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Die Stimme · 1934-08-17 · Heft 379 (17.8.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 379 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 370 — 17. August. 1931 DIE STIMME Seite 5 DU Seite du lüyetod. Der Wes des Alls« iioiiäiiiiiiiiiiiiBsiäiiiiiiiiiiiiiiiia Im letzten Jahre wurde viel von der Er* neuorung des Allgemeinen Zionismus gesprochen. Es genügt aber nicht, ewig darauf hinzuweisen, daß eine starke allgemeine zionistische Bewegung notwendig soi, sondern man muß endlich einmal Klarheit darüber schaffen, was zu den Aufgaben des Allgemeine» Zionismus gehört und weiche Stellung er zu allen zionistischen Fragen hat. Wie schon oft richtig betont wurde, ist der Allgemeine Zionismus nicht der Zionismus einer Partei, nicht der Zionismus der Mitte, ebensowenig soll er der Zionismus der satten Bürger sein, sondern der des ganzen .Volkes. Wir haben demzufolge, ohne Rücksicht auf die Fraktionen, unseren eigenen Weg zu wählen und ihn rückhaltslos zu beschreiben. Eine Anlehnungspolitik nach rechts oder links kann letzten Endes nur zur Zersplitterung des Allgemeinen Zionismus führen. Der Allgemeine Zionismus muß aufhören, den unparteiischen Schiedsrichter der sich bekämpfenden Parteien zu spielen. Er muß selber irchtunggebend sein und positive Aufbauarbeit leisten. Er darf nicht nur der Zionismus der Geldgeber sein, sondern der Verwirklichet und muß als solcher würdig und energisch jene Zionisten bekämpfen, deren hauptsächlichste Arbeit nur darin besteht, mit nationalen Schlagworten zu jonglieren und alles in Grund und Boden zu kritisieren, statt positive Aufbauarbeit zu leisten. Wir müssen jode Assimilation an fremde politische Methoden ablehnen. Wer angesichts der trostlosen Lage des Judentums nicht ehrlich mithilft den inneren Frieden im Zionismus herbeizuführen, ist gewiß zu verurteilen. Das Gleiche aber gilt für jene, die einem faulen Frieden zuliebe auf wichtige Postulate des Zionismus verzichten und ihn so verwässern. Anderseits dürfte wohl jedem klar sein, daß man auch mit den bestgemeinten Resolutionen die Stellung der Flügolpartoien nicht ändern wird, solange wir nicht selber in den vordersten Reihon der Verwirklichet stehen werden und aus der Rauheit des tagtäglichen palästinensischen Lebens unsere Antwort auf alle aktuellen zionistischen Fragen geben werden. Die Arbeiterpartei ist stark, weil sie in Palästina stark ist. Wir müssen daher alle smeinen Zionismus Anstrengungen machen, um die Ali j ah Allgemeiner Zionisten zu stärken. Die Vorbedingung dazu ist die soziale Umschichtung unserer Jugend. Im praktischen palästinensischen Leben muß man stehen, die zielbewußte Erziehung der jüdischen Massen und insbesondere der jüdischen Jugend zur selbstlosen Arbeit muß man leiten, dann wird der Allgemeine Zionismus führend werden. Dann wird es auch keinen Streit um die Formulierung dos Programines geben. Von den Führern des Allgemeinen Zionismus, deren Ausführungen wir bei ihrem Aufenthalt in Wien folgten, war selten etwas Positives über Allgemeinen Zionismus zu hören. Die Ausführungen be- «chränkten sich zumeist auf die Kritik des Verhaltens der Flügelparteien im Zionismus, wobei noch die Neigung der Führer zur „A“- oder „B“-Gruppe, oder die Stellung zu der einen oder der anderen Flügelpartei verteidigt wurde. Wir kamen zu den Verträgen, um den Weg des Allgemeinen Zionismus kennenzulernen, wir kamen, um das konstruktive Programm und von der Forderung nach einem stramm organisierten Allgemeinen Zionismus zu hören. Doch von all dem hörten wir wenig. Es wäre ein Unrecht, nicht einen unserer auswärtigen Redner