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Die Stimme · 1934-08-14 · Heft 378 (14.8.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 378 (14.8.1934)
Date
1934-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« S DIE STIMME Nr. 378 — 14. August lf>34 Besuchet Entlüfters Gaststätten am Praterstern bisher war, hat er seine besondere Einfühlsamkeit in den Geist des dritten Reiches gezeigt. Er hat den saarländischen Juden versichert, sie könnten ruhigen Gewissens für Deutschland stimmen; es seien Garantien vorhanden, daß sie nach der Angliederung an das Reich nicht unter die Judengesetze fallen. Die saarländischen Juden spielen ziffernmäßig für die Abstimmung keine Rolle; aber der Völkerbund hat doch sich auch mit ihnen beschäftigt, und so kam es, daß Hitler garantiert und Papen verbürgt. Die Erfüllung steht bei Goebbels. Denn Hitler knan sich doch nicht um alles kümmern — und Papen ist schon fern von Aranjuez. Er ist Gesandter Hitlers in Wien, Vertreter einer Doktrin, der man so viel Unrecht tut und die doch nichts will als Deutschlands Größe und Deutschlands Frieden. Aber auf dem Hietzinger Friedhof hat Dollfuß seinen letzten Frieden gefunden, am Brenner steht Mussolinis Armee und „am Rhein ist Englands Grenze“, hat Baldwin im Unterhaus gesagt, über Papens Sondermission gibt sich in Österreich niemand einem Zweifel hin. iii!miimi:imiMMii:iii Verfall der Juden in Böhmen Professor Joseph Klausner 60 Jaftre Jerusalem, 9. August. (Z. T. A.) Professor Joseph Klausner von der Hebräischen Universität, der Verfasser des berühmten Buches über Jesus von Nazareth, das von Canon Danby ins Englische übersetzt wurde, ist soeben 60 Jahre alt geworden. Professor Klausner, einer der bedeutendsten hebräischen' Gelehrten, wurde im August 1874 im Wilna-Distrikt geboren. Er studierte an der Jeschiwah von Odessa, promovierte in Heidelberg, kehrte nach Odessa zurück und schloß eich der Bewegung zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache und Literatur an. Er wurde einer der engsten Mitarbeiter Achad Haams und redigierte die von ihm herausgegebene Zeitung „Haschiloach“ während ihres Erscheinens in Palästina (1920—-1926). Er war ein Mitglied des Odeesaer Komitees und ein prominenter Sprecher der russischen Zionisten auf den Kongressen. Unter dem Kerensky-Regime in Rußland wurde er zum Professor für Geschichte des Ostens an der Universität Odessa ernannt. Nach Errichtung der Räterepublik verließ er Rußland und ging nach Palästina. Seit 1919 ist er Dozent für Jüdische Geschichte am Lehrerseminar in Jerusalem und «eit .1925 Professor für Moderne Hebräische Literatur an der Jerusalemer Hebräischen Universität. Seit dem letzten Jahre gibt er in Jerusalem die revisionistische Tageszeitung „Hajarden“ heraus. Ein Ehrenabend für Sebalotn Asch Am 29. Juli veranstalteten die j ü d isehen Kurgäste Badgasteinß einen Geeelligkeitsabend zai Ehren des bekannten jüdischen Schriftstellers und Dichters Schalom Asch. Dr. David Rothb 1 u m, Präsident der Wiener Histradruth Iwrith, eröffnete den Abend mit einigen Worten in hebräischer Sprache und führte aus, daß der Name des Schriftstellers Asch mit „Zere“ m punktieren ist und „Eech“- Feuer genannt werden soll, da seine Schriften von einem jugendlichen Feuer und Begeisterung ausgefüllt sind. Rabbiner Doktor Bach führte aus, daß alle Sobriften Asch's als klassische Werke zu werten sind, da sie auf das Herz und Gemüt eines jeden Menschen und in jedem Alter den gleichen tiefen Eindruck