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Die Stimme · 1934-08-10 · Heft 377 (10.8.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 377 (10.8.1934)
Date
1934-08-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 5 DIE STIMME Nr. 67 — 10. ÄitfnH IWtt mlngers Gaststätten am Praterstern Nach dem 30. Juni hat man in aller Welt viel darüber gesprochen. daß die uugahliehea Verschwörer ohne jede,- gerichtliche Verfahren hingerichtef worden sind und man hat dies einfach als Mord bezeichnet. Aber es ist doch nicht der geringste Unterschnnl zwischen dieser sumnrisehen Schlächterei und dem Einsperren in die Konzentrationslager. Seit, fast anderthalb Jahren sind viele Zehntausende hinter Stucheldraht und werden dort ohne Urteil, ohne richterlichen Auftrag festgehalten. Hat inan bei so und so vielen von ihnen wenigstens den Vorwand, daß sie als Marxisten. Kommunisten, Demokraten, Nationale dem System gefährlich scheinen, so entfällt selbst diese Ausrede bezüglich '1er Personen, die nur darum in ..Schutzhaft“ gehalten werden, weil sie Juden sind. Sie sind Quälereien ausgeliefert, die man kaum in der asiatischen Steppe kennt, wehrlose, zum Wahnsinn getriebene Opfer einer Bande von Ncanderthalern, einer Bande von machtbesessenen Kreaturen. Das Ausland hat viel Mitgefühl für diese Ärmsten der Armen aufgebracht; Mitgefühl, nicht mehr. Zwar hat es, insbesondere in Frankreich, viele Politiker gegeben, die c-ingesehen und öffentlich ausgesprochen haben, daß das Schicksal dieser Juden anzeigt, welches Los den Völkern droht, die von den Scharen Hitlers besiegt würden. Aber die mehr als merkwürdige Haltung der englischen Regierung hat bis heute die sakrosankte Nichteinmischung in innere Angelegenheiten zur Grundlage der europäischen Politik gegenüber Deutschland gemacht, wie überhaupt gerade England dem Hitler außenpolitisch die Stange hält. Das Schicksal der Juden Deutschlands wird immer schlechter. Vielleicht ist das mit dem Verfall des Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen. Das Dritte Reich kämpft tatsächlich atemlos gegen seine Krise. Es ist verachtet, verabscheut und gefürchtet, so etwa wie eine Raubtierfamilie im Käfig, dessen Eisenstangen immer wieder auf ihre Festigkeit geprüft werden. Alles bramarbasieren der Hitler- Paladine hilft ihnen nicht darüber hinweg, daß sie vor denn Krieg mit dem General Hunger stehen, der mit Reden und Konzentrationslagern nicht zu gewinnen ist. Sie haben betrogen, gelogen und gemordet: Die Abrechnung kommt. Und wie die Hyäne, wenn sie erwischt wird, rasch noch ihrem Opfer die Kehle diirchbeißt, so organisieren die germanischen Gangster noch eine Kampagne gegen die Juden. Die Juden haben keine Waffen und die Welt bietet ihnen nur Sympathien. Sonst nichts. 1@ Exzess® Ist der Türkei Antisemitische Artikel in RumSnleii verboten Bukarest, 7. August (Z. T. A.) Die antisemitische Pressehetze, die in letzter Zeit mit besonderer Intensität betrieben wurde, soll nunmehr durch energische Maßnahmen unterbunden werden. Die Zensurbehörde gibt eine Reihe von Themen bekannt, über die Artikel in den Zeitungen nicht erscheinen dürfen. So wird es in Zukunft verboten sein, Artikel zu veröffentlichen, in denen die Tätigkeit und das Programm „extremer Bewegungen“ in günstigem Lichte dargestollt wird. Außerdem heißt es ausdrücklich, daß keine Artikel erscheinen dürfen, die zum Klassenu n d Bass e n h a ß a u f r e i z e n. Palästinaabteilung '■x-ro'wo London, (>. August. (Z. T. A.) „Near