hervorzuheben. M o ss i n s o n war es, der die positive Stellung des Allgemeinen Zionismus zu allen Fragen im Zionismus hervorhob, der uns den klaren Weg des Allgemeinen Zionismus wies und unsere Überzeugung von der Notwendigkeit des Allgemeinen Zionismus festigte. Die Flügelparteien haben im Laufe der Zeit dem Allgemeinen Zionismus die besten Kräfte geraubt. Es wird nun mehr denn je notwendig sein, die zerrüttete allgemeinzionistische Bewegung, welche vom Parteihader zerfleischt zu werden droht, stramm zu organisieren, sie zu einer mächtigen und großen Organisation auszubauen. Es müssen sich die richtigen Führer an die Spitze dieser Bewegung stellen, deren Erhaltung gleichbedeutend mit der Erhaltung des gesamten Zionismus ist. Neue Kräfte müssen zur Mitarbeit herangezogen werden, die den Kontakt mit jener chaluzischen Jugend herzustellen verstehen, die ira Sinne des Allgemeinen Zionismus erzogen worden sind. Der Erfassung der jüdischen Jugend muß mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden. Gerade hier liegt das größte Manko des Allgemeinen Zionismus, denn bis heute versäumte er es, die Erziehung der Jugend systematisch zu leiten. Es ist an der Zeit, zu erkennen, was übrigens die anderen Gruppen schon längst erfaßt haben, daß in Junge Juden .Von Arthur Somer. Wir wollen nicht mehr Judenjungen sein, Denn wir sind junge Juden. Wir wollen frei auf freier Erde «sein Und nicht mehr ängstlich-stumm in dumpfen Ghettobuden. Wir liaben’s satt, daß man uns immerfort nur knechtet, Uns foltert, peinigt, haßt und höhnt, Daß man uns täglich mehr entrechtet, Uns nicht einmal den Atem gönnt. Wir dürfen uns nicht mehr die Augen selbst verkleben, Wir dürfen uns nicht trösten ohne Grund, Wir könnten doch als Menschen unter Menschen leben Und nicht krepieren hier noch ärger als ein Hund! Wir wollen heim in das gelobte Land, Das Land, das heute sich bereite, erfüllt: Was heute blüht, war gestern Wüstensand, Wo gestern Sumpf, dort heute Honig quillt. Dort dürfen wir uns auch der Sonne freu’n, Dos Himmels und dos Meeres und des Lichts. Dort dürfen wir das Judenvolk erneu’n. Nur Kraft gehört dazu, sonst nichts. Und Kraft, die haben wir, wir jungen Juden, Denn wir sind keine Judenjungen mehr. Wir kehren heim aus dumpfen Ghett.obuden In unser Land, in unser Licht, an unser Meer... die Erziehung der Jugend das Schwergewicht der Arbeit zu legen ist. F ii r die Jugend muß ein klares und zu allen Volks- und Lebensfrage n s t e 11 u n g n e h m e n d e s Pro g r a m in geschaffen wer d c n. Es wäre aber nutzlos, die Jugend mit einigen üblichen Schlagworten abzuspeisen, denn die jüdische .Jugend hat ihre schwierige Situation erfaßt. Sie hat erkannt, daß es um ihre Existenz geht. Sie ist hellhöriger und gereifter, als es jemals eine Jugend war. Ee wird daher von großer Bedeutung sein, ob gerade Allgemeine Zionisten es verstehen werden, den Aktionswillen der Jugend, der herauwachsenden Generation, die den Zionismus verwirklichen soll, durch eine dem Judentum umfassende Idee anzuregen und durch entsprechende Unterstützung zu fördern. Nicht zuletzt hängt es von der Allgemein zionistischen J ug en d b e wegu.ng ab, ob der innere Kampf im Zionismus ein Ende nehmen wird, oder ob er bis zum b i 11 e r n Ende w e i t e r t o b e n wird. Gerade heute, angesichts einer großen, unkontrollierten Alijah sind für das Land gesinnungsstarke und strammorganisierte Chaluzim. dringend notwendig. Gerade heute und wo sich der Aufbau Palästinas über den Kopf der Zionistischen Organisation vollzieht, braucht Palästina Menschen, die sich bedingungslos in den Dienst des ganzen Volkes und nicht einer Klasse stellen. Wenn