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Die Stimme · 1934-08-17 · Heft 379 (17.8.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 379 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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StMts 2 DIE STIMME Nr. 379 - 17. Au.iru?! 100 ( Besuche! Eminfters Gaststätten am Prafersfern! Zu den innerzionistischen Parteikämpfen Von Dr. Manfred Reifer Vor einer großen Zuhörerschaft im dichtgefüllten Haupttempel der Wiener jüdischen Gemeinde (Seitenstettentempel) sprach Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang über „Einheit und Parteienkampf im Judentum“. Dr. Feuchtwang gab einen umfassenden Überblick über die Lage der Juden in der Welt, verweilte insbesondere bei den traurigen Geschehnissen in Algier und den andauernden antisemitischen Verfolgungen in Deutschland und wies den unbestreitbaren Zusammenhang zwischen der vom Dritten Reich ausgehenden Propaganda der Gewalttätigkeit und den antijüdischen Vorstößen in allen anderen Ländern nach. Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs 4 S 1*90u.S'60 Schwechater Bräu *I„ Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Telephon A 41-0-2J das Endziel der Bewegung fixieren. Und dennoch wird gekämpft, gekämpft mit imlautern Mitteln: Verleumdung, Haß, Verspottung — und dann auch mit Gewalt. Die Entartung schreitet mit Riesenschritten vorwärts. Man vergißt, daß wir Gesinnungsgenossen sind, daß uns e i n Ideal bindet, daß wir ein Ziel vor Augen1 haben und daß unsere Feinde diesen inneren Kampf ausnützen, um aus ihm Kapital zu schlagen. Man kann doch dabei nicht den Gedanken unterdrücken, daß diese Kämpfe eine starke persönliche Note der Führer tragen, daß vom Generalstabsoberkommando bewußt, vielfach aber auch unbewußt Zündstoff in die jüdischen Massen getragen wird. Es genügt die Affäro Stawsky hervorzuheben, die allein imstande war, don Brandherd nach allen vier Wcltriditungen aus zu - breiten. Man hat das Gefühl, daß es im Zionismus an Führorperwönlichkeiten fehlt, daß der Führer fehlt, der kategorisch gebieten könnte: die Waffen nieder! Es wird nunmehr bekannt, daß die Leitung der Union der Zionisten- Revisionisten die Hand zum Frieden, zum innerzionistischen Frieden geboten hat. Man soll an diesem Angebot nicht achtlos Vorbeigehen, man soll dahinter keine Politik wittern und die Hand, die Bruderhand zum Frieden, zum innerzionistischen Frieden reichen. Man soll darüber nicht eifersüchtig sein, daß die Friedenspalme von den Revisionisten gepflanzt wurde, denn auch das wäre bei uns möglich. Man soll die Streitaxt begraben und eine starke innerzionistische Front in Erez und in der Galuth schaffen. Wir brauchen heute diese Front mehr denn je. Bei gutem Willen — vielleicht läßt sich die erste Garnitur bei d e n V e r h an d 1 u n g e n ausschalten? — wird man tlie Plattform linden, die für gemeinsame Arbeit unbedingt notwendig ist. Und groß ist diese gemeinsame Arbeit; Tarbuth-Bewegung in der Galuth, Eroberung des Bodeais in Palästina, neue Kolonisation mit national verläßlichen Elementen, Neubelebung der Bewegung durch gemeinsame Arbeit, Erweiterung und Stärkung der zionistischen Positron in jüdischen Gemeindeleben, Sammlung unserer Eine Predigt Dr. David Feuchtwang* und von hier aus gehen sie auf ihren Wegen weiter. Es ist die moderne Ausgabe drr indischen Mörder zu Ehren der Göttin Kali. Die englische Regierung hat sich dieser Sekte mit Waffengewalt erwehrt. Aber