ausüben. Es sprachen noch weiter Dr. K a m i n k a und Dr. L. P1 a s c hk e s, der den Dichter aufforderte, er möge auch für den Frieden im jüdischen Lager sein Wort erheben, da er jetzt nach dem Ableben Blalik« hiezu berufe® ist. Den künstlerischen Teil dieses Abends füllten die Kantoren Herr Gerson Marg o 1 i e s, Wien, Herr K w a r t i n, Tel- Aviv, und der bekannte Violinvirtuose Josef Z i m b 1 e r, Wien, aus. Zum Schlüsse dankte der Schriftsteller den Anwesenden für die Ehrung und forderte sie auf, durch Auf stehen das Andenken seines lieben Freundes und genialen Nationaldichters Mit dem Absingen der Hatikwah wurde der Abend geschlossen, Jizliar. i Im letzten Heft der Zeitschrift „Statisticky Obzor“ beschäftigt sich der tschechische Statistiker Dozent Dr. B o h ä c mit der beruflichen Schichtung der jüdischen Bevölkerung Böhmens, die bei der Volkszählung im Jahre 1930 76.301 Köpfe zählte, das sind um 3476 Köpfe oder 4-36 Prozent weniger als 1921, wobei der Anteil des Judentums an der Gesamtbevölkerung des Landes von 1-2 auf 1-07 Prozent zurilekging. Von diesen 76.301 Juden in Böhmen gehörten 38.253, also die Hälfte, der Berufegruppo Handel und Geldwesen an, weiter 13.164 Industrie und Gewerbe, 7135 öffentlichen Diensten und freien Berufen, 1569 Landwirtschaft, 1013 Transportgewerbe, 960 Militär und 13.677 anderen Berufen und Berufslose. Hiobei sind auch die Familienangehörigen mitgczählt. Bohäö weist darauf hin, daß sich die Juden in den böhmischen Ländern seit je dem Handel und den freien Berufen zuwandten, welche Tendenz sich in der 'letzten Zeit noch verstärkt hat, so daß 1930 bereits 50-1 Prozent der jüdischen Bevölkerung des Landes der Berufsgruppe Handel und Geldwesen angehörten, gegen 47*9 Prozent im Jahre 1921. Aber trotzdem ist, wie in allen anderen Berufsgruppen, so auch hier, die v e rmaehen nur 0-9, also nicht einmal ein ganzes Promille der landwirtschaftlichen Bevölkerung aus und sind hauptsächlich Gutspächter (106) und Gutsbesitzer (403), aber auch ihre Zahl hat sich gegen 1921 stark vermindert. Die soziale Gliederung der Juden ist, bemerkt Boluie abschließend, völlig verschieden von der sozialen Schichtung der tschechischen und auch der deutschen Bevölkerung des Landes. Die Juden besitzen keine Landwirte und ihnen fehlen die Arbeiterschichten, die mit den Landwirten überall den Kern der Nation bilden, aus dem sich diese regeneriert. Sie waren genötigt, sich einseitig dem Handel zuzuwenden; sie erwarben zwar große Vermögen und erlangten einen vorherrschenden Einfluß im Wirtschaftsleben, aber sie unterliegen auch sehr stark den degenerierten linflössen des Milieus der vermögenden Bourgeoisie. Die einseitige rationalistische Richtung unserer Zivilisation hat ihre traditionelle Frömmigkeit untergraben und damit ihre Existenz bedroht. Die Assimilation und die freiwillige Unfruchtbarkeit der bourgeoisen Schichten bedeuten schließlich den Untergang des ___7 __7_ . ' Judentums in den böhmischen Ländern. hältnUmäßTige Vertretung d e r j Aufhalten kann ihn lediglich ein Zu- Juden zurückgegangen, und zwar ‘ström aus dem Os t e n, den wir beeonvon 8*35 auf 6*04 Prozent, während die Juden in den freien Berufen und öffentlichen Diensten mit 1-96, in Industrie und Gewerbe mit 0*46 und im Transportgewerbe mit 0-25 Prozent vertreten waren. Bohäc schreibt u. a.: Der langsame Verfall des Judentums, der zahlenmäßig allerdings noch durch teilweisen Zuzug aus dem Osten aufgehalten wird, macht eich bereite in allen Berufen, auch im Handel und Geldwesen, geltend. Obzwar sich die Juden in ihren, besonders in der Berufsgruppe Handel und Geldwesen, immer stärker konzentrieren. Die neuen Geschäfte, die im letzten Jahrzehnt in großer Zahl zugewachsen sind, befinden sieh fast durchwegs in nichtjüdischen Händen. 