East and Imlia“, das Organ des englischen Kolouialamt«?, äußert sich folgendermaßen über die jüngsten durch antisemitische Hetze hervorgerufenen Un ruhen in der Türkei: ..Die Erklärung, die die Regierung veröffentlicht luit, nachdem Innenminister S c h u k r ii K a ja Be y seinen Bericht über die von ihm in TJirazien diirchgefiihrte Untersuchung vorgelegt hatte, ist ein Dokument, das sowohl durch den Geist, in dem es abgefaßt ist. als auch im Hinblick auf Bedeutung, die es für die Zukunft des türkischen Judentums haben kann, bemerkenswert ist. Selten hat eine Regierung bedauerliche Vorfälle, wie sie sieh vor kurzem in dieser Provinz ereignet haben, s o u mfassend und aufrichtig dargelegt, und so sind denn auch die Juden der Ansicht, daß dieses Dokument den Stempel der persönlichen Einflußnahme des Ghasi trägt. Die Erklärung betont die Tatsache, daß in der Öffentlichkeit seit Mitte Juni Gerüchte verbreitet wurden, die Regierung wünsche die Entfernung der in Thrazien ansässigen Juden, sie ziehe es aber vor, daß diese Bewegung nicht offen geführt werde, sondern durch Intrigen u n d D r a n gs a 1 i e r h n g e n, Es folgt eine kurze, aber genaue Beschreibung der Vorfälle, die dazu geführt haben, daß von den 13.000 thrazisohen Juden 3000 genötigt waren, ihre Heimstätten zu verlassen. ..Zur Bewältigung der Lage", so heißt es in dem Bericht, „wurden die Beamten von jeglichem Einfluß jeder wie immer gearteten Propaganda freigemacht und so befähigt, die Situation wirklich beherrschen zu können. Administrative und gerichtliche Schritte wurden gegen jene Beamte unternommen, deren Tätigkeit während der Ereignisse unzulänglich war, oder die sich gegenüber den Exzedenten zu nachsichtig gezeigt haben.“ Gegen die Urheber der Vorfälle in Kirklareli, wo Juden angegriffen und 65 jüdische Häuser geplündert wurden, wird mit größter Strenge vorgegangen. Die Regierung erklärt, daß fcie sich jedem Druck, Einwohner zum Fortziehen zu zwingen, und Boykottbewegungen, aus welchem Grund und in welcher Form immer geführt, entgegenstellen wird. Alle vor die Gerichte j gebrachten Fälle von Angriffen werden bpj schleunigt abgeurteilt werden. Widerstand gegen d j e Rückkehr der f o r t. gezogenen Juden wird nicht zugelassen worden, und. die Regierung wird es nicht erlauben, daß »gegen irgend einen Bürger Provokationen und feindliche Akte verübt werden. Von allergößter Bedeutung ist die Ankündigung, daß eine Untersuchung gegen die Distriktskomitees durchgeführt wird, und daß die Volks partei Maßnahmen gegen alle diejenigen treffen wird, die ihre Stellung mißbraucht haben. Gerüchtweise verlautet, daß die antisemitischen Ausschreitungen, noch bevor sie in Thrazien begonnen haben, in B r u s 8 a zum Ausbruch gekommen wären, wenn nicht der dortige Gouverneur dank seiner Energie und Geschicklichkeit die Unruhen im Keim erstickt hätte.“ Palästina ■ Zertifikate für Juden aus Thrazien Wie „Poar Hnyom“ erfährt, hat die Jewish Agency beschlossen, angesichts der letzten Vorkommnisse in Thrazien 40 Einwanderungszertifikate für t. ii r k i s c h 0 .Jude n zu verwenden. August. (Z. T. A.) berichtet, daß sich Konstantinopel, ß. Aus Smyr n a wird dort in den letzten Tagen eine verstärkte judenfeindliche Propaganda bemerkbar gemacht hat, die zu einer Anzahl kleinerer Zwischenfälle führte. Die Gründe für die Bewegung sollen im wirtschaftlichen K onkurren z k a in p f liegen. Der Konstantinopeler Korrespondent des „Daily Telegraph“ hat Mitteilungen über angebliche a n t i t ü r k i s c h e Kim clg'eb ungen auf der Tnsel Rhodos im Aegäischen Meer erhalten. Italiener und Juden e o 11 e n Steine gegen das türkische Konsulat geworfen haben. In gewissen türkischen 'Kreisen wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß dierse Vorfälle zu einem Wiederaufflammen der antisemitischen Bewegung in der Türkei führen könnten. Demgegenüber ist darauf hinzuweisen, daß die türkischen Behörden ihre Entschlossenheit kundgetan haben, antisemitische Hetze und Ausschreitungen im Lande nicht zu dulden. Der Pogrouw in Constanfisi® (VoFlsetzung von Sotto 1, Spulte .'!) Am Montag drangen die Araber in das Juden vierte) ein, pjündprten zahlreiche Geschäfte, zündeten mehrere Häuser an und gingen gegen die Juden tätlich vor. Sephs Jüdinnen und fünf Juden wurden schwer verletzt. In der Gegend voij Canrobert kam es ebenfalls zu einem Aufstand der Einwohner gegen die Juden, der jedoch einen Weniger schweren Charakter annahm. Am Dienstag konnte dort die Ruhe wieder hergestellt werden. ★ der der den Die Haltung der Truppen während Unruhen hat scharfe Proteste algerischen Presse aus-gelöst. Nach Darstellungen der Blätter hat das Militär die Ausschreitungen gegen die Juden stillschweigend 'geduldet. So wird berichtet, daß mehrere Lastwagen mit Militär die Hauptstraße der Stadt durchfuhren, als gerade jüdische Geschäfte in Brand gesteckt und die Familien der Besitzer getütet wurden. Die Soldaten hätten sich das Schauspiel sehr interessiert angesehen und seien dann weitergefahren, ohne einzugreifen. Die „Döpeehe Algerienne“ schreibt, die Plünderer hätten ihre Arbeit straflos unter den Augen der Truppen verrichten können. Alles habe sich so abgespielt, als ob die Hiiter der Ordnung nur als Zeugen aufgestellt gewesen wären. (Diese durch die d e u t s c h o Presse wiedergegebenen Meldungen sind mit nur großer Reserve auf zunehmend WS Bestrenoramierfe K ü c 1) e Reichhaltige Meniis äS 1*90u.2'60 SdiwediatprBrüu II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Telephon A 41-0725 Gisela Blauer Internationale Transporte Wien, II«, Taboriiriße Telephon R 48-5-10, R 49-5-70 Serie aa Spezial -Warentranspqrte, Übersiedlungen, Vorpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäck ver" Sicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Eine (schmerzliche, lierz-zcreißendc Kun do verhetzt uns in tiefste Trauer. Gisela Blauer, unsere junge, tapfere Mitkämpferin ist nicht mehr. Eine liebliche, einzigartige jüdische Erscheinung scheidet mit ihr allzufrüh aus den Reihen unserer Bewegung. Die Organisation zionistischer Frauen Österreichs, die „Wizo“, beklagt in der in fiep Blüte ihrer Jahre so plötzlich Dahingeschiedenen eine ihrer treuesten und aufop fe r u ngs v 011 ste n Mitarbeiterinnen. Überall, wo es galt die Idee unserer Föderation zu verbreiten und für ihre Ziele zu wirken, war Gisela Blauer zur Steile, | Unermüdlich leitete und stützte sie in j allen Wiener Bezirken dep Aufbau der Or-I ganisation und so manche Gruppe verdankt ihrer Initiative und Ausdauer das Entstehen.! Eine ihrer fruchtbarsten Ideen war die neue Anhänger und Freunde zu gewinnen. Angliederung der „Wizo“ an die K. K. L. ■ Der zionistische Landesverband betrauert „Phönix“ Abteilung, ein Arbeitsgebiet, dom in der so früh Dahingeschiedenen eine ersie bis zu ihrem Ableben erfolgreich vor-; gebene Mitarbeiterin, deren Andenken stets gestanden ist. , in Ehren gehalten werden wird. Ihrem