diese sonderbar frommen Mörder waren nur eine Geringfügigkeit gegen eine Organisation mit den Mitteln eines staatlichen Apparate, gegen eine Bewegung der letzten Steppeninstinkte. die es auf Zerstörung der Kultur abgesehen hat. aber zu klug ist. um einen offenen Krieg zu riskieren. Sie liebt die geheimen Wege und sie schiebt gerne andere vor. Nur in der Sprache dieser Assassins gibt es das Wort tarnen, da.s Verstecken der Absicht hinter harmlosen Attrappen. In Constantine und im algerischen Hinterland sind armselige Halsabschneider vorgetrieben worden. Sie werden büßen; die Emissäre aus dem Norden, die Nachfahren der Vandalen, konnten das Weite suchen und treiben jetzt anderwärts ihr Gangstertum. Was wird das Judentum gegen den Antisemitenkongreß tun? Wird es seinen intersiaatlichen Kongreß abhalten und öffentlich seine Galuth-Probleme behandeln? Wir besorgen, daß der Parteienstreit selbst dies nicht viel zustande kommen lassen. Eine kraftvolle initiative Gegenmaßnahme liegt allein im Zionismus. Das palästinensische Judentum hat bereits in Erkennung seiner Pflicht und, was bedeutsamer ist, seiner Situation, für die algerischen Juden eingegriffen und den französischen Vertreter in Jerusalem über Stimmung und Anschauungen des Jischuw unterrichtet. Die j iij dische Position in Palästina wirkt schon heute durch ihre bloße Existenz. Ihre Bedeutung wächst, je stärker die Siedlung wird, je mehr sie ihre Mission erkennt, dem ganzen Judentum, von dem' sie geschaffen wurde, Mutterland in des Wortes schönstem Sinne zu werden. GASTSTÄTTE FQR JEDERMANN I., Kärlnerstra^e Nr 61 Besitzer Olfo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Olto Kaserer Die iüdische Einwanderung in Palästina Naeh den Ziffern der Jewish Agency sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahreä, das heißt vom 1. Jänner bis 31. Juli 1934, 1G.857 Juden nach Palästina eingewandert. Außerdem haben in den e-rsten sechs Monaten, das heißt bis zum 1. Juli, 1540 jüdische Touristen die Erlaubnis erhalten, sich legal in Palästina niederzulassen. Auf diese Weise beträgt die jüdische Einwanderung in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 18.391 Personen (außer den Touristen, die im Laufe des Monats Juli die Erlaubnis erhalten haben, im Lande zu bleiben, und außer den jüdischen Einwanderern, die im Monat Juli über die Festlandgrenzen nach Palästina gekommen sind und über die die Ziffern noch fehlen). Zur gleichen Zeit des Vorjahres betrug die jüdische Einwanderung, einschließlich der Touristen, die die Erlaubnis erhielten, im Lande zu bleiben, 13.708 Personen. Wir haben also im Laufe dieser sieben Monate eine Steigerung der jüdischen Einwanderung um zirka 35 Prozent im Vergleiche mit dem Vorjahre zu verzeichnen. Die Zahl der jüdischen Einwanderer, die in diesen sieben Monaten als Kapitalisten nach Palästina gekommen sind, betrug, einschließlich ihrer Familienmitglieder, 3999 Personen, das heißt mehr als 24 Prozent der allgemeinen Einwanderung. In den gleichen sieben Monaten des Jahres 1933 betrug die Zahl der K a p i t alisten nur 1884 Personen. (Pol. Korr.) Die Außenstehenden, die Nichtjuden, die eine positive Einstellung zum Judentum haben, die sogar große Palitetinafminde sind und in den einzelnen europäischen Staaten an der Spitze von Pro-Palästina- Komitees stehen, können es nicht begreifen, daß das jüdische Volk angesichts der großen Not. in der es sich befindet, angesichts des ungeheuren antisemitischen Druckes