Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 379 (17.8.1934)
- Date
- 1934-08-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 379 — 17. August 1TU PALÄSTINA. TRANSPORTE nxb amfeona Wien, I., Franz-Josefs-Kai 7/9, Telephon R 26-0-67 u. R 26-1-67, übernehmen zu kulantesten Bedingungen Übersiedlungen, Warentransporte via Galatz, Triest und Constanza nach Palästina Auskünfte: Ernst Uli mann, Leiter der Palästina-Abteilung Palästina meldet: Irrfahrten ausgewiesener illegaler, Emir Abdallah entlaßt seinen Hof- Palästinaeinwanderer minister Haifa, 14. August. (2. T. A.) Drei jüdische Mädchen, die sich nicht über ihre Emwandmuigaerlaubnis ausweißen konnten, wurden in Haifa, verhaftet und nach ihrer Ausweisung auf einen italienischen Dampfer gebracht. Die italienischen Behörden gestatteten ihnen jedoch nicht, in Italien zu landen, eo daß die drei Mädchen auf dem Dampfer dreimal die Reise zwischen Palästina und Italien zurücklegen mußten, bis der italienische Kapitän bei den palästinensischen Behörden die Landungserlaubniß Dir sie durchsetzte. Sie befinden sich jetzt im Gefängnis zu Bethlehem, wo über ihr weiteres Schicksal entschieden werden wird. Der „Haolatn“ setzt die Zahl der im Gefängnis in Bethlehem wegen illegaler Ein Wanderung untergebrachten jüdischen Frauen auf 50 fest. Die Zeitung fordert, daß die entsprechenden Schritte unternommen werden, um einem solchen unnatürlichen Zustand ein Ende au machen. Palästina-Regierung verkauft Tel- Aviver Boden für den Bau einer Schute Tel-Aviv, 14. August. (Z. T. A.) In einer Sitzung der Munizipalität von Tel-Aviv wurde bekanntgegeben, daß die Regierung ihr ein Grundstück für Errichtung einer Schule zu 2 Dollar pro Quadratmeter — das macht insgesamt eine halbe Million Dollar oder 100.000 Pfund aus — verkauft. Ein scharfer Protest gegen die 'Aktion der Regierung, Zahlung für ihren Boden zu fordern, wurde eingebracht. Es wurde darauf hingewiesen, daß in anderen Ländern die Regierungen die lokalen Behörden unterstützen, wenn diese ihr Unterrichtsprogramm zu erweitern trachten, während in Palästina das Gegenteil der Fall sei. Die arabische Presse meldet, daß Emir Abdallah von Transjordanien seinen Hofminister Mohammed Muchaissin deshalb entlassen habe, weil der Minister dem V e rkauf von Boden an Juden entgegengetreten sei und die Pläne einer jüdischen Kolonisation in Transjordanien scharf bekämpft habe. Man erzählt, daß der Minister der arabischen Presse Palästinas alle Geheimnisse der Verhandlungen zwischen dem Emir und den Juden zu verraten pflegte. Sobald der Emir und sein Ministerpräsident dies erfuhren, entließ der Emir sofort nach seiner Rückkehr aus London den Minister aus dem Amte. (Pol. Korr.) Herzu. Frauenheilbad ... Tatzmannsdorf Mineral-, Moornnd natürliche Kohlensäure-SprudelbBder. Billiger Pensionspreis. — Auskünfte und Prospekte: Kurdirsktlon u. Kurkommlsxlon Bad Tatzmannsdorf, Burgenland Aus der panarabischen Bewegung Vor einigen Tagen hat in Jerusalem eine Konferenz der panarabischen Partei „Istaklal“ stattgefunden. Die. Konferenz stand unter der Leitung des arabisch-syrischen Führers, Emir Schekib Arslan, eines der Führer des Drusenaufstandes in Syrien. Von den Fragen, die auf der Konferenz behandelt