1921 gab es im ganzen Lande 9102 jüdische Warenhändler, da« waren 12*8 Prozent sämtlicher Warenhändler, 1930 hingegen war diese Zahl auf 8064, beziehungsweise 8*5 Prozent gesunken. Daß diese Entwicklung huch in Zukunft, und zwar in verschärftem Tempo, von sich gehen wird, beweist die geringe Zahl jüdischer Lehrlinge in dieser Branche. Es scheint allerdings, als ob die Juden nur aus dem Detailgeschäft verdrängt würden, während sie im Großhandel ihre Position behaupten, ja vielleicht sogar erweitern. Schwer zu bestimmen ist die Bedeutung der Juden unter den selbständig Tätigen, denn hieher zählen sowohl die kleinen Handwerker, unter denen es nur ausnahmsweise Juden gibt, wie auch die großen Industrieunternehmen unter die sich viele Juden emporgearbeitet haben, so daß das jüdische Kapital in der Industrie eine wichtige Rolle spielt. Zahlenmäßig ist in der Industrie das jüdische Element im Rückgang, und selbständig tätige Juden gab es in Böhmen in Industrie und Gewerbe nur noch 2716 gegen 3345 im Jahre 1921 (1-6 gegen 1*8 Prozent). Gering ist die Zahl der Juden im P o s t- und Eisenbahndienst, wie überhaupt in den öffentlichen Diensten. Im alten Österreich war ein Jude in der öffentlichen Verwaltung und im Schulwesen eine Ausnahmserschoinung. Der tschechoslowakischen Staatsverwaltung liogen zwar antisemitische Tendenzen fern, aber al t e Gewohnheiten ändern sich nicht leicht. Trotzdem aber sind die Juden im Staatsdienste heute noch schwächer vertreten als vor dem Umsturz, denn die Zahl der Juden in dor staatlichen und öffentlichen Verwaltung einschließlich Justiz hat sich von 310 im Jahre 1921 ai f 134 im Jahre 1930 und im Schulwesen von auf 198 vermindert. Die Zahl der selbständigen jüdischen Ärzte und Advokaten hat stärker zugenomder nllgem'vn'm Zunahme en* sprechen würde. Nur vereinzelt findet man Juden in der Landwirtschaft. Sie j ders in Prag beobachten können; aber diese Emigration scheint vorläufig nicht stark genug zu sein, um eine Regeneration der Juden in den böhmischen Ländern bewerkstelligen zu können. KINOPROGRAMME DER WOCHE Leopolästßdter VoIKskina Vom 10. bis 20. August: Der Boxer und die Dame mit Max Baer, in deutscher Sprache Täglich 7,0, 7*10 ühi Ermäßigte Sommerpreise Geburtenrückgang unter den Juden Polens Warschau, 10. August, (Z. T. A.) Wie aus den offiziellen statistischen Daten zu entnehmen ist, geht der natürliche Zuwachs der Juden in Polen ständig stark zurück. Die Zahl der jüdischen Eheschließungen im 1. Quartal 1934 betrug 5711, das ist 7*5 auf 1000 jüdische Einwohner, während bei den Nichtjuden das Verhältnis 9*1 beträgt. Jüdische Geburten sind 17‘3 pro 1000 der Bevölkerung zu verzeichnen, während bei den Nichtjuden das Verhältnis 26*7 beträgt. Die kleinere Zahl der Geburten bei den Juden ist auf die schwierigen ökonomischen Verhältnisse zurückzuführen. Nach den statistischen Berechnungen wird es heuer in Polen überhaupt keinen natürlichen Zuwachs geben, weil der gesamte natürliche Überschuß durch Auswanderung aufgehoben wird. Unter den Emigrationsländern steht Palästina bereits an erster Stelle. AbdalSalis Rückkehr Jerusalem, 12. August, (Palcor.) Wie wir aus gut informierten Kreisen erfahren: sind