gegenwärtig selbst die Chalnzim zum größten Teil vom Land in die Stadt abwandern, so beweist dies eben die mangelnde Erziehung dieser Chaluzim. Die Notwendigkeit von landverbundenen und dem ganzen Volke ergebenen Chaluzim tritt mehr denn je zutage. Denn wer gibt uns die Gewißheit, daß alle jene, die heute wahllos in die Städte Palästinas strömen, auch dann zur Stelle sein Averden, wenn Arbeiten mit geringerer Bezahlung und unter schwierigeren Bedingungen auf sie warten werden? Es ist bekannt, daß in Palästina noch viele Sümpfe trockenzulegen sind, daß noch viele Wüsten zu Kulturstätten umgewandelt werden müssen, daß auf dem Gebiet der Arbeitseroberung noch viel zu leisten ist. Es fragt sich nun, ob für alle diese Arbeiten Menschen bereitstehen werden. Das ist leider zu bezweifeln. Nichts ist also wichtiger als die Erziehungsarbeit innerhalb der z i o- Moschawah Der Zug fahrt langsam in clio Station ein. Die Chawerim, die uns erwarten, gebärden sich wio Einheimische, obgleich sie erst acht Tage hier sind. Man begrüßt sich herzlich, erzählt sich viel Neues, so gehen wir den halbstündigen Weg unserem ländlichen Wohnhaus entgegen. Die abendliche Luft ist etwas rauh, die Berggipfel ringsum sind in das Rot der letzten Abendsonne getaucht, die Enns rauscht ihre gewolmto Melodie. Die Bauern des Ortes grüßen freundlich und schauen uns verblüfft nach. Im Hause selbst hängen dio bekannten Bilder jüdischer Führer und palästinensischer Landschaften. An den Türen und Wänden sind hebräische Aufschriften angebreht. Eine ornsto und eine lustige Wandzeitung sind auch da, und auf dem Haage, mtbo unserem Hause, flattert dio blau-weiße Fahne. Sechs Wochen lang wird dieser schöne Flock unsere Heimat sein... Auf der sonnigen Wieso sitzen oine Menge jüngerer Mädels und Jungens, ab und zu .schreiben sin in ihren Heften, sio lornon Hebräisch. Ein ältorer Chawer unterrichtet, er fragt, dio Chawerim antworten, dann wird wieder ein hebräisches Lied gosungon, das nunmehr alle verstehen. So lernen wir die Sprache unseres Volkes. Pfeifonaignalo ertönen, es werden Gruppen gebildet, Fähnchen werden gesteckt und Tücher geschwungen. Dio einzelnen Gruppen ziehen nach verschiedenen Richtungen in den Wald. Ein Geländespiel wir gespielt. Plötzlich ist es um das Haus herum ruhig geworden, dort und da sieht man Wachposten, marschierend oder hinter einem Strauch versteckt. Man war tot auf dessen Angriff, den man in Em oft gewärtig sein muß, der aber selten so harmlos ausgeht, wie in unserem Spiel. Nun wird es wieder lebendig, man hört wieder pfeifen, man schreit... Jehudi... Arawi. Nun wird es immer lauter und lustiger, bis endlich durch eine genügende Zahl von Gefangenen das Spiel für die Verteidiger entschieden ist. Die Sieger freuen sich, man singt, man tanzt Ilora. Die einen werfen den andern vor, sie hätten geschwindelt. Ein Pfoifensignal schließt allen den Mund, und wir bekommen nunmehr unser Mittagessen. Auf der Spielwiese wird Ball gespielt, an einer schönen Stelle der Enns wird gebadet und geschwommen. Einige ältere Chawerim sitzen bei einer Siehali zusammen. Eine Gruppe, die eine größero Tour gemacht hat, ist soeben zurüekgekohrt. Sie erzählen von ihren Heldentaten, von den Gipfeln, die sic bezwungen, von den Kilometern, die sie gefressen, von ihren lustigen und traurigen Erlebnissen und bemühen sieh krampfhaft, ihro offenkundige Müdigkeit zu verbergen. Jetzt ist es aber auch halb 8 Uhr geworden, Spiel und Unterricht wird unterbrochen. Nun stehen alle, dio Großen und die Kleinen in einer Schorah (Reihe), uan noch vor dem Sonnenuntergang den Schwur, unserem Volk stots zu dienen, zu schwören. Die Fahne