eine glückliche Niederkunft zu erlangen. (Vgl. Zeena llreena zu 1. B, M. 3, 6, wo zugleich ein dabei zu sagendes Gebet angeführt wird.) Wenn nun eine schon bejahrte Person heiratet, so braucht sie aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Stiel mehr auzubeissen. Als drittes Bändchen endlich von Martin B uber: „Geschichten von Engeln, Geistern und Dämono n“. Von Bubers Erzählungskunst müssen wir wohl nicht eigens berichten. Das Büchlein enthält sechs Erzählungen, von denen wir eine mit freundlicher Genehmigung des Verlages zum Abdruck bringen. Der Engel und die Weltherrschaft Es war zu einer Zeit, da aus dem Willen des Herrn, in dessen Hand Ursprung and Ende eines jeglichen Dinges ist, Pein und Siechtum ungemessen sich über die Erde ergoß. Die Luf t war vom Dunst der Tränen beschwert und vom Hauch der Seufzer trüb. Wehmut lag über den Heerscharen selber, die den Thron umstehn. Unter ihnen ivar aber einer, dem hatte das Leid, auf das er niederbUckte, die Seele verstört. Wenn er seine Stimme in den Gesang der anderen mengte, rang der Zweifel in ihm mit der Treue, seine Gedanken lehnten sich auf und vermaßen sich am Herrn. Nimmermehr konnte er verstehn, warum Tod und Verderben die Bindeglieder sind in der Kette des Geschehens. Da empfand er einmal erschauernd, wie das Auge des Seienden in sein Auge drang und die Verwirrung seines Herzens erfaßte. Er reckte sich auf und trat vor den Herrn, aber seine Kehle versagte, als er reden wollte. Der Herr jedoch rief ihn mit Namen und berührte seine Lippen. Nun fing der Engel zu reden an. Er begehrte, daß Gott die Führung der Erde für die Frist eines Jahres in seine Hände geben möge; er wolle sie zum Guten führen. Die Scharen erzitterten um den Verwegenen. Dann aber erstrahlten die Himmel unter dem Lächeln Gottes. Er blickte den Heischenden liebreich an und sprach die Gewährung aus. Erglühend hob der Engel sich von hinnen. Nun kam ein Jahr der Wonne und der Anmut über die Erde. Der lichte Engel schüttete den ganzen Überfluß seines gnadenseligen Herzens auf ihre verängstigten, in Nöten erstarrten Kinder. Kein Schrei des Siechtums und des Sterbens störte die rauschenden Harmonien. Der dunkle Genoss’ in der stählernen Rüstung, der vor kurzem noch brausend durch die Lüfte geeilt icar, stand' mit gesenktem Schwert, seines Amtes entsetzt, in verdrossenem Warten beiseite. So schwebte die Erde erst in einem Blütenhimmel, dann lag auf ihr die Last der Frucht. Die Menschen zogen, als der Sommer reif icar, singend durch die sattgelben Felder, kein Sterblicher wußte sich solchen Segens zu entsinnen. Die Ernte kam, und es schien, als ob die Mauern bersten und die Dächer sich heben müßten, um all der Fülle Raum zu bieten. Der helle Engel lebte in einer Glorie, stolzer Zufriedenheit. Ging auch die Herrschaft an dem Tag, da der erste Winterschnee die Fluren deckte, wieder in Gottes Hände über, so halte er doch Güte so über alles Maß gespendet, daß die Söhne der Irdischen auf eine lange Zeit der Gaben sich erfreuen würden. Es kam aber ein kühler, später Tag im Jahr, da scholl ein tausendstimmiges Wehgeschrei empor. Erschreckt fuhr der Engel zur Erde nieder und trat, als Pilger angetan, in das erste Haus am Weg. Sie hatten das Korn gedroschen, zu Mehl gemahlen und zu Brot gebacken — aber, weh, das Brot, das aus der Glut stieg, zerfiel in Stücke und die Stücke waren ungenießbar, sie erfüllten den Mund mit widerlichem Erdgeschmack. Und so war es im zweiten Haus und im dritten und überall, wo der Engel seinen Fuß hinsetzte. D's Menschen lagen am Boden, rissen sich die Haare und fluchten dem König der Welt, der ihre armen Herzen mit seinem falschen Segen genarrt hatte. Der Engel flog hinweg und stürzte seinem Meister zu Füßen. „Herr“, schrie er, „laß mich verstehn, wo in meiner Kraft und Aufsicht der Mangel lagl“ Da erhob Gott seine Stimme und sprach: „Es ist ein Ding bei mir, und bei mir allein seit Anbeginn, zu schwer und zu grausig für deine sanften Geberhände, mein freundlicher Gesell —, das heißt, die Erde mit Fäulnis nähren und mit Schatten decken, daß sie aus dem Samen gebäre —, das heißt, die Seelen mit Blut uiul Schmerzen fruchtbar machen, daß das Werk aus ihnen ersiehe