Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-08-10 · Heft 377 (10.8.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 377 (10.8.1934)
Date
1934-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054131--4407-3060024
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 67 — 10. August, 1064 Oie STIMM« Belt« 9 Simon und der Antisemitismus London, 8. August. (Z. T. A.) Der englische Außenminister Sir John Simon ersuchte die Jüdische Telegraphen- Agentur in einem Schreiben, die irrige Annahme, daß er Jude sei, richtigzustellert: „Ich bin kein Jude und habe nicht einen Tropfen jüdischen Blutes in meinen Adern. Da die unrichtige Annahme nur zu Mißverständnissen und falscher Darstellung führt, wäre ich dankbar, wenn Sie sie berichtigen würden. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Brite arischer Abstammung, und meines Vaters Name ist der einer walisischen Bauernfamilie.“ „Ich zögere um so weniger, die jüdische Presse um diese Richtigstellung zu ersuchen“, schließt Sir John Simon, „a 1 s meine Frau und ich unser ganzes Leben lang die schärfsten Gegner des Antisemitismus waren und einer alten und ehrwürdigen Rasse, der keiner von uns angehört, nur Gutes wünsche n.“ Kürzlich hatte auch Sir John Simon, wie berichtet, in einem Schreiben an Sir Archlbakf II u r d ausgeftihrt: „Der einzige Grund, warum ich bisher nie versuchte, öffentlich das Gerücht von meiner jüdischen Abstammung abzuleugnen ist, daß ich glaube, die gleiche Torheit oder Böswilligkeit, die meine jüdische Abstammung behauptet, könnte versuchen, ein Dementi als Sympathie mit dem Antisemitismus ausz ulegen, einer Geisteshaltung, die ich aufs schärfste verurteile. Unter meinen Freunden sind einige englische Juden, deren britische Ein Stellung und patriotische Verdienste ihre Krikitker beschämen sollten, und ich möchte nicht um die Welt ihre Gefühle verletzten. Aber wenn Sie es für richtig und im öffentlichen Interesse gelegen, halten, dies zu tun, so begrüße ich es, wenn Sie diesen Brief veröffentlichen.“ „Daily Telegraph“ kommentiert den Brief Sir Simons, in dem er erklärt, nicht jüdischer Abkunft zu sein, als in Wir k lichkeit an Berlin gerichtet. Mit diesem Kommentar soll angedeutet sein, daß einen Anlaß zu diesem Schreiben wohl auch die Haltung vieler reichsdeutscher Blätter gegeben hat, die die ihnen nicht genehme Außenpolitik der englischen Regierung einfach mit einer Hetzkampagne gegen Minister Simon beantworteten, den sie als Juden kezeichneten. Ab morgen: Stan Laurel und Oliver Hardy TOTAL VERROCKT EIN WIRBELSTURM DES LACHENS CHWEDEN-KINO Tel.! A 49-0-60 Vorstellungen: 7.4, 7.6, 7.8, 740 r u u g mit, der nicht Jüdischen Umgebung zu stören. Solche Meldungen liegen vor allem aus Polen und Belgien vor. ¥ Warschau, G. August. (Z. T. A.) Anhänger der Liga für das arbeitende Palästina haben in den Straßen Warschaus Plakate mit dem Aufruf der palästinensischen Arbeiterpartei anläßlich des Freispruchs Stavskys angeschlagen. Diese Plakate wurden von Revisionisten wieder abgerissen. Hiebei kam es zu So h 1 ä g ereien auf offener Straße zwischen den beiden Gruppen. ür Antwerpen, 6. August. (Z.T. A.) Ee wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß angesichts der wied er holten Zusammenstöße zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilern in Antwerpen und an deren Städten Belgiens eine Anzahl a u s l ä n* die eher Juden, die an diesen Zusammenstößen