innerlich nicht konsolidiert ißt, vielmehr von Parteikämpfen zersetzt, von den eigentlichen Aufgaben und Zielen abgelenkt ist und sich in einer Situation befindet, die außer- und innenpolitisch als durchaus tragisch anzusehen ist. Um diesen Kampf zu verstehen, muß man sich in die Galutli- Geschichte des jüdischen Volkes vertiefen. Man kann diese Erscheinung aus der äußeren Ohnmacht des jüdischen Volkes deduzieren, aus dem Geltungstrieb der einzelnen Menschen, welche außerhalb der jüdischen Sphäre sich nicht ausleben können, nicht in ihrer Art, weil sich Hindernisse in den Weg stellen, welche unüberwindlich sind, und deshalb kehren alle diese Menschen ihre Waffen gegen ihr eigenes Volk, deshalb kämpfen sie vielfach mit unreinen Mitteln um Ehrenstellen, deshalb gab es und gibt es noch innerjüdischc Kämpfe im Rahmen der Kehilloth, Kämpfe bei der Besetzung einer Gabay-Stelle in der einen und in der anderen Synagoge. Die durch Jahrhunderte der Natur entrückten Juden kämpfen innerjtidisch mit unnatürlichen Mitteln. Dies ist kein Zufall und auch keine spezielle jüdische Charaktereigenschaft, sondern daß Produkt des Lebens in der Diaspora. Es ist ein gewisser Grad der Entartung, allein es fragt sich nur, welche tiefsten Stufen der Dekadence ein anderes Volk unter den gegebenen Umständen erreicht hätte. Daneben spielt auch ein äußeres. Moment eine nicht unbedeutende Rolle: die Assimilation. Wir sind so weit assimiliert, stecken so tief im Sumpfe der Assimilation, daß wir es nicht einmal merken, wieviel Fremdes wir für unseren innerjüdischen Kampf verwenden. Und dies geschieht auf beiden Fronten; rechts und links. Unsere Linke in der Galuth und in Palästina hat für ihren außerpolitischen Kampf aus den europäischen Arsenal die verrosteten Waffen entlehnt, Waffen, die in Europa noch kaum gebraucht werden und in Sowjetrußland von einer Minderheit in Form der roten Diktatur verwendet werden. Und unsere Rechten ließen sich durch äußeren Tand verführen und versuchen die Methoden der europäischen Machthaber zu kopieren. Auf diese Weise geraten sie in einen schweren verhängnisvollen Kampf mit ihren Antipoden — den Linken. Beide Gruppen vergessen daran, daß sie „unterwegs“ sind, daß die Durchführung des einen und des anderen Programmes ein normales Volk bedingt, normale Zustände zur Voraussetzung haben müssen. Der Marxismus paßt ausgezeichnet und bedeutet eine Erlösung, wenn 80 Prozent des betreffenden Volkes dem Proletariat und 20 Prozent der Bourgeoisie angehören. Die faschistischen Methoden mit der äußeren Form von Braunhemden paßt ausgezeichnet nach den heutigen Begriffen für eine völkische Gemeinschaft, wenn sie sich aus 80 Prozent Junkertum und aus 20 Prozent Proletariertum zusammensetzt. Beide Voraussetzungen sind für unser Volk nicht gegeben. Es befindet sich noch immer unterwegs und die Anfänge in Palästina gehen unB noch nicht die Berechtigung, uns im europäischen Begriffe „proletarisch“ oder „völkisch“ auBzuleben. Man komme da nicht mit dem bekannten Schlagwort: Programm. Programmatische Fragen haben uns innerjüdisoh nicht zerfleischt und nicht zerrissen, denn letzten Endes verfolgen wir alle ein Ziel: Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens — ob sie es nun Heimstätte oder Judenstaat nennen — in Palästina für das jüdische Volk. Es sind letzten Endes bloß leere Begriffe, um die gekämpft wird. Palästina wird das werden, was daß jüdische Volk daraus machen wird. Das Leben wird das Programm