wurden, verdient besondere Aufmerksamkeit die Frage der Beziehungen zu den beiden arabischen Dynastien, die jetzt um den Einfluß in der arabischen Welt, miteinander konkurrieren, der Dynastie der Haschimiten, zu der Emir Abdallah von Transjordanien und König Ghasi von Irak gehören, und der Dynastie Ibn Saud s. Die palästinensische Industrie vernachlässigt den syrischen Markt Jerusalem (Palcor). Infolge der großen Steigerung des Warenverbrauches auf dem Binnenmarkt sind die palästinensischen Fabriken nicht imstande, die Bestellungen auszuführen, die sie aus Syrien und Libanon erhalten, wo die Produktion der jüdischen Industrie Palästinas bereits imstande war, sich für ihre Waren ein wichtige« Absatzgebiet zu erobern. Viele syrischen Firmen klagen darüber, daß d i e palästinensischen F ab r i k e n ihre Bestellung en gar nicht oder in unbedeutendem Umfang ausführen. Manche Fabriken Palästinas verzichten völlig darauf, Bestellungen auf den Export von Waren nach Syrien anzunehmen, weil der palästinensische Markt ihre ganze Produktion abnimmt. In den führenden Wirtßchaftekreisen sieht man in dieser Vernachlässigung eine ernste Gefahr, in Zukunft den mit so großer Müho eroberten syrischen Markt zu verlieren. Auf der Konferenz hat, wie Pal. Korr, meldet, endgültig die Orientierung zugunsten der Dynastie Ibn Saud gesiegt. Die Konferenz hat beschlossen, mit Emir Abdallah nicht zusammenzuarbeiten und seine politischen Pläne zu bekämpfen. Große Aufmerksamkeit rief auch die Tatsache hervor, daß die palästinensische Regierung, die bisher dem Emir Arslan die Einreise nach Palästina nicht zu erlauben pflegte, diesmal die Erlaubnis erteilte, die Konferenz in Jerusalem abzuhalten. Die Konferenzteilnehmer wurden sogar zum High Commissioner eingeladen. Man schließt daraus, daß in der Stellung der „Istaklal“ gegenüber England, die in den letzton Jahren feindlich war, eine radikale Änderung eingetreten ist. Am stärksten hat sich die Konferenz der panarabischen Führer mit der syrischen Frage befaßt. Wie man in arabischen Kreisen erzählt, Ist Emir Arslan, der vor kurzem einige Monate in Italien verbrachte, dort zu einer Verständigung mit der italienischen Regierung dahin gelangt, daß ihn Italien in seinem Kampf gegen Frankreich in Syrien unterstützen werde. Ausdehnung der arabischen Arbeit in Kfar Saba Deutsche Emigrantin in Not, Kontoristin, perf. Stenotypistin, I3uchiialterin, in allen vorkommendon Büroarbeiten gut versiert, langjährige Praxis, unbedingt verläßlich, sucht dringend Arbeit, auch stunden-, tageweise. Beste Roforenzen. Zuschriften untor „Kontoristin“ an die Exped. d. Bl. Die Liste der jüdisohen Plantagenbevsitzor in Kfar Saba, die die jüdischen Arbeiter aue ihren Pflanzungen entfernt und begonnen haben, an ihrer Stelle Araber, zu beschäftigen, hat sich wieder um einige neue Namen verlängert: Arjo Rappaport, Metzkin und Strugowitz. Diese drei Plantagenbesitzer haben ln der letzten Zeit in ihren Pflanzungen keine Arbeiter der Histradrut, sondern n u r A r b o i t o r de r „A g u d n s J i s r o e 1“ und d e s „B e t h a r“ beschäftigen wollen. Jetzt haben sic a u c h di e s o Arbeiter entfernt, und begonnen, an ihrer Stelle in ihren Plantagen Araber arbeiten zu lassen. Die Vertreter der Histadrut und des ..Hapoel fiamisrachD in Klar Saba wandten sich an einen der drei Plantaigenbpsitzer und schlugen ihm vor, mit ihnen zusammenzutrelTen, um eine Möglichkeit zu schaffen, in seinen Pflanzungen wieder jüdische Arbeiter cinZustcllen. Die Antwort des genannten Pflanzers lautete kurz: „Es w i d e r s p r i c h t m e i ti e r E li r c, m i t d e r H i s t a. il ru t h z u s a m m e u z u t r c ff e n.