die einzigen konkreten Ergebnisse, die Emir Abdallah während seines Aufenthaltes in London erzielt hat, die folgenden: Erstens: die Erneuerung des Vertrages zwischen England und der Regierung Transjordaniens, einer Vereinbarung, die eigentlich an dem bisherigen politischen Status T r a n s j o r cl a n i e n s und seines Verhältnisses zum britischen Imperium wenig ändert; zweitens: eine A nleihe von 100.000 Pfund für die Bedürfnisse der Landwirtschaft Transjordaniens. Emir Abdallah soll auch, wio er berichtet, einen engeren Kontakt mit der englischen Regierung und mit gewissen englischen Parlamentsmitgliedern hergestellt haben. Emir Abdallah ist in London auch mit Professor Weizmann zusammengetroffen. In ihrer Unterhaltung wurde die Frage der arabisch-jüdischen Beziehungen in Palästina behandelt. Das Zusammentreffen zwischen Emir Abdallah und Professor Weizmann fand nach dem Besuch des Emirs beim britischen Kolonialminister Cunliffe-Lister statt. Der Kolonialminister soll während seiner Unterhaltung ‘mit Emir Abdallah erklärt haben, daß es nicht eine einzige Kolonie ira ganzen britischen Imperium gebe, die die britische Regierung unausgesetzt in so hohem Maße beschäftige, wie Palästina. Die Regierung habe von beiden Seiten Sorgen, von seiten der Juden und von seiten der Araber. Sobald eie irgend einen Schritt unternehme, der für die Juden günstig zu sein scheint, stoße sie sofort auf Beschwerden seitens der islamischen Welt; tue sie wiederum etwae zugunsten der Araber, protestieren die Juden der ganzen Welt, Die britische Regierung beabsichtige daher, nichts zur Lösung der Palästinafrag o zu unternehmen, solange es nicht zu einer Verständigung zwischen den Juden und Arabern: komme. Die britische Regierung werde so sagte der Minister zum Emir — ihre volle Unterstützung nur dem Manne gewähren, dem es gelinge, das Vertrauen beider Seiten zu gewinnen. Emir Abdallah bereitet jetzt einen schar•• fen Kampf gegen seine Gegner, das heißt gegen den Jerusalemer Mufti und seine Partei, vor. Im Zusammenhang hiermit hat die Mufti-Partei bebeschlossen, ihren Kampf gegen deu Emir Abdallah zu verstärken. Ki Anständiger junger Mann große Statur, sucht auf diesem Wege nettes Mädchen mit zeitgemäßer Mitgift, welches nach Palästina mitauswandero würde. Unter „Palästina 5695“ an die Adm. d. Bl. W. öS Ein Engländer, der jiddisch und hebräisch gesprochen hat In London starb kürzlich der pensioniert'! Polizeiinspektor Thomas Eveson, der 26 Jahre Leiter der Polizeistation in der Leuran-Street war. Eveneon war ein gläubiger Christ und sprach fließend jiddisch und hebräisch. Diese Sprachen hatte er sich durch Selbststudium an geeignet. Die fünf Bücher Moses und die Propheten kannte er auswendig. Er war j auch ein guter Kenner des Talmud. Nach seiner Pensionierung hielt er oft in jüdischen Vereinen Vorträge. Sein Tod wird im .ondonor East-End allgemein bedauert. Verbot der Auswanderung jemeni* tischer Juden nach Palästina?* Jerusalem, 9. August. (Z. T. A.) I® Palästina eingetroffenen Meldungen zufolge soll Imam J a c h j a vom Jemen dou jemenitischen Juden verboten haben, nach Palästina auszuwaudern. Die jemenitischen Juden, die während der ’etzten Woche die Reise nach Palästina angotreten taben, sollen gezwungen werden, nach Umion zurückzukehren. Es heißt, daß die ••im. 'Verordnung auf den Einfluß des i <; ß in ii f 1 i v <: n J c r u s a 1 e m, Hadsch Amin el Husseini, zurückzuführou ist.

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