schaffen, wird Verbot der „Stimme“ in Danzig Unser Organ wurde kürzlich vom Polizeipräsidium Danzig wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verboten, ohne daß für dieses Verbot nähere Gründe angegeben gewesen wären. Wir haben daher an don Senat der Stadt Danzig Einspruch erhoben. Bei Drucklegung des Blattes geht uns die Entscheidung de« Genates zu. Der Senat hat den Einspruch mit einer Begründung abgewiesen, die derart sensationell ist, und zwar auch für d:ie große Öffentlichkeit; -daß wir den Wortlaut Kräfte zur Eroberung der nichtzionistischen Massen. Dies alles scheint uns ein Gebot der Stunde zu sein. Wohl gibt es einen Hurra-Zionismus in allen Ländern der Knie, aber keine verantwortungsvollen Zionisten. Die zionistische G a r d e m u ß g estii-rkt werden, denn cs g ilt einen K a m p f, einen s e w e r e n K a m p f gegen P s e u d o z i o n i s m n s a u s z nkämpfen. Die Bewegung ist in den letzten Jahren ungemein verwässert worden und wir alten Zionisten müssen darangehen, mit Hilfe unserer nationalbewußten Jugend die R e i n i g u n g der B o w eg u n g durchzuführen. Wir müssen ihr wieder Inhalt geben und alle Anstrengungen machen, um zu verhindern, daß die Galuthmentalität sich in Erez Israel breit mache. Wer da nicht mittut, der versündigt sich an der Bewegung, der demoliert den Bau und unterminiert den Zionismus. Hätten wir in unseren Tagen Propheten, sie würden den einen und den anderen zionistischen Führer, von rechts und von links vor das Tribunal des höchsten Richtens zitieren, und sie ftir all das, was im Zionismus jetzt geschieht, verantwortlich machen. Denn heute steht nicht Partei, sondern Volksinteresse auf dem Spiel. Hätten wir heute Propheten, so würden sie unseren Führern in allen Ländern zurufen: lasset ab von den innerjüdischen Kämpfen, befreiet euch von der unjüdischen Mentalität! Kehret zum Urquell des Judentums zurück: Gerechtigkeit, Bruderliebe, Friede! Sie würden uns mit donnernder Stimme zurufen: Die Waffen nieder! Palästlnaabteiluns -x-ro^n» ■SlMMHnSlBEllMi Internationale Transporte Wien, II., Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, R 40-5-70 Serie Spezial -Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Dieser Vereinigung aller Feinde des Judentums gegenüber, betonte Oberrabbiner Feuchtwang, können wir nur die Einheit der Freunde entgegenstellen. Kaum je in der Geschichte dee Judentums war der überspitzte Parteienkampf so gefährlich, wio in der gegenwärtigen Zeit. Man möge eich doch besinnen. Die Einheit aller Juden drohe in den kleinen partikulären Partcibündchen verloren zu gehen. Es gibt aber für die Juden keine andere Rettung, als zur Einheit des jüdischen Volkes z u r ü c k z u f in de n. Die Judenschaft müsse sieh Rechenschaft ablegen und sich ihrer Verantwortung bewußt sein. Wer offene Augen hat, um zu sehen, was in der Welt vorgeiit, müsse die Zeichen der Zeit verstehen. Mehr denn je müsse man sich der bevorstehenden „Tage des Gerichtes“ bewußt werden, die in doppeltem Sinne zur Läuterung und zum Tage dor Versöhnung und dem Wiedererstehen der Einheit aller Juden ohne Unterschied der Richtungen und der Tagesprogramme führen sollen. der Entscheidung in unseror nächsten Nummer bringen werden. ZionistischeSektion und Frauengruppe Mariahilf und Neubau gratulieren dem Sektionsobmann Herrn Dr. Sanel Beer und Frau zu ihrer Vermählung auf das herzlichste Wien, August 1934

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