“ (Pol. Korr.) Die jüdische Industrie in Palästina Die allgemeine Zählung der jüdischen Industrie und des jüdischen Handwerks Palästinas durch das Statistische Departement der Jewish Ageney hat ein sehr interessantes und erfreuliches Bild von der stark e n und schnellen Entwicklung der jüdischen industriellen Produktion in der Zeit nach dem Weltkrieg ergeben. Vor dem Weltkriege haben in Palästina außer einer ganz unbedeutenden Zahl kleiner handwerklicher Betriebe (Bäckereien, Tischlereien, Schlossereien, Schuhmachereien, Schneiderwerkstätten und Druckereien), von denen zwei Drittel in Jerusalem konzentriert waren, die übrigen in Jaffa, Tel-Aviv, Haifa und Tiberias, überhaupt keine industriellen Unternehmungen existiert. Die gegenwärtige Zählung umfaßte 070 industrielle Unternehmungen und 2418 handwerkliche Betriebe, zusammen 3388 Unternehmungen. Diese erzeugen die verschiedensten Waren, darunter auch solche, die bisher weder in Palästina noch im ganzen Vorderen Orient jemals produziert worden sind. Das ganze Land wird mit elektrischem Strom für die Bedürfnisse der Industrie und für Bewässerungszwecke versorgt, und dies hat die schnelle Entwicklung ermöglicht. Die jüdische Industrie Palästinas erzeugt heute lmnderte Sorten von Waren und Artikeln sowohl aus einheimischen Rohstoffen wie aus solchen, die aus dem Auelande importiert werden. Die Hauptzweige der palästinensischen Industrie sind: Zement, Speiseöle, Möbel, Mehl, Brot, Milchprodukte, Schuhe, Wäsche, Männerkleidung, Pottasche, Gußartikel, Wein, Spiritus, Maschinen, Schokolade, Metallarbeiten, Strümpfe, Druckschriften, Trikotagen und Tabak. Die 3388 Unternehmungen umfassen sowohl größere Fabriken (7%), wie kleinere Fabriken (22%) und endlich handwerkliche Betriebe (71%) und beschäftigen zusammen 19.595 Personen, darunter 44% in den größeren Fabriken, 30% in den kleineren und 2(3% in den handwerklichen Betrieben. Die Produktion sämtlicher Unternehmungen hat einen Wert von 5,352.000 Pfund jährlich, wovon 57% dio Produktion der größeren Fabriken ausmacht und nur 14% die der handwerklichen Betriebe. Das in sämtlichen Unternehmungen investierte Kapital beträgt 5,371.000 Pfund, wovon 81% in den größeren Fabriken investiert ist. Von den gesamten industriellen Unternehmungen und Werkstätten sind nur 10% vor dem Weltkriege entstanden, die restlichen 00% in der Zeit nach dem Weltkriege. Allein im Laufe des 1933 wurden 588 industrielle Unternehmungen geschaffen, die bereits jetzt 3235 Personen beschäftigen. Das in ihnen investierte Kapital beträgt 305.000 Pfund, ihre jährliche Produktion zirka 400.000 Pfund.' Antisemitische Zeitung in der Türkei verboten Konstantinopel, 15. August. (2. T. A.) Die türkische Regierung hat die vor einigen Monaten begründete antisemitische Zeitung „Milli Inkilap“, die eine bis dahin in der