unseres Volkes wird eingeholt. Wir eiligen Lieder von einer neuen Zukunft in unserem eigenen Lande. Alle Blicke sind nach Zion gerichtet, alle Herzen schlagen für Israel... Viertel 4 Uhr, es ist noch kaum Licht, ich werdo geweckt, um die Fahne zu bewachen. Es ist nämlich schon vorgekommen, daß boshafte Menschen hier allerhand Selm den anrichteten, So wird nun die ganze Nacht hindurch die Fahne von je zwei Chawerim zwei Stunden bewacht. Es ist kalt, und die Berge ringsum sind in dichtem Nebel gehüllt, Es ist still, man hört nur das Rauschen der Enns. Auch wir sind still und belauschen den erwachenden Tag. Unwillkürlich denkt man an Erez, wo die Schmira zur ständigen Einrichtung der jüdischen Siedlungen gehört. Man wird Schorn er... Gesehichtsstunde: Ob die Zeloten die Schuldigen waren, läßt sich so olmeweiters nicht feststellen, meint ein Fünfzehnjähriger. Eines steht fest, ln der Lage, in der sich Jerusalem damals befand, hatte es wenig Wert, mit den Feinden irgend welche Verhandlungen zu fuhren. Ein anderer meint, daß die Dinge doch nicht mit der Belagerung Jerusalems begonnen hatten. War doch dieser Zustand nur ein Resultat der immer fortschreitenden Zerklüftung innerhalb unseros Volkes. Anderseits haben dio damaligen Führer unseres Volkes verfehlte Politik gegenüber Rom gemacht und dadurch dio Kluft vergrößert. So spricht man über jüdische Geschichte, als ob sie Probleme unseres Lebens wären. In der Tat, nicht selten lassen eich daraus Schlüsse ziehen für die heutigo Zeit. Aus dem Alten ersteht das Neue... Wo wir auch hinschauen, eröffnen sich fast unüberbrückbare Schwierigkeiten. Die Zerrissenheit unseresVolkes ist erschreckend. Partei- und Personenstreit blühen. Wir jüdischen Jugendliche suchen krampfhaft nach Führern, die Verständnis haben für die Bedürfnisse unseres Volkes, finden sie aber nicht. Wir wollen uns keineswegs mit diesem Zustand begnügen. Wir wollen nicht Zusehen, wie all das, was mit Mühe erworbonl wurde, zerstört wird. Wir werden es nicht zulassen, daß man dem jüdischen Volk seine letzte Hoffnung raubt, und darum ist es auch notwendig, hier in diesem Sommerlager die Chawerim auf die Verantwortung, die sie tragen, aufmerksam zu machen. Es kommt eine Zeit, wo wir die Geschichte unseres Volkes leiten werden. Solche uud ähnliche Fragen beschäftigen unsere Sichoth hier, die oft erat in den späten Abendstunden beendet worden. Zeitlich in der Früh, wenn noch alle Chawerim schlafen, finden unsere Führersichotli statt. Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, allen Chawerim ihrem Alter gemäß und in ihrer Art das Bewußtsein ihrer Aufgaben zu geben. Diese 200 worden verstehen, welche besondere Pflicht sio im kommenden Jahr zu erfüllen haben. Sie müssen wissen, daß über alle Gegensätze hinaus die Forderungen unseres Volkes die letzte Entscheidung haben müssen. Sio werden verstehen, daß es heute wichtiger ist denn jo, die Reihen der allgemein zionistischen Jugend zu erfüllen, damit diose ein Faktor werde, der ßicli den Zerse12iingsbestrebungen der Parteien im Zionismus erfolgreich erwehren kann. Auf der andern Seite bereiten wir uns zur praktischen Verwirklieh/ung, zur Chaluziuth. vor. Wir wollen Arbeiter und Bauern sein im jüdischen Land. Wir werden es aber niemals zulaesen, daß das üind von einem bestimmten Prinzip, das der Galuth entlehnt ist, oder vod der Willkür einer Partei beherrscht wird. Wir haben nicht 2000 Jahre um dio Befreiung aus dem Golus gekämpft, damit wir nunmehr ein linkes oder rechtes Palästina bauen. Wir wollen ein jüdisches Palästina. Waltor Dukos. H5555555D5555555555555555

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