Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 379 (17.8.1934)
- Date
- 1934-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20 V. t>. b 8 hl«• •«mgk 1 UTSam ««V AvioruisO flllil I Redaktion und Administration t Wien, i. Karntnerstrafle 28. I ▼▼ Imllf * /• rtUgttol 7.24 I Tel. R 27-4-85. RedaktlonssohtuS Montag und Mittwoch vorm. JÜDISCHE ZEITUNG Heute: Seite der Jugend ii,:;.jijrr" ..- . i . Jugendbeila^e der „Stimme** Seite 5 (6. Elul 5694) | 7« Jahrgang Die Züricher Tagung der Nichtzionisten In diesem Monat werden ©s fünf Jahre, seitdem in Zürich der Plan Weizmanns verwirklicht wurde, wonach die Jewish Agency durch die Aufnahme der Niohtzionisten erweitert wurde. Die Hälfte der Mitglieder 'der Jewish Agency besteht seither aus Niohtzionisten. Diese Reform kam bekanntlich nach schweren innerzionistischen Kämpfen zustande. Jabotinsky und die Radikalen liefen dagegen Sturm. Das immer wieder vorgebrachte Argument war, daß die zionistische Organisation nun nicht mehr autonom sei und daß die Nichtzionisten die ganze Macht an sich reißen würden. Um es vorwegzunehmen: Diese Befürchtungen sind nicht eingetretem, aber dafür eine andere sehr betrübliche Tatsache: Unmittelbar nach der ersten Tagung der erweiterten Jewish Agency im Jahre 1929 kam es zu den schweren Unruhen in Palästina; infolge des Börsenkrachs in New “York blieb die erwartete finanzielle Förderung der zionistischen Bewegung aus. Es gibt aber eine tiefere Ursache für das Versagen der Nichtzionisten: Es wurde nie ein ernsthafter Versuch gemacht, die Nichtzionisten für das Aufbauwerk zu organisieren. Man begnügte sich damit, wohlhabende Nichtziouisfcen für den Keren Hajessod zur gewinnen, was nur teilweise gelang. Es ist falsch, wenn man annimmt, daß die sogenannten Nichtzionisten kein Interesse bekundeten. Wer die Protokolle ihrer Tagungen liest, kann sich leicht vom Gegenteil überzeugen. Ihre Tagungen waren aber Versammlungen von Notabein, hinter denen keine organisierte Masse stand. Jedenfalls rechtfertigten die Leistungen der Niohtzionisten nicht ihre fünfzigprozentige Beteiligung an der Jewish Agency. Der Ruf nach Reform wurde schließlich in zionistischen Kreisen allgemein. Wir glauben, diaß die Ereignisse in Deutschland jenen unrecht gegeben haben, die die Ausschiffung der Niohtzionisten aus der Jewish Agency verlangten. Wir haben nicht das Recht, Menschen abzustoßen, die sich zwar nicht zionistisch organisieren lassen, trotz- dem aber aktiv am Aufbau Palästinas mitarbeiten wollen. Wir haben aber kein Verständnis für Menschen, die Rechte verlangen, ohne Pflichten zu erfüllen. Man soll nicht ungerecht sein: Die Sammlungen für die deutschen Juden stammen zu einem großen Teil von Nichtzionisten und ein erheblicher Teil dieser Gelder geht nach Palästina, allerdings zwangsläufig, weil es eben kein zweites Land gibt, das Juden aufnebmem kann und will. Aber auch diese Sammlungen rechtfertigen nicht die fünfzigprozentige Beteiligung der Nichtzionisten. Beim Prager Kongreß wurden die Nichtzionisten, die zu ihrer Counciltagung erschienen, aufgefordert, von ihren fünfzig Prozent etwas nachzulassen. Man hat schließlich dieses Begehren zurückgestellt und nun versammeln sich die nichtzionistischen Mitglieder der Jewieh Agency i n Zürich. Man muß hoffen, daß es bei dieser Tagung zu einer Einigung kommt. Die Jndennot ist so groß, daß wir niemanden von uns stoßen dürfen, der für unsere Ziele arbeiten will, wenn wir es auch nicht begreifen, daß man sich nach Hitler noch immer von der zionistischen Organisation fernehält. Es muß zur Ehre der Niohtzionisten gesagt werden, daß namhafte Menschen unter ihnen aus sich heraus seit Jahren eine Reform verlangen. Viele von Ihnen sehen ein, daß hinter ihnen niemand steht und viele von ihnen sind ergebenere Mitarbeiter der zionistischen Organisation als gewisse Patent-Zionisten. Diese Elemente sollen selbst dafür sorgen, daß die Spreu vom t i n e läßt sich jetzt übersehen. Die Behörden scheinen sie für abgeschlossen zu halten. Darauf deuten ihre Versprechungen auf Bestrafung der Täter und Schadenersatz für die Hinterbliebenen der Opfer. Versprechungen sind billig, insbesondere für Juden, und die Behörden werden wohl sehr bald finden, daß sie Wichtigeres zu tun haben. Da aber die Presse vielfach den mittelbaren Anlaß den Juden zugeschrieben und von einer Art Volksstrafe gegen jüdische Geldverleiher und Wucherer gesprochen hat, ist es von großer Bedeutung, daß der Bürgermeister von Constantine selbst sehr energisch die Forderungen nach Bestrafung und Vermögensersatz erhoben hat. Er hätte dies unterlassen, wenn er nicht der Gerechtigkeit seiner Postulat© sicher wäre. Es kommt hinzu, daß nach Angaben, die jüdische Käufleute brieflich an Pariser Zeitungen gemacht haben, die Behörden bereits