beteiligt waren, wegen Störung der öffentlichen Ruhe ausgewiesen werden. Die zionistische Föderation Belgiens hat im Hinblick auf diese, die jüdische Allgemeinheit gefährdenden Vorgänge eine außerordentliche Konferenz aller zionistischen Gruppen einschließlich der Revisionisten einberufen, auf der beschlossen wurde, in Zukunft alle Zwischenfälle zu vermeiden, durch die der inner© jüdische Kampf nach außen getragen werden könnte. Gipfel der Stahle: der Schweden• Stahl, Gipfel der Klingen* die schwedische Dämmerung Verwöhnte SSrohwHwer speisen vorzüglich im ii ‘UtfS II., Taborstraße 12, Tel. R 46-5-57 ^3 Reichhaltige Menüs v. 81 -SO aufw. Täglich frische fische Speisen am Kost — Schöner schattiger Garten Keine Teilnahme der Revisionisten an der Genfer Jüdischen Wett honferenz Paris, 8. August. (Z. T. A.) Die Revisionistische Weltexekutive hat in einem Schreiben an das C o m i t ö des D 6 1 ö g a t i o n s J u i v o e“ erklärt, daß ßio der an sie ergangenen Einladung zur Entsendung eines Vertreters zu der Genfer Jüdischen Woltkonforenz nicht wird entsprechen können. Die Revisionistische Weltorganisation begrüßt die Idee eines Jüdischon Weltkongresses, aber nur einen auf demokratischer Basis gewählten Jüdischon Kongreß, der das ganze j ü d i s o h o Volk repräsentiert. Die Revisionisten als Verteidiger der Demokratie! Red.) Die Folgen der Parteigegensatze in der Diaspora London, 6. August. (Z. T. A.) Die aus einer Reihe von Ländern eintroffeiulen Nachrichten beweisen, daß ungeach- 'tot der Bemühungen, den innorzionistischen Kampf in Palästina und in den Ländern der Diaspora zu dämpfen, die durch den Stavsky-Prozeß und seinen Ausgang verschärften Partoigegonsützo zu Zwischonfällen führen, die geeignet sind, über dio Vergiftung des jüdischen öffentlichen Lebens hinaus auch d a s gute E invc rnehtuen der ju ducheft Bovölk.Q- Zu der von Dr. O. Grünbaum eingeleiteten Diskussion übersendet uns Herr Ferdinand Bernstein, Vorsitzender der holländischen zionistischen Landesorganisation den folgenden Artikel. Die Ausführungen Bernsteins, eines ausgezeichneten Kenners des Organisationsproblems, werden sicherlich allgemeines Interesse finden. 1. Die Redaktion der. „Stimme“ hat sich der dankenswerten Aufgabe unterzogen, die Aufmerksamkeit auf die lebensgefährliche Situation hinzulenken, die für den Zionismus durch den organisatorischen Chaos in der zionistischen Weltorganisation entstanden ist. Erfreulicherweise hat auch die Exekutive zu Dr. Grünbaums Artikel Stellung genommen. Diese uns angenehme Feststellung muß eine peinliohe, aber leider sehr wichtige Einschränkung erfahren. Eigentlich hat sich nicht so sehr die Exekutive als vielmehr der Herr Sekretär des Organisationsdepartements zu dem Artikel geäußert. Bedauerlicherweise ist das ein großer Unterschied. Und es ist notwendig, auf ihn hinzuweisen. Es hilft nichts, daß wir uns in Klagen über das Sehekelwahlunrecht und die Territorialkriege zwischen zionistischen Marxisten und Faschisten ergehen, wenn wir nicht zunächst Klarheit darüber schaffen, daß sich in Wirklichkeit nie eine Exekutive mit Organisationsfragen ernsthaft befaßt hat und daß es auch die jetzige nieht tut. Alles, was Herr Dr. Lauterbach darüber schreibt, ist eine Fiktion, ihm selbst gewiß ebenso schmerzlich wie lins. Es ist Herr Dr. Lauterbach, der mit allen möglichen, zwar unzulänglichen, aber immerhin konstruktiven Vorschlägen zti den Kongressen