Gat- Seit der Gründung der „Wizo“ gehörte ten, unserem Gg. Dr. Nahum Blauer, seinem Gisela Blauer der Leitung an, und .schwor .Sohn und den anderen Hinterbliebenen wenwird man die klaffende Lücke schließen Jet sich die allgemeine Anteilnahme weiter können, welcho ihr Heimgang in unseren jüdischer Kreise zu. Kreis gerissen hat. Trotz ihrer Jugend war ihr Wort, ihr von tiefem Ernst beseelter Gedankengang des öfteren bei unseren Beratungen ausschlaggebend. Noch glauben ihre von wahrer Reden zu hören! Schmerzerfüllt Angehörigen und Wien. wir ihre gütige Stimme, Begeisterung getragenen trauern wir mit ihren mit uns das zionistische Ottilie Gröbl. Gisela Blauer zum Gedenken Der unerwartete Tod unserer in der Blüte ihrer Jahre verschiedenen Gg. Gisela Blauer löst in den Wiener zionistischen Kreisen allgemeine Trauer aus. Frau Gisela Blauer In Würdigung ihrer ausgezeichneten Leiw^r immer zur .Stelle, wenn es galt, zionistnngen und propagandistischen Begabung .stisehe Arbeit zu leisten. Insbesondere der wurde ihr von t)en Frauen der „Wizo“ wiederholt das Mandat einer Delegierten zu den Welt-Wizo-Konferenzon und in die zionistischen Körperschaften der Landosorganisation anvertraut. In ständigem Kontakt mit führenden Persönlichkeiten unserer zionistischen Bewegung wuchs ihr angeborenes Führertalent zur Höhe einer vorildliehen „Pionierjn und Helferin“, Neue Hilfsquellen und zahllose Menschen gewann Gisela Blauer der jüdischen Frauenbewegung durch den Erpst ihrer Bemühungen und den Charme ihrer faszinierenden Per-, aün|ichkeiL 1 Kerep Kajometh verliert in ihr eine treue Mitarbeiterin, ln der Wizo spielte Gisela Blauer eine führende Rolle. Trotz ihrer angestrengten Arbeit in der Wizo fand sie noch immer Zeit, ihre Tätigkeit dem zionistischen Landesverband für Österreich zu widmen. .Sie war eine fleißige Agitatorin bei allen Kougreßwahlun und bei den Wahlen in die Kultusgeineinde und nahm an vielen Delegicrtenversammlungen und Landeskonferenzen als Delegierte der Wizo teil. Bio beschränkte sich jedoch nicht nur darauf, selbst zionistische Arbeit zu leisten,: sondern .war immer bemüht, dem Zionismus | Das Begräbnis Mittwoch, den 8. d„ fand dap Begräbnis unserer am Montag verstorbenen Gesinmingsgepossin, Frau Gisela Blauer, statt. Die Gebete verrichtete Herr Ohcrkantor . Fischer. Da die Hinterbliebenen ersucht hatten, von Gedenkreden Abstand zu nehmen, hielt nur Herr Oberrabbiner Uv. Ua- , vid Feuchtwang einen kurzen Nachruf. Er; pries die Verstorbene als eine wackere jii- ■ (Jisciie Frau, die es verstanden habe, die Tätigkeit im Familienkreise mit einer erfolgreichen Tätigkeit für den Zionismus und das jüdische Volk zu verbinden. Er rief die zahlreichen Trauergästu, insbesondere die Frauen als Zeugen für dio hervorragenden Charaktereigenschaften und ausgezeichnete zionistische Tätigkeit der Dahiugeschiedeuen auf und spendete der trauernden Familie Trost. Zum Begräbnis hatten sich u, a. eingofnnden: der Präsident der Kultusgemeincle, Dr. Friedjuann mit Regiprungsrat Flicht gelb; der Präsident des Zionistischen Landesverbandes, Du Oskar Grünbauin; die Vizeprä-sidentin der Wjzo, Frau Sabine Fußweg, zahlreich!) Kidtusvorstolmr und Zionisten und Ziouistiuneu aus allen Wiener Bezirken. Insbesondere dm Wizo war durch zahlreiche Mitglieder vortrntun. piß große Beteiligung beim Begräbnis war ein Beweis der großen Wertschätzung, deren sich die Verstorbene erfreute,

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