vier Tage vor dem Ausbruch der Metzeleien auf die kommende Gefahr aufmerksam gemacht worden sind. Es . wurden jedoch keine Vorkehrungen getroffen, und so wurden einigen hundert Juden, Männern, Frauen und Kindern, die Hälse durchschnitten, der Hausrat auf die Straße geworfen, Häuser und Waren mit Benzin begossen und verbrannt. Eine Untersuchung zur Ermittlung der Anstifter ist nicht eingeleitet, man hat lediglich ein paar Dutzend zerlumpter Hafenstrolche, um das Gesicht zu wahren, eingesperrt und wird sie zu Zwangsarbeit verhalten. Die Urheber der Affäre haben sich schon in Sicherheit gebracht. Es sind deutsche Matrosen; wenn man sie dingfest macht, könnte man in einen neuen Konflikt mit Deutschland' geraten. Wegen der paar Juden? Der Herr Generalgouverneur ist wieder nach Paris zurückgekehrt... Weizen gesondert wird. Es ist vielleicht nuirj ein Zufall, daß gerade in Zürich, wo vor fünf Jahren die erweiterte Jewish Agency gegründet wurde, ihre Reform in die Wege geleitet werden soll. Wir wollen hoffen, daß diesmal in Zürich gute Arbeit geleistet werden wird. An einem faulen Kompromiß kann niemand ein Interesse haben. Was in Algerien geschehen ist, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte dieser Tage, ein blvMges Detail aus der Arbeit, die fast auf der ganzen Welt, von Deutschland ausgehend, gegen die Juden geleistet wird. An anderer Stelle veröffentlichen wir ein von der Lemberger „Chwila“ in dankenswerter Weise ans Licht gebrachtes Ge he im zirkular aus Erfurt in Thüringen, das die Tagesordnung eines demnächst stattfindenden Weltkongresses der Judenmörd 6 r .mitteilt. Es ist dort mit gut deutscher Übersichtlichkeit ein Beratungsplan entworfen, der die Grundlagen öines systematischen Weltpogroms darstellt. Das Verhältnis der Juden zu ihrer Umgebung soll ebenso besprochen werden wie innerjüdische Fragen, als da sind: Assimilation, Zionismus, Bir-Bidschan usw. Die berühmte deutsche Wissenschaftlichkeit wird da in Aktion gesetzt, und zu allem sollen die Delegierten, denen freier Aufenthalt, Geheimhaltung der Namen und allerlei Vergünstigungen zugesichert werden, auch noch Gelegenheit erhalten, an einer vertraulichen Führersitzung der nationalsozialistischen Partei teilzunehmen. Dieses lichtscheue Unternehmen, das in der Verständigung strengste Vertraulichkeit zur Pflicht macht, liegt natürlich in dem nationalsozialistischen Programm, das die Vernichtung des Judentums zum Ziele hat und zu diesem Zweck ein Netz von persönlichen Verbindungen mit allen Unruheelementen auf der Welt hersteilen will. Hinter diesem Vorhaben steht die Macht, und daß Geld des 65-Millionen-Reiahes, die Füle von Ressourcen, von denen kürzlich der österreichische Vizekanzler Starkemb e r g in einer Rückschau über die Juli- Im zerstörten Judenviertel rebellion gesprochen hat. Bei dem Kongreß der Antisemiten handelt es sich wohl in erster Linie um die Juden; daneben laufen aber auch die nicht unwichtigen Pläne, für den neudeutscben Imperialismus Stützpunkte zu schaffen, Spionagematerial zu erhalten und die schwachen Stellen der Völker kennenzulernen, um den Einbruch sorgsam und mit der möglichsten Aussicht auf Erfolg vorzubereiten. Der Antisemitismus ist der Beginn der Kampagne; er ist die erste Möglichkeit, regionalen Eiufluß zu bekommen, und so sind deutsche Agenteu in der Ukraine bei den mißvergnügten Bauern, im Fernen Osten bei den weißen Partisanen, in Thrazien und auf Gallipoli unter den repatriierten Türken, in Algier, Tunis und Marokko bei den über die Steuern wütenden Arabern, ia Ägypten bei den Fellachen, in Indien’ bei den Hindus, auch in Syrien und P alästina; die Hitler-Leute wühlen in Rumänien, Polen, Jugoslawien; iri Böhmen sind gerade jetzt Böllerwerfer und Bombenfabrikanten dingfest gemacht worden; in F r a n k r e i c h ist der Plan des Bakterienkrieges entdeckt worden’ und geheimnisvolle Hölle n« maschinen beunruhigen die großen: Städte; im Saar gebiet wächst die Hetze, die dort ebenso wie in Österreich be-» sonders bösartigen Charakter trägt. Nun, und in Österreich ist der Bundeskanzler Dollfuß sofort nach dem Sturm auf das Kanzlerpalais ermordet worden. Nach Meldungen aus Rom ist mau dort in Kenntnis von einer neugegründeten Berliner Vereinigung von: Freunden Südtirols, und man weiß bereits, daß es sich um ein neues Mordkomplott handelt. Vielleicht werden die Böller bald auch in italienischen Städten fliegen . . . * Die Weltverschwörer suchen sich die Juden als das erste angreifbare Objekt aus NFür unsere Leser nuhfr , v eudegger Fahrsdiulen Wien, VIII., Neudeggerg. 13 tpi B 46-5-72 und lnxers^orf;^ikd.er-(^$tdrr^icrh:)^;'^: Prüfungserleidbterung dürdh'if 'h!! Laufendes Auto Im Lehrsaal!! Posten vor dem Judenviertel Ein Ceheimplan des Judenmordes Die Katastrophe von Constan-