gekommen ist, aber nioht die Exekutive. Oft stand noch nicht einmal der Chef des Departements hintor den Vorschlägen des Sekretärs. Keine Exekutive hat sich je um das Schicksal der Vorschläge gekümmert und sie immer in aller Gemütsruhe in den Kommissionen abwürgen lassen. Alle Vorschläge, mit denen Herr Doktor Lauterbach zum Kongreß kommt, können gut oder schlecht sein, und ihre Behandlung kann nach Durchführung einer Kongreßreform leichter oder schwieriger geworden sein (das letztere ist auch möglich!), aber es wird keine Reorganisation der Organisation und keine Ordnung im Chaos und keine Befriedung im Parteienkriog geben, wenn nioht eine Exekutive iij. ihrer Gänze für oine Reorganisation eintritt und ihre Existenz mit ihrer Annahme u n d ihrer Durchführung verbindet. Das unfreundliche Wort muß heraus; Die Auffassungen des Herrn Dr, Lauterbach kennen wir. Es hat keinen Zweck, zu ihnen Stellung zu nehmen. Wir müssen die Auffassungen der Exekutive kennenlernen. Wir wollen vvisson, was Herr Locker und Herr Izdmk Grünbaum und Herr Ben Gurion zur Sanierung der organisatorischen Lage zu tun gedenken. Wir wollen wissen, wie die Exekutivemitglieder der Linken ihre Freunde Von F. Bernstein, Rotterdam in den Kommissionen zu instruieren geden ken, wenn die Vorschläge des Herrn Doktor Lauterbach zur Beratung kommen. Wir wollen auch wissen, wie sich Herr Dr. Weiz mann zu diesen Fragen verhält. De facto leitet er die Organisation und er beabsichtigt, sie wieder in aller Form zu leiten. Wir müssen wissen, ob er bereit ist, sich für eine Organisationsreform einzusetzen, und wenn ja, für was für eine. . Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist die Bagatelliaierung der Gefahr. Auoh nun erklärt Herr Dr. Lauterbach wieder, daß ein übertriebener Pessimismus nicht am Platze ist. Nun ist natürlich alles, was man übertreibt, nicht am Platze. Ich frage mich jedoch, wie es nach Ansicht des Herrn Dr. Lauterbach in der Organisation aussehen müßte, ehe er den Zustand für be unruhigend hält. Wenn es so weit gekommen ist, daß der innere Krieg, der buch stäbliche Krieg mit Waffengewalt und Blutvergießen nur noch durch fremde Polizei verhindert wird (und das gilt für Palästina ebenso gut wie für Polen), dann weiß ich nicht, wie weit es eigentlich noch kommen muß, ehe die Exekutive den Zustand für alarmierend hält. Einer der Gründe, warum die Stimme all derer, die beizeiten eine Organisationsreform verlangt haben, unerhört verhallt ist, liegt in dem fortwähren den Bemühen der Exekutive, den Zustand zwar als reformbedürftig, aber keineswegs als bedrohlich darzustellen, und allen entgegenzutreten, die auf die Bedrohlichkeit aufmerksam machen. Die Kräfte und Interessen, die sich einer Reorganisation entgegenstemmen, sind wahrlich mächtig genug im Zionismus. Wenn die Überzeugung nicht in alle Verzweigungen der Bewegung durchdringt, daß es eine wirkliche, konkrete Lebensgefahr für den Zionismus und damit auch für die Interessen derer bedeutet, die sich an dem jetzigen chaotischen Zustand festklammern, die Dingo zu lassen, wie sie sind, werden wir keine OrganisÄtionsreform erleben. Das muß von vornherein deutlich sein.' 2- Ich möchte meine persönliche Meinung dahin äußern, daß es mir nicht zweckmäßig erscheint, allzu viel Nachdruck auf die Notwendigkeit einer Kongreßreform zu legen und sie der Wichtigkeit nach mit der Organisationsreform gleichzustellen. Ohne Zweifel