Türkei unbekannte judenfeindliohe Hetze entfallet hat, vorboten. Gegen Herausgeber und Redaktionsmitglieder wurde ein gerichtliches Verfahren wegen Verhetzung der Bevölkerung eingeleitet. Bund jüdischer Frontsoldaten Österreichs, „Grabsteinaktion“. Verwandte der am jüdischen Friedhof in Wien begrabenen Knicgsgefallcnen werden ersucht., sich so bald wie möglich mit der Kanzlei der Bundcsfiilining. Wien. I., Spiegelgasse 2/29, von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr in Verbindung zu setzen. Aus dem Dritten Reich Zur Vorbereitung für den Feier• tagsgott es dienst Berlin, 13. August. (2. T. A.) Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat an sämtliche ihm angeschlossenon Gemeinden ein von seinem Vizepräsidenten Dr. Alfred Klee unterzcichnetes Rundschreiben gerichtet, in dein cs unter anderem heißt: Die Berliner Jüdische Gemeinde hat anläßlich der bevorstehenden hohen Feiertage Kurse eingerichtet, um denjenigen Erwachsenen und reiferen Jugendlichen, denen ausreichende Kenntnisse des Wesens, der Gebete und Gebräuche der Feiertage fehlen, diese Kenntnisse zu vermitteln. Wir glauben, daß dieses Beispiel in den uns angeschlossenen Gemeinden Nachahmung finden «ollte. (Diese Kurse wären auch außerhall) Deutschlands sehr zu empfehlen. Dio Red.) Deutsche Schulen ln Riga ohne Schüler ln Riga sind in diesem Jahre vielo Schulen mit deutscher Unterrichtsspracho liquidiert worden. Dies geschah deshalb, weil nach der Ergreifung der Macht durch Hitler nationalsozialistische Tendenzen sich in den Schulen bemerkbar machten. Dio jüdischen Schüler zogen »ich in Massen aus den deutschen Schulen zurück, worauf Uieso geschlossen werden mußten. Eine der ältesten deutschen Schulen in Riga mußto dieser Tage den Unterricht einstellen. Das Schächtverbot Berlin, 14. August. (Z.T. A.) Der Roiohsinncnminister Dr. F r i e k hat ein von der Jüdischen Gemeinde Württembergs ihm unterbreitetes Gesuch, in dem um eine Milderung des Sehüchtvcrbotcs dahingehend, daß das Schlachten von Geflügel nach jüdischem Ritus gestattet werde, gebeten wird, a b g e w i c s o n. In der Begründung heißt es, daß die jüdische Schlachtmethode „unmenschlich und grausam“ sei; es bestehe keine Absicht, was das Schächtverbot betreffe, eine Änderung cintreten zu lassen. Es wäre deshalb zwecklos, mit neuen Ansuchen zu kommen, da. die von den Rabbinern vorgesehlagpim Schlaehtmethode unter keinen Umständen erlaubt werden dürfe. Unterbindung der Jüdischen J ugendorganisationen Berlin, 14. August. (Z. T. A.) Dio Bezirkspolizei von Arnsberg in Westfalen gab eine SonderVerordnung heraus, in der allen jüdischen Jugendorganisationen verboten wird, zu „jagen, zu m a r s c hier c n u n d z u k a in p i c r e n“. Auch das Tragon von Uniformen und das Mitführen von Fahnen und Wimpeln wurde den jüdischen Jugendorganisationen unter Androhung von Strafen verboten. Gestattet wurde ihnen lediglich s p o r 11 i c h e B et ä t i g u n g in geschlossenen R ä unt e n. Von dieser Verfügung wurden etwa 1000 jüdische Jugendliche betroffen. KINOPROGRAMME DER WOCHE leopoldslMter Volhsklno Teluphon 11 40-0-2.1 Vom 17. bis 20. AuruhI : LIEBE UND PFEFFER (KniimterkUmöten) lä'n Sohwcili'iiflltn TUtfllüh '/,0, */,10 Uhr ermäßigte Sommerpreise