ist auch eine Kongreßreform erwünscht, aber erstens würde sich oin großer Teil der Übel, unter denen unsere Kongresse leiden, von selbst beheben, wenu eine Organisationsreform zustande käme, und zweitens Ist die Gefahr groß, daß man sich auf eine -Kongreßreform wirft, um der Organisationsreform auf diese Weise das Genick zu brechen. Wahrscheinlich würden Vorschläge, die darauf hinzielen, die Öffentlichkeit bei den Kongreßdebatten auszuschließen und dem Kongreß einen Teil seines Beschlußrechtes hen, in den führenden Kreisen der Bewegung genug Beifall finden. Man könnte sich dann in der Debatte noch hemmungsloser beschimpfen und den kontrollierenden Einfluß der Bewegung noch definitiver ausschalten? als es nun faktisch schon der Fall ist. Mit Recht weist Dr. Grünbaum auf die lächerliche Erscheinung hin, daß sich di© Kongresse einer wahren Orgie der Beschluß* fassung hingeben, daß aber die gefaßten Be« schlösse zum großen, wenn nicht zum größ-i ton Teil unausgeführt bleiben. In Wirkliche keit befaßt sich also der Kongreß zwar mit tausend Detailfragen, aber er entscheidet sie gar nicht. Es ist allerdings ein Übelstand, daß die neue Exekutive am Ende des Kongresses gewählt wird, und somit die Generaldebatte einen willkommenen Vorwand bietet, wo-* chenlang über die Zusammenstellung der neuen Exekutive zu verhandeln und viel-* leicht könnte man versuchen, hierin Wandel zu sohaffen, aber das Wesentliche ist (lies nicht. Denn die Abstimmung vor leeren Sälen hat nicht die große Bedeutung, die ihr zugeschrieben wird, da sich ja die Par-, teien schon bei den Unterhandlungen über die Zusammenstellung der Exekutive in den wichtigsten oder als wichtig betrachteten Fragen festlegen. Die Abstimmung ist im großen und ganzen nur ein öffentliches Schauspiel. An den Kongreß als Demonstrationstrlbühne glaube ich nicht, denn ich weiß nicht, was da demonstriert werden soll. Den Umfang der Judenfrage kennt man; in der Etv klärung ihrer Ursachen herrscht keine Einheitlichkeit, und wir können am Kongreß doch nioht gegen die Linke polemisieren, dio in der Judenfrage eine rein wirtschaftlich© Angelegenheit sieht. Wir können daher auch nioht demonstrieren, wie wir sie lösen! wollen, denn auch darüber besteht keine Einheitlichkeit, da es bekanntlich keineswegs feststeht, was der Zionismus als solcher in Palästina will. Gelingt es, durch eine Organisationsreform den Zionismus einigermaßen zu befrieden., dann braucht uns vor der öffentlichen Dej batte nicht bang zu sein, und die Arbeits-> und Beschlußfähigkeit des Kongresses hängt vor allem von einer richtigen Vorbereitung der Entscheidungen ab, die dem Kongreß vorgelegt werden. Die ist aber nur möglich, wenn wir das Verhältnis zwischen Exekutive und Organisation anders gestalten, als es jetzt ist. Ich habe mich in der Hochkonjunktur des Faschismus jedem Liebäugeln mit faschistischen Methoden im Zionismus widersetzt, ebenso wie ich einer sinnlosen Überspannung dos demokratischen Prinzips von jo entgegen getreten bin. Unsero Methoden sollen nicht auf der Assimilation an die politischen Moden der Umwelt beruhen, sondern aus unseren eigenen Erfordernissen abgeleitet werden. Eine auf Freiwilligkeit beruhende Organisation wie die unsere erfordert oine so starke Einbeziehung der Bewegung in die Entzugunsteu des Aktionskomitees zu entzie-1 Scheidung